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Dienstag den 20. Januar.

Gietzener Anzeiger.

Beilage zu Rr. 16. - 1891.

Feuilleton.

Justus von Liebig.

Eigenhändige biographische Auszeichnungen*).

Mein Vater, der einen Handel mit Farbwaaren hatte, beschäftigte sich häufig damit, manche von den Farben, die er in seinem Geschäfte führte, selbst zu machen, und er hatte sich dazu ein kleines Laboratorium angelegt, zu welchem ich Zu­tritt hatte, da ich zuweilen die Gunst genoß, ihm als Hand­langer zu dienen.

Seine Versuche machte er nach Vorschriften in chemischen Werken, welche aus der reichen Hofbibliothek mit großer Liberalität leihweise an die Bewohner Darmstadts abgegeben wurden.

Das lebhafte Interesse, das rch an den Arbeiten meines Vaters nahm, führte mich von selbst aus das Lesen der Bücher, die ihn in seinen Versuchen leiteten, und es ent­wickelte sich allmählich in mir eine solche Leidenschaft für diese Bücher, daß ich gegen alles Andere, was sonst Kinder anzieht, wie abgestumpft wurde.

Da ich mir nicht nehmen ließ, die Bücher in der Hos- bibliothek selbst zu holen, so wurde ich mit dem Bibliothekar Heß bekannt, der sich mit Botanik mit Erfolg beschäftigte, und da er an dem kleinen Burschen Gefallen fand, so bekam ich durch ihn alle Bücher, die ich nur haben mochte, für meinen eigenen Gebrauch,- das Lesen der Bücher ging natür-

) In ben sechziger Jahren hatte mein Vater, Justus Freiherr von Liebig, biographische Aufzeichnungen gemacht, welche dann oet Sette g-legt wurden- Als er ater später wieder darauf zurückkommen wollte, fonnien sie nicht mehr aufgefunden werden, und er unterließ die Fortsetzung. -Den vorliegenden Tbetl dieser Aufzeichnungen habe ich vor kurzem unter anderen Manuscripten von der Hand meines Paters gelunden, sie geben ein vollständiges Bild von dem Wege seiner geistigen Ausbildung und von der Entwickelung seiner wissen­schaftlichen Thättgteit. Dr. Georg Freiherr von Liebig, München-Reichenhall.

lich ohne irgend eine Ordnung vor sich; ich las die Bücher, wie sie eben auf den Brettern aufgestellt waren, von unten nach oben, von rechts nach links war mir ganz gleichgiltig; für ihren Inhalt war mein vierzehnjähriger Kopf rote der Magen eines Straußes, und es sanden darin die zroeiund- dreißig Bände von Macquers chemischem Wörterbuch, der Triumphwagen des Antimonii von Basilius Valentinus, Stahls phlogistische Chemie, Tausende von Aufsätzen und Abhandlungen in Göttlings und Gehlens Zeitschriften, die Werke von Kirwan, Cavendish 2c. ganz gemüthlich Platz nebeneinander.

Ich bin ganz gewiß, daß diese Art zu lesen mir in Be­ziehung auf den Erwerb von positiven Kenntnisien keinen be­sonderen Nutzen brachte, allein es entwickelte in mir die An­lage, welche den Chemikern mehr als anderen Naturforschern eigen ist, nämlich in Erscheinungen zu denken- es ist nicht ganz leicht, eine klare Vorstellung Jemanden davon zu geben, der das, was er sieht oder hört, in seiner Phantasie nicht bildlich wieder gestalten kann, wie dies z. D. bei dem Dichter und Künstler geschieht- am nächsten grenzt daran das eigen- thümliche Vermögen des Tondichters, der beim Componiren in Tönen denkt, welche ebenso gesetzlich zusammenhängen, wie die logisch geordneten Begriffe in einem Schluß oder einer Reihe von Schlüssen; es ist bei dem Chemiker eine Form des Denkens, bei welcher alle Gedanken sich sinnlich wahrnehmbar machen lasten, wie der Ton in einem gedachten Tonstücke. Diese Denkform findet sich z. B. bei Faraday im eminentesten Grade entwickelt, woher es kommt, daß feine wissenschaftlichen Arbeiten Dem, welcher diese Art des Denkens nicht kennt, dürr und trocken, und als eine zusammengehäkelte Reihe von Versuchen erscheinen, während sein mündlicher Vortrag, wenn er unterrichtet oder erklärt, geistreich, elegant und von bewun­derungswürdiger Klarheit ist.

Die Anlage, in Erscheinungen zu denken, kann sich natür­lich nur ausbilden, wenn die Sinne fortwährend geübt werden, und bei mir geschah dies, indem ich alle Versuche, deren Be­

schreibung ich in den Büchern las, soweit eben meine Mittel reichten, zu reproduciren suchte- diese Mittel waren sehr be­schränkt und so kam es denn, daß ich, um meine Neigung zu befriedigen, die Versuche, die ich eben machen konnte, unzählige Male wiederholte, bis ich an dem Vorgänge nichts Neuer mehr sah, oder bis ich die Erscheinung, die sich darbot, nach allen Seiten hin genau kannte. Die natürliche Folge davon war die Entwickelung eines Gedächtnisses der Sinne, nament­lich des Gesichts, eine scharfe Auffassung der Aehnlichkeit ober Verschiedenheit eines Dinges oder einer Erscheinung, welche mir später sehr zu Statten kam.

Man wird dies leicht verstehen, wenn man sich z. B. einen weißen oder gefärbten Niederschlag vorstellt, der durch Zusammenbringen zweier Flüssigkeiten entsteht - er bildet sich sogleich oder erst nach einiger Zeit, er ist wolkig oder von käsiger oder gelantinöser Beschaffenheit, sandig, crystallinisch, matt, glänzend, er setzt sich leicht oder langsam ab 2c., oder wenn er gefärbt ist, so hat er einen gewissen Farbenton - unter den unzähligen weißen Niederschlägen hat jeder etwas ihm Eigenes, und wenn man in dieser Art von Erscheinungen einige Uebung hat, so weckt in einer Untersuchung das, was man sieht, sogleich die Erinnerung an das, was man gesehen hat. Was das Gesichts- ober Augengebächtniß betrifft, s» wird man an folgendem Beispiel erkennen, was ich da­runter meine.

In unserer gemeinschaftlichen Untersuchung über die Harn­säure schickte mir Wöhler eines Tages einen crystallinischen Körper zu, den er durch Einwirkung von Bleisuperoxyd auf diese Säure erhalten hatte- ich schrieb ihm unmittelbar darauf und zwar sehr erfreut und ohne den Körper analysirt zu haben, daß es Allantoin sei- ich hatte sieben Jahre vorher diesen Körper in Händen gehabt, er war mir von Chr. Gmelin zur Untersuchung zugeschickt worden und ich hatte eine Analyse desselben in Poggendorfs Annalen veröffentlicht- seit dieser Zeit hatte ich ihn nicht wieder gesehen.

(Fortsetzung folgt.)

Bekanntmachung

veranschlagt zu

in

Das Bürgermeisteramt.

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201

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Krofdorf, am 17. Januar 1891

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rother Farbe, gänzlich gefahr- und geruchlos brennend,

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Montag den 2 Februar 1891,

Nachmittags 3 Uhr,

soll auf dem hiesi gen OrtSgericht die dem Marti« Schmidt in Gießen gehörige Hosraithe:

W 1 Nr. 797 - 37 Meter in der Schloßgaffe

öffentlich meistbietend versteigert werden.

der stattgehabten richtigen Eintragung gewährt werden.

Da diese Einrichtung und das dem Publikum durch dieselbe gebotene Mittel zu seiner Sicherstellung immer noch nicht genügend bekannt zu sein scheint, so wird auf das Bestehen derselben besonders aufmerksam gemacht.

Darmstadt, im Januar 1891.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

Clavel.

Voranschläge, Pläne und Be­dingungen liegen bei Großh. Bürger­meisterei Geilshausen zur Einsicht offen.

Gießen, am 16. Januar 1891. Der Kreisingenieur:

Vergebung von Bauarbeiten.

Die zur Erbauung eine» Schul- Hanses zu Gellshausen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen am Freitag den 28. Januar l. IS., Vormittags 9 Uhr, im Gemeindehaus daselbst im Wege mündlichen Abgebot» vergeben werden, und zwar:

Gießen, 22. Drcember 189«'.

Großh. OrtSgericht Gießen.

I. «.: Vogt.

Jeilgeöoterres.

Täglich frische Kttppklu, Wenbrehelu empfiehlt

Karl Germann,

von dem studentischen Corporationsleben zu schaffen Ein wesentlicher Vorzug des Kalenders ist die Angabe der Garnisonen, welche sich in den einzelnen Untverstläten befinden.____________________________600

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krystallhell, gänzlich gefahr- und geruchlos

Die Landbriesträger führen auf ihren Bestellgängen Bücher mit sich, welche zur Eintragung der ihnen vom Publikum zur Beförderung nach der nächsten Postanstalt übergebenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreib­sendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen .... - , - . -

bestimmt find und zur größeren Sicherheit für die richtige und rechtzeitige I Ah! Vr ^Akademische Tafchen- Ablieferung dieser Gegenstände dienen. Will der Absender die Eintragung ! Kalender" dar. Wiederum ist die Ver- selbst bewirken, so hat der Landbriesträger demselben das Buch vorzulegen., lagshandlung bestrebt gewesen, das Ma- Bei Eintragung der Gegenstandes seitens beä Landbriesträger- muß dem Absender auf Verlangen durch Vorlegen des Buches die Ueberzeugung von

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Dienstag den 20. d. 9)1., Pünktlich S Uhr Abends:

Professor Holtzmann:

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