Centralstelle für das Gewerbe. Der Director der Schule, Dr. Meisel, ermahnte die Schüler zu Fleiß und Ausdauer und gab einen kurzen Bericht über die Lehrziele der Anstalt, woraus mit dein Unterricht sofort begonnen wurde. Die Schülerzahl beträgt vorerst 18.
Offenbach, 13. November. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten Versammlung theilte der Vorsitzende mit, daß ihm im Anschluß an die frühere, der Stadtverortzneten-Ver- sammlung mitgetheilte Verfügung vom Großh. Kreisamt eine weitere Verfügung zugegangen sei, in der ihm als Ortspolizeibehörde aufgegeben werde, keine Erlaubniß zuv Feuerbestattung zu ertheilen und jeden Versuch derselben mit den zulässigen Zwangsmitteln zu verhindern. Außerdem habe er sich in dieser Angelegenheit an den Herrn Staatsminister Finger gewandt und habe aus einem nichtamtlichen Schreiben desselben sich überzeugen müssen, daß die Einführung der Feuerbestattung gegen den Willen der Regierung unmöglich sei.
Bingen, 16. November. In Büdesheim, hiesigen Kreises, wurde gestern die „Martinskerb" gefeiert. Dem Weine, altem wie neuem, wurde im Wirthshause stark zugesprochen und zum Schluß gab es Streit, der sich auf der Straße sortsetzte. Em junger Mann aus Büdesheim erhielt dabei zwei Schüsse in den Unterleib. Das hiesige Amtsgericht und die Amtsanwaltschaft haben sich heute früh zur Untersuchung in den Nachbarort begeben.
vermischtes
Frankfurt a. M., 16. November. Der Messinggießer Bechthold in Praunheim ist überführt worden, falsche Einmarkstücke angefertigt und durch seine Frau hier und in Bockenheim verausgabt zu haben. Beide Eheleute wurden gestern Vormittag in das hiesige Untersuchungsgefängniß eingeliesert. Die angefertigten Falsifikate tragen die Jahreszahl 1875, fühlen sich fettig an und haben einen matten Klang.
* Berlin, 17. November. Ueber die Lebens ge wo hn- heiten der Gebrüder Sommerfeld bringt der Pariser „Figaro" einen B . . . unterzeichneten Berliner Brief, der bei vielem Falschen und Uebertriebenen manches Richtige enthält. Einiges daraus dürfte auch in Deutschland interessiren Es heißt in dem Boulevardblatte: „Sigismund Sommerfeld war der am besten gekleidete Mann von Berlin. Obwohl alle Geschäfte auf ihm ruhten, sand er doch Zeit, täglich drei Mal den Anzug zu wechseln. Die Farbe und die Verschlingung der Cravatten, die Fayon seines Jaquets, der Schnitt seiner Beinkleider waren Gesetz für die Stutzer der deutschen Reichshauptstadt. Wenn man ihn nach seinem Schneider fragte, so erwiderte er, daß er einen eigenen Wiener Schneider besitze, der verpflichtet sei, nur für das Haus Sommerfeld zu arbeiten. Felix war besonders wegen seines Tuches berühmt. Er hatte einen wahrhaften Cultus der Küche. Und selbstverständlich stand bei ihm, trotz seines deutschen Patriotismus (?), die französische Küche in Flor. Sein Tisch war durch die Erlesenheit des Menus, durch die königliche Pracht seiner Geschirre eine Curiosität Berlins. Viele Leute haben sich eine Sammlung seiner Menus angelegt, die oft Meisterwerke waren. Er durste wohl beanspruchen, den besten Tisch der Welt zu führen. Um die Geschäfte kümmerte er sich sehr wenig. Er verbrachte seine Zeit vorzugsweise damit, seine Küche zu überwachen, immer neue Gerichte und Schüsseln zu ersinnen, die seinen Koch, der wie ein Minister bezahlt wurde, in den Schatten stellten. Seine Monatdiners waren weit berühmt. Man erwartete sie mit derselben Spannung wie eine Premiere. Des Samstags empfing er gewöhnlich seine Freunde zum Diner. Als bestimmte drei- oder vierhundert Leute den Tod der Sommerfelds erfuhren, da riefen sie: „Wie schade! Man aß so gut in diesem Hause."
* Hamm, 16. November. Das hiesige Oberlandesgericht hat in einem Unheil gegen 13 Wirthe aus Dülmen entschieden, daß die Bierflaschen mit sogen. Patentverschluß als „sestverschlossen" im Sinne des Gesetzes anzusehen sind und deshalb dem Aichungszwange nicht unterliegen. Das Landgericht zu Münster war der gegenseitigen Ansicht gewesen.
* Neiffe, 14. November. Gestern Abend zwischen 7 und I
8 Uhr erschoß, der „Neiss. Ztg." zufolge, in der Kaserne VI 1
bet Bicefeldwebel Bartell von der 1. Compagnie des Pionier-Bataillons Nr. 6 seine Frau. Barrelt war ein pflichttreuer Soldat, der bei seinen Vorgesetzten gut angeschrieben und in letzter Zeil zur Aussicht der Fahrzeuge und deren Bedienungsmannschaften abcommandirt war. Die 23jährige, aus Neuland, Kreis Neisse, gebürtige Frau wurde Abends in der achten Stunde mit durchschossener Brust in ihrer Wohnung aufgefunden- ihre drei Kinder befanden sich in demselben Zimmer, das der Mörder, der die Flucht ergriffen hatte, abgeschlossen hatte. Aus das wiederholte Schreien der Kinder hatte der Hauptmann der 1. Compagnie, der den Vicefeldwebel Bartclt schon den ganzen Tag vermißt hatte, die Thüre zu der Wohnung erbrechen lassen. Ueber die Motive der Thal ist noch nichts bekannt.
* Memel, 13. November. Ein nach zwanzigjähriger Abwesenheit auf einer Besuchsreise nach Wilna befindlicher südamerikanischer Farmer Namens Jasinski wurde unweit Georgenburg ermordet ausgefunden. Sämmtliche Geldmittel, etwa fünftausend Rubel, sowie die goldene Uhr fehlten.
* Kaiserliches Jagdschloß in den Vogesen. Die von einigen Seiten angezweifelte Mittheilung von der Erstehung eines kaiserlichen Jagdschlosses in den Vogesen wird jetzt bestätigt und dahin ergänzt, daß das Schlößchen Gensburg in den Vogesen (unweit Westhofen), bisheriges Besitzthum einer Familie Nothinger, vor Kurzem vom Statthalter Fürst Hohenlohe zu dem ausgesprochenen Zwecke angekauft worden ist. Das Schlößchen wird in seiner äußeren Erscheinung unverändert bleiben, doch werden einige bauliche Umänderungen im Innern ausgeführt werden, um die Räume zur Ausnahme des Kaisers und seiner Gäste angemessen herzurichten.
* Die Sammelbüchse im Modellzimmer in der Nähe des Nationaldenkmals auf dem Niederwald ergab in der Zeit vom 10. September bis 1. November d. I. einen Betrag von 191.33 Mr. und im Laufe des ganzen Jahres 905 Mk., welcher zur Schmückung und Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz verwendet wird.
* Der Sohn eines Müllers in Erfurt hatte eine schlechte Censur mit nach Hause gebracht. Anstatt nun, wie es sich gehört hätte, den Jungen den Rohrstock kosten zu lassen, hat der Vater eine den betreffenden Lehrer beleidigende Bemerkung unter die Censur geschrieben. Er ist deshalb vom Schöffengericht zu 10 Mk. Geldstrafe verurtheill worden.
* Woher nehmen . . . „Lina, das Verhältniß mit Ihrem Dragoner dulde ich fernerhin nicht mehr!" — „Ja, Herr- jeses, Madame, mir wär ’n Husar ooch lieber; aber wo denn jleich einen hernehmen."
Universttäts - Nachrichten.
— Professor Hänel in Kiel wurde zum Rector der dortigen Universität ernannt.
— Unioersitätsbesuch. Bei bin 20 Universitäten des Deutschen Reiches und der Akademie zu Münster waren nach einer Zusammenstellung in Aschersohns „Unwersikats Kalender" im letzten Halbjahre insgesammt 28 513 Studirende eingeschrieben. Von diesen ftubirten im Verhältnisse die meisten, näml'ch 8916 Heilkunde, sodann 7202 Rechtswissenschaft, 4251 evangelische Theologie und 1301 katholische Theologie. 6845 Studirende waren bei den philosophischen Facultäten eingeschrieben. Der Summe der Mediciner sind noch etwa 250 Studirende der militärärztlichen Bildungsanstalten in Berlin hinzuzuzählen, welche, weil im Soldatenstande, nicht immatriculirt werden, den Übrigen Medicinstudtrenden aber gleich stehen. Die böchste Frequenz unter den einzelnen Universitäten hatte Berlin, wo 4611 Studirende immatriculirt waren. Es folgt München mit 3551; mehr als 3000 Studirende hatte außerdem nur noch Leipzig (3242). Die Universitäten, bei denen mehr als 1000 Studirende waren, reihen sich absteigend wie folgt an: Halle (1483), Würzburg (1422), Tübingen (1393), Bonn (1386), Breslau (1342), Heidelberg (1171), Freiburg (1138) und Erlangen (1078). Nahezu 1000 Hörer hatten Straßburg (917) und Marburg (852). Es folgten absteigend von den übrigen Universitäten Greifswald (834), Göllingen (831), Königsberg (717), Jena (645), Kiel (605), Gieß-n (562), die Akademie Münster (377) und Rostock (368). Für die 28 513 Studirenden waren 2445 Docenten bestellt, nämlich 1049 ordentliche, 532 außerordentliche Professoren, 60 Honorarprofessoren und Akademiker, 665 Prioat- docenten und 133 Sprachlehrer und Exercitienmeister.
verkehr, Land, unö VolkswirLhschaft.
— Die Versicherungs-Gesellschaft.Neptun* in Frankfurt a. M. cultiölrt bekanntlich zwei neue Versicherungsbrunchen, welche namentlich für die Hausbesitzer von großem Interesse sind. Einerseits versichert die Gesellschaft gegen Wasserleitungsschäden aller Art, andererseits schützt sie die Hausbesitzer gegen alle cioilrechtlichen
Haftoerbindlichkeiten wegen Körperverletzungen und — oder — Sachbeschädigungen, welche denselben nach Maßgabe der reichs- oder laudesgesetzlichen Bestimmungen obliegen. Die Ver stcherung gegen Wasserlettungsschäden hat sich rasch eingebürgert, da sie thatsächlich einem dringend gefühlten Bedürfnisse Abhilfe gewährt, und wer den letzten strengen Winter mit seinen zahlreichen Rohrbruch en und massenhaften Wasserschäden noch im Gcdächtniß hat, wird sicher nicht versäumen, bei Beginn dieses Winters sich gegen derartige (Salamitaten durch die Versicherung bei dem „Neptun" — der einzigen Gesellschaft in dieser Branche — rechtzeitig sicherzustellen.
, 3° gleicher Weise empfiehlt sich eine Versicherung der Haus
besitzer gegen die sie beständig bedrohenden Haftpflichtgefahren, heutzutage, infolge der aus der neueren socialpolitischen Gesetzgebung resultirenden Rechtsprechung, der Hausbesitzer auf (Schadenersatz in Anspruch genommen wird, wenn irgend eine Perlon «sine Körperverletzung erleidet, z. B. wegen mangelhafter oder nicht rechtzeitiger Beleuchtung der Treppen und Hausflure, wegen unterlassener oder ungenügender Bestreuung des Trottoirs bet Glatteis, wegen nicht genügend verwahrter oder befccter Keller- Msnungen, wegen schadhafter Treppen ober Treppengeländer, wegen Gasexplosionen und lleberschwemmungen, wegen Herabfallens von Stucktheilen von den Decken, von Dachziegeln oder Schnee und Eis, von Fahnenstangen, Fensterläden, Blumentöpfen rc. rc. Gegen alle diese Zufälligkeiten, welche Niemand voraussehen, noch in allen Fällen verhindern kann, bietet lediglich die Versicherung einen zuverlässigen Schutz, umsomehr, als die Haftpflicht der Hausbesitzer nicht auf dritte Personen — Vicewirthe, Portiers ober Miether — abgewälzt werden kann.
Frankfurt 6* M., 17. November. Große Sendungen von Speisekartoffeln langen aus Oesterreich hier her. Am Sonntag Abend trafen am Zollhof 18 Wagenladungen ein.
Literatur und Nun st.
— Ueber Jugendspiele. In den letzten Jahren ist das Interesse an einer rationellen Körperpflege der Jugend in hohem Maße gewachsen und namentlich ist die Pflege der Jugendspiele als eine Hauptquelle der Gesundheitsförderung erkannt worden. Eine textlich wie illustrativ gleich interessante Darstellung der Jugendspiele bietet das neueste Heft I V von guten Stunde- (Berlin 57, Deutsches Verlagshaus Bong & Co.) und mir wollen nicht verfehlen, auf diese Arbeit das Interesse unserer Leser zu lenken. Den Damen empfehlen wir ferner die Lectüre des im gleichen Hefte enthaltenen Artikels „Die Bereitung der Conserven", eine ausführliche Darstellung der Pcozeffe, welche die Umwandlung der Hauptgemüsearten in Conserven herbeiführten. Auch dieser Aufsatz ist mit recht instructivm Bildern geschmückt.
— Im Verlage von Georg Brieger in Schweidnitz erschien soeben: rftfeftflHele und Prologe.* Sechs kleinere und größere Aufführungen zu Familien- und Vereins-Feierlichkeiten mit den dazu passenden Prologen von I. Fichtner. Preis 50 Pfg. — Die Verfasserin bietet uns mit bitter Gabe in ihrer eigenartigen lebhaften und feffelyben Art und Weise nur Neues und Gutes, das die häuslichen fotoie gesellschaftlichen Kreise in anregendster Weise erheitern und die Feste verschönern wird. Für Vereine besonders heroorzuheben sind die darin enthaltenen Aufführungen zur Weihnachtsfeier und zur Geburtstagsfeier Sr. Majestät unseres Kaisers, die — in schwungvoller Weise gehalten — zu den Besten sich zählen dürfen, was bis jetzt in diesem Genre erschienen ist. Der billige Preis von 50 Pfg. macht dies Merkchen Jedem zugänglich und empfehlen wir den Erwerb auf ba§ Angelegentlichste.
Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen
45. Woche. Vom 8. November bis 14. November 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 25,24 % bezw. 22,71 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr
Masern
1
—
1 —
Diphtherie 1
(1)
—
1 (1)
Lungenschwindsucht
Acute entzündliche Er-
1
1
krankunaen der Ath- mungs-Orqane
1
_
1 —
Gebirnschlagfluß Andere bekannte
2
2
— —
Krankheiten
4
3
1 —
Summa: 10 (1) 6 3 1 (1)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
vT werden darauf aufmerksam ge«
H BJr macht, daß man in dem Special-
IFlilllUlLr Geschäft von Phil. Weiler, " W V Marktpl. 1, die größte Auswahl
_ , _ r. , , „ < r m Cigarren, Cigaretten und Tabake« findet. Ein Versuch zeigt, daß selbst dem verwöhntesten Geschmack Rechnung getragen werden kann. 9471
Bekanntmachung.
AeitzeSstmes.
10245]
Südanlage.
Bekanntmachung
I. Jung.
Einsicht offen.
10242
Lindenstruth, am 16. November 1891. Großherzogliche Bürgermeisterei Lindenstruth.
Krug.
Daubringen, am 16. November 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Daubringen. Walter.
frische Waffeln
102471 Conditorei Hettler,
Unterzeuge,
wie:
S8S- Heute Donnerstag, Bonn.
Der Voranschlag der Gemeinde Daubringen für 1892/93 gute
liegt vom 18. l. M. acht Tage lang auf unserem Bureau zu Jedermanns ^^^rfauf.^ [10241] e”* ^ranbpla$
Der Voranschlag der Gemeinde Lindenstruth für 1892/93 Jeden DlkNStllg Und Donnerstag, liegt acht Tage lang, vom 20. d. Mts. an, auf unserem Geschäftszimmer i nnn Mittal 9 n&r ™ • zur Einsicht und Entgegennahme von Einwendungen offen. > 9 U*c an'
Gießener Cisverein.
Wir machen nochmals und wiederholt darauf aufmerksam, daß die beim Rundgang unseres Dieners nicht in Empfang genommenen Mitgliedskarten nunmehr noch bis zum 31. d. M. ittcl. bei Herrn Friseur Gerhardt abgeholt werden können. 10240 Der Vorstand.
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