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Nr. 218

Samstag dm 19. September

1891

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M«> rrjchrtM täglich, eM Uu-nahme bei Montags.

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

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2 Mar? 20 Psg. «Ä Brrngrrloha.

Durch die Paß bezog« 2 Mark 60 W

Rtbaction, LxpetM« und Druckerei:

Fernwrecher 51.

Amts* unb Anzeigeblatt föt bett Kreb Gieren.

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Anrtli^ev Theil.

Gießen, dm 16. September 1891. Betr.: Die Kreis-Conferen; der Volksschullehrer im Kreise Gießen.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir benachrichtigen Sie, daß rubricirte Conferenz am 17. Oktober Bormittags stattfinden wird. Wir haben dieselbe in die Tage der dahier stattfindenden Obstausstellung verlegt und werden am 17. October des Nachmittags Vor­träge über Obstbau gehalten werden.

Sie wollen die Lehrer Ihrer Gemeinden hiervon in Kenntniß setzen und die Festsetzung der Herbstferien mit ihnen so vereinbaren, daß dieselben vor dem 17. October Ende gehen, damit kein Lehrer abgehalten ist, an der Conferenz thsilzunehmen.

Besondere Einladung mit Programm zur Conferenz wird später in diesem Blatt erscheinen.

v. Gagern.

Deutsches «eich.

Berlin, 17. September. Die Sommerstille in der inneren Politik hat nunmehr am längsten gedauert und werden sich schon in nächster Zeit die Vorboten des wieder­erwachenden politischen Lebens bemerklich machen. Im Laufe der kommenden Woche werden sämmtliche zur Zeit noch auf Urlaub befindlichen Mitglieder des preußischen Staats­ministeriums nach Berlin zurückgekehrt sein und sollen dann alsbald die regelmäßigen Sitzungen des Staatsministeriums wieder beginnen. In denselben wird es sich vorläufig darum handeln, das Material für die Reichs- und Landtagsarbeiten aufzustellen und zu sichten und dürfte in dieser Beziehung jedenfalls bald Näheres zu erwarten sein.

Herzog Georg von Meiningen feiert an diesem Sonntag sein 25)ähriges Regierungsjubi­läum. Der 65jährige Fürst wird diesen Ehrentag indessen m aller Stille und, wie es heißt, aus schweizerischem Boden begehen, um sich allen Ovationen zu entziehen. Auch hat sich der Herzog jede osficielle Feier seines Regierungsjubiläums verbeten.

Die Verhandlungen der in München versammelten Bevollmächtigten zu den deutsch-österreichisch-ita­lienischen' Handelsvertrags-Unterhandlungen fiiib- am Mittwoch NachmiNag nach längerer Pause wieder ausgenommen worden. Die Dclegirten traten am genannten Tage in die zweite Lesung des Vertragsentwurfes ein und

zwar conferirten die Oesterreicher und die Italiener mit einander- am Donnerstag folgte dann eine Conferenz zwischen den deutschen und ^den italienischen Bevollmächtigten. Die letzteren haben den?Äernehmen nach neue Instructionen vor- gelegt, welche einert günstigen Verlaus der ferneren Verhand­lungen erhoffen lassen.

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Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lvrrespondrnz-Burrau.

Berlin, 17. September. DerReichsanzeiger" meldet: Nachdem der Kaiser die Anerkennung der proviso­rischen Regierung Chiles genehmigt hat, ist dieselbe durch den kaiserlichen Gesandten in Santiago, Gutschmid, am 7. September ausgesprochen worden.

Berlin, 17. September. Heute Morgen entgleisten bei der Einfahrt eines Localpersonenzuges in das Hallen­geleise des Potsdamer Bahnhofes die Maschine und die beiden folgenden Wagen, sodaß drei Hallengeleise für den Betrieb gesperrt sind. Beschädigungen an Personen kamen nicht vor, nur unwesentliche an Fahrzeugen. Der Grund der Ent­gleisung ist bisher unermittelt.

Görlitz, 17. September. Die 45. Hauptversamm­lung des Gustav-Adolf-Vereins wählte für die große Liebesgabe von 18000 Mark die Gemeinde Wangen in Württemberg. Zu Mitgliedern des Centralvorstandes wurden wieder- bezw. neugewählt: Pastor Terlinden-Duisburg, Hofprediger Rogge-Potsdam, Oberconsistorialrath Burger- München, Stadtpfarrer Müller-Hermannstadt, Consistorialrath Koch-Danzig.

Mühlhaufen, 17. September. Nach Beendigung des Manövers hielt der Kaiser eine Besprechung der Uebung, worauf die kämpfenden Theile getrennt wurden. Der Kaiser übernahm hierauf in Saalfeld den Befehl des 11. Armee­corps, das er morgen, durch Infanterie und Artillerie ver­stärkt, führen wird. Sämmtliche Divisionen kamen heute zur vollen Gefechtsentwickelung, Die Artillerie vereinigte sich in großen Positionen, die Cavallerie machte Angriffe gegen alle Waffen.

Potsdam, 17. September. Die drei ältesten kaiser­lichen Prinzen begaben sich 9 Uhr 15 Minuten mit dem Schnellzug von Wildpark nach Kassel.

Brauusberg, 17. September. Gestern Nachmittag sind durch Flug feuer im Haffdorfe Neupaffarge 32 Häuser, in Altpassarge 5 Häuser abgebrannt. Mehrere Personen werden vermißt.

Rom, 17. September. Nach den vom Ackerbaumini­sterium veröffentlichten Mittheilungen beträgt die diesjährige Weizenernte Italiens 44 000000 Hectoliter (gleich 84pCt. einer Mittelernte) fast durchgehends guter Qualität.

Paris, 17. September. Nach Meldungen aus Buenos

Ayres ist Balmaceda in Mendoza in Argentinien ein­getroffen.

Paris, 17. September. Ausgenommen die Hetzblätter, constatitt die gesammle Presse die glänzende Ausnahme des Lohengriu" und drückt ihre Befriedigung über die energische Unterdrückung der Manifestationsversuche, sowie die Hoffnung aus, daß die gestrigen Vorkommnisse für die Tumul­tuanten eine Warnung seien. Fünfzig Verhaftungen wurden aufrechterhalten.

Petersburg, 17. September. Durch die heute im R»- gierungsboten veröffentlichen Ukase betreffend das Verbot der ^Weizenausfuhr von Transkaspien nach Persien und die Aufhebung der Accisevergütung auf exportirten Spiritus wird dem Finanzminister anheimgestellt, diese zur Sicherung der Volksverpflegung erlassenen Verordnungen sofort auszu­führen, die den Spiritus betreffende Verordnung auf sämmr- liche Spiritustransporte anzuwenden, welche nicht im Laufe desjenigen Tages, an dem der Minister den Ukas den Zoll­ämtern mitgetheilt hat, die erforderlichen Besichtigungs-Docu-' mente erhalten haben.

Depeschen deSBureau Herold-.

Berlin, 17. September. Der Botaniker Böckner begibt sich am 5. October im Auftrage des auswärtigeu Amtes nach Barombi (Kamerun), um mit Zintgraff Expeditionen ins Innere behufs Anlegung weiterer Stationen zu unternehmen. Er hofft, bis zum Tschadsee Vordringen zu können und das Gebiet unter deutschen Schutz zu stellen.

Berlin, 18. September. DieVoss. Ztg." meldet aus Jüterbog: Büchsenmacher Schmidt, ein Major, ein Haupt­mann, zwei Kanoniere und ein Lazarethgehülfe wurden durch die Explosion einer Kartätsch e auf dem Schießplätze verwundet und ins Lazareth gebracht. An dem Aufkommen Schmidts wird gezweifelt.

DasTageblatt" enthält eine Depesche aus Bagamoyo, wonach die Ueberbleibsel Der Expedition Zalewski, die Lieutenants Tettenborn und Leydebreck, die Unteroffiziere Kay und Wutzer mit 65 Mann gestern Nachmittag dort eingetroffen seien.

Mühlhausen i. Thür., 17. September. Bei der heutigen Uebung entbrannte zwischen Goermar-Grabe-Körner ein großes Begegnungsgefecht zwischen dem 11. und 4. Armee­corps. Letzteres mußte, vom 11. Armeecorps zurückgeworfen, südlich Nottebach zurückweichen. Fast alle Truppentheile waren am Gefecht betheiligt, auch die Cavallerie griff öfters ein. Der Schluß der Uebung fand 12% Uhr statt. Der Kaiser übernahm nach der Kritik das Commando. Das 11. Armeecorps wird morgen den Angriff fortsetzen.

Rom, 17. September. Da der Abgeordnete Franchetti seine Demission als Regierungscommissar in Afrika mit der Behauptung begründet, die Stellung des Gouverneurs Gandolfi

FcurUeton

Vo« unserem Lebensalter.

(Nachdruck verboten.)

Heber das Lebensalter der Menschheit finden wir in den meisten volkswirtschaftlichen Werken, in den amtlichen Publi- cationeu der statistischen Centralstellen der europäischen Staaten, in Zeitschriften und Monographien Untersuchungen angestellt. Wir folgen hier dem Werke:Rümelin, Bevölkerungslehre in H. Schönbergs Handbuch der politischen Oeconomie 1890".

Die verschiedenen Lebensalter, die der Einzelne nach und nach durchläuft, sind in der Gesellschaft stets gleichzeitig neben einander vertreten. Die Art und das Maß dieses Neben­einanderlebens aller Altersklassen bietet aber mancherlei Ver­schiedenheiten und ist ein bedeutendes Wahrzeichen für den Eharacter einer gesellschaftlichen Entwickelung.

Wäre nun eine Bevölkerung stabil, d. h. wären die Geburtszahlen und die Todesfälle sowohl unter sich, als von Jahr zu Jahr gleich, ebenso die Ab- und Zugänge gegen außen, so würde eine Tabelle über die jeweilige Stärke der vorhandenen Altersklassen zugleich eine natürliche Absterbe­ordnung für die ganze Gesellschaft darstellen. Wenn z. B. die über 80 Jahre alten Personen ein Zwanzigstel der jähr­lichen Geburtenzahl ausmachten, so würde man daraus sofort schließen dürfen, daß von 100 Geborenen je 5 über 80 Jahre leben.

In Wahrheit ist aber feine Bevölkerung stadu. Das Naturgemäße und die Regel Bildende ist, daß die Geburten­zahlen die der Sterbesälle übertreffen und selbst von Jahr zu Jahr anwachsen. Jnsolge deren sind die jüngeren und Jüngsten Altersklassen nicht bloß in dem Maße stärker als

die älteren, in welchem sie noch weniger durch den Tod ge­lichtet wurden, sondern zugleich auch weil und soweit sie schon von Anfang an zahlreicher waren. Dieses Anschwellen der jährlichen Geburtszahlen kann aber langsamer und rascher vor sich gehen. Je langsamer es erfolgt, desto mehr wird die Gliederung einer Gesellschaft nach Altersklassen einer natür­lichen Abfterbeordnung noch ähnlich bleiben, je rascher es ist, desto weiter wird sie sich davon entfernen.

Dieser Unterschied ist aber von großer politischer und noch mehr wirthschaftlicher Bedeutung. Je langsamer die Bevölkerung anwächst, desto größer ist verhältnißmäßig die Zahl der erwachsenen, arbeits- und wehrfähigen Personen, desto kleiner die der noch Unproductiven, von fremder Hand Unterhaltenen, und je kleiner für die Erwachsenen diese Er- ziehungß- und Unterhaltungspflicht von Unmündigen ist, desto mehr werden sie die Früchte der Arbeit für sich selbst, fei es zu Ersparniß oder zum Genuß verwenden, desto leichter und bequemer leben können. Auf der anderen Seite wird ein solches Volk, da doch die Gesammtzahl immer zugleich ein wichtiger Factor der Macht und Bedeutung der Völker ist, unter diesem Gesichtspunkt hinter dem rascher anwachsenden, im Laufe der Zeit mehr oder weniger zurückbleiben. Dies letztere hat schwerer zu arbeiten, mehr Unmündige zu ernähren, sich weit größeren Entbehrungeu zu unterziehen, aber mit der Anstrengung und Größe der Ausgabe wird der Regel nach auch die Kraft und Rührigkeit, mit der Volkszahl und zwar wenn gewisse Grenzen nicht überschritten werden, auch die politische und militärische Machtstellung ^wachsen. Das deut­lichste Beispiel hierfür bieten Deutschland, Frankreich und die Vereinigten Staaten. Die nachstehende vergleichende Dar­stellung tritt den Beweis für das Behauptete an. Bei Deutschland ist auch die ältere Zählung von 1880 beigefügt,

welche zwar keine erhebliche, aber doch characteristische Ab­weichungen gibt. Die Resultate der Zählung vom December 1890 sind noch nicht bekannt.

Von je 1000 gleichzeitig Lebenden standen

in 8

Frankreich

Deutschland

Vereinigte Staaten

im Alter

von

1872

1880

1885

1871

010 Jahren

184

253

249

264

1020

171

196

200

228

2030

160

159

161

176

3040

139

130

126

128

4050

125

104

106

93

5060

104

80

77

59

6070

,,

71

53

55

33

70-80

//

36

21

22

14

über 80

ff

7

4

4

3

Unterscheidet

man nun

die drei Klaffen, 1) der noch nicht

productiven Personen von 015 Jahren, der productiven von 1570 Jahren, 3) der nicht mehr productiv Anzu- sehenden, von über 70 Jahren, so ergeben sich von je 1000 Lebenden für

Frankreich Deutschland Vereinigte Staaten 1880 1885

Kl. 1 015 Jahre 271 356 355 387

,, 2 1570 686 619 619 596

3 über 70 Jahre 43 25 26 17

Frankreich vertritt hier die am langsamsten, das UnionS- gebiet, freilich unter der höchsten Gunst sonstiger volkswirth- schaftlicher Bedingungen, die am schnellsten anwachsende Be­völkerung. Deutschland steht in der Mitte, obgleich es unter den europäischen Völkern eine der höchsten Ziffern für die unmündige Bevölkerung hat.