Ausgabe 
19.7.1891 Zweites Blatt
 
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Nr. 165 Zweites Blatt. Sonntag den 19. Juli

1891

Der

Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS.

Die Gießener AamitienvtLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Vierteljähriger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Atveis Gieren.

chratisöeitage: Gießener AamitienötätLer.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Theil.

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Bekanntmachung,

die HeegzeiL des Dachses betreffend.

Nachdem begründete Klagen über die durch den Dachs in der Gemarkung Holzheim an Kartoffelfeldern ange­richteten Beschädigungen bei uns vorgebracht worden sind, heben wir die Heegzeit dieses Wildes für die angeführte Ge­markung für die Monate Juli bis September l. I. hier­durch auf.

Gießen, den 16. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Localer uttb provinzielles.

Gießen, 18. Juli.

Preis-Aufgaben. Für das laufende Studienjahr sind den Studirenden der Landesuniversität folgende Preisaufgaben gestellt worden:

1) In der theologischen Facultät:Welchen Einfluß haben die eschatologischen Anschauungen des Apostels Paulus auf dessen Ethik ausgeübt?"

2) In der juristischen Facultät:Die Advocatur im römischen Civilprozeß".

3) In der philosophischen Facultät:

a. Alte Philologie:C. Asinius Pollio, quo jure dicatur auctor commentarii de belle Africano.

b. Deutsche Philologie:Welche Seelenvorgänge wer­den in der volksmäßigen erzählenden Dichtung der mittelhochdeutschen Zeit geschildert, mit welchen Mitteln geschieht die Darstellung und wie verhält sich das höfische Epos zum Verfahren der Volks­poesie ?"

4) In der medicinischen Facultät:Die Einwirkungen des Alkohols aus die Leber, Nieren und Gehirn sind auf Grund experimenteller Versuche nachzuweisen."

Außerdem ist aus der Balser-Stiftung für die Studirenden der Medicin folgende Preisaufgabe gestellt wor­den:Welcher Antheil an der Morbidität und Mortalität der Wöchnerinnen darf der sog. Jnsection zugeschrieben wer­den?" Zu Grunde zu legen sind die Resultate der bacterio­logischen Forschungen der letzten Jahre und die bei dem prophylactischen Verfahren in mehreren Entbindungsanstalten

gesammelten Erfahrungen. Die fertigen Arbeiten sind bis zum 1. Mai 1892 bei den betreffenden Decanaten einzureichen und darf jedes Thema nicht mehr als einen Bearbeiter zum Verfasser haben.

Die Original Tyroler Coucertfänger Gesellschaft I. Stiegler gibt am Sonntag Abend hier in Steins Garten ein Concert. Der aus vier Damen und fünf Herren be­stehenden Gesellschaft geht ein vorzüglicher Ruf über ihre Gesangskunst vorauf. Indem wir noch auf das in heutiger Nummer befindliche Inserat verweisen, citiren wir aus den Münchener Neuesten Nachrichten" Folgendes:Seit einigen Tagen concertirt im Englischen Cafe die Zillerthaler-Gefell- schast des Herrn I. Stiegler mit großem Beifall. Die vier Damen und fünf Herren verfügen über wohlgeschulte Stimmen, ihre Vorträge, aus Liedern in Chor, Quartetts, Duetts, Solls und Zitherspiel bestehend, gehen flott von Statten. Der Leiter der Gesellschaft, Herr Stiegler, besitzt eine prächtige Baßstimme. Unter den Damen ist die Altistin hervor­ragend mit ihrem klangvollen, kräftigen Contra-Alt, dann die Trägerin des Mezzo-Sopran und der Sopran rühmend zu erwähnen. Der Zitherspieler ist ein Meister auf feinem Instrument."

S'ammtliche Mnfikcorps des 11. Armeecorps werden für die Tage des 9., 10. und 11. September zu Gesammt- proben in Cassel zusammengezogen.

Neuerung in der Zustellung der Gemeiudefteuerzettel. Aus Mainz wird unterm 16. d. M. gemeldet: Heute wurde mit der Vertheilung der Steuerzettel für die Communalum- lagen begonnen. Herr Stadtverordneter Ring hatte bekannt­lich beantragt, daß sämmtliche Steuerzettel künftig nur unter Couvert zu versenden seien. Um das Beschreiben des Um­schlags zu ersparen (es sind etwa 9000 Namen vorhanden), wurden die Couverte einen Theil ausgestanzt, so daß der Name auf dem Steuerzettel von außen lesbar ist, aber die Zahlen nicht zu erkennen sind.

Eine zeitgemäße Mahnung. DieDeutsche volks- wirthschaftliche Correspondenz" ermahnt alle Reiseunfallver­sicherungsgesellschaften, in der Nähe der stark besuchten Bahn­höfe Versicherungscomptoirs anzulegen und ermahnt Jedermann, der eine Reise antreten will, bei diesen Comptoirs eine Police gegen Unfälle zu lösen.

-z. Klein-Linden, 16. Juli. In einer der letzten Nächte wurden an der Kreisstraße von hier nach Lützellinden von den neu gepflanzten Bäumen sechs Stück von frevelnder

Hand a b g e k n i ck t. Hoffentlich gelingt die Ermittelung und Bestrafung des Thäters.

-e- Lauterbach, 16. Juli. Heute Vormittag waren in hiesiger Gemarkung mehrere Personen mit landwirthschastlichen Arbeiten beschäftigt, als sie an einem auf dem Acker befind­lichen Kirfchbaum eine männliche Leiche hängen sahen. Es wurde sofortiges polizeiliches Einschreiten veranlaßt und ist die Leiche als die des 14jährigen Sattlerlehrlings Willi Köhler aus Frankfurt recognoscirt worden. K. soll vorher geäußert haben, er beabsichtige sich das Leben zu nehmen und hat man es wohl mit einem Selbstmord zu thun.

-g- Calbach, 16. Juli. Durch einen Sturz von einem Wagen fand aus bedauerliche Weife der seit einiger Zeit dahier als Dienstknecht beschäftigt gewesene 60 Jahre alte Heinrich Ruhl aus Ilbeshausen seinen Tod. Derselbe war damit beschäftigt, den Wagen mit Heu zu laden. Die Pferde gingen durch und ereignete sich so das Unglück.

Alsfeld, 15. Juli. Aus Anlaß des Kaiser-Manövers steht unserer Stadt für den 31. August, sowie 1., 2., 3. 4., 5., 6. und 7. September starke Einquartirung fast aller Waffengattungen bevor. Es werden einquartirt am 31. August und 1. September 53 Offiziere, 1241 Mann, 63 Pferde, am 2. September 68 Offiziere, 1276 Mann, 91 Pferde, am 3. September (Nothquartiere) 66 Offiziere, 1369 Mann, 98 Pferde, am 4. September 58 Offiziere, 1059 Mann, 83 Pferde, vom 5. bis 7. September 13 Offiziere, 148 Mann, 170 Pferde. Zu den als Verstärkung der Cavallerie-Division herangezogenen zwei westfälischen Cavallerie-Regimentern kommt nun noch ein drittes, das in Bonn garnisonirende Königs- Husaren-Regiment. Wie das Kreisamt bekannt macht, war im Interesse der Truppen eine stärkere Belegung einiger Ortschaften unvermeidlich und werden die der 25. Division unterstellten Truppen darauf hingewiefen werden, in den überlegten Ortschaften von dem gemäß des Friedensleistungs- gefetzes ihnen zustehenden Ansprüchen keinen Gebrauch zu machen und den Quartiergebern, soweit dieselben nur guten Willen zeigen, überall entgegenzukommen. Außer Alsfeld er­halten noch 76 Gemeinden des Kreises verhältnißmäßig starke Einquartirung. Auch der Kreis Büding en wird stark mit Einquartirung (vorwiegend Artillerie und Cavallerie) be­legt werden.

*H. Breslau, 16. Juli. In der Zeit vom 8. bis

13. Juli wurden aus der Provinz Schlesien und angrenzenden

Feuilleton.

Amerikanisches.

Brücken- und Bahnbau.

Der Congreß der Vereinigten Staaten hat seine Zu­stimmung zum Bau der Riesenbrücke ertheilt, welche Newyork mit Jersey City über den Hudson verbinden soll. Die Brücke, die nach den Plänen des Ingenieurs Lindenthal gebaut werden soll, stellt in Bezug auf Kühnheit selbst die Forth- brücke in den Schatten. Gilt es doch, eine Kluft von mehr als 800 Meter ohne Zwischenpfeiler zu Überspannen, während die Spannung bei der Forthbrücke nur 532 Meter beträgt. Außerdem soll die Hudsonbrücke nicht zwei, sondern zehn Geleise und überdies eine aus die Last von 13,000 Menschen berechnete Fußgängerbahn erhalten. Lindenthal bleibt der amerikanischen Hängebrücke treu, das heißt der Brücke, deren Fahrbahn von Stahlkabeln betragen wird. Es sind vier Kabel von 1,20 Meter in Aussicht genommen, welche durch zahlreiche Zwischenglieder verstärkt und versteift werden. Den Besuchern der Chicagoer Ausstellung dürste vor Allem die Stadtbahn interessant sem, welche den Ausstellungsplatz mit der Stadt selbst und den Bahnhöfen verbinden soll. Die -30 Kilometer lange Bahn wird angeblich nach dem System Don Boynton gebaut, welches soeben auf Coney Island im Kleinen erprobt wurde. Der Genannte hat eine einschienige Bahn ersonnen, bei welcher Leitrollen in eine obere Schiene eingreisen und damit die Wagen im Gleichgewicht erhalten. Die Züge rollen auf einer unteren Schiene und es sind die Räder natürlich mit doppelten Flanschen versehen. Das System eignet sich anscheinend für städtische Hochbahnen sehr §ut, weil die Bahn nur eine geringe Breite hat. Freilich sind die Magen sehr schmal und bieten aus jeder Sitzbank rur zwei oder drei Platze.

Amerikanische Mil^onäre.

Newyork hat 1000 Millionäre und darüber. Das

heißt natürlich Dollar - Millionäre. Wer sich in Paris Millionär nennt, weil er 1,000,000 Francs besitzt, der gilt hier als Besitzer von 200,000 Dollars nicht für reich, son­dern nur für wohlhabend. Auch die Million Mark kann sich in der Gesellschaft der Dollar-Millionen nicht gut sehen lassen,- sie sieht daneben aus wie eine Kapsel-Flinte neben einem seinen Hinterlader. Die meisten dieser 1000 Millionäre haben auch mehr als nur eine Million Dollars. Eine ein­zige solche Million sieht gar nicht gut aus, wenn ich die Wahrheit sagen soll. Der Mann, der sie hat, ist eher zu bedauern als zu beneiden. Entweder hat er im Leben nicht die Chancen gehabt, ein wirklich anständiges Vermögen zu machen, oder war dumm genug, seine Chancen nicht genug auszunützen. Er ist also, wenn ich es gerade heraussagen soll, ein Pechvogel oder ein Dummkopf gewesen. DerMil­lionär" kommt hier übrigens sowieso allgemach aus der Mode. Der Begriffreicher Mann" wird in nicht ferner Zeit durch denBillionär" dargestellt werden. Man hat berechnet, daß eine einigermaßen gut verwaltete Million Dollars in 150 Jahren zu einem Capital von 1000 Mil­lionen Dollars anwächst, und eine Anzahl von Millionären Newyorks sind auf dem besten Wege, Billionäre zu werden,- einige sollen nur mehr 40 bis 50 Jahre dahin haben. Schon jetzt ist ein jährliches Einkommen von fünf Millionen Dollars hier gar nichts Ungewöhnliches. Natürlich strebt jeder einiger­maßen ehrgeizige und unternehmende Mann, der sich bisher mit ein bis zwei Millionen jährlich kümmerlich durchschlagen mußte, mit allen Kräften danach, auf eine Basis zu gelangen, die es ihm gestattet, wirklich anständig zu leben und alles das mitzumachen, was zu dem Begriffesolid comfort ge­hört. Der Mann mit den ein bis zwei Millionen jährlich mag ja für feine eigene Person ganz anspruchslos sein, aber Frau und Töchter bewegen sich in der Welt, während Papa in seiner Office sitzt, und es ist doch fatal, diesen lieben Geschöpfen irgend etwas abschlagen zu müssen unter dem traurigen Vorwande, daß es zu viel kostet. Manchmal hat auch der Mann seine kleinen Passionen, die viel Geld kosten.

So hat sich in Syrakuse im Staate Newyork ein Millionär einen Pferdestall bauen lassen, der 700,000 Dollars gekostet hat. Ein solcher Mann ist schon gar nicht in der Lage, den Damen seines Hauses irgend etwas abzuschlagen. Es ist aber ganz verteufelt theuer, das Leben in Newyork, wenn man einigermaßen anständig auftreten will. Die Familie Astor, deren Reichthum als ganz besonders solid gilt, weil er meistens aus Häusern und Bauplätzen in den theuersten Vierteln Newyorks besteht die Familie Astor speist bei gewissen Diners auf einem Silberservice im Werthe von 50,000 Dollars. Die Blumen, mit denen so eine Tafel geschmückt wird, kosten häufig 5000 Dollars und darüber, woraus es sich erklärt, daß Newyork im Jahre 5 Millionen Dollars für Blumen ausgibt. Die Pariser Roben und Dia­manten, welche eine Dame im vollen Staate trägt, sind von 10,000 bis 30,000 Dollars werth. Eine Newyorker Dame trägt bei festlichen Gelegenheiten ein Diamantenhalsband im Werthe von 130,000 Dollars. Der Leser, der dergleichen als unnöthigen Luxus erklärt, ist auf dem Holzwege. Er vergißt, daß die reichsten und elegantesten Damen Newyorks mit Vorliebe nach Washington fahren, um dort am Hofe des jeweiligen Cincinnatus eine Rolle zu spielen. Ich frage nun irgend Jemanden, der seine fünf gesunden Sinne beisammen hat, ob die Frau eines Newyorker Bankiers es sich gefallen lassen soll, bei einem Empfange im Weißen Haufe durch die Robe und die Diamanten einer ganz gemeinen Person aus Chicago ausgestochen zu werden, deren Emporkömmling von Mann in der Saison alltäglich 10,000 Schweine schlachtet? Man gehört doch, dem Himmel sei Dank, zur Newyorker Aristokratie und hat sich nicht umsonst erst ganz kürzlich von dem hervorragendsten Heraldiker der Stadt einen authentischen Stammbaum und ein Wappen zeichnen lassen, welch letzteres sich aus dem Kutschenschlag ganz famos ausnimmt. Der Chicagoer Upstart kann meinetwegen 20,000 oder 30,000 Schweine täglich schlachten gegen das ächte blaue Blut kommt er nicht auf.