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Donnerstag den 19 März

1891

Der

mr Anzeiger erscheint täglich, r*i NnLvahme de-

MvntagS.

Di« Gießener ^«»ittenSkttter rxrbev dem Anzeiger Vdchentlich dreimal betyUgt

Weßener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Km® Gießen.

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Amtlicher Therl.

Bekanntmachung.

Die Pläne und Verhandlungen über die neue Zuthellung der Grundstücke in den Fluren IV, V, VI, VII, VIII, X und XII der Gemarkung Saasen liegen von 7. bis 21. März l. I auf der Großh. Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht der .Betheiligten offen.

Verhandlungstagsahrt daselbst findet

EamStag d<?n 21, Marz l. I., von Bonn. 8 Uhr an, statt. In derselben sind alle auf die neue Zuthellung bezüg­lichen Anträge, sowie auch etwaige Wünsche bezüglich des noch zuzutheilenden Restes der Gemarkung Saasen bei Meidung späterer Nichtberücksichtigung vorzubringen.

Die Ueberweisung der neuen Grundstücke zur einstweiligen Benutzung, jedoch vorbehältlich etwaiger noch nothwendig wer­denden Aenderungen, soll

Ssm-tag den 28. März t. I., von Vorm. 8 Uhr an, an Ort und Stelle erfolgen- Der Anfang wird an der Ge- Markungsgrenze von Lindenstruth von der Staatsstraße aus erfolgen.

Gleichzeitig wird zur Kenntniß der Bethelligten gebracht, daß die neue Zuthellung des Restes der Gemarkung noch im Herbste dieses Jahres nach vollzogener Ernte stattsinden und daß eine Vergütung für Aussaat, Dung, u. s. w. nicht erfolgen soll, weshalb empfohlen wird, dergleichen Aufwendungen bis nach dem Vollzüge der Ueberweisung der neuen Grundstücke Hu unterlassen.

Darmstadt, den 25. Februar 1891.

Der Vollzugscommiffär:

Rover,

Regierungsrath.

Deutschem Reich.

Darmstadt, 17. März. Der Finanzausschuß der Zweiten .Kammer hat den Antrag des Landtagsabgeordneten Frank aus Erhöhung der Diäten an die Landtags- abgeordneten abgelehnt.

Berlin, 16. März. Mit Ausmerksamkeit versolgt man in allen Kreisen die Bergarbeiterbewegung. Binnen wenigen Wochen wird die Entscheidung darüber fallen, ob in Westfalen und den Rheinlanden ein Bergarbeiterstrike von ganz gewaltigen Dimensionen ausbrechen soll oder nicht. Die Führer der Bewegung setzen alle Hebel an, um eine all­gemeine Arbeitseinstellung herbeizuführen. Letzten Sonntag sanden nicht weniger als 22 öffentliche Versammlungen der Bergarbeiter im Ruhrgebiete statt. Die Specnlation der | Führer geht dahin, daß bei einem allgemeinen Strike die I

Kohlennoth eine derartige Höhe erreichen würde, daß die Strikenden die Herren der Situation würden. In eine eigen- thümliche Lage ist durch die Bergarbeiterbewegung die Social­demokratie gebracht worden. Abwiegeln darf sie nicht, denn sonst wäre ihr Ansehen dahin,- aber sie sieht die Bewegung zum Strike keineswegs mit günstigen Augen an, weil sie eine furchtbare Niederlage der Strikenden fürchtet. Trotz aller großsprecherischen Redensarten ist nämlich nicht so viel Geld vorhanden, um 20,000 Arbeiter länger als eine Woche genügend unterstützen zu können. Aus diesem Grunde halten genaue Kenner der Bergarbeiterbewegung einen Strike von bedeutendem Umfange für ziemlich ausgeschlossen. Wie dieKölnische Volkszeitung" meldet, haben sich in der Versammlung der Sulzbacher Gruben-Ausschuß-Mitglieder eine Jnspection ganz, andere Jnspectivnen theilweise gegen die Beschickung des Pariser Bergarbeitercongresses ausge- gesprochen. Die Versammlung verlief ohne Resultate.

Berlin, 17. März. Die Trauerfeier für Windt- horst in der Hedwigskirche war von imponirender, einfacher Größe. Der Sarg Windthorsts, von Hunderten von Kränzen bedeckt, mit Lorbeerbäumen umstellt, war in der Mitte der Kirche aufgebahrt. Der große Kuppelraum bot mit den un­zähligen Kerzenflammen, den ringsum ausgestellten florver- hüllten Bannern, mit der ihn dicht füllenden illustren Trauer- Versammlung ein grandioses Bild düsterer Pracht. Lange vor Beginn des Gottesdienstes erschienen die Eingeladenen. Der Hof entsandte den Generaladjutanten von Wedel. Das diplomatische Corps schickte Vertreter. Namentlich waren viele Damen in großer Trauertoilette erschienen. An der Spitze des Bundesraths erschienen General Caprivi, Graf Lerchenseld, beide in großer Uniform. Das Ministerium war vollzählig erschienen- nur Maybach war verhindert. Von den früheren Ministern waren Goßler und Verdy anwesend. Immer mehr füllte sich der große Raum. Eine Studenten- Deputation in vollem Wichs mischte sich mit Gruppen, welche neue Kränze brachten. Kurz vor Beginn des feierlichen Traueramtes trat Ruhe ein, sodaß man die Anwesenden mustern konnte, und es zeigte sich, daß alle Parteien der Parlamente, von den Rechsconservativen angesangen bis zu den Socialdemokraten und Antisemiten ihre hervorragendsten Mitglieder abgeschickt hatten, um dem großen Collegen zum letzten Male zu huldigen. Es schien fast, daß die gesammten Parlamente sich hier ein Stelldichein gegeben. Von den be­rühmteren Namen fehlte keiner. Besonders zahlreich hatten die Freisinnigen sich eingesunden-- Richter, sonst selten zu sehen bei öffentlichen Feierlichkeiten, bescheiden im Hintergrund Alexander Meyer, nicht weit von ihm Rickert, Bamberger. Die Führer der anderen Parteien reihten sich ihnen an. Jetzt nahte sich, von über 20 Geistlichen geführt, Fürst­bischof Kopp, der segnend die Menge zum Hochaltar hindurch­

Feuilleton.

Entweder oder

Von Kathi Frank.

(Schluß.)

Na, schön war der Empfang gerade nicht, der mir seitens -meiner Großmutter, als ich zu Hause angekommen war, zu Dheil wurde. Im empfing die wohlverdiente Strafe, die ich geduldig hinnahm, das erhebende Gefühl in der Brust, wie eine Märtyrerin zu leiden. Meine Großmutter verlangte von mir, ich solle ihr das Versprechen geben, nie mehr einen Fuß aus die Bühne zu setzen gäbe ich es nicht, so würde sie mich sofort zu meinem Vater nach Wien bringen.

Eine endgiltige Entscheidung über dieses Entweder Oder zu treffen, war für mich eine harte Probe.

Ich liebte meine Großmutter so abgöttisch, hatte so schöne Tage in Stampfen verbracht, lebte mit meinen Ge­spielinnen so vergnügt- das Alles müßte ich in Wien ent­behren, ja, noch mehr als das, in Wien müßte ich täglich die Schule besuchen.

Ich entschied mich aber trotzdem für dasOder" und wurde trotz heißer Thränen und innigster Bitte, meine Groß­mutter möge mich doch nicht heimschicken, nach Wien ge­bracht.

Eine andere Episode aus meinem Leben bleibt mir stets in Erinnerung. Etwa ein Jahr, nachdem mich Professor Strakosch, dem ich meine spätere künstlerische Ausbildung ver­danke, an das Stadttheater nach Wien gebracht hatte, sollte Am 31. December 1873Des Meeres und der Liebe Wellen" gegeben werden. Ich stellte an Dr. Laube das Verlangen, er möge mich dieHero" spielen lassen, aber kurz angebunden

wies der Meister mich ab. Alle meine Bitten blieben ver­geblich, und so forderte ich denn meine Entlassung. Als die meistbeschäftigte Schauspielerin ich spielte häufig 25- bis 27mal monatlich war ich für das Repertoir so noth­wendig geworden, daß mein Austritt eine empfindliche Lücke verursacht hätte. Dr. Laube, welcher sich für meine künst­lerischen Bestrebungen und Fortschritte lebhaft interessirte, glaubte die Zeit noch nicht gekommen, wo ich mir eine so schwierige Aufgabe stellen durste- er redete mir eindringlich ab und bedeutete mir, daß ichall das Zeug", wie er sich ausdrückte, wohl mitbrächte, aber im Interesse meiner Lauf­bahn vorerst noch von meinem Verlangen abstehen sollte.

Ich wich jedoch nicht und wiederholte mein Verlangen. Entweder Herr Doctor, ich spiele dieHero", oder ich bitte nochmals um meine Entlassung."

In der ersten Auswallung entschied sich Meister Laube für das Letztere.

Professor Strakosch, dem ich sofort davon Mittheilung machte, und dessen künstlerischer Scharfblick von Dr. Laube sehr geschätzt wurde, redete dem Meister zu, nachzugeben und meiner Bitte zu willfahren.

Laube ließ mich rufen.Bleiben Sie bei IhremEnt­weder ober?" redete er mich barsch an.

Mein Entschluß, Herr Doctor, ist ein endgiltiger."

Nun denn!" entgegnete er,Entweder oder. Ent­weder Sie werden mit diesem kühnen Schritt siegen oder fallen."

Er gab mir die Rolle. Die Proben begannen. Je ruhiger und zuversichtlicher Dr. Laube der Vorstellung ent­gegensah, desto ernster erfaßte ich die Situation, desto deut­licher erkannte ich die Gefahr, die ich durch meinEntweder ober" heraufbeschworen hatte. Die Angst, die mich am Tage der Vorstellung erfaßte, das Hangen und Bangen, das

schritt - ihm folgten der Armeebischof Aßmann, Probst Jahnel. Feierlich durchtönteu nun Klänge eines gemischten ChoreS den Kuppelraum zur Einleitung der großen, über eine Stunde dauernden Trauermesse, die Fürstbischof Kopp selbst celebrirte« Dann hielt, in vollem bischöflichem Ornat, den Bischofsstab in der Hand, Kopp eine Trauerrede, die Verdienste und die Verehrung des besten und größten Sohnes der katholischen Kirche feiernd, bei dessen Tode aller Parteihader den Ge­fühlen der Trauer und des Beileids gewichen. Das katho­lische Volk sei in unerschütterlichem Vertrauen blindlings den oft verschlungenen Wegen gefolgt, die der Heimgegangene führte. Seine Treue und Anhänglichkeit an das frühere Fürstenhaus beeinträchtigte nie die neuen Unterthanenpflichten und die Liebe zu dem neu geeinten deutschen Reiche. Seine parlamentarische Thätigkeit war ein Kamps für das Recht. Wenn Windthorst an dieser Stelle reden könne, würde er das Centrum mahnen, fest zu bleiben^wie es immer war, die Einigkeit zu wahren. Die Partei hat oft viel geopfert. Das katholische Volk wünsche die Einigkeit als Palladium der Stärke, als sichere Bürgschaft des Erfolges.

Nach der Einsegnung der Leiche wurde der Sarg hinaus- getragen und von der, harrenden Menge entblößten Haupte- begrüßt. Im Lichte der Frühlingssonne ordnete sich der im* posante Trauerzug, in dem zahlreiche Vereine mit umflorten Bannern schritten. Unter Vorantritt der Geistlichkeit bewegte sich der Trauerzug den Linden entlang nach dem Lehrten Bahnhofe. Dichte Mengen hielten die Straßen besetzt. Buol und Porsch trugen die Orden des Verstorbenen. Frkf. Ztg-

Hannover, 17. März. Mit allen Zügen kommen hier- Trauergäste an. Die Leiche Windthorsts trifft, neueren Bestimmungen zufolge, morgen früh um 6 Uhr hier ein und wird im Fürstenzimmer aufgebahrt werden, wo sich auch die von Berlin her kommenden Functionäre und Abgeordneten versammeln. Im Zuge, der sich dann um 9 Uhr Morgen- von der Kaiserrampe in Bewegung setzt, folgen dem Sarge die nächsten Anverwandten, die Mitglieder der Centrums- fractton, sonstige parlamentarische Freunde des Verblichenen, die hiesigen katholischen Vereine, ferner Deputationen und Vereine von Köln, Braunschweig, Münster, Osnabrücks Meppen, Dortmund, Hildesheim rc. Der Zug bewegt sich über die Georgstraße, Nordmannstraße und Nicolaistraße nach der Marienkirche, welche abgesperrt bleibt. In der Kirche wird der Sarg vom Bischof von Hildesheim empfangen. Ob die Rede beim Trauergottesdienst der Bischof selbst ober der Generalvicar Hugo hält, hängt noch vom Befinden de- Bischofs ab. Nach Beendigung der Trauerfeier erfolgt fofort die Beisetzung.

peinigende Gefühl der Ungewißheit, der Drang, Erfolg zu. ernten, der Zweifel, ob ich siegen ober fallen werbe alle diese Stimmungen kamen meiner Rolle zu Statten. Der dritte Act entschied mein Schicksal. Nach Beendigung der Vorstellung erdröhnte durch das bis aus den letzten Winket besetzte Haus frenetischer Beifall. Mit vor Freude zitternder Stimme beglückwünschte mich Meister Laube und rief:Ge­wonnen gewonnen! IhrEntweder ober" hat mich besiegt!"

Dr. Laube benutzte biefen Vorgang als Sujet zu einer Erzählung, bte den Titel führtEntweder ober", und die später unter bem gleichen Titel von G. Ramberg zu einem Lustspiel verarbeitet unb für die Bühne eingerichtet wurde.

Von jener Zeit an hatte ich nicht mehr nöthig, bet Meister Laube dasEntweder oder" anzuwenden, uw meinen Wünschen, eine Rolle spielen zu dürfen, Nachdruck zu geben- aber noch häufig berührte Dr. Laube diesen Vorfall auf den Spaziergängen im Prater, die ich seit diesem Er­folge wie ein strammer Soldat pünktlich um 2 Uhr an­tretend, denn mit peinlicher Consequenz hielt er an feinen Gewohnheiten fest täglich mit ihm machte. Wehe mir, wenn ich mich nicht auf die Minute einstellte.

Meister Laube berührte bei diesen Spaziergängen mit Vorliebe seine Erlebnisse aus längst vergangener Zeit wie er ursprünglich bestimmt war, das Maurerhandwerk zu er­lernen namentlich aber seine Schicksale im 48er Revo­lutionsjahre wie er hinter Schloß und Riegel Zeit hatte, über die Freiheit nachzudenken. Er hatte die Gewohnheit, solche Ereignisse mir zwei-, dreimal, ja, auch noch öfter zu erzählen. Aus Ehrfurcht, die ich für den Meister in un­begrenzter Weise hegte, hörte ich oft eine und dieselbe Ge­schichte ein halbes Dutzend Mal ruhig mit an. Als sich