fragen die Politiker, die Gelehrten, die Erfinder und auch die Landwirthe. Es liegt schwer auf den menschlichen Gemüthern. Fürchterliche Eisenbahnkatastrophen ereigneten sich im abgelaufenen Jahre; Mord und Todtschlag wurden aus den großen Hauptstädten gemeldet und selbst auf dem platten Lande fehlten die Angriffe auf Leben und Eigenthum nicht. Vermögen und Ersparnisse kleiner Leute wurden von Wüstlingen verschleudert, welche ihren Köchen einen Gehalt zahlten, wie ihn kaum die Mmister eines kleineren Staates beziehen. Eine unerhörte Spielwuth ist in alle Gesellschaftskreise gedrungen. Nicht durch Arbeiten und Sparen wollen die Menschen etwas vor sich bringen; nein, über Nacht wollen sie Millionäre werden. Selbstüberhebung und Größenwahn ist in der menschlichen Gesellschaft groß geworden. Gehorchen will Niemand mehr. Die Religion wird angefetndet. Wer heutzutage noch etwas auf seinen Glauben hält, der muß Muth haben es zu bekennen.
Das sind Zeichen der Zeit, von denen jeder restlich Denkende sagt: Sie gefallen mir nicht. Ein Glück ist es. daß wir vorzügliche Fürsten und einen ausgezeichneten Kaiser baben. Was würde aus Deutschland werden, wenn in den jetzigen Zeiten ein Ludwig XV. oder Napoleon III. an seiner Spitze stände.
Darum verlieren wir die Hoffnung nicht. Es wird und muß wieder besser werden. Jeder brave Mann auf dem Lande thue seine Pflicht, das ist das Beste, was einer leisten kann. Gegen das Bewußtsein erfüllter Pflicht sind alle Vergnügungen und Ergötzlichkeiten nichts. Wer noch Sinn für seinen Glauben und für das Christen- thum hat, der lasse sich ihn nicht verloren gehen. Man braucht weder Mucker, noch Kopfhänger zu sein, um das einzusehen. Vor hundert Jahren, als man in Paris um die Guillotine tanzte, erklärten die Wüstlinge und Scheusäler: In 20 Jahren ist das Wort „Gott" aus der Sprache verschwunden. Die 20 Jahre waren noch lange nicht um, da seufzten diese traurigen Menschen: „Ach du Lieber Gott, hilf uns aus unserem Elende." — Wir machen vielleicht einmal ähnliche traurige Erfahrungen. Darum bleibe der Bauer im Punkte der Pflichterfüllung bet dem, was vorhin kurz angedeutet wurde und vergesse im Hinlick auf das Jahr 1891 das alte Sprüchlein nicht: Bet' und arbeit, so hilft Gott allezeit!
Citeratur und Kunft
— Wetterauer Sang «uv Slang. Dreißig neue Gedichte in Wetterauer Mundart, als Fortsetzung der Hetmathklänge aus der Wetterau von Friedrich von Trais Verlag von Emil Roth in Gießen. Preis 1 Mk., in eleg Ealicoband 1.50 Mk. — Die Wetterauer Mundart hat in dem Dichter Friedrich oon Trais schon seit Jahren einen talent- und stilvollen Verherrlicher gefunden; zwar ist er nicht der einzige, der ihr in poetischem Drang diese Ehre erwteS, in F. Getbel ist ihm schon lange ein Rivale erwachsen. Doch unter
scheiden sich die Dichtungen beider sehr wesentlich von einander. Wahrend Getbel in seinen poetischen Ergüssen dem Witz und einem beißenoen Sarkasmus die Zügel schießen läßt, neigt unser Fr. v. Tr. in seinen dichterischen Schöpfungen mehr zu tlefsinnigen Betrachtungen über die Dinge in der Natur, wie Wiefm, Wald, Feld, Blumen, Brunnen, Jahreszeiten, Ereignisse aus dem Menschenleben usw., die aber deshalb doch nicht eines leicht darüber hingesireuten, fast kindlich zu nennenden Humors entbehren. Auch in der neuen, vorstehend angezeigten Gedichtsammlung, die sich als Fortsetzung verschon früher erschienenen „Hetmathklänge aus der Wetterau" ankündigt, nehmen die rein lyrischen Gesänge wieder den brefleren Raum ein und müssen durchweg als gelungen bezeichnet werden. Mit feinem Verftändniß und glücklichem Nachfühlen des Wetterauer Volksgeistes hat der Dichter, wenige Ausnahmen abgerechnet, seine Stoffe tu poetischen Verklärungen nur solchen Sachgebieten entnommen, die in dem Wetterauer Volksgemüth auch in einem wirklich poetischen Hintergründe schimmern. Von diesem Gesichtspunkte aus zeigt er sich als befähigter Dichter auf der Höhe, indem er nicht versuchte, Uapoetisches in ein poetisches Kleid zu zwängen, sondern nur Anlehnung suchte an Gegenstände, Erlebnisse, Persönlichkeiten rc, die wirklich schon im Wetterauer Volksgemüth mit einem poetischen Zauber umkleidet sind. Als einzig schon in dieser Art verdienen die zwei tief empfundenen Gesänge: „Ds Laid vom Haarehannes" und „Ahld Laad" hervorgehoben zu werden. Der Verfasser hat seinen „Wette^auer Sang und Klana" dem Hessenstamme und allen Freunden und Forschern hessischen Volksthums gewidmet, aber werden die beiden letzteren auch verstehen, welche Pflicht ihnen daraus erwächst? Bis jetzt ist im Volke durchweg über die mundartliche Dichtung nur die einzige Meinung verbreitet, „daß sie benutzt werde, um sich einen Joux zu machen". Daß es dem Dialectdichter darum zu thun ist, in seinen Liedern ein Stück ureigensten Volkslebens und den reinen von der Cultur noch unbeleckten und unverfälschten Volksgeist in die Erscheinung treten zu lassen, daran glaubt das Volk nicht. Wer soll ihm aber zu einer besseren Einsicht verhelfen? Aus sich selbst heraus kann es nicht dazu gelangen, da ihm im Allgemeinen sogar die Fähigkeit mangelt, ein mundartliches Gedicht auch nur zu liefen. Was nützen aber die Schätze unserer Dichter, wenn sie ungenossen bleiben? Es sollten daher die Leiter und Vorsteher von Volks- und Jugendbibliotheken ihre Sammlungen mit solchen Werkcken schmücken; es sollten die Lehrer an den Fortbildungsschulen aller Art,ihren Schülern von solcher Honigspeise bei gebotener Gelegenheit einen Bissen kosten lassen, um sie nach solchen Genüssen begehrlich zu machen, bann könnte es nicht fehlen, dieser Poesie den Eingang in das Herz des Volkes zu ebenen. Wir wünschen dem Herausgeber sowohl, daß ihm für die Verbreitung seiner lieblichen poetischen Gaben, wie auch dem Verleger wegm der geschmackvollen äußeren Einkleidung derselben die Freunde in vorstehend gedachtem Sinne nicht fehlen möch.en.
Verkehr, £attö» und volkswirthschast.
Kriedder-, 15.December. Fruchtpreise. Weizens 24.00, bis 24.50, Korn JL 24.00—00.00, Gerste JL 16.50—00.00, Hafer JL 14 00- 00.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo, gleich 200 Zollpfunb.
Friedberg, 16. December. Butt er markt. Butter kostete per Pfb. JL 1.05-1.20, Eier 1 St. 8 H, 2 St. - H.
Limburg. 16. December. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 19 85, weißer Weizen JL —, Korn v4L 17 80, Gerste v4t 10.40, Hafer, JL 6.80, Erbsen —, Kartoffeln —»
— Bei bet Leberrsverficherrrrigs- und Ersparniß-Bank in Stuttgart würben im loufenben Jahre bis Ende November Lebensversicherungs-Anträge über 30 507 350 gegen 28321100 JL in berselben Per tobe bes Vorjahres cingereicht, im Jahre 1891 also mehr 2186 250 JL. Als Dividende wurde für 1892 nach neuem System, Divibenbenvlan All, 40% der gewöhnlichen Todesfall- prämie und extra 20% der Zusatzprämie bei alternativer b. h. auf ein bestimmtes Lebensalter abgekürzter Versicherung festgesetzt; bie nack Dioidenbenplan B, steigende Dividende, Bethei'tgten erhalten im Jahre 1892 eine gegen das Vorjahr um 3% erhöhte Dividende aus der vollen Prämie, also einschließlich Zusatzp ämie für alternative Versicherung. Nach altem System, Dioidenbenplan AI, kommen ro'eber 34pCt. aus jeber Tobetzfallprämie zur Vertheilung.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde.
3. Aboentswochengottesdienst am Donnerstag beit 17. Dec, Abends 8 Uhr in der Stadtkirche. Pfarrer Dingeldey.
Die Vorbereitung zur Kinderkirche fällt Freitag aus.
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft
Freitag Abend 3<5 Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag B°° Uhr, Samstag Abend 440 Uhr.
7125 3ME* Für Festgeschenke.
BuxkiN'Stoff zu einem ganzen Anzüge a Mk. 5.85, Burkin«Stoff zu einem ganzen Anzuge ä Mk. 7.05, direct an Jedermann durch das
Buxkin-Fabrik-Deput Oettinger & Lo., Frankfurt a. M.
Muster sofort franco Nichtpassendes wird zurückgenommen -
1006] Tausendfaches Lob, notariell bestätigt, über HollLttd. Tabak von B. Becker in Seesen a. Harz 10 Pfb. lose |t. Beutel co. 8 Mk hat d. Exp. d- Bl. eingesehen.
Bekamttmachrmg.
Am Sonntag den 20. d. M. werden die Packetschalter der hiesigen Postämter wie an den Wochentagen offen gehalten.
Gießen, 16. December 1891.
Kaiserliches Postamt.
Ritsert.
Bekanntmachung.
Am Sonntag den 20. d. M. ist der Schalter des hiesigen Postamts wie an den Wochentagen geöffnet.
Lollar, 16. December 1891.
Kaiserliches Postamt.
Rau.
BekanUtMÄchnng.
Die Rechnung der Stadt Gießen nebst dem Verwaltungs-Vericht für 1890/91, sowie die Rechnung des städtischen Gas- und Wafferwerks pro 1890/91 liegen in Gemäßheit des Art. 87 der Städteordnung 8 Tage Lang aus dem Bureau der unterzeichneten Behörde zu Jedermanns Einsicht offen.
Gießen, den 12. December 1891.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 11037
Einträge
1)
2)
3)
7)
weiter.
10)
11)
8)
9)
derselben ist zur Vertretung und Zeichnung der Firma berechtigt.
4) August Saame in Gießen betreibt daselbst seit November 1883 Weinhandel unter der Firma seines Namens.
5) Otto Schmidt in Gießen betreibt daselbst seit 1. März 1887 Handel mit Uhren und Gold- und Silberwaaren unter der Firma
M. Hos-Wenzel.
E. Trenckmann in Gießen betreibt daselbst seit 1891 Buchhandlung unter der Firma „E. Trenckmann, Buchhandlung und Antiquariat".
Wilhelm Friedel und Eugen Asprion in Gießen betreiben daselbst Bierbrauerei unter der Firma „Friedel und Asprion". Jeder
in das Handelsregister Gr. Amtsgerichts Gießen.
Minna, geb. Wenzel, Ehefrau des Heinrich Hof in Gießen, betreibt daselbst seit 8 Jahren ein Putzgeschäft mit Laden unter der Firma
seines Namens.
6) August Wallenfels in Gießen betreibt daselbst seit 1. August d. I. Weinhandel unter der Firma seines Namens.
Gustav Walter in Gießen betreibt daselbst seit 15. September d. g, ein Material-, Colonial« und Farbwaarengeschäft unter der Firma „Gustav Walter, vormals Fr. Seibel".
Liebmann Katz in Gießen betreibt daselbst seit 1. Septbr. d. I. ein Schuhmachergeschäft unter der Firma „L. Katz".
Isaak Kann und Berthold Kann in Gießen betreiben daselbst seit 1. October d. I. Handel mit Branntwein, Liqueur und Essig unter der Firma „£• Kann". Jeder derselben ist zur Vertretung und Zeichnung der Firma berechtigt.
Emil Otto in Gießen betreibt daselbst em Uhrmachergeschaft mit Gold- und Silberwaarenhandlung unter der Firma seines Namens. Die Firma Joseph Georg in Gießen wurde gelöscht.
12) Die Firma Philipp Strack in Gießen wurde gelöscht.
13) Die Firma Löser Kann in Mainzlar wurde gelöscht.
14 August Wallenfels in Gießen ist am 1. August d. I. aus der Firma Drebes und Wallenfels daselbst ausgetreten und fllhrt Ferdinand Drebes das Geschäft unter U°b°rnahme der A-twen und Passiven unter der seitherrgen Firma als alleiniger Inhaber
Gießen, den 16. December 1891.
Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Kullmann.
11038
Bekanntmachung.
Von Freitag den 18. d. M. und die folgenden Tage, jedesmal von Nachmittags 1 Uhr an, werden Fichtenbäumchen (Christbäumchen) für den Preis von 10—50 H pro Stück im städtischen Magazin am Oswalds Berg abgegeben.
Gießen, den 17. December 1891.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 11051
Oeffentlichk AuMrrung.
Die Hypothekurkunde der Johannes Horn X. Eheleute von Steinbach, d. d. 22. Februar 1850 über 125 fl. für Apotheker Weber in Lich ist abhanden gekommen, die Schuld bescheinigter« maßen getilgt. Es werden dem Anträge der Erben der Schuldner zufolge Alle, welche etwaige Ansprüche aus jener Urkunde zu haben glauben, zu deren Geltendmachung binnen zwei Monaten, vom ersten Erscheinen dieses in den öffentlichen Blättern gerechnet, aufgefordert, als sonst nach fruchtlosem Abläufe dieser Frist die Löschung betreffenden Hypothekeintrags erfolgen wird.
Gießen, am 12. December 1891. Großherzogliches Amtsgericht.
Fresenius. 11034
MontagT21. December 1891,
Nachmittags 5 Uhr, sollen die den Erben des Herrn Rentamtmann Bott in Gießen gehörigen Liegenschaften, nämlich:
Flur 1/466 — 744 qm Hofraithe auf dem Seltersweg,
Flur 1/467 — 3494 qm Grabgarten daselbst
(Gemarkung Gießen) auf hiesigem Ortsgericht öffentlich meistbietend freiwillig versteigert werden.
Gießen, den 16. December 1891. Großh. Ortsgericht Gießen.
______ Gros.______11052
ConcursverWen.
Das Concursverfahren über das Vermögen des Heinrich Keck in Gießen wird, nachdem die Schluß- vertheilung vollzogen ist, hiermit ausgehoben.
Gießen, am 11. December 1891. Grobherzogliches Amtsgericht.
Kullmann. 11031
A-Ng-öotenes.
»x* Möbel
aller Art stets vorräthig bei [7525 K. Steller, Schiüerstraße 9.
Der Voranschlag der Gemeinde Rodheim pro 1892/93 liegt vom 19. bis einschließlich 30. d. M. zur Einsicht der Interessenten auf unserem Bureau offen.
Rodheim, 17, December 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Rodheim.
Schäfer. 11050
Neues Julienne
Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Adler" dahier gegen, zu haben bet [102 ö
Baarzahlung: ‘Drehes & TXTallenfels
1 Kasftschrank, 1 vollständige Laden- *J*ePeB «T-™
einrichtung, 2 Berliner Waagen,
2 Nähmaschinen, 1 Drehbank, Gold- RWUMWEUUMMUR—
und Silberwaaren, Sophos Nacht- ~ ,.n -..n - .,
tische, Waschtische, Betten und anderes o
ßauSmobiltar. ■ ballige Mischung, Mk. 2.80, Nachnahme.
yausmoomar $otn, Bei drei Kisten ein Präsent. [lt-205
11018 Gerichtsvollzieher ’ Friedrich Fischer, Dresden-N- 12
Ahe Grossen Gelenkpuppen.
Angekleidete Puppen.
■ =4» tn
8.
|jg
& s©
G O
L
1 3
Alle Arten Selbst- u. Gesellschafts- ’ Spiele nach Dr. Georgens Froebel.
Dr. Kichter’sche Holz- und Stein- Baukasten.
Laterna Magicas, neueste Constr.
Trommeln, Trompeten, Säbel, Gewehre etc.
Grosse Wdhnashts- Ausstellung in Kinderspiel- Waaren von J. H. Fuhr Sonnenstrasse 25.
Puppen-Zimmer, Möbel, Küchen und Küchen-Einrich- tungen, Läden, Festungen, Ställe, Theater.
Schaukel- und Roll-Pferde, Puppen- Drück-Wagen, Massive Leiter- u. Kasten-Wagen etc. 10387
Alle Puppentheile.
Julios Schulde
Kreuzplatz
empfiehlt als passende Weihnachtsgeschenke:
Qamenschürzen in Batist, Wolle, Seide etc., Kinderschürzen in feinster Ausführung.
Neuheiten in Caputzen, Baältüchern, Unterrocken, KmderkBeidchen, Tricottaillen.
Glace- und Winterhandschuhe in jeder Art.
Schulterkragen, Muffe und Boas, seidene Tücher für Damen und Herren, Shlipse, Kragen und Manschetten, Hosenträger, Normal - Hemden, Unterhosen, Unterjacken etc. in grösster Auswahl zu sehr billigen Preisen. 11043
V
ersuchen Sie gefl.
Schusters Caffee.
Verkaufsstelle Gießen: Bich. Wallach, Markt 8.
Lohnende Verkaufsstellen werden soliden Händlern an allen Orten übertragen. 4412
M. Schuster, Bonn» Dampfkaffee-Brennerei, gegr. 1857.
►


