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Dienstag den 18. August

1891

Nr. 190

Der KktzeE Zxrelßer rrfcheivt täglich, «ix Ausnahme deS Montag».

Wt Gießener fanlfitalUfhi »erden dem Anzeiger ^LL«Mlich dreimal d eigelegt.

Gießener Anzeiger

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Arnts- und JlnjeiaeMatt für den Ureis Grenzen.

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Arntlicher» Therl»

Bekanntmachung, betreffend Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft zur Entwässerung der Fluren III und XIV der Gemarkung Lich.

Nachdem zur Ausführung einer Entwässerung von Grund, stücken in den Fluren III und XIV der Gemarkung Lich Antrag auf Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft gestellt worden ist, und die Großh. Obere landwirthschastliche Behörde als fachliche Centralbehörde das beabsichtigte Unter­nehmen als zweckmäßig und zulässig erachtet, die Einleitung des Verfahrens zur Bildung einer öffentlichen Wassergenossen- schast verfügt, sowie weiter angeordnet hat, daß die bereits früher zur Offenlegung gekommenen Vorarbeiten einer Um­arbeitung unterzogen werden, wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die von dem Großh. Culturingenieur Wißmann vorgelegten Vorarbeiten zu obigem Project vom IS. August bis 1. September d. I. auf dem Amts­zimmer der Großh. Bürgermeisterei Lich zur Einsicht sämmt- licher Grundeigenthümer, deren Grundstücke in die zu ver­bessernde Fläche fallen, offen liegen.

Gleichzeitig werden diese Grundeigenthümer zur Ver­handlung und Beschlußfassung, sowie zur Wahl ihrer Ver­treter für das weitere Verfahren auf

Dienstag, 1. September l. I., Nachmittags 2 Uhr, in das Rathhaus zu Lich

vorgeladen unter Androhung des Rechtsnachtheils, daß die Nichterscheinenden sowie die Nichtabstimmenden als dem be­antragten Unternehmen beistimmend und mit der Wahl der Vertreter einverstanden angesehen und mit ihren Einwendungen gegen die Art der Ausführung später nicht mehr gehört werden.

Diejenigen Grundeigenthümer und Waffernutzungsberech- tigten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar betheiligt erscheinen, werden hiermit ausgefordert, etwaige Einsprachen gegen das Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt geltend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berücksichtigt werden und nur noch privat­rechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend gemacht werden könnten.

Gießen, am 15. August 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_____________________I. V.: Jost.______________________

Anfragen über dienstliche Verhältnisse werden in der Privatwohnung des Bezirks - Commandeurs nicht mehr ange­nommen, dagegen an Wochentagen von früh 8 bis Abends 6 Uhr, Sonntags am Vormittag im Dienstgebäude, Selters­weg Nr. 55, beantwortet.

Großherzogliches Bezirks-Commando.

Caspary,

Oberstlieutenant z. D. und Bezirks-Commandeur.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. August. Obwohl es noch immer an einer unzweifelhaft authentischen Darstellung des Unfalles, der unseren Kaiser aus seiner jüngsten Nordlandsfahrt betroffen hat, fehlt, so liegen jetzt doch hierüber höchst glaubwürdige Privatberichte vor. Ihnen ist zu entnehmen, daß sich der Kaiser bei seinem Sturz auf dem glatten Deck derHohen- zollern" die rechte Kniescheibe ausgefallen hatte, welche aber vom Leibarzt Professor Dr. Leuthold sofort in die Gelenk­kapsel wieder eingerenkt wurde. Die in manchen Blättern ausgetauchte Vermuthung, es seien in Folge des Sturzes wahrscheinlich die Gelenkkapsel und einige Gelenkbänder zer­rissen worden, erweist sich hiernach als durchaus unbegründet, nach der Versicherung der chirurgischen Autoritäten bandelt es sich nur um eine völlig ungefährliche Zerrung der Bänder und der Gelenkkapsel. Die Heilung des verletzten Kniees hat bereits solche Fortschritte gemacht, daß der Kaiser sich schon ohne Hilfe eines Stockes bewegen kann, nur zieht der hohe Herr das rechte Bein noch ein wenig nach. Am Freitag früh unternahmen der Kaiser und die Kaiserin, in Begleitung des Staatssecretärs v. Bötticher, welcher Tags zuvor zum Vortrag beim Kaiser in Kiel eingetroffen war, auf der Hohenzollern" einen Ausflug nach Eckernförde. Hier traf die Kaiseryacht Mittags ein und ankerte unter Borby. Herzog Friedrich Ferdinand von Glücksburg begab sich zur Begrüßung der Majestäten an Bord der Dacht. Die Kaiserin, in Be­gleitung des Herzogs Friedrich Ferdinand und der Hosdame Gräfin Keller, landete um 1 Uhr in Borby, von der zahl­reich versammelten Menge aus das Enthusiastischste begrüßt,

und fuhr in einer herzoglichen Equipage zum Besuche ihrer Schwester nach Schloß Grünholz. Abends kehrte das Kaiser­paar auf derHohenzollern" nach Kiel zurück. Gutem Ver­nehmen nach ist für den 18. August das gesummte Manöver­geschwader nach der Kieler Bucht beordert.

Berlin, 15. August. DerReichsanz." schreibt:Trotz­dem die Untersuchung über die wirthschaftlichen und finanziellen Folgen einer erheblichen Herabsetzung der Eisenbahntarife für Getreide und Mühlensabrikate auf weitere Entfernungen in fallender Scala noch nicht völlig abgeschlossen ist, hat die Staatsregierung in Folge der eingetretenen Verhältnisse, insbesondere wegen ungünstiger Gestaltung der Ernte­aussichten und des russischen Ausfuhrverbotes beschlossen, mit der Einführung von Beförderungsermäßigungen für Getreide- und Mühlensabrikate, in Form von Staffeltarifen, auf den Staatsbahnen alsbald, zunächst versuchsweise, vorzugehen, um eine unter den derzeitigen Verhältnissen etwa zu befürchtende Schwierigkeit in der Ernährung der Bevölkerung abzuschwächen. Der beschlossene Taris wird die gegenwärtigen Normal- Frachtsätze bis zur Entfernung von 100 Kilometer unberührt lassen, von da ab mit der Entfernung fortschreitende erhebliche Frachtvortheile gewähren. Der Taris umfaßt: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hülsensrüchte, Mais, Mehl aus Ge­treide und Hülsenfrüchten, Graupen, Gries pnd andere Mühlensabrikate.

Berlin, 15. August. Nach demReichsanz." hat sich auf Vorschlag des Arbeitsministers das Ministerium damit einverstanden erklärt, versuchsweise die Reform der P e r s o n e n t a r i f e für den Verkehr Berlins mit den Vororten, soweit derselbe besondere Vorortszüge vermittelt, vom 1. October ab einzuführen. Die Reform bezweckt in erster Linie, eine angenehme Vertheilung der Wohnplätze Berlins über ein größeres Gebiet und Erleichterung für den Er­holungsverkehr. Der neue Tarif ist so gebildet, daß die Fahrpreise für die Entfernungen bis li/2 Kilometer II. Kl. 15 Pfg., III. Kl. 10 Pfg., bis 15 Kilometer II. Kl. 30 Pfg., III. Kl. 20 Pfg., bis 20 Kilometer II. Kl. 45 Pfg., III. Kl. 30 Pfg. betragen. Ueber 20 Kilometer werden für die III. Kl. zu diesen Sätzen 3 Pfg. pro Kilometer hinzu­gerechnet. Die Preise für die H. Kl. betragen das l^sache der III Kl. Bestehen bleiben die Schülerkarten, die Zeit­karten, die Arbeiter-Wochenkarten und die Arbeiter-Rückfahrt.

Berlin, 15. August. DasColonialblatt" veröffentlicht die Beschlüsse des Colonialraths, betreffend die Zulassung ausländischer Gesellschaften zum Geschäftsbetriebe in den Schutzgebieten. -Darnach bedürfen juristische Personen des Auslandes, insofern sie Erwerbsgesellschasten, ins­besondere Actiengesellschasten oder Commanditgesellschasten zur Ausübung des Geschäftsbetriebes in den Schutzgebieten sind, der Genehmigung der Regierung. Ausländische Gesellschaften haben vor ihrer Zulassung den Nachweis genügender Mittel zu erbringen und die Zweigniederlassung in demjenigen Schutz­gebiete zu begründen, worin sie ihre Zulassung beantragen. Die von eingeborenen Häuptlingen gewährten Befugnisse öffentlich-rechtlicher Natur sind nicht als rechtsbeständig an­zuerkennen, insbesondere gilt dies für ausschließliche Wege und Eisenbahnconcessionen, Handelsmonopole, das ausschließ­liche Recht zum Bergbau, Verleihung von Bergwerksberech­tigungen, Rechten an Grund und Boden über das gesammte Gebiet eines Stammes oder einen größeren unbestimmten Theil desselben.

Im Großherzogt hum Baden stehen demnächst die Erneuerungswahlen zum Landtage bevor, bei denen es sich in der Hauptsache um einen Vertheidigungs- kampf der Nationalliberalen gegen die eine ganze Reihe nationalliberaler Landtagsmandate bedrohenden Freisinnigen, Ultramontanen und Demokraten handelt. Dieser Thatsache trägt auch der soeben erschienene Wahlaufruf der badischen Nationalliberalen Rechnung, der im Uebrigen das Programm der gemäßigten liberalen Partei Badens entwickelt. Ueber den Ausgang des nunmehr bald seinem Höhepunkte zustrebenden Wahlkampfes in Baden läßt sich zur Zeit natürlich noch nichts Bestimmtes sagen, jedenfalls dürften aber einige liberale Kreise an die Vereinigung der Gegenparteien verloren gehen. Ob indessen die Hoffnung derselben, daß die Nationalliberalen durch die Wahlen ihre bisherige absolute Mehrheit in der zweiten badischen Kammer verlieren werden, in Erfüllung gehen wird, möchte denn doch zu bezweifeln sein, so tief er­schüttert ist die Stellung der badischen nationalliberalen Partei im Lande wohl kaum.

Die diesjährige Fuldaer Conserenz der preußischen Bischöfe und der Verweser der erledigten Bischofssitze ist am Donnerstag Abend durch eine viertel­stündige Andacht im hohen Chore des Fuldaer Domes ge­schlossen worden. Theils noch am Donnerstag Abend, theils

im Verlaufe des Freitag reiften die Conferenztheilnehmer wieder von Fulda ab. Wie verlautet, berieth die Bischofs- conserenz über Ausführung der Arbeitergesetze, über andere sociale Angelegenheiten und über die Vorlage eines neuen Volksschulgesetzes. Der gemeinsame Hirtenbrief der Bischöfe wird besonders über die Bekämpfung der Socialdemokratie handeln.

Kiel, 15. August. Nach derKieler Zeitung" sand heute eine Besichtigung derHoltenauer Schleusen­bauten durch den Kaiser und die Kaiserin statt. Der Kaiser scheute die theilweise vom Regen durchweichten Wege nicht, überwand alle Hindernisse bei der Baustelle mit Leichtigkeit und unterrichtete sich eingehendst nach dem Fortgänge der Arbeiten. Die Kaiserin bekundete das lebhafteste Interesse an den Arbeiterverhältnissen und dem Fortschritte der Arbeiten seit ihrer letzten Anwesenheit im Frühjahr.

Como, 15. August. Die Landungsbrücke ist bei Abfahrt eines Vergnügungsdampfers gebrochen- sämmtliche Per­sonen stürzten ins Wasser. Zwei Personen sind ertrunken, mehrere werden noch vermißt, dreißig wurden gerettet.

ituslanö.

Paris, 15. August. König Alexander von Ser­bien ist mit seinem Vater heute Abend hier eingetroffen und wurde Namens Carnots von dessen Adjutanten Chamoin be­grüßt. Eine zahlreiche Menschenmenge war auf dem Bahn- hofe und empfing den König mit lebhaften Hochs.

Petersburg, 15. August. Die Nordische Telegraphen- Agentur erfährt, das Finanzministerium plane eine Zoll- Erhöhung auf aus dem Auslande nach Rußland impor- tirtes Obst.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Berlin, 16. August. Der Corso des Congresses der allgemeinen Radfahrer-Union, welcher sich heute Morgen 8 Uhr vom Lustgarten aus mit Musik nach dem Rennplätze in Halensee bewegte, gestaltete sich zu einem glän­zenden Aufzuge. An demselben beteiligten sich über vier­hundert Fahrer und etwa ein Dutzend Wagen mit Delegirten und den Mitgliedern des Präsidiums mit ihren Damen. In dem Zuge befand sich neben vielen Bannern eine kunstvolle, die Germania darstellende Gruppe. In Halenfee finden die Congreßberathungen und um 4 Uhr Rennen mit Meisterschasts- und Vorgabe-Fahren statt.

Kiel, 16. August. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten heute Vormittag dem Gottesdienste auf derHohen­zollern" bei. Die Kaiserin empfing darauf Dr. Barkhausen.

Schwerin, 16. August. Die Besserung im Befinden des Großherzogs von Mecklenburg hält an. Appetit und Schlaf find genügend.

Wien, 16. August. Ein Personenzug der Staatsbahn Krems-Wien entgleiste gestern Mittag bei der Einfahrt in die Station Hadersdorf- zwei Passagiere, ein Zugführer und ein Conducteur wurden schwer, ein Conducteur leicht verletzt.

Moskau, 16. August. Der Gr o ß fürst - T hro n- folger ist heute Vormittag unter enthusiastischem Jubel der Bevölkerung hier eingetroffen, nachdem ihn der General-Gou­verneur Großfürst Sergius Alexandrowitsch in Faustowo, einer Station der Moskau-Rjasan-Eisenbahn, begrüßt und hierher geleitet hatte. Bei dem Empfange auf dem hiesigen Bahnhofe waren alle Militär- und die Civilbehörden ver­treten und zahlreiche silberne Schüsseln mit Salz und Brod wurden dem Thronfolger daselbst überreicht. Nach dem Be­suche mehrerer Kirchen begab sich der Großfürst Alexander nach dem Nikolai-Palais, wo der Empfang der Deputationen von Moskau und anderer Städte stattfand. Um 3 Uhr fährt der Thronfolger nach dem Troitzky-Kloster in Sergiowo, wo er die höchste Geistlichkeit empfängt. Abends 7^ Uhr erfolgt die Rückkehr nach der Stadt.

Brüssel, 16. August. Heute Vormittag 10 Uhr fand die Eröffnung des internationalen socialistischen Arbeitercon- gresses immaison du Peuple statt. Delegirte aller Länder sind zahlreich eingetroffen, darunter aus Deutschland Bebel, Liebknecht und Singer. In der Eröffnungsrede wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß man alle persönlichen Fragen und Spaltungen bei Seite lasse und sich lediglich mit der Lösung der socialen Frage befasse.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 16. August. Der Mittags um 1 Uhr 45 Min. vom Anhalter Bahnhof abgegangene Personenzug Berlin-