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Nr. 164.Samstag den 18. Juli
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Hmeral-Mnzeiger.
1891
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Durch die Post bezog« 2 Mark 60 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kttie Aiefzen.
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een Ruzeige« -rr der Kochmittags für d« Wg-notz^» Lag erscheinenden Kummer bis Norm. 10 U6r.
Alle Unnvuceu-Oureaux des In- und LusNmdes ach»« Anzeigen für dm „Gießener Anzeiger^ mtgeg«.
Amtlicher Theil.
Gießen, 15. Juli 1891.
Betr.: Die Jnstmction für Ausstellung und Prüfung der Gemeindevoranschläge.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzogl. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Es hat sich, insbesondere auch in Folge des Gesetzes vom 19. Juli 1890, betreffend die Aufhebung des Gesetzes vom 22. November 1872 über die Mitwirkung der Forensen bei der Festsetzung des Gemeindevoranschlags die Nothwendigkeit zu einigen Abänderungen des Formulars für die Gemeinde- voranschäge ergeben.
Von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz ist daher der Zahlenvoranschlag und das Berathungsprotokoll neu redigirt, insbesondere in der Weise abgeändert worden, daß der Vordruck „Die Vertreter der Forensen" überall wegsallen und weiter auf der Rückseite des Zahlenvoranschlags in der vom Bürgermeister auszustellenden Bescheinigung folgendes eingefügt "werden soll:
1. nach dem Worte ortsüblicher: „und im Kreisblatt Nr. . . vom.....189 . erfolgter"
2. am Schluffe dieser Bescheinigung: „Während der Offenlegungsfrist sind .... Reclamationen eingelangt." Wegen des Neudrucks der Formulare ist durch uns das Erforderliche veranlaßt worden; die von Ihnen etwa bereits angeschafften Formularien können abgeändert und aufgebraucht werden.
_________________v. Gagern.__________________
Bekanntmachung,
betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigsreiwilligen Militärdienst im Herbst 1891.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1891 stattsindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1. August 1891
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt:
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüflings - Corn- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.
4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeugniß;
b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen aetiven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein;
c. ein Unbescholteuheitszeugnitz, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist,-
d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Uubescholtenheitszeugniß beizulegen.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- aus specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt, den 4. Juli 1891.
Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende:
Dr. Zeller.
Neueste Nachrichten.
WoM telegraphisches Torrespondmz-Burean.
Berlin, 16. Juli. Der „Staatsanzeiger" publicirt das Gesetz betreffend Aenderung des Wahlverfahrens.
Kassel, 16. Juli. Das bisherige Gesammtergebniß der Reichstags-Ersatzwahl ist folgendes: Alvensleben (cons.) 1044, Endemann (natllib.) 4116, Förster (Antisemit) 3289, Martin (Hess. Rechtsp.) 1018, Pfannkuch (Socialist) 7243 Stimmen.
Friedrichsruh, 16. Juli. Fürst Bismarck mit Gemahlin ist heute Mittag nach Schönhausen abgereist und begiebt sich in einigen Tagen nach Kissingen.
München, 16. Juli. Der angekündigte Bericht der Generaldirection über das Eggolsheimer Bahnunglück umfaßt 15 Folioseiten. Nach demselben hängt die Entgleisung des Berliner Ferien-Extrazuges mit der Geleiseveränderung zusammen. Dieselbe wurde gemäß dem überall anerkannten Verfahren durchgeführt, die Unterstopfung der Querschwellen und Granitwürsel geschehe stets erst allmählig, nachdem die Tragfähigkeit durch Bahnzüge mit gemäßigter Geschwindigkeit stufenweise festgestellt sei. Betreffs der nothwendig werdenden Auswechslung vereinzelter angefaulter Bahnschwellen oder schlechter Schienennägel bestehe bei den bayerischen Bahnen ebenso die strengste Controle der Schienenstrecken, wie im übrigen deutschen Reiche. Ein Güterzug passirte am 4. Juli Morgens zuerst das ausgewechselte Geleise. Der Führer des Güterzuges nahm eine Unregelmäßigkeit der einen Granit- würselreihe, wahrscheinlich der infolge der Regengüsse während der Nacht unterwaschenen, wahr, worauf ein Vorarbeiter sofort mit der Ausbefferung beauftragt wurde. Gerichtlich bleibe festzustellen, ob der Vorarbeiter demgemäß verfahren, sowie ob das erforderliche schrittweise Passiren des Extrazuges angeordnet wurde. Hätte der gesammte Extrazug selbst- thätige Luftdruckbremse gehabt, so wäre das Unglück außerordentlich eingeschränkt worden. Geschwindigkeitsmesser führten bisher nur die Schnellzugsmasch'inen. Der Bericht schließt: „Wahrscheinlich hätte der bedauernswerthe Unfall bei erhöhter Aufmerksamkeit des betheiligten Personals vermieden werden können, doch berechtige der Einzelsall keineswegs die Presse zur Verurtheilung des gesammten Systems der bayerischen Bahnen."
Wien, 16. Juli. Nach einer Meldung aus Mekka sind dort bis zum 13. Juli 33 Cholerafälle eonstatirt.
Paris, 16. Juli. Der Aus stand der Bahnbediensteten hat heute weitere Fortschritte gemacht. In den Werkstätten der Westbahn striken 651, in denen der Ostbahn 200, der Paris-Lyonerbahn 800, der Orleansbahn 560. Der Güterbahnhof der Westbahn ist wegen Mangels an Arbeitern heute geschlossen. Die Direetion der Westbahn fordert Wiederaufnahme der Arbeit innerhalb 24 Stunden, widrigenfalls die ausständigen Arbeiter durch andere ersetzt werden würden. — Heute Nachmittag beschloß eine Versammlung von 6000 Arbeitern die Fortsetzung des Strikes.
Paris, 16. Juli. Nach weiteren Meldungen aus Ville- sranche sind bei dem Eisenbahnunglück zwischen Najac und Laguepic mehrere Personen verwundet, jedoch nur eine schwer.
Paris, 16. Juli. Der Strike der Arbeiter in verschiedenen Arbeitsstätten der Eisenbahngesellschasten hat sich heute ausgedehnt, dagegen ist das Zugpersonal in allen Gesellschaften vollzählig.
Paris, 16. Juli. Aus Villefranch e (Ronergue) wird gemeldet, daß der um Mitternacht von Toulouse abgegangene Expreßzug zwischen Najac und Laguepic entgleist ist und zwölf Waggons umgeworsen worden sind. Die Anzahl der Verwundeten soll beträchtlich fein. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Rom, 16. Juli. Der Papst empfing Mittags den preußischen Gesandten S ch l ö z e r, welcher am Dienstag seinen Sommerurlaub antritt.
Rom, 16. Juli. Stefani-Meldung. Die italienisch- deutsch-österreichischen Handelsvertrags - Verhandlungen sind bis zum Abschlüsse der österreichisch-schweizerischen Verhandlungen in Wien vertagt.
London^ 16. Juli. (Unterhaus). Fergusson erklärte, die Ausdehnung der Frist zur Ratifizirung der Brüsseler Anti scl av er ei acte sei principiell acceptirt, der Zeitraum der Ausdehnung indeß noch unbestimmt. England habe Angesichts der Vertagung^ der Ratification seitens Frankreichs, Portugals und der Vereinigten Staaten von Nordamerika in die Fristverlängerung eingewilligt- welches Verfahren nach Festsetzung des Zeitraums werde adoptirt werden, könne er nicht sagen.
Bergen, 16. Juli. Die „Hohenz ollern" und „Priuceß" Wilhelm" sind Nachts eingelausen. Heute früh salutirten die Geschütze der Festung die aus der „Hohenzollern" gehißte Kaiserflagge.
Bergen, 16. Juli. Der hiesige deutsche Consul Mohr, vom Kaiser zur Frühstückstasel geladen, begab sich heute Vormittag an Bord der Dacht „Hohenzollern." Einige Herren des Gefolges unternahmen eine Spazierfahrt in der Stadt. Um 5 Uhr Nachmittags fuhr der Kaiser ans Land und fuhr zur Villa des deutschen Consuls Mohr. Von dort kehrte der Kaiser zur Dacht „Hohenzollern" zurück. Die Weiterreise erfolgte heute Abend 9 Uhr.
Stockholm, 16. Juli. Gestern gaben auf Schloß Gripsholm am Mälarsee die schwedischen Marineoffiziere ein Festessen den Offizieren des französischen Nordgeschwaders. Admiral Virgin toastete auf den Präsidenten Carnot und die französischen Offiziere, der französische Gesandte aus den König Oskar und Admiral Gervais aus die schwedischen Offiziere. Die Menge am Landungsplatz begrüßte die französischen Offiziere mit lebhaften Zurufen.
Rewyork, 16. Juli. Aus Sandiego wird gemeldet, daß dort ein Streit zwischen den Seeleuten des Kriegsschiffes „Charleston" und Polizeioffizieren stattgefunden hat, welche sich gegen die Menge verteidigten und nach der Verhaftung eines Seemanns einen Matrosen tödteten; dieselben werden zur Verantwortung gezogen.
Newyork, 16. Juli. Auf der Missouri-Pacific- Bahn fand bei dem Fort Scott in Cansas ein Zusammenstoß zwischen einem Waarenzug und einem Personenzug statt. Ein Wagen wurde umgestürzt und 10 Reisende erhielten Verletzungen.
Loyaler uttfr provinzieller.
Gießen, 17. Juli.
— Sitzung Grotzherzogl. Handelskammer vom 8. Zuli 1891. Anwesend waren die Herren: Koch, Scheel, Gail, Heichelheim, Katz, Klingspor, Kraatz, Wortmann. Seitens Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz war schon vor einiger Zeit bei der Kammer angefragt worden, welche Stellung der hiesige Bezirk der für das Jahr 1893 geplanten Weltausstellung in Chicago gegenüber einnehme und ob eine Beschickung derselben mit deutschen Jndustrieerzeugniffen für vorteilhaft erachtet werde. Die damals bei den in Betracht kommenden Exportfirmen des hiesigen Bezirks vorgenommene Umfrage hatte das Resultat ergeben, daß dieselben sich sämmtlich gegen eine Betheiligung aussprachen und zwar wesentlich aus dem Grunde, weil mit Rücksicht aus die zur Zeit in Amerika geltenden außerordentlich hohen Eingangszölle der Export nach den Vereinigten Staaten lahmgelegt sei und eine Ausstellung deutscher Pro- ducte in Chicago lediglich den Amerikanern Gelegenheit zur Nachahmung und weiteren Beschränkung der deutschen Con- currenz bieten würde. In diesem Sinne wurde damals an Großh. Ministerium berichtet. Dieses theilt nun der Kammer neuerdings mit, daß die ablehnende Stellungnahme des hiesigen Bezirks ursprünglich diejenige des größten Theiles Deutschlands gewesen sei, daß sich jedoch neuerdings ein Umschwung zu vollziehen scheine, weßhalb die Kammer wiederholt ausgesordert wird, diese Frage nochmals in Erwägung zu ziehen. Zunächst wird daher beschlossen, bei den für Amerika in Betracht kommenden Exportfirmen nochmals Umfrage zu halten, ob sich auch bei ihnen der behauptete Umschwung vollzogen habe oder ob sie aus ihrem früheren ablehnenden Standpunkte verharren und je nach dem Ausfall dieser Um- srage sodann an Großh. Ministerium zu berichten. — Die Königliche Eisenbahn-Direction Hannover hatte die Kammer um gutachtliche Aeußerung darüber gebeten, ob in den Kreisen des Handelsstandes die feit dem 1. September v. Js. im Westdeutschen Eisenbahnverbande durchgeführte Schnittform des Taris-Kilometerzeigers sür die Ermittelung der Frachtsätze sich bewährt habe und als zweckmäßig befunden worden. Das Gutachten der Kammer wurde dahin abgegeben, daß nach den Mittheilungen aus den Kreisen des hiesigen Handels- standes und den Erfahrungen der Kammer durch die im Westdeutschen Eisenbahnverbande eingeführte Schnittsorm des Taris-Kilometerzeigers die Ermittelung der billigsten Frachtsätze wesentlich vereinfacht und erleichtert worden ist. — Es wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß nach einer der Kammer zugegangenen Mittheilung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz aus den österreichischen Staatsbahnen die Musterkoffer von Handlungsreifenden, welche eine Legitimationskarte mit sich führen, zu dem von 0,2 aus 0,1 Kreuzer für 10 Kilogramm und 1 Kilometer ermäßigten Satze befördert werden und daß diese Vergünstigung auch den


