Ortsgerichtsvorsteher daselbst einen Scheerenschleiser und Geldsack geschimpft hat. — In Pfeddersheim wurde am Sonntag Abend dem Wagenwärter Schmidt von Darmstadt ein Fuß abgefahren. Der Unglückliche wurde ins Hospital nach Worms verbracht. — Vom Schwurgericht zu Mainz wurde am 15. d. Mts. die Dienstmagd Elise Petry aus Neuenkirch, welche am 6. März ihr in Marburg geborenes Kind in den Rhein geworfen hatte, wegen Todtschlags zu 2J/2 Jahren Gesängniß verurtheilt. — In Worms sand am Sonntag der Mitteldeutsche Bäcker- Verbandstag unter Theilnahme einer großen Anzahl Berufsgenossen aus allen Theilen der Bezirke statt. Mit dem Verbandstag ist eine, das Bäckergewerbe in allen seinen Theilen darstellende Ausstellung verbunden, welche sich eines lebhaften Besuches zu erfreuen hatte. — In Worms sand am 13. Juni ein ^/zjähriger Knabe durch Sturz in den Gerberbach seinen Tod. — In Nauheim bei Groß-Gerau war in voriger Woche ein Wagnermeister mit dem Zuschlägen eines Rades beschäftigt, als sich das schwere Eisen der sog. Schlage ab- lbste und den mitbeschäftigten 15 jährigen Sohn des Wagners so unglücklich an den Leib traf, daß der junge Mann noch am Abend starb. — In Groß-Steinheim besucht gegenwärtig ein Junge von 10 Jahren die Schule, der bis jetzt noch kein Härlein auf dem Kopfe hatte. Auch ist keine Aussicht aus einen künftigen Haarwuchs vorhanden. Der junge Kahlkops bietet einen seltsamen Anblick.
Literatur unö Aiunst.
— Die italienische und spanische Abtheilung der Berliner Kunstausstellung steht auch diesmal wieder im Mittelpunkte des Interesses, das die bedeutsame Berliner Veranstaltung allcntbalbm heroorruft. Es wird deshalb für Viele von Interesse sein, Näheres
über die Persönlichkeiten der Künstler zu erfahre», welche Italien und Spanten so glanzvoll vertreten. Die neuesten Hefte (18 und 19) der „Modernen Kunsts (Verlag von Rich. Bong, Berlin W.) veröffentlichen soeben „Italienische Atelier- und Salonbesuche", welche die italienischen Künstler und die große Zahl der spanischen Maler, welche in Rom leben, charactertsiren. Daß die „Moderne Kunst" daneben auch der Berliner Ausstellung besonderes Interesse widmet, ist selbstverständlich. Zu ihren Kunstbeilagen wird so manche Perle der jetzigen Ausstellung zählen und auch darin, wie überhaupt in der ganzen Ausstattung, steht die „Moderne Kunst" allen anderen Zett- schrtsten voran. Großes Interesse bietet ferner der textliche Theil des Blattes; die Erzählung „Der Steckbrief" von Wilh. Berger ist ein sehr fein gestimmtes modernes Sittenbild. Thiersreunde werden an dem großen Doppelbilde „In der Wüste" und an den zahlreichen Thierstudten ihre Freude haben, mit denen Wilhelm Kuhnert, der bekannte Löwenmaler, vertreten ist. Eine Schilderung des deutschen Theatergastspiels in Petersburg leitet eine Serie von Aussätzen über Rußland ein. Der sonstige Inhalt ist reich an actuellen Berichten aus allen Kunstzwetgen; die „Moderne Kunst" verdankt gerade der feffelnden Berichterstattung über diese Tagesangelegenheiten ihren Ruf. Von den Kunftbeilagen seien außer dem Kuhnert'schen Bilde noch „Die Hexe" von Luke Fildes, „Der verlorene Sohn" von C. Feudel, „Otfiziere Napoleon I. von italienischen Aristokratinnen bewirthet" von Aloarez rc. genannt. Preis des Vierzehntagsheftes 60 Pfg.
verkehr, Land« nnd VolksrvirLhschaft.
Frankfurt. 15. Juni. Viehmarkt. Es waren angetrieben 400 Ochsen, 27 Bullen, 350 Kühe, Stiere und Rinder, 295 Kälber, 36Hämmel und 341 Schweine. Die Preise stellten sich für Ochsen 1. Qual, auf JL 67—69 pr. Ctr Schlachtgewicht, 2. Qual. JL 62—65, Bullen 56—58, Kühe und Rinder 1. Qual.
60-66, 2. Qual. JL 47-54, Kälber 1. Qual. 65—70 2. Qual.
55—60 Hämmel 1. Qual. 64—66 2. Qual. 58—60 H per
Pfd-, Schweine 1. Qual- 63—55 H, 2. Qual. 50—52 H pr. Pfd. Schlachtgewicht.
8 Herchenhain, 16. Juni. Auf dem heutigen Viehmarkt waren nach amtttchm Mittheilungen aufgetrieben 139 Stück Rind
vieh und 818 Schweine. Es kosteten frisch melkende Kühe 220—350 Mk., Kälber 20—35 Mk., einjähriae Rinder 120—130 Mk. In Schweinen waren meistens Frühjahr- und Sommcrferkel aufgetlleben, es kosteten 6—7 Wochen alte 20—30 Mk., ältere 70-85 Mk. daS Paar. Zuchtschwetne kosteten 80—90 Mk. das Stück. Verkauft wurde ungefähr drei Viertel des aufgetriebenen Viehes.
— Allgemeine Renten-, Capital- u. LebenSverficherrrrrgö- bank Teutonia in Leipzig. Bis 31. Mat 1891 gingen ein 1630 Anträge über 5866000 Mk. VersiLerungsumme; ausgesertigt wurden 1286 Versicherungen über 4635000 Mk. Versicherungssumme. Am 31. Mat 1891 waren in Kraft 45378Policen über 116710000 Mk. Verstcherungsumme. Die durch Tod in den ersten 5 Monaten des laufenden Jahres fällig gewordene Versicherungsumme belief sich auf 691600 Mk. Bisher gezahlte Versicherungsumme: 31 Millionen Mark.
Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gießen.
23. Woche. Vom 7. Juni bis 13. Juni 1891. Einwohnerzahl: 20 611 (tncl. 1600 Mann MUitär). Sierblichkeitsztffer: 20,19 "/ogbezw. 12,62 nach Ausschl. der Ortsfremden.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
Nachenbräune 1 (1) — — 1 (1)
Gehtrnschlog 11 — —
Selbstmord 11 — —
Andere bekannte
Krankheiten 5 (2) 5 (2) — —
Summa: 8 (3) 7 (2) - 1 (1)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in dec Betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Temperatur der Kahn und Lust gemessen am 17. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 12, Luft 14 Grad Reaumur.
L. Ehr. Rübsamen Wwe.
Submission.
Für die chirurg.-ophthalm. Univ.- Klinik sollen die im Rechnungsjahr 1891/92 nöthigen Weißzeug- unb Kleidungsstücke auf dem Wege der Submission vergeben werden.
Die Bedingungen liegen an den Wochentagen Nachmittags von 3—5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen.
Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Auffchrift versehen, bis zum 29. ds. MtS., Mittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben.
Gießen, den 17. Juni 1891.
Gr. Verwaltungs-Direction der chirurg-ophthalm. Univ.-Klinik. _______Bose. Vossius. [5631
Arbeitsversteigerung^
Mittwoch den 24U Juni d. I., Nachmittags 3 Uhr, sollen bei unterzeichneter Stelle in Accord gegeben werden: veranschlagt zu 1) Maurerarbeit mit Material 270«^. 2) Steinhauerarbeit 274 „
3) Zimmerarbeit 140 „
4) Schlofferarbeit mit Eisenlieferung 675 „
5) Weißbinderarbeit 35 „
6) Pflasterarbeit 318 „
7) Chaussirarbeit 171 „
8) Steinlieferung dazu 90 „
9) Zerschlagen von Unterhal
tungssteinen für die Ortsstraßen 52 „
Londorf, am 16. Juni 1891.
Großh. Bürgermeisterei Londorf. A umann. 5634
Versteigerung.
Mittwoch den 24. Juni l. I., Vormittags 9 Uhr, soll in der Hofrailhe des verstorbenen Fuhrmanns Ludw. Weber zu Bieber ein fehlerfreies zugfestes Arbeitspferd, braune Stute, 6 Jahre alt, mit Geschirr und Wagen, sowie eine Kuh und ein schönes trächtiges Rind meistbietend versteigert werden. Nähere Auskunft ertheilt der Unterzeichnete.
Fellingshausen, den 15. Juni 1891.
(Post Rodheim a. d. Bieber).
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Gießen, den 15. Juni 1891.
Großherzogliche Bür rmeisteret Gießen.
___Gnauth.____________________5624
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Danksagung.
Für die vielen Beweise aufrichtiger Freundschaft und herzlicher Zuneigung, die mir aus Anlaß meiner 50jährigen Jubelfeier durch Betheiligung am Feste selbst, durch Ueberreichung von Geschenken, durch Zusendung von Telegrammen und Segenswünschen von allen Seiten dargebracht wurden, sage ich auf diesem Wege verbindlichen und tiefgefühlten Dank.
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