da» leinene Tuch von meiner Schlafstelle ab und kam, ohne von 3 meiner Großmutter gesehen zu werden, zwar mit klopfendem Herzen, aber freudig erregt über den Erfolg meiner Waghalsigkeit, in der „Requisitenkammer" des „Schcusipiel- ha«ses" an.
Als Belohnung für diesen geleisteten Dienst gab mir der Direetor einige „Zuckerl'n".
Abends stellte ich mich, nichts Schlimmes ahnend, pünktlich an Ort und Stelle ein. Die Borstellung begann, alles ging glatt, ja, sogar das leinene Tuch wallte vom Kopse der Deborah, ohne bei dem zahlreich erschienenen Publikum Bedenken zu erregen. Ich memorirte während dieser ganzen Zeit meine Rolle. Da kam das Stichwort für mich. Ich trat hinaus und begann ohne Zagen, ohne Furcht die Strophen herzusagen.
Da plötzlich erscholl ans dem Zuschauerranme eine Stimme, die ich als diejenige meiner Großmutter erkannte:
„Willst Du gleich heruntergehen, Katherl, willst Du gleich gehen! Na, warte! Komme Du nur nach Hause?"
Ich l'.eß mich nicht aus der Fasiung bringen und als ich geendigt, rief ich von der Scene herab:
„Großmutter! Jetzt bin ich fertig, ich komme gleich!"
Ich sah noch, wie sich die große Gestalt meiner Großmutter von ihrem Sitze erhob und hastigen Schrittes den Huschauerraum verließ. Als Honorar erhielt ich vom Director eine „große ächte Korallen".Halskette aus ganz ächtem rosa- rothem Glas. Wenngleich, wie ich nicht verhehlen will, diese fürstliche Gratisication mir viel Spaß machte und ich diesen Schmuck noch lange wie ein Heckigthum bewahrte, so konnte doch die Freude über diesen Loh« auch nicht entfernt gegen das erhebende Bewußtsein auskommen, daß es mir vergönnt gewesen, „der Kunst in Stampfen" einen Dienst zu leisten.
(Schluß folgt.)
gfttattt für Reisekosten der Beamte« und Offiziere, de« Deriabertwi Herhältntffe» entsprechend, einer Reoifton |« unterziehe« «eb hierbei Nr Dienstreisen, welche auf Eisenbahnen oder Dampfschiffe« z«r>ck- «elegt werden, an Stelle der Kilometergelder die Beträge für die -ahrkarten zu vergüt^,.
Die Resolution wird angenommen.
Beim Etat der Reichsetsenbahnen spricht sich Abg. Graf Moltke für die Einführung einer Einheitszeit für dm Eisen bahn- drtrieb in ganz Deutschland aus. Jetzt existirten in Deutschland Auf verschiedene Zeitm nnd Zonen; e8 sei das eine Ruine a»s Deutschlands Zersplitterung, die sich leicht wegrSumm laste. Es Kege in dem bestehenden System eine wesentliche Erschwerung für de» Betrieb namentlich bei den Leistungen, die für militärische Awecke von den Eisenbahnen gefordert werben müssen. Namentlich erschwere eS die Veranstaltung von Dispositionen, die bet BetriebS- ftockangen augenblicklich gefaßt werden müssen. Wenigstens für den Eisenbahnverkehr sei die Einführung einer Einheitszeit unter Beseitigung der Ortszeiten für Deutschland, die dann zu einer Einheitszeit für Mitteleuropa ausgedehnt werden könne, dringend geboten. Die Wissenschaft gehe noch weiter, sie verlange eine Weltzeit; sie möge dieselbe Haden, aber auch für sich behalten. Für den Eisenbahnbetrieb mürbe eine Weltzeit unmöglich sein. Die Bedenken, die gegen eine Einheitszeit für Deutschland mit Rücksicht auf den Betrieb der Land- mirthschaft, dm Fabrikbetrieb rc. geltend gemacht worden, seim un- ■wfeniltd?. Es werde bezügliche Verhandlungm sehr erleichtern, wenn der Reichstag sich sympathisch zur Einführung eines Systems stelle, das sich in Amerika, in Schweden, Dänemark rc. bewährt habe. (Beifall.),
Abg. Fthr. v. Stumm (Rp.) hält seine Bedenken gegen die Einheitszeit aufrecht.
Zum Etat des Jnvaltdensonds werden folgende Resolationm •»genommen: Die Regierungen zu ersuchen, zu erwägen, inwieweit a«8 den Mitteln des Reichsinvalidenfonds für die Militärpersonen der Unterklassen, welche durch den Krieg invalide geworden, eine Erhöhung an Penfionszulagen oder der Entschädigung für Einbuße an der Erwerbsfähigkeit angqeigt erscheint; inwieweit die KriegSiuvaliden ans der Zeit vor 1870/71 den Kriegsinoaltden aus dem Kriege von 1870/71 gletchzustellen find; und inwieweit die Unzuträglichkeiten zu beseitigen sind, die sich bei Anwendung der SS 33, 102 und 103 des Militärpenstonsgesetzes vom 27. Juni 1871 der S 15 der GesetzeS- nsvclle vom 4. April 1874 fühlbar gemacht haben.
Beim Etat des Post- und Telegraphenetats rechtfertigt Abg. Nollrath (bfr.) die Forderung der Herabsetzung der Gebührm für Aeitungstelegramme unter Hinweis auf die erhöhte Telegrammeinnahme »ach dem Eintritt der Herabsetzung der Wortgebühr auf 5 Psg. Er befürwortet ferner gleiche Berücksichtigung für Eivil- Postaspiranten, wie sie den Milttäranwärtern zu Theil werde und führt sodann Beschwerde über die Verfolgung des Post-Assisteuten- Werbandes, dem man, obgleich er sich völlig loyal verhalte, social- demokratische Tendenzen zuschreibe. In Leipzig habe man den Verband «öllig verboten und man nehme damit den Leuten die Möglichkeit, **f eine Besserung ihrer materiellen Lage hinzuwirken.
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antisemit) bittet um Errichtung einer Postabfertigungsstelle in Cassel. Das liege auch im Politischen Interesse, denn es mache sich jetzt wieder eine Bewegung 1« Gunsten der Wiederherstellung des Kurfürstenthums Hessen geltenb. Gr beschwert sich dann über die Strafversetzung eines Postbeamten rnege» antisemitischer Agitation. In den Kreisen der Postbeamten, damit habe der Vorredner Recht, habe die socialdemokratische Agi- tatlen keinen Eingang gefunden, obgleich die socialdemokratische Propaganda Alles aufbiete, um sie in ihre Kreise zu ziehen. Sehr münschenswertb wäre auch, den Briefträgern im Sommer Leinwand- «isormen zu schaffen.
Director im Reichspostamt Dr. Fischer weist darauf hin, daß ta de» Verhältnissen der Postbeamten in den letzten Jahren eine Wesentliche Besserung eingetreten sei. daß alle Wünsche zu befriedigen •6er einfach unmöglich sei. Auf die Errichtung von Postanstalten Hütten semitische oder antisemitische Tendenzen keinen Einfluß. Die Reichspostoerwaltung scheue die Oeffentlichkeit in keiner Weise. Die Geusur über Aeußerungen der Postbeamten in der Presse über Gegenstände der Verwaltung sei vom jetzigen Generalpostmeister aufgehoben worden. Gegen den Assistentenverein habe die Verwaltung eine Passive Haltung eingenommen, bis einzelne Mitglieder derselben L«laß zum Einschreiten gaben, indem fie um Erholungsurlaub nach- suchten, um Reisen zur Propaganda für den Verband zu unternehmen. Der Beamte, dessen Versetzung der Vorredner erwähnte, sei keineS- megs wegen außerdienstlicher Thätigkeit versetzt, sondern wegen Verlust eines Briefes.
Abg. Förster (Soc.) wünscht, daß die Telegraphenverwaltung bei der Anlage von Fernsprechverbindungen in erhöhtem Maße Billigkeitsrücksichten obwalten lassen möge.
Abg. Wisser regt eine Erweiterung der Postbegünstigung für die Armee an.
Abg. Dr. Schädeler (Etr.) beschwert sich gleichfalls über Strafversetzungen wegen Zugehörigkeit zum Postassistentenoerein. Offenbar suche man Zwecke in diesem Verein, die dieser nicht verfolge. Der Verein ergänze die Wohlthätigkeitsbestrebungen der Post- »erwaltunß und gewähre dm Beamten eine legale Vertretung.
Hierauf wird die Berathung des Etats unterbrochen «nd die Patentgesetznovelle in dritter Lesung debattelos angenommen.
Morgen 2 Uhr: Etat, Petitionen.
Neueste Nachricht««.
WolstS telegraphisches Lorrespondenz-Burrau.
Berlin, 16. März., Die Deputation deS elsaß-lothringi- schen Landesausschusses hat, ausgenommen Baron Zorn von Bulach und Schriftführer Otto, die noch hier zurückgeblieben, Mittags die Rückreise nach Straßburg angetreten.
Berlin, 16. März. Der Papst übersandte der Familie Windthorfts ein längeres Beileidstelegramm.
Berlin, 16. März. Den „Berliner Politischen Nachrichten" zufolge bestätigt sich die Designirung des Regierungspräsidenten H o l w e d e zum Unterstaatsfecretär des Cultuß- ministeriums nicht; es scheine noch keine Entscheidung getroffen zu sein.
Bern, 16. März. Bei der gestrigen Volksabstimmung wurdedas Bundesgesetz, betreffend die Ruhegehalte der arbeitsunfähigen eidgenössischen Beamten mit 342,137 gegen 90,641 Stimmen abgelehnt.
Wien, 16. März. Die nächste Conferenz der österreichischen mit den deutschen Delegirten über den Handelsvertrag findet wahrscheinlich erst übermorgen statt.
Budapest, 16. März. In Folge Eisstauungen bei Mohacs sind die Donaugemeinden südöstlich des Pester Comitates in größter Gefahr. Die Ortschaft Hogyizlo ist in Folge Dammbruchs seit gestern überschwemmt. In Solt sind über 200 Häuser eingestürzt. Die bei Mako aufgestaute Eismasse hat sich gestern Nachmittag in Bewegung gesetzt und ist gegen 7 Uhr Abends bei Szegediu angelangt. Sie ging ohne Schaden zu verursachen weiter. Auch für Temeswar scheint die Gefahr beseitigt zu sein.
Prag, 16. März. Anläßlich der heutigen Wahlen de- mOnstrirten Abends czechische Studenten. Die Polizei schritt ein und verhaftete vier derselben.
Tilsit, 16. März. Der Eisgang auf der Memel hat heute begonnen.
Sofia, 16. März. Der frühere Kriegsminister Mut- kurow starb plötzlich in Neapel während der Rückfahrt vom Theater. Der Ministerrath entsendete eine Commission nach Neapel, um die Ueberführung der Leiche nach Sofia zu ver- anlaffen. Die Bestattung wird aus Staatskosten erfolgen.
Sairo, 15. März. Professor Koch ist gestern hier eingetroffen. Er räth zum Bau von Baracken in Theben für Phtisiskranke, da er das dortige Klima für sehr günstig hält.
Buenos Ayres, 15. März. Der Belagerungszustand ist aufgehoben und die Wahlen verlaufen durchaus ruhig. Die Wahlliste der Union Civica ist im Vorsprung. General Mitre wird am Mittwoch hier erwartet.
Loyaler unt Provinzielles.
Gießen, 17. März.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 19. März 1891, Nachmittags 4 Uhr:
1. Gesuch des Johannes Sick um Ertheilung der Winh- schaftsconcession. 2. Gesuch des Jacob Happel um Erlaub- niß zur Erbauung eins Lagerhauses. 3. Baugesuch des Hermann Katz, hier Dispensation von baupolizeilichen Vorschriften. 4. Gesuch des Philipp Euler um Erlaubniß zur Errichtung eines Vorbaues. 5. Gesuch deS Ehr. Arnold um Errichtung einer Scheuer in den Eichgärten. 6. Baugesuch des August Kretschmar. 7. Gesuch der L. C. Rübsamen Wwe, nm Ueberlassung eines Sandlagerplatzes. 8. Gesuch des Georg Koch um käufliche Ueberlassung von Gelände. 9. Die Ausstellung von Telegraphenstangen am Riegelpfad. 10. Anlegung von Militärschießständen, hier Verhütung von Unglücks- sälleu durch Abfperruugeu. 11. Die Versetzung der städtischen Triebvicrtel mit Gewann- und Nummersteinen rc. 12. Die Maul- und Klauenseuche, hier Aufhebung des Verbots wegen Abhaltung der Märkte. 13. Wohnungsvergütung für Lehrer Feuerbach.
— I). Turnerisches. Die vvlksthümlichen Uebungen für das 19. Kreisturnfest in Hanau am 25.-28. Juli d, I. sind nunmehr durch den technischen Ausschuß bestimmt und bekannt gegeben und sind: Stabhochsprung ohne Sprungbrett, Freiweitsprung, Steinstoßen (mit eisernem Würfel oder Stein). Dieselben Uebungen gelten auch für das Gauturnfest in Butzbach und für die Gauturnfahrt nach dem Hainig bei Lauterbach. Für letztere kommt noch Wettlaufen hinzu.
— Schwurgerichtsverhandlung vom 16. März. Zur Verhandlung kommt die Strafsache gegen Friedrich Wilhelm Gilbert von Heuchelheim wegen gefährlicher Körperverletzung und Körperverletzung mit tödttichem Erfolge. Als Staatsanwalt fungirt Herr Gerichts-Assessor Schilling-Trygophorus, als Vertheidiger Herr Gerichts-Assessor Wiener als Stellvertreter des Rechtsanwalts Grünewald, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren Bürgermeister Hensel, Baumann, Hämmerle, Löber, Menget, Jhring, Brück (Gießen), Kalbhenn, Dörr, Schmidt, Schäfer und Brach (Gießen). Die Beweisaufnahme ergab Folgendes: Am 26. October 1890, einem Sonntag, begab sich Friedrich Wilhelm Gilbert, ein Mitglied der sogenannten Kreiling'schen Gesellschaft junger Burschen in Heuchelheim, des Abends etwa um 7 Uhr in die Wrrth- schaft zum Treppchen daselbst, wo er mit mehreren Kameraden biß gegen 9 Uhr verweilte. Er trank daselbst nur zwei Glas Bier und einen Rum. Hiernach suchte er mit einem Angehörigen der genannten Gesellschaft die Wirtschaft von Ludwig Kröck X. aus. Die Burschen unterstellten, dort eine Mädchengesellschaft zu finden. Sie hatten sich indessen getäuscht, sie trafen in der Oberstube vielmehr eine Anzahl Mitglieder der Kröck'schen Gesellschaft, einer anderen Kameradschaft Heuchelheimer Burschen. Obwohl sie sich an einen andern Tisch setzten und das Zusammentreffen durchaus zufälltg war, gab es alsbald Stichelreden von einer Gesellschaft zur andern, ohne daß eine bestimmte Person als Urheber bezeichnet werden könnte. Daraus entstand in kurzer Zeit ein Wortwechsel, insbesondere zwischen dem Angeklagten und Ludwig Rinn auf Seiten der Gegner. * SBir dem andern Tische her rief Einer: „Prost Gilbert!"
worauf dieser zurückrief: „Prost Ihr Schlammbeißer!" Ludwig Rinn entgegnete, er sei ja selber schon bei den Schlammbeißern gewesen. Darin erblickte der Angeklagte eine Anspielung darauf, daß er früher in einer Gerberei gearbeitet hatte, während Rinn nur zum Ausdruck hatte bringen wollen, daß er ja früher selber Mitglied der nun von ihm mit diesem Schimpfnamen bezeichneten Gesellschaft und daher selbst ein „Schlammbeißer" gewesen. Der Angeklagte sprang daraus in zorniger Erregung aus, raffte eine Gabel vom Tisch und schlug mit derselben, den Zinken nach vorn, den Ludwig Rinn mehrmals auf den Kopf, so daß ihm das Blut von der verwundeten linken Schläfe herablief. In Folge dieses Angriffs sprang Alles auf, es entstand ein allgemeines Stoßen und Zerren. Da erschien der Wirth, gebot N«he und forderte die Kreiling'sche Gesellschaft auf, das Local zu räumen. Nun drängte diese, voran der Angeklagte, hinter ihm aber auch die größere Mehrheit der Kreiling'schen Gesellschaft, die Treppe hinunter. Die Ausgangsthüre führte in eine damals völlig dunkle Thor-Einfahrt, durch welche man auf die Straße gelangte. In derselben verweilte der Angeklagte und seine Kameraden, zum Theil ein Bedürsmß befriedigend, noch, als die Kröck'sche Gesellschaft in Begleitung des Wirths die erleuchtete Hausflur erreichte. Ludwig Böhmer und Wilhelm Rinn waren die vordersten. An der geöffneten Hausthüre blieben sie zögernd stehen, als ob sie einen Ueberfall fürchteten. Da aber alles ruhig blieb, trat Wilhelm Rinn die eine Treppenstufe in die Einfahrt hinab. Sofort erhielt er unvermuthet aus der dunklen Ecke neben der Hausthüre, wohin fein Lichtschimmer aus der Hausflur fiel, mit einem schweren Prügel einen wuchtigen Schlag auf den rechten Oberarm, ohne jedoch den Thäter zu erblicken. Er sprang ins Haus zurück, verließ es jedoch nach kurzem Aufenthalt mit Ludwig Böhmer wieder. An der HauSthäre sah er in derselben Ecke, aus welcher der Hieb ihn getroffen hatte, eine zum Schlage hoch erhobene Schippe, deren Eisen blinkte. Er fuhr daher erschrocken zur Seite. So war Ludwig Böhmer der vorderste. In diesem Moment erschallte ein hellklingender Schlag, Böhmer fiel, schwer getroffen, taumelnd zu Boden und man hörte das Klirren, eines Eisens, als ob dasselbe auf das Pflaster geworfen würde Der Wirth sprang hinaus, hob eine Grabschippe vom Boden auf und sah drei oder vier Burschen aus der Einfahrt auf die Straße lausen. Böhmer war ohnmächtig und blutete stark,- er wurde am Bache abgewaschen und kam erst nach geraumer Zeit wieder zu sich. Ein Heilgehülse legte ihm alsbald den ersten Verband an. Sein Hut war scharf durchschnitten, der Hieb hatte den Kopf mit der Schneide oder der scharfen Ecke der Schippe getroffen. Den Thäter hatte Niemand erkannt. Auch die Kameraden des Angeklagten hatten nicht gesehen, daß dieser den Hieb geführt. Am andern Tage gestand der Angeklagte die Thäterschaft ein. Der Hieb hatte eine erhebliche Schädelverletzung auf der rechten Kopfseite herbeigeführt. Der Verletzte wurde deshalb bereits am folgenden Tage in die chirurgische Universitätsklinik verbracht. Dort verstarb er nach längerem Siechthum in der Nacht vom 15. dis 16. December. Die am 17. December vorgenommene gerichtsärztliche Leichenschau und Section hatte festgestellt, daß der Tod als Folge der Schädelverletzung ohne sonstige mitwirkendc Ursache eingetreten ist. Nachdem die Geschworenen die beiden Schuldfragen unter Bejahung der milderndenUmstände bezüglich der Körperverletzung mit tüdtltchem Erfolg und die Verneimmg derselben bezüglich der gefährlichen Körperverletzung bejaht hatten, sprach der Gerichtshof eine Gesammtgefängnißstrafe von zwei Jahren drei Monaten unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft gegen den Angeklagten aus.
— Gießener Theater Verein. Bekanntlich werden wir nächsten Donnerstag das Vergnügen haben, Fräulein Kathi Frank, die Heroine des Frankfurter StadttheaterS, als Iphigenie bei uns auftreten zu sehen. Das Feuilleton des Gießener Anzeigers bringt heute eine autobiographische Scizze aus der Feder der berühmten Schauspielerm, die Erlebnisse aus ihrer Künstlerlaufbahn wiederspiegelt und das Interesse für die liebenswürdige Künstlerin nur zu steigern vermag. Jedenfalls steht uns Donnerstag ein außerordentlich genußreicher Abend bevor.
+ Lich, 16. März. Die Prüfungen an der hiesigen Präparanden-Anstalt finden Donnerstag den 19. März und Freitag den 20. März statt.
+ Nonnenrolh, 16. März. Hier findet in diesem Jahre das Bezirks fest des Kriegervereinsbezirks Lich, verbunden mit der Fahnenwethe des hiesigen Kriegervereins, statt.
§ Nieber-Seemeu, 14. März. Der seitherige Bür-er- meister Johannes Weber II. hier wurde gestern mit 34 Stimmen einstimmig wiedergewählt.
ß Büdingen, 15. März. Die hiesige landwirth- sch östliche Winterschule hält nächsten Mittwoch den 18. März im Rathhaussaale ihre öffentliche Schlußprüfullg für den fiebenten Winter-Cursns. Der Cursus begann am 3. November v. I. In die erste Klasse traten 14 Schiller aus dem Winter-Eursus 1889-90, während in die zweite Klasse 15 neue Schüler aufgenommen worden sind.
Verkehr, Land» unö VoLe»-^.. .
17. März Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemrwrtt kostete: Äutter pr. Vsd. a. 0,85-0,95, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. — Enteneier i St. 7 — H, 2 St. — 4, Käse vr. St. 5—8 Kchematte pr. St. 3 ,-9>, Erbsen or. Liter 19 4, Linsen pr. Liter 30 tauben pr. Paar a. 0,60—0,70, Hühner pr. Stück .ä 1,20-1 50, Hahnen pr. ei 1,30—1,70, Enten or. -tück JH. 2,00-2,30, Ochsenflrisch pr. Vsd 70—74 <cnb- und Rindfleisch 60—64 Schweinefleisch 6-—70 H, Hammelfleisch 50—'7<)^, .Kalbfleisch 60- 00 Kartoffeln pr. 100 .ittlo X 7,00-7,50, Weißkraut vr St. 3-7 Zwiebel/ oer Zentner j*,. 7,'>0—8,00, Milch per Liter 12—IS S., Gänseeier 12
Prome»ade« Coacert Mittwoch den 18. Marz. Programm: 1. Fest-Ouvertnre von ßeutner. 2. Jntroduction a. d. Op. Traviata von Verdi. 3. Ballstrauß-Quadrille von Krauße. 4. Sangesfrnhling! (Mendelssohn'sche Lieder) von Oertel. •' 5. Schiffsjungen-Marsch von Millöcker.


