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Mittwoch den 18. März
1891
Der
Htitzener Jhijetger erfcheivt täglich, *kx Ausnahme br4 Montags.
Die Gießener ea*trt<eir*tt<i >oerden dem Anzeiger ^-Ochenttich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
Sifrtel|<ib' ft £6tnnetnenUrvdji: 2 Mark 20 Wg 8ringcrlobn
Durch dir Poft bf^vget 2 Mark P>>j
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Amts- rmd Anzeigeblatt für den Tlreis Gießen
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h<gribm Lag erscheinenden »ummer bis vorm. 10 Uhr. IN^UUlUlC HVlUl ICl. | Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" eutgtflf*
Amtlichen Theil
Gießen, am 14. März 1891.
Betr.: Die Ableistung de» Huldigung»- und VerfaffungS- eide».
Das Großher,ogliche Kreisamt Gießen a« die Großh Bürgermeistereien der zu den A«1-gerichtSbezirke« Grünberg und Homberg gehörenden Gemeinden de- Kreise-.
Die Ableistung de» Huldigung»- und Verfaffungseide» Setten» der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. Hess. Untertanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll in dem Rathhause zu Gründerg
Tam-tag den 4. April l. I., Vor«. 10 Uhr, stattfinden.
Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu dem Termine vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Ramen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.
Halten sich derartige Personen auswärts auf, so «ollen Sie deren Ausenthaltsort angeben.
v Gogern.
Windthorst -f.
Wohl nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch weit über dessen Grenzen hinaus hat die Kunde von dem am Sonnabend Vormittag 8lh Uhr zu Berlin erfolgten Ableben des Abgeordneten vr. Windthorst, des langjährigen Führers der Centrumspartei des deutschen Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses, theilnahms- volle Bewegung hervorgerusen. Denn mit Ludwig Windthorst ist eine der eigenartigsten und zugleich einflußreichsten Persönlichkeiten aus unserem parlamentarischen und politischen Leben durch den Tod abberusen worden und welche Folgen das Hinscheiden dieses hervorragenden Parlamentariers und Politikers für die Weitergestaltung der gesammten inneren Verhältnisse Deutschlands haben wird, läßt sich zur Stunde noch gar nicht ermessen. Noch in den letzten Tagen war in dem Befinden Windthorsts, welchen im Anfang der vorigen Woche eine Lungenentzündung befallen hatte, eine leichte Befferung gemeldet worden, aber dies war offenbar nur das letzte Ausflackern der sinkenden Kräfte des hochbetagten Kranken, welchem um so rascher die Katastrophe folgte. — Dr. Ludwig Windthorst wurde am 17. Januar 1812 im Osnabrück'schen von bäuerlichen katholischen Eltern geboren, er hat demnach ein Alter von über 79 Jahren erreicht. Er wurde von seinen
Eltern für den geistlichen Stand bestimmt, studirte jedoch in Göttingen und Heidelberg die Rechte, widmete sich nach Vollendung seiner Studien zuerst der Advocatenlaufbahn und trat später in den Justizdienst des Königreichs Hannover über. 1849 begann Windihorst, damals Oberappellationsgerichtsrath in Celle, seine parlamentarische Laufbahn als Mitglied der zweiten hannover'schen Kammer, welche ihn schon nach zwei Jahren zu ihrem Präsidenten wählte. Am 22. November 1851 trat Windthorst als Justtzminister in das damalige hannoversche Cabinet Scheie ein, als welcher er in entschiedenkatholischem Sinne wirkte.' Zwar schied er 1853 wieder aus der Regierung aus, jedoch 1862 wurde er im Ministerium Brandis-Platen abermals Justizminister, als dessen Seele Windthorst gelten konnte. Namentlich unterstützte er die Bemühungen Oesterreichs, Hannover an seine Politik zu ketten, was durchaus der schon vorher bekundeten antipreußischen Gesinnung Windthorsts entsprach. Nach den Ereignissen von 1866 führte Windthorst die Verhandlungen mit Bismarck über die Abfindung des Königs Georg, die am 29. September 1867 zum Abschlüsse des bekannten Vertrages gediehen. 1867 wählte ihn der ostsriesische Bezirk Meppen in den norddeutschen Reichstag, sowie in das preußische Abgeordnetenhaus, und diesen Wahlkreis hat Windthorst in den Parlamenten des Reichs wie Preußens bis zu seinem Tode ununterbrochen und in unermüdlicher Pflichttreue vertreten. Im Reichstage wie im Abgeordnetenhause übernahm der Vertreter für Meppen alsbald die Führung der zur Verfechtung der katholischen Interessen neugegrüudeten Centrumspartei und welche Erfolge dieselbe seitdem durch die Leitung Windt- horst's erzielt hat und welche ausschlaggebende parlamentarische Stellung sie ihm dankt, das bedarf wohl keiner näheren Darlegung. Die „kleine Excellenz", wie Windthorst wegen seiner unscheinbaren äußeren Erscheinung im Scherze genannt wurde, zeichnete sich durch ein ungemein scharfes Abwägen aller Umstände und Verhältnisse, durch eine kluge Voraussicht der kommenden Ereignisse, wie durch eine äußerst gewandte Dia- lectik, unerreichte Schlagfertigkeit, durch Witz und Satyre aus, und war gewiß einer der gefürchtetsten parlamentarischen Redner. In der ersten Zeit seiner politischen Führerrolle ergab sich Windthorst vielfach noch ungestüm, ja leidenschaftlich, aber nach und nach wurde er, unter bewundernswürdiger Aufrechterhaltung seiner gesteckten Ziele und Pläne, immer vorsichtiger und berechnender, und gerade letztere Eigenschaften haben nicht zum Wenigsten zu seinen politischen Erfolgen beigetragen. Auch war Windthorst in den letzten Jahren nicht mehr der verbissene Welfe von ehemals, vielmehr bekundete er wiederholt eine echt patriotische Gesinnung, die erst noch kürzlich in seiner Reichstagsrede für die Unteroffiziersprämien wieder zum Durchbruche gelangte. Daher betrauert nicht nur
die Centrumspartei das Hinscheidcn ihres hochverdienten Führers, sondern auch in allen übrigen Parteilagern Deutschlands gibt sich lebhafte Theilnahme anläßlich des Ableben» dieses seltenen Mannes kund, dessen Heimgang eine empfindliche Lücke in unserem gesammten politischen Leben hinterläßt.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 16. März. Das heute ausgegebene Groß- herzogliche Regierungsblatt Nr. 6 enthält: Anweisung zur Ausführung des Gesetzes vom 26. October 1887, die Anschaffung und Unterhaltung des Faselviehes betreffend.
Detlicher Reichstag.
90. Plenarsitzung. Montag, 16. März 1891, 1 Uhr.
Die dritte Berathung des Reichshaushaltsetat» ftft 1891/92 wird fortgesetzt.
Beim Etat der Justizverwaltung weist Abg. Dr. Gutfleisch (bfr.) einen in der zweiten Lesung vom Abg. Böcke! gegen zwei Gießener Rechtsanwälte wegen angeblich geforderter zu hoher Go- bühren erhobenen Angriff zurück. Er habe die beiden Fälle gaum geprüft und fühle sich verpflichtet, zur Ehrenrettung seiner Lslleg« zu erklären, daß dieselben keinerlei Vorwurf tteffe.
Abg. Stadthagen (Soc.) führt eine Anzahl Fälle <ui, tu dmen Leute unschuldig in Untersuchungshaft genommen worden und verlangt Haftbarrnachung der Beamten, durch welche solche Fälle verschuldet werden. Namentlich würde gegen Socialdemokraten rasch mit Untersuchungshaft vorgegangen. Glaube man denn, daß «a» sie damit conservattv mache? Gesetze, welche es ermöglichten, daß Jemand unschuldig monatelang in Untersuchungshaft genormn« werden könne, müßten im Gegentheil Unzufriedenheit erregen.
Staatssecretär im Reichsjustizamt Dr. Bosse: Die einzelne» vom Vorredner angeführten Fälle fielen nicht unter die EompeteM des Reichsjustizamts. Den Wunsch, daß es möglich sein möchte, zu vermeiden, daß Jemand ohne sein Verschulden in Untersuchungshaft komme, theile er natürlich von Herzen, aber der Vorredner hätte da» Recept dazu angeben sollen. Daß die Haftbarrnachung der Beamt« kein gangbarer Weg sei, werde der Vorredner als Jurist selbst wissen.
Abg. Gröber ((Str.) bestreitet, daß in Bezug auf die Verhängung der Untersuchungshaft Willkür bestehe. Den Wunsch, daß Niemand ohne sein Verschulden in Untersuchungshaft komme, habe jeder vernünftige Mensch, aber eS lasten sich jsolche Fälle eben nie ganz vermeiden. Wenn man eine Haftbarrnachung in der von Stadthagen vorgeschlagenen Weise einführen wollte, würde sich bald Niemand mehr finden, der ein Rtchteramt zu übernehmen bereit sei.
Abg. Frhr. v. Stauffenberg (bfr.) weist mit Genugthunng darauf hin, daß die württembergische Regierung an die Regelung der Frage für unschuldig erlittene Strafe und Untersuchungshaft herantrete.
Beim Etat des Reichsschatzamts sprechen Abgg. Graf Mirbach (ccnD und v. Kardorff (Rp.) ihre Uederzeugung dahin aus, daß das Silber wieder die ihm gebührende Stellung in der Währung einnehmen werde. Abg. Dr. Bamberger (bfr.) bestreitet bieS.
Zu biefem Etat liegt bie Resolution Richter vor, beten Annahme die Commission in folgcnber Fassung empfiehlt: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, das Reglement betreffs der Der-
Feuilleton.
Entweder — oder.
Von Kathi Frank.
Ebenso wie viele Menschen der Gepflogenheit huldigen, dem, was sie sagen, durch eine Sentenz Nachdruck zu verleihen, so hatte auch ich von Kind auf die keineswegs rühmliche Angewohnheit, meine Aussprüche mit den Worten „Entweder — oder" zu bekräftigen.
Als Kind von sieben Jahren besuchte ich für längere Zeit meine Großmutter in Stampfen bei Preßburg, eine sehr energische Frau, die streng darauf sah, daß ich die viele freie Zeit, die ich hatte, mit häuslichen und Handarbeiten aus- süllte. Sie liebte mich zärtlich und gerade diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß sie meine Erziehung doppelt streng leitete. Nur in einem Punkte gab sie meinen dringenden Bitten nach: ich durfte zuweilen Theatervorstellung^ besuchen, wofür ich ein namenlos lebhaftes Interesse an den Tag legte.
Eines Tages zog wieder einmal eine fliegende Schau- spielerbande in unser Städtchen ein. Es war ein großer Augenblick, als die Truppe Hall machte- nicht nur für mich, sondern auch für die halbe Bevölkerung. Diese Truppe bestand aus einem Director und dessen zahlreicher Familie, einigen Pferden, Hunden, einem Ziegenbock, Wagen und den nöthigen Coulissen, d. h. einigem Holzwerk, roher Leinwand und einem Paar Oellämpchen. Um den Auf- und Einzug ans allernächster Nähe beobachten zu können, hatte ich mich •mit einigen Gespielinnen an den Director herangedrängt. Nachdem dieser imponirende Herr in unserer Gegenwart die große Scheuer im Gasthof „Zum braunen Hirschen" gemiethet hatte, weil sie für die Schaustellungen seines Musentempels sich ihm am besten zu eignen schien, war er eifrig bestrebt, für die nöthige Staffage zu sorgen, und hierzu bedurfte er
in erster Reihe möglichst zahlreicher Männlein und Weiblein; denn viel, sehr viel Getöse und Volk auf der Bühne zu haben, schien ihm zur Unterstützung der künstlerischen Leistungen, die er bieten wollte, das allerwichtigste Erforderniß. Man kündigte nämlich als erste Gastvorstellung Mosenthals „Deborah" an. Uns Kinder, die ihn umringten, fragte nun der Director, ob wir nicht Lust hätten, uns während der Vorstellung auf der Bühne hernmzutummeln. Einige meiner Spielgenossen bejahten dies sogleich, andere wieder, von Furcht ergriffen, liefen spornstreichs davon. Ich hatte trotz meiner Jugend schon viel von „Deborah" sprechen hören, das Leid und das Elend dieses Weibes war tief in meine Seele gedrungen. Als daher die Reihe an mich kam, als mich der Direcror mit feinen prüfenden Augen, die ans dem glatt raftrten runden Gesicht hervorleuchteten, ansah und mit tief sonorer Stimme fragte: „Willst Du auch dabei sein?", da erwiderte ich:
„Ich krieg von meiner Großmutter Schläge, wenn ichs thue; aber wenn ich das Kind von dem Manne spielen darf, der die Juden so lieb hat, bann komme ich, wenn ich auch von meiner Großmutter Schläge bekomme."
„Aber, liebe Kleine," erwiderte der Director, „da müßtest Du etwas auswendig lernen- das Kind muß ja Abends sprechen, und Du, Du kannst noch nicht einmal lesen."
„Freilich kann ich noch nicht lesen," entgegnete ich, „aber ich brauche so ein paar Worte bloS einige Male zu hören, da weiß ich sie auswendig "
„Papperlapap, das kann Jeder sagen," erwiderte der Direktor, „die Rolle kannst Du nicht spielen, nein, das geht nicht."
„So? Das geht nicht? Entweder Sie laffen mich die kleine Deborah spielen, oder ich thue nicht mit!"
Diese energische Willensäußerung machte Eindruck auf den Direktor und ihr habe ich es zu danken, daß noch am
nämlichen Abend mein erstes Debüt auf den Brettern statt- finden konnte.
In höchsteigener Person studirte mir der Direktor meine Rolle ein, nachdem wir zu diesem Zwecke am Eingang dec Scheune Platz genommen hatten. Nach kurzer Zeit wußte ich, was ich zu sagen und wie ich mich zu benehmen hatte. Der Direktor war sehr zufrieden mit mir und lobte meine Auffassungsgabe.
„So, mein liebes Kind," sagte er, „mußt Du es auch heute Abend machen und darfst Dich ja nicht fürchten, wenn Du die Menschen da drinnen siehst," — und dabei deutete er auf den Zuschauerraum, in welchem man beschäftigt war, Stühle, Bänke, leere Kisten, Fässer und dergleichen mehr zu zweifelhaften Sitzgeräthen aufzustellen.
Plötzlich trat ein Arbeiter, alias Requisiteur, heran und sagte: „Herr Director, es fehlt noch ein Mantel'für die Deborah."
Guter Rath war zwar theuer, aber der Direktor als umsichtiger, sachverständiger und erfahrener Theaterleiter wußte sich zu helfen.
„Liebes Kind," sagte er, feiner sonoren Stimme einen noch tieferen Klang gebend, „kannst Du uns nicht vielleicht ein großes leinenes Betttuch verschaffen?"
Dieser delicate Auftrag war schwer, sehr schwer auS- zuführen. Nach einigem Hin- und Hersinnen lehnte ich ihn mit der Begründung ab, daß ja meine Großmutter, der ich ein solch großes Tuch erst abfordern müßte, von meiner Comödienspielerei doch nichts roiffen dürfte. Der Director, der meine Unschlüssigkeit wahrgenommen, zog sogleich VoNheil ans dieser Beobachtung, indem er mir kurz und bündig erklärte : „Wenn Du dieses leinene Tuch nicht herbeischaffst, darfst Du heute Abend nicht mitspielen. Punktum!"
Das war ein entscheidendes Wort - ich fühlte einen unerhörten Muth in mir erwachen, lief eiligst nach Hause, zog


