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18.2.1891
 
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1891

Mittwoch den 18. Februar

Nr. 41

ießener Anzeiger

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Bekanntmachllng.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der auf dm 3. März l. I. angefttzte Gießener Viehmarkt nicht abgehalten werden wird, daß dagegen der Vieh- ur.b Krämermarkt, welcher auf den 4. März l. I. ausgeschrieben ist, ftattfindet.

Gießen, den 27. Januar 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

o. Gagern.

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem Stadtvorstande zu Lauterbach die nachgesuchte Erlaubniß, an­läßlich des im Juni L I. daselbst stattfindenden Prämien- Viehmarktes eine Verloosung von Vieh, landwirthschastlichen und HauSgeräthen veranstalten m dürfen, unter der Bedingung, daß nicht mehr als 8000 Loose a 60 H auägegeben werden und mindestens 65% des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind, ertheilt und zugleich den Vertrieb der Loose in der Pro­vinz Oberheffen gestattet hat.

Gießen, den 13. Februar 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Nr. 5 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. d. M., enthält:

(Nr. 1935) Allerhöchster Erlaß, betreffend die Aufnahme einer Anleihe auf Gruno des Gesetzes vam 5. Juli 1890. Vom 22. Januar 1891.

(Nr. 1936.) Allerhöchster Erlaß, betreffend die Zins­termine für die zufolge der Allerhöchsten Erlasse vom 7. Sept. 1889, 17. März 1890, 17. Sept. 1890 und 22. Jan. 1891 noch zu begebenden Anleihebeträge. Vom 9. Februar 1891.

Gießen, den 17. Februar 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen- v. Gagern.

Deutfcfye» Reich.

Aus dem hessischen Staatsbudget 1891/94. Dem Bericht des Finanzausschusses der 2. Kammer über den Haupt­voranschlag entnehmen dieN. H. V." folgende Hauptdaten: Der hessische Reinertragstheil an den Erträgnissen der Main- Neckar-Bahn ist mit 768,000 Mk. eingesetzt (27,000 Mk.

mehr als in der vorigen Budgetperiode), gleich einer Ver­zinsung von 7,75 pCt., der Betriebsüberschuß der Nebenbahn Eberstadt-Pfungstadt auf 7400 Mk. (3,8 pCt.), derjenige der oberhessischen Hauptbahnen 184,760 Mk. (0,35 pCt.), der oberhessischen Nebenbahnen Nidda-Schotten, Stockheim- Gedern und Hungen-Laubach auf bczw. 4470, 8705 und 3065 Mk. (0,87, 1,32 und 0,46 pCt.) Betreffs der Tranksteuer von Wein (veranschlagt auf 295,000 Mk.) schlägt der Ausschuß vor: 1) mir allen gegen eine Stimme (Schröder): als Betrag für Tranksteuer von Wein 295,000 Mk. ein­zusetzen : 2) mit 4 Stimmen (Jäckel, Graf Oriola, Theobald und Wolfskehl) gegen 3 Stimmen (Haas, Möllinger und Schroder): die Großh. Regierung um Vorlage eines Gesetzes wegen Besteuerung der Weineinlagen der Privaten zu er­suchen ; 3) einstimmig: die bezügliche Eingabe der Wirthe für erledigt zu erklären. Als Einnahme der Mainzer Straßenbrücke ist festgestellt 129,000 Mk. (inet. 15,000 Mk. Micthe), gegenüber den Lasten ein Verlust von 47,352 Mk.,' Einnahme der Wormser Schiffbrücke 25,000 Mk., der fliegenden Brücke bei Gernsheim 5500 Mk., derjenigen bei Oppenheim 4500 Mk., der Kostheimer Straßenbrücke 15,000 Mk., der Straßenbrücke bei Offenbach 5700 Mk. Der Antheil des Großherzogthums an den Reineinnahmen des Reichs ist auf 6,650,900 Mk. angesetzt (1,650,000 Mk. mehr), darunter aus Zöllen und Tabaksteuer 4,300,000 Mk., und im Ganzen 650,000 Mk mehr, was die Matrikular- beiträge ausmachen. Die nutzbar angelegten Activen der Hauptstaatskasse sind berechnet aus 16,079,304 Mk. (rund 2 ,/2 Millionen mehr.) An directen Steuern ist die Einnahme von 8,700,186 Mk. vorgesehen. Bezüglich der Ausgaben beziffert sich der muthmaßliche Stand der eigentlichen Staats­schuld am 1. April 1891 auf 53,868,790 Mk., (4,811,596 Mk. weniger. Für Civilpensionen sind vorgesehen 1,000,000 Mk., für Gnadenpensionen 52,000 Mk., für Jnvaliditäts- und Altersversicherung 6505 Mk., für die Bedürfnisse des Großherzoglichen Hauses und Hofes 1,199,145 Mk. 14 Pf. (in Folge des Ablebens des Prinzen Alexander 30,857 Mk. 14 Pf. weniger), der Staatszuschuß zu der Actiengesellschaft Mainkette" (die Garantiepflicht des Staates erstreckt sich noch bis 1896) 20,000 Mk.- als Beitrag zu Besoldungen der Polizeibehörde für Mainz 12,000 Mk. (4000 Mk. mehr), Offenbach 5000 Mk. (2000 Mk. mehr), Worms 4000 Mk., Kastel 1000 Mk.- als Staatsbeitrag für die evangelische Kirche beantragt die Majorität des Ausschusses Bewilligung der angeforderten 240,000 Mk., die Minorität 200,000 Mk.- für die katholische Kirche 108,102 Mk. Der Ausschuß beantragt, die Negierung um eine baldige Vorlage zu ersuchen, nach welcher entsprechende Staatszuschüsse an die deutsch­katholischen und die israelitischen Religionsgemeinschaften des Landes gewährt werden- der erste Ausschuß der Ersten

Kammer tritt diesem Ersuchen nicht bei. Die laufenden Ausgaben für die Universität, die Technische Hochschule, die Gymnasien 2c. weichen nur wenig von denjenigen der jetzigen Finanzperiode ab.

Berlin, 16. Februar. Gegen deutsche Eisenbahn-Ver­waltungen sind beim Reichs-Eisenbahnamt im Jahre 1890 im Ganzen 107 Beschwerden aus dem Publikum eingelaufen. Davon beziehen sich 31 auf den Personenverkehr, 50 aus den Güterverkehr und 26 a xf andere Gegenstände. Das Reichs-Eisenbahnamt hat von diesen Beschwerden für begründet erachtet 18, als nicht begründet abgelehnt 32, auf den Rechtsweg verwiesen 4. In 7 Fällen war die Zustän­digkeit des Reichs nicht begründet, in 2 Fällen sind die an­geordneten Erhebungen noch nicht abgeschlossen. Die übrigen 44 Beschwerden wurden zur Erledigung an die zunächst zuständigen Eisenbahn-Verwaltungen abgegeben. Betroffen von Beschwerden sind überhaupt 24 Eisenbahn-Verwaltungen.

Deutscher Reichstag.

67. Plenarsitzung. Montag, 16. Februar 1891, 1 Uhr.

Eingegangen: Internationales Abkommen betr. den Eisen­bahnfrachtverkehr.

Die zweite Berathung des Arbeiterschutzgesetzes wird fortgesetzt und zwar bei $ 105c, welcher am Sonntage zulässige Arbeiten betrifft und in seinem Inhalt bereits mitgelhetlt ist.

Abg. Orter er (Ctr.) befürwortet einen von ihm gemeinsam mit den Abgg. Aichbichler und Biehl gestellten Antrag, wonach, wenn solche Arbeiten den Arbeiter am Besuch des Gottesdienstes hindern, der Arbeiter an jedem dritten Sonntage 36 (Btiuiben oder an jedem zweiten Sonntage von 6 Uhr früh bis 6 Uhr Abends von der Arbeit tret zu lassen ist. Die Brauer seien wegen der Bestimmungen des S 105c sehr verstimmt, wohl aber mit Unrecht, da nach seiner Ansicht Brauereien, Mälzereien und Brennereien nicht unter $ 105c, sondern unter die viel leichteren Bestimmungen des $ 1054 fielen. Die voll­ständige Streichung des zweiten Absatzes (von den Gewerbetreibenden zu führende Verzeichnisse der Sonntag?arbett) gehe zu weit; in seiner jetzigen Fassung schaffe er nur Belästigung und Unzufriedenheit. Man möge die Verpflichtung zur Führung der zur Controle nöthigen Verzeichnisse auf größere Fabrikbetrtebe beschränken. Der social- demokratische Antrag rufe gegen die kleinen Gewerbtreibenden ohne Noth die Polizei auf.

Handelsminister v. Berlepsch: Um unnöthiges Schreibwerk handle es sich bei dem zweiten Absatz des $ 105c nicht, sondern um eine ganz unentbehrliche Controle. Wolle man die Listenführung nicht, so verweise man dieses ganze Gebiet der Sonntags zulässigen Arbeiten unter die polizeiliche Genehmigung. Damit werde aber dm Gewerbtreibenden viel weniger gedient sein, da sich die Llstenführung sehr einfach gestalten werde. Er könne sich auch nicht für den Antrag, den der Vorredner vertrat, autzsprecken, da gerade beim Kleinbetrieb die Neigung obwalten werde, den Sonntag auszunützen, viel mehr als beim Großbetriebe. Es sei selbstverständlich, daß Brauereien rc. auch unter § 1054 sielen, also unter diejenigen Gewerbe, für welche der Bundesrath Ausnahmen zulassen kann. Was das von Bebel angeführte Bäckergewerbe anlange, so sei es allerdings angängig, daß in der SonntagSnacht nicht gebacken werde. Es bestehe dies bereits

Feuilleton.

Der einzige Sohn.

Novelle von I. Bonnet.

(3. Fortsetzung.)

Schade, daß bei allem in dieser Welt ein Aber ist, ein häßliches Aber, das in diesem Falle, wie so häufig, von metallenem Gewichte war. Die ganze Stadt und die Um­gegend war darauf gespannt, ob der vermögende Onkel, dessen einziger Sohn ohnehin von Amerika vielleicht niemals wieder- lehrte, ein Uebrigens thnn würde.

Die Stimmung bet Tafel glich allmählig deut perlenden Champagnerschaum, als ein dienender Geist von hinten zu dem Hausherrn trat und ihm ein Wort ins Ohr flüsterte.

Ich kann den Herrn nicht empfangen," sagte der Gene­raldirector.Vielleicht findet er meinen Secretär, mag er mit dem reden, wenn es so dringend tst."

Inzwischen ward die Thüre weit aufgerissen. Mit einem Guten Abend, Herrschaften !" taumelte ein Betrunkener herein. Einen Augenblick athemlose Stille, bis mit dem Aufschrei:Herrgott, Arthur!" die Hausfrau ohnmächtig zurÜcksank.

Goddam, komm ich nicht recht?" rief der wie ein Geist .Hereingcplatzte, der trotz feiner von Branntwein gerätheten Wangen geisterhaft genug aussah.Wie heißt cs gleich in bt'm Liedchen?

Ei, du holde Dame meinM

Arthur!" herrschte ihn der Vater an, der sich erhoben h-atte und zitternd daftand, die Rechte auf die Stuhllehne stützend.

Nun, was? Der einzige Sohn, und kein Stuhl für ihn, kein Glas?"

Er nahm sich zusammen, so daß er fest aus den Beinen zu sein schien.

Ein Glas her, Gentlemen und Ladys, ein Glas für den einzigen Sohn des Hauses. Schenkt ein, Ihr da, dumme Puten ohne Schnäbel!"

Tante Jettchen sah weiß aus wie der Kalk an der Wand. Die Reputation des Hauses, das war ihr erster schrecklicher Gedanke. Dann aber brach ihre Gutmüthigkeit durch, ver­eint mit Frauenlist. Sie faßte sich zuerst, nahm den artigen Neffen kurz beim Arm und sagte:In Deutschland kommt man im Frack zu solcher Tafelrunde, und übrigens schlaf Dich erst aus, 's ^är ja ohnehin Thorheit, von Dir zu verlangen, daß Du nach solch einer Reise gentlemanlike auftreten könntest, wie stets Deine Art war."

Damit führte sie ihn hinaus, und er war für heute Abend unsichtbar geworden.

Die Hausfrau kam allmählich wieder zu sich, aber mit der Stimmung war es vorbei. In peinlichster Verlegenheit huschten die Gäste davon, der Referendar nicht, ohne sich einen beglückenden Blick mitzunehmen, und Herr der Lage blieb im Elternhausc der einzige Sohn.

Es gehörte zum Tone im Hause des Generaldirectors, daß des Sohnes nie Erwähnung gethan wurde. Mariechen hatte deßhalb eine sehr nebelhafte Vorstellung von den Gründen, die ihn in die Ferne getrieben. Irgend ein dummer Streich vielleicht und Tante Jettchen hatte ja manchmal hin- geworfcn, daß ein unbezwinglicher Trieb nach sremden Ländern bestimmend gewirkt habe. Da allgemein vermieden ward, an einer Sache zu rühren, die für die Angehörigen der Familie verletzend war, so kam cs denn, daß das Mädchen sie auf sich beruhen ließ.

Das plötzliche Erscheinen des fern Geglaubten und die

häßliche Art, wie er sich einführte, verbreiteten ihr mehr Licht über ihn. Aber sie sollte bald erfahren, daß er auch bessere Seiten habe und keineswegs zu denen zu gehören schien, die schlechterdings aufzugcben sind.

Vor Allem stand er gleich am nächsten Morgen völlig verwandelt vor ihr. Der Rausch war ausgeschlasen, er hatte mit den Eltern ganz verständig sich ausgesprochen, sie um Verzeihung und zugleich um Erlaubniß gebeten, hier bei ihnen zu bleiben, ein Leben neuer Thätigkeit, ernsten Strebens zn beginnen, und ihnen dazu mit heiligen Betheuerungen solche Versprechungen gemacht, daß sie längst verziehen hatten und jetzt nur darauf aus waren, alles mit ihm wieder ins Gleiche zu bringen.

Was ihn so schnell gezähmt und verwandelt, blieb ihrer Kurzsichtigkeit freilich verborgen. Wer hätte auch denken können, daß er, sich den bleiernen Schlaf aus den Augen reibend und vom Fenster den Garten betrachtend, der um bte Rampe her in Duft und Farben lag, Mariechen entdeckt und wunderniedlich gesunden hatte. Alsbald war die Mutter zu ihr getreten und Arm in Arm wandelten die beiden zwischen den blühenden Beeten hin. Wie ein Blitz ging es thm durch den Kopf:Ah, das Cousinchen, von dem man mir schrieb," und zugleich der Entschluß, sich ihr zu nähern.

Ein Hauch der Reinheit umwob ihr Angesicht, ihr Wesen. Auch das entging ihm nicht. Dazu der Anblick der Mutter, der ihn doch rührte. Es ward der Wunsch in ihm lebendig, einen Sprung zu thun in eine bessere Zukunst, den Faden zu ergreifen, der ihm wie von unsichtbaren Händen zugeworfen ward, indem er mit immer erhöhter Aufmerksamkeit das reine edle Mädchcnbild erblickte. Er hatte auch in der That zu viel erlitten, zu viel durchgemacht, als daß cs ihm nicht wic ein Zug berauschender Jugendluft durch die Seele gezogen wäre, wie er auf einmal wieder im sicheren Hafen des Vater-