Tann man auch in hochgebildeten Familien finden. Im Winter, wo die gute Stube höchstens alle acht Tage geheizt wird, wirkt sie noch so, daß sie fortwährend die mühsam angeheizten anderen Räume abkühlt. Die guten Möbel, das Pianino, die Bilder und Tapeten haben jeden siebenten Tag einen rapiden Temperaturwechsel von 20—25 Grad zu überstehen, sie knarren in allen Fugen, Fourniere springen ab und die Tapeten lösen sich von der Wand. Waß die sogenannte sparsame Hausfrau zu umgehen vermeint, eine schnelle Abnutzung der Möbel, wird also durchaus nicht vermieden. Zu all' dem kommt nun noch die große Kostspieligkeit der guten Stube- darum fort mit ihr! Die Gesundheit der Familie muß der Hausfrau näher liegen, als das Ansehen bei der Nachbarin.
K Von der Lahn, 15. December. Schul- und Selbstzucht. Noch immer beschäftigen sich auswärtige große Zeitungen, wie in Frankfurt a. M., so auch in Berlin (z. B. die Neue Preußische Zeitung nach Berichten einer bekannten Frankfurter Zeitung) mit den betrübenden Vorgängen an den Gießener beiden gelehrten Schulen, besonders an dem Gymnasium. Diese Berichte suchen fast alle Schuld aus Seiten der Schule, und es ist zu bedauern, daß dergleichen falsche und thörichte Urtheile in die Welt gehen und unbe- sehens Aufnahme in vielen Zeitungen finden. Lassen Sie einen „Schülervater" hier im Namen Vieler ein ruhig erwogenes Votum ganz kurz abgeben, und möchte, wer es kann, auch in auswärtigen großen Blättern für eine gerechte Darstellung Sorge tragen helfen. Die Hauptschuld tragen selbstverständlich in der viel besprochenen Angelegenheit die irre geleiteten Schüler selber. Es ist aufs Neue die alte Erfahrung zu Tage getreten, wie leicht einige räudige Schafe, hier also sündige Menschen, auch andere, auf die man sein Vertrauen setzte, mit fortzureißen verstehen. Wir sprechen hierbei unsere herzlichste Theilnahme den schwer heimgesuchten Eltern aus, und wir wollen es nicht vergessen, hervorzuheben, wie wohl Mancher in seiner Jugendzeit vor schweren Fehltritten bewahrt worden ist, weil kein schlechter Verführer sich seiner bemächtigte. Nur wer die Macht der Verführung und der Sünde überhaupt recht kennt und würdigt, wird allein vorsichtig, milde und gerecht urtheilen, und der giebt auch die Hoffnung nicht auf, daß irre gegangene Kinder sich wieder zurecht finden. Das aber wünschen wir den betroffenen Eltern und ihren Kindern von ganzem Herzen. Allen unseren Söhnen aber rufen wir laut in Herz und Gewissen: vergeßt neben der wissenschaftlichen Ausbildung nie die sittliche Durch bildung! An ihr lebhaft und unausgesetzt mitzuarbeiten, ist Pflicht des elterlichen Hauses, wie der Schule. Das Haus muß es als Pflicht erkennen, seine Kinder, ganz besonders in den sogen. Flegeljahren, natürlich auch späterhin, sorgfältigst zu überwachen. Bequem wäre es freilich, das Alles der Schule zu überlassen. Und gesetzt auch, die Ordinarien kämen öfter in die Wohnungen der betreffenden Schüler, um nach ihnen zu fragen und sie so mit zu überwachen: die Hauptsorge liegt gewiß den Eltern und Pflegern ob- sie müssen wissen, wo die Schüler sich aufhalten, was sie treiben, mit wem sie umgehen 2C. („sage mir, mit wem Du umgehest, und ich will 2C."). Ob dieser Forderung alle Eltern wohl nachkommen? Es mag eine -Gewissensfrage sein. Die freien Nachmittage sind sicherlich nicht schuld an dem Unheil, das spät ruchbar wurde. Viele Eltern in und um Gießen sind für diese Einrichtung dankbar gewesen, sie sind es noch heute. Die Lehrer der Schulen hat ohne Frage das Vorkommniß schmerzlich bewegt. Sie wissen genau: nicht Verstand und Gescheitig- keit allein machen uns die Schüler werth und lieb, sondern ihre ganze sittlich-anständige pietätvolle Haltung, ihre gute Gesittung. Was erlebt ist, mag anspornen zu neuem Eifer und zu herzlicher Antheilnahme an dem ganzen Leben und Sichgehaben der Schüler. Wir sind gewiß: auch das Gießener Gymnasium wird sich den Ruhm und die Ehre zu wahren wissen, die ihm von vielen Seiten willig zuerkannt werden.
A. L.
* Groß-Gerau, 11. December. Hitz' ist kein Witz. Die Wahrheit dieses alten Spruches mußte jüngst ein hiesiger Einwohner zu seinem Schaden erfahren, als er beim Schlachten statt des gemästeten zum Schlachten bestimmten Schweines in blinder Eile sein trächtiges Mutterschwein zur Schlachtbank führte. Als der Metzger das Schwein ausgeschnitten hatte, kam die Bescheerung zu Tage und es soll sehr lange Gesichter hierauf gegeben haben. (Ger. Azgr.) (?)
* Offenbach, 14. December. Hier wurde dieser Tage ein „Verein gegen Hutabnehmen" gegründet. Die Mitglieder tragen als Vereinsabzeichen ein kleines Schildchen mit deutlicher Inschrift am Hut. — In dem dem Fürsten von Isenburg gehörigen, in hiesiger Gemarkung gelegenen Walde wurde ein bedeutender Baumfrevel verübt, der heute in der Früh entdeckt wurde. Es sind weit über 100 Fichtenstämmchen theils abgesägt, theils mittelst Beiles ab« gehauen worden. Die Stämmchen werden offenbar als Weihnachtsbäumchen verkauft. Die Forstbehörde hat aus Ermittelung der Thäter eine Geldprämie ausgesetzt.
Mainz, 16. December. (Privatdepesche.) Das Schwurgericht verurtheilte den Schuhmacher Eschbach von Fürfeld, der den dortigen Feldschützen erschossen hat, zum Tode.
vermischtes.
* Die „Wiener Presse" enthält folgenden Nachruf: Ludwig Lott sen. 7. Heute Vormittag ist der ehemalige Druckereileiter der „Presse", Herr Ludwig Lott sen., eine in den Wiener Buchdruckereikreisen allgemein bekannte und als Autorität von seinen Fachgenossen anerkannte Persönlichkeit, gestorben. Herr Lott war in Wetzlar geboren, in Gießen erlernte er die Buchdruckerei, diente in der preußischen Armee als Ulan und kam in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre nach Wien, wo er sich seiner ausgezeichneten technischen Fähigkeiten wegen bald eine hervorragende Stellung erwarb Md auch in freundschaftlichstem Verhältnisse mit dem seiner
zeitigen Director der k. k. Staatsdruckerei, Hofrath Auer v. Welsbach, stand. Im Mai 1859 wurde Lott von dem damaligen Eigenthämer der „Presse", August Zang, zur Leitung der Druckerei berufen. Er führte hier Einrichtungen ein, welche bahnbrechend für die heutige Entwickelung des Zeitungsdruckes wurden. So installirte er 1862 die Papier- Stereotypie, welche es später ermöglichte, die heute bei fast allen größeren Zeitungen im Betriebe stehenden Notationsmaschinen zu construiren. Im Jahre 1875, also nach einer 16jährigen Thätigkeit, schied Lott aus der Officin der „Presse", um eine Kunstbuchdruckerei zu eröffnen. Er cultivirte speciell den Farbendruck- später führte er auch den Buchdruck auf Blech ein, welcher Industriezweig bis dahin nur in Paris ausgeübt wurde. Mitte der 1870er Jahre betheiligte sich Lott auch an dem öffentlichen Leben. Er wurde 1876 mit einjähriger Functionsdauer in den Wiener Gemeinderath gewählt, konnte jedoch an den Berathungen dieser Körperschaft nicht Thcil nehmen, da er sich zur Ausstellung nach Philadelphia begeben mußte, wo er feine Kunstdrucke exponirte und von wo er erst nach mehr als anderthalbjährigem Aufenthalte nach Wien zurückkehrte. Lott war ein jovialer gefälliger Mann. Sein Hinscheiden wird gewiß lebhafte Theilnahme erwecken. Anläßlich dtzr Wiener Weltausstellung wurde er von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem goldenen Verdienstkreuze mit der Krone ausgezeichnet.
* Siegen, 14. December. Der Amtmann Thiele zu Eiserfeld hat folgende Bekanntmachung erlassen: „Ich muß wünschen, daß Leute, die auf dem Amt erscheinen, in properer Kleidung und wenigstens am Körper rein gewaschen sind. Seife kostet doch nicht viel. Besonders bei Trauungen und Aufgeboten haben die Leute proper und rein gewaschen zu erscheinen. Anderenfalls werde ich sic in Zukunft einfach zurückweifen." (Frks. Ztg.)
* Ein Mann, der in dem Leben des Fürsten Bismarck eine Rolle gespielt, wurde am letzten Montag auf dem Kirchhofe in Biesenthal mit militärischen Ehren zur Ruhe bestattet. Es ist der auf feiner Besitzung Waidmannsheil bei Bernau im Alter von 54 Jahren verstorbene Rentier Bannewitz. Er war gerade beim 2. Garde-Regiment z.,F. eingezogen und stand bei der Berliner russischen Gesandtschaft Posten, als der junge Blind 1866 auf Bismarck den Mordanschlag versuchte. Bannewitz machte ihn dingfest. Von da an wurde Bismarck demselben ein guter Gönner, Bannewitz machte an der Seite des Fürsten Bismarck den Krieg 1870/71 mit. Später ist er zum reichen Manne geworden.
* Elberfeld, 12. December. Die Frage, ob die Bezeichnung „Socialdemokrat" für Jemand, der sich nicht zur Socialdcmokratie bekennt, eine Beleidigung fei, entschied die hiesige Strafkammer in bejahendem Sinne. Ein früheres Mitglied des Nieder - Wermelskirchener Kriegervereins, das wegen seiner socialdemokratischen Gesinnung aus dem genannten Vereine ausgestoßen worden war, hatte im Juli d. I., als zwei andere Mitglieder desselben Vereins in einer Wirth- schaft deren Inhaber zum Beitritt aufforderten, geäußert: „In Eurem Verein sind doch nur Socialdemokraten" u. s. w. Mehrere Mitglieder stellten Strafantrag wegen Beleidigung. Der Angeklagte konnte den Beweis für feine Behauptung nicht erbringen. Das Gericht erkannte wegen öffentlicher Beleidigung auf 60 Mark Geldstrafe. In der Urtheils- begründung wurde ausgeführt, es könne einem begründeten Zweifel nicht unterliegen, daß in der Bezeichnung „Social- demokrat" für die Mitglieder eines Kriegervereins, überhaupt für einen Nichtsocialdemokraten, eine Beleidigung liege.
* Dienstboten-Mörder in Berlin. Wie aus Berlin verlautet, spürte die dortige Polizei ein Verbrecherpaar auf, welches ebenso wie das Ehepaar Schneider in Wien manö- verirte. Folgendes ist bereits festgestellt: Im Frühjahr dieses Jahres suchte im Magdeburger Generalanzeiger eine angebliche Johanna Krüger eine Reisegefährtin, woraus sich eine unverehelichte K. bei ihr meldete. Dieser erzählte die Krüger, sie besäße in Cöln eine Villa, nach der sie zusammen reisen wollten. Aus dem Wege dorthin solle zunächst zum Zwecke des Besuches einer Freundin in Neuhaldensleben Station gemacht werden. An diesem Orte ist denn auch am 21. Mai dieses Jahres die K. in Begleitung einer Frauensperson und eines Mannes gesehen worden. Seitdem war sie verschwunden. Vor Kurzem ist nun im Walde bei Neuhaldensleben die Leiche der K., welche durch Abtrennung des Kopses und der Füße verstümmelt war, ausgefunden worden. Es liegt also anscheinend ein Raubmord vor, der muthmaßlich von der angeblichen Johanna Krüger und dem fremden Manne ausgeführt ist. Den Tbätern sind der Neisekorb der K. mit einer Menge Wäsche und Kleidungsstücke (erftere^mren E. K. gezeichnet) und außerdem mehrere Schmuckfachen, welche die K. bei sich trug, in die Hände gefallen. Die Krüger wird beschrieben als eine Person von 30 bis 32 Jahren, dunklem Haar, stechende Augen/ grauem, abgelebtem Gesicht, schlanker Gestalt- sie stößt beim Sprechen mit der Zunge an.
* Tod infolge Aberglaubens. Man schreibt aus dem reußischen Oberlande: Vor ungefähr acht Tagen glaubte ein in der Abenddämmerung von Lobenstein nach Lichtenbrunn gehendes zwanzigjähriges Mädchen eine Stimme hinter sich zu hören, konnte aber keine Perfon in der Nähe entdecken. Da erinnerte sie sich plötzlich des albernen, in der dortigen Gegend verbreiteten Aberglaubens, daß es in dem am Wege liegenden Steinbruche „umgehe", und von fürchterlicher Angst ergriffen, eilte sie athemlos nach dem Heimathsorte. Hier befiel sie eine totale Nervenlähmung und sie starb, obwohl für ärztliche Hilfe gesorgt war,- wenige Tage später an den Folgen der Aufregung.
* Selbstmordstatistik. Die Anzahl der Selbstmorde der Welt beträgt nach den Berechnungen des Statistikers William Mattheus jährlich 180,000. Diese Ziffer ist alljährlich im Wüchsen begriffen und diese Zunahme stehe in btrecter Beziehung zu der fortschreitenden Civilisation. AuS dieser Statistik geht hervor, daß die Gebirgsbewohner fast nie ihre Lebenszeit abkürzen und die Bewohner von sumpfigen Ländern
< nur sehr selten. Hingegen stellen die Bewohner von Gegenden, die von großen Flüssen durchströmt werden, ein höheres Con- tingent. Die meisten Selbstmorde ereignen sich im Juni, die wenigsten im December und zwar vornehmlich in den ersten zehn Tagen des Monats.
rrnLoerptäls - Nachrichten.
— In der irischen Hauptstadt werden schon Vorbereitungen für daS 300jährige Jubiläum der Universität Dublin im nächste» Jahre getroffen. Der Kanzler der Universität und der Provoft der Trinity College haben Einladungen an alle gelehrten Körperschaften Europas ergehen lassen, sich an der Feier zu betheiligen.
Wöchentliche Ucberficht der Todesfälle in Gieße«
49. Woche. Vom 6. December bis 12. December 1891.
Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 25,24 %o bezw. 7,57 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder
Anm. Die in Klammern gesetzim Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
Rachenbräune 4
Acute entzündliche Erkrankungen der Ath-
(3)
4 (3)
mungs-Organe 3
Andere bekannte
(2)
3 (2)
— —
Krankheiten 3
(2)
2 (2)
— 1
Summa: 10 (7)
5 (4)
5 (3)
Literatur tm6 Aunst.
— Humoreske« (enthaltend: Mitus und Matus. — Das A^ebot' — Die Tanzgabe. — Vom Jüngling, der gern einen Bart gehabt hatte. — Die Karpfenschuppe) von Julius Stinde. Verla« von Freund & Jeckel, Berlin. Die Freunde von Sttndes Erza^ lungskunst werden an diesem neuen Bande wiederum große Freude haben. In der That sind diese mit feinem Humor gewürzten Erzählungen mit aller Kunst geschrieben, sowohl in der Composition wie im Stil, der trotz aller Natürlichkeit dennoch glänzend ist Und wie viel Erfahrung und Weltkenntntß wird hier in der gemüthoolle» Vereinigung von frohem Scherz und tiefem Ernst bargeboten. Nicht blos zur Lust sind die Humoresken und zu flacher Unterhaltung- sie bieten dem Geiste gesunde Nahrung und sind daher ein Familienbuch im besten Sinne des Wortes.
Verkehr, Land« un- Volkswirthschaft.
Lauterbach, 13. December. Der landwirthschaftliche Bezirksveretn Lauterbach erzielte im Rechnungsjahr 1890 eine Einnahme von 2630.66 Mark und war danach in der Lage, seinen Zwecken entsprechende Ausgabm zu macken, die sich wie folgt ver- theilen: Beitrag zur Aufnahme von Bodenculturplänen in der Gemarkung Crainfeld 200 33, für Bezug junger Obstbäume 243, für Bullenprämiirung 200, für Wandervorträge 217.20, an die landwirthschaftliche Haushaltungsschule in Lindheim 50, Unterstützung der Viehzuchtvereine 1100 Mark. — Für 1891/92 sind u. A. folgende Ausgaben vorgesehen: Für Ausbildung von Obstbaumwärtern 300, für Bezug junger Obstbäume 200, Prämie für Erbauung eines Bullenstalles 200, für Wandervorträge 200, für die Haushaltungsschule in Lindheim 50, für den oberhessischen Obstbauverein, dem beizutreten und dm thunlichst zu fördern beschlossen wurde, 50, für Unterstützung deS Viehzuchtvereins 200, für Wiesenbaucurse 200 Mark. D. Ztg.
— Ma«l- und Mauenseuche. Die „Sachs. Landw. Zettschr." schreibt: Die außerordentlich starke Verbreitung der Maul- und Klauenseuche hat den Kgl. sächsischen Behörden Veranlassung gegeben, außer verschiedenen Verboten der Abhaltung von Viehmärkten auch die bezirksthierärztliche Untersuchung aller von in- undausländische» Händlern zum Verkauf aufgestellten Rindviehbestände anzuordnen. Leider scheint immer wieder ein Theil der Landwirthe nicht izu erkennen, daß diese Maßregel lediglich zum Schutze der inländischen Viehbesitzer erlassen wird, denn sonst kann man es nicht verstehen, daß einzelne Landwirthe, um diese Untersuchung den Händlern zu ersparen und dadurch die erwähnte Maßregel zu umgehen, das von ihnen anzukaufende oder bestellte Vieh bereits jenseits der Grenzen, z. B. wie vorgekommen in Görlitz, von den Händlern abnehmen. Möchter doch jeder Käufer von Klauenvieh zur Fernhaltung der Seuche vom Lande wie von seinem eigenen Viehbestände beitragen, indem er alle Umgehungen der wohl erwogenen Maßregel selbst vermeidet und auch, soweit sie von Seiten der Händler versucht werden, dadurch vereitelt, daß er vom Händler nur Vieh kauft, nachdem es bei demselben bezirksthierärztlictz untersucht worden ist.
~ f"7 ™ öre6e "Nd kleine Kinder. Vou
Sophie Moleschott. Verlag von Emil Roth in Gießen. 5Die Gattin des berühmten Universitätslehrers und Naturforschers Jakob Moleschott in Rom, kürzlich auf schmerzlich tragische Weise aus dem Leben geschieden, hat noch als letzte poetische Gabe die obengenannte klestre Arbeit hinterlassen. Das Merkchen trägt mtt Recht das Motto: „Das Denken und Empfinden der Kinder durch geeignete Erzählungen und Plaudereien anzureaen
^ine Lieblingsbeschäftigung." Die Ver- !°lserin^hat als echte Kennerin des Ktndesherzens für ihre Plaudereien das Märchen gewählt und den Stoff dazu zumeist ih«m eigene» Kindesleben entlehnt; vertbeilt hat sie denselben auf sechs Abschnitt! ober Abende. Im I. und II. Abschnitt erzählt sie: „Von meinem Puppenhaus" und „Puppenscherz". Liebe und Leben, Lebe» und Liebe athmet aus diesen beiden Puppenmärchen, die kleine« Gestalten gewinnen Leben vor unfern Augen und wir glauben unS einen Augenblick in die Märchenwelt von Gebrüder Grimm verfem w/nn 'ms die feinen und sinnig eingeflochtenen Naturbetrachtungen nicht belehrten, daß wir es hier mit einer ganz besonderen Gattung von Plaudereien für Kinder zu thun haben. In gleich originell geistreicher Weise führt die Mutter im HI. Abschnitt: „Schaut und genießt!" und im IV. „Auf dem Bock", Bilder aus vergangenen Zeiten vor das Auge ihrer Lieblinge und indem sie selber noch estimA ihr Herz ganz in die Erinnerung an die süßen Tage ihrer Klndd-n tief, tief eintaucht und unter Lächeln Thränen verbirgt weckt sie hei ihren Kleinen die unauslöschlichsten Empfindungen zärtlicher Kinde«- liebe. Der V. Abschnitt hat die Überschrift: „Liebet Port tast Hieran gelangt die Shakespeare'sche Gestalt vom Juden Svlock" aus dem „Kaufmann von Venedig" im Gewand des Märchens 1» einer so reizenden Darstellung, wie sie für das kindliche Verständnis nicht meisterhafter gefordert werden kann. Der IV. Abschnitt sübrt uns zu „Frohen Stunden" und verbreitet sich über glütffeliae Erinnerungen an Turin, tn welchen sogar ihr lieber Gatte, der ernste For cher eine humoristische Figur dabei abgeben muß. Zum Schluß folgt noch ein weckendes, packendes „Tanzlied" für kleine Kindes Durch sämmtliche sechs Abschnitte zieht sich ein lindes Weh nach d7r lieben deutschen Heimath und wir fühlen den Schmers eines fn deutschen Mutterherzens in der eigenen Brust nach unbfiSLÄ getotfe eine weitverbreitete Empfindung aus, wenn wir beklagen, daß es einer so hoch ideal angelegten Frau nicht vergönnt war, die Blütd-» ihres Geistes auf heimathlichem Boden zu entfalten Wer ahn- Ära gefühlvolle Stau unb Mutter dm Dran« in flTtrigf bd


