Ausgabe 
17.6.1891
 
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noch frei umsehen. Da lagen diesseits der Birs, rechts von der Straße, in der Tiefe bereits 710 Todle, jenseits des Dammes, unter dem hindurch ein Durchgang führt, waren noch etwa ein halb Dutzend gräßlich verstümmelter Opfer in's Gras gebettet. Ergreifend war der Anblick einer tobten Mutter, mit schmerzverzerrten Zügen, die ihr entseeltes Kind in den Armen hielt. Ausgefallen ist uns, daß fast alle ge­fallenen, zum Theil schrecklich zugerichteten Opfer dieser trau­rigen Katastrophe mit aufgedunsenen, blutunterlaufenen, dunkel­blauen Gesichtern und blutleeren, leichenbleichen Händen und Armen dalagen. Wahrlich, ein entsetzlicher Anblick!

Einen grellen Gegensatz zu der Jammerscene bildete der Schmuck des Dorfes Mönchenstein, wo am gleichen Nachmittag ein Gesangfest gefeiert werden sollte. Kaum hatte dieses be­gonnen, so ertönte der Mark und Bein durchdringende Schreckens- und Hilfsschrei in die Kirche, und jäh wurde die Festlichkeit abgebrochen. Ein Augenzeuge, der im Momente des Sturzes auf der Straßenbrücke sich befand, versicherte uns, daß er das verzweiflungsvolle Jammergeschrei der Ver­unglückten seiner Lebtage nicht vergessen werde.

Aus Basel, 15. Juni, wird berichtet: Heute begaben sich weitere 30 Mann aus der Sanitätsschule nach der Un­glücksstätte zur Hilfeleistung bei der Bergung der Todten aus dem Wasser. Genietruppen werden zur Wiederaufnahme des Bahnverkehrs eine Jnterimsbrücke errichten. Von den Ver­wundeten im Hospitale ist keiner mehr in Lebensgefahr. Heute Vormittag wurden noch 3 Todte aus den Wagentrümmern hervorgeholt. Jetzt (12 Uhr Mittags) sind noch acht weitere sichtbar. Wie viele sich noch im Wasser befinden, entzieht sich der Schätzung. Die Angaben bannen zwischen 30 und 70. Es können noch Tage vergehen, bis die letzten Todten herausgeschafft sind. Sappeure und Pioniere sind mit Räumungsarbeiten beschäftigt. Die Zahl der Todten beträgt bereits 65, doch sind noch nicht alle geborgen. Schwerverwundete zählt man gegen hundert. Die Last der zwei schweren Locomotiven war zu groß für die Brücke. Vier Wagen wurden ganz zertrümmert. Ge- töbtete unb verletzte Personen aus ber ersten Klasse konnten noch nicht ermittelt werben, weil der Wagen noch nicht zu­gänglich ist. Die schwache Construction der Brücke war die Hauptursache des Unglücks. Ein eingeklemmter Passagier, der sieben Stunden mit Cognac erhalten wurde, ist gestorben, ein anderer erhielt eine Morphii'.m-Jnjection durch die Spalte des Wagens hindurch. Alle Feuerwehren der Nachbarschaft, die Sappeurcompagnie von Liestal und das Sanitätscorps von Basel waren schnell zur Stelle, alle Aerzte wurden tele­phonisch hinausberufen und sämmtliche Lohnfuhrwerke in den Dienst der Sanität gestellt. Abends 9 Uhr war ber unterste Wagen noch nicht zugänglich. Ein Heizer unb ein Führer sinb gerettet. Die bisher ermittelten Tobten und Verwun­deten sind fast alle Baseler.

Cocalcs uttfc provinzielles,

Gießen, 16. Juni.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 18. Juni 1891, Nachmittags 4 Uhr: 1. Die hessischen Stäbtetage. 2. Die internationale electrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. 3. Die Anschaffung bcs Brennmaterials für 1891/92. 4. Errichtung einer psychiatrischen Klinik, hier: Einfriebigung ber alten Kaserne im Seltersweg. 5. Die Reinigung ber Tauben­tränke. 6. Die Untersuchung ber Blitzableiter auf den städtischen Gebäuden. 7. Den Brunnen in der Neustadt. 8. Gesuch des Metzgers L. Schneider um Octroirückvergütung. 9. Die Milchcoutrole betr.

P. Die gegenwärtig im Lenz'schen Felsenkeller (W. Kauf­mann) austretende Variete-Truppe erfreut sich allabendlich des größten Beifalls. Die Leistungen sind ganz vorzügliche und dürfte sich hier nicht oft Gelegenheit bieten, solch eine aus­erlesene Künstlerschaar sehen und hören zu können. Jeder einzelne Artist arbeitet mit Sicherheit und Gewandtheit und man merkt es den Leuten an, daß sie Routine in ihrem Fach besitzen. Mr. O'Terra, der japanesische Drahtseilkünstler, vollbringt wahre Wunder der Balancirkunst und zwar mit einer Ruhe, daß ein ängstliches Gefühl beim staunenden Publikum gar nicht aufkommt, trotzdem die Production auf dem dünnen Telegraphendraht gar sehr halsbrecherisch aus­sieht. Herr Ernest, eine stattliche, von Kraft und Gesundheit strotzende Athletenfigur, wirft mit sehr schweren eisernen Gewichten und Stangen um sich herum, als ob es Feder­

vieler Mühe einige Nüsse herunter, aber der Milchsast der­selben schmeckte fade und konnte ich ihn kaum durch Zusatz Don etwas Rum aus meiner Flasche, deren Inhalt jedoch bedenklich auf die Neige ging, für mich genußfähig machen.

Der nächste Ort, wo mit Gewißheit auf Wasser gerechnet werden durfte, war die kleine Oase von El Maswed, die indessen, wie Ali Mansur meinte, vor Abend des folgenden Tages schwerlich erreicht werden konnte, wir mußten uns also bis dahin ohne Wasser behelfen. Nach kurzer Rast ver­ließen wir die Palmengruppe, um bis Sonnenuntergang wenigstens noch ein Stück des Weges nach El Maswed zurück­zulegen. Als die letzten Sonnenstrahlen von Westen her über die unermeßliche Sandfläche zitterten, schlugen wir unsere Nachtlager am Fuße eines mit Dornen« und Cacteengebüsch besetzten Hügels auf und zogen am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang weiter. Düsteres Schweigen herrschte in der Earawane, denn mehr unb mehr machten sich bei jedem von uns die Qualen des Durstes bemerklich und der Gedanke, noch bis zum Abend ohne das erfrischende Naß aushalten zu müssen, trug natürlich nicht zur Verbesserung der allgemeinen Stimmung bei. Ich netzte meine trockenen Lippen von Zeit zu Zeit mit einem Tropfen Rum, unterließ aber bald dies Beginnen, da ich merkte, daß hierdurch das brennende Durstgefühl nur noch mehr gesteigert wurde.

(Schluß folgt.)

bälle wären. U. A. legt sich der Herr eine 200 Pfund schwere Kugelstange auf die Schultern, an welche sich zwei Männer hängen, während noch ein dritter sich auf Herrn Ernsts Schultern setzt, worauf sich dieser mit der ganzen Last schneller im Kreise dreht. Wahrhaft eine großartige Kraft- leistung. Signor Hermani ist ein perfecter Jongleur unb war mehrjähriges Mitglied des Circus Herzog. Es würde zu weit gehen, das ganze tüchtige Personal einzeln aufzu­führen, weshalb wir nur noch sagen wollen, daß ein Besuch der Vorstellungen höchst lohnend ist unb das Programm so gehalten wird, daß auch Familien dieselben besuchen können.

Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 15. Juni er. Unter dem Vorsitze des Großh. Landgerichts­raths Holzapfel wurden heute die Schwurgerichtssitzungen für das zweite Quartal 1891 eröffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Johannes Hofmann von Rod heim v. d. H. wegen Körperverletzung und Todtschlags. Die Anklage vertrat der Großh. Staatsanwalt Theobald, die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Dr. Gutsleisch, als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Wilhelm Leo Vogt, Balthasar Emmerich, Paulus Martini, Karl Dippel II., Jacob Kaspar Jungblut, Johannes Schöpf, Heinrich Enders II., Johann Jost Pfeil, Karl Vorbach, Wilhelm Schudt, Philipp Wilhelm Altmannsperger und Johann Philipp VIII. Der zwanzigjährige Johannes Hofmann von Rodheim v. d. H. ist angeklagt, daß er zu Rodheim v. b. H. 1) in ber Nacht^ vom 19./20. April 1891 den Heinrich Conrad Karl Müller durch einen Stich mit einem Messer vorsätzlich an der Gesundheit beschädigt und 2) kurz daraus in derselben Nacht den Johann Wilhelm Müller vorsätzlich, jedoch ohne Ueberlegung, getödtet habe. Der Angeklagte hatte sich am 19. April 1891 mit Georg Stark in die Wohnung des Heinrich Balthasar Jacobi begeben, in welcher junge Mädchen unb Burschen versammelt waren. In ber Jacobi'schen Stube neckten sich die Burschen und würbe Hofmann auch mit ben SpitznamenBremer Arthur",Bremer Jean" titulirt, ohne daß irgend welche Mißhelligkeiten ober Streitigkeiten entstanden wären. Gegen 1/2I2 Uhr verließen die Burschen das Jocobi'sche Haus. Georg Müller, Wilhelm Müller und Karl Müller, sowie ber Angeklagte stießen sich bei bem Verlassen der Wohnstube untereinander. Als die Genannten, Georg Müller voran, die Wohnstube verlassen hatten, trat Letzterer im Hausgange zur Seite unb gingen bie beiben Müller (Wilhelm unb Karl), wie ber Angeklagte an Georg Müller vorbei zur Hausthüre hinaus. Wilhelm Müller ging vor Karl Müller unb folgte diesem der Angeklagte. Bei bem Verlassen ber Hausthüre fragte Letzterer in brummenbem Tone den Karl Müller, was sie von ihm gewollt hätten, woraus dieser entgegnete, sie wollten von ihm nichts, es sei am besten, wenn er heimgehe. Karl Müller ging hierauf zum Hofthore hinaus unb blieb an bemselben stehen, um auf die anberen Burschen zu warten. Während Karl Müller am Hofthore stand, trat der Angeklagte heraus unb stieß diesem wider den linken Arm. Karl Müller merkte alsbald, daß er gestochen war. Er beachtete ben Stich nicht besonders, weil es ihm vorkam, als sei er mit einer Nadel gestochen worden, eilte vielmehr bem Hofmann ein Stück nach, lief jeboch, als er merkte, baß er stark blutete, nach bem Jacobi'schen Hause zurück und rief:Ich bin gestochen!" In biefem Augenblick gewahrte Karl Müller, daß Hofmann und Wilhelm Müller vor dem Hofthore des Hofmann, etwa 50 Schritte von dem Jacobi'schen Hanse entfernt, auseinander lagen. Wer oben lag, konnte Karl Müller nicht erkennen. Er sah aber, daß Hofmann plötzlich aufsprang und in seinen Hof hineineilte. Wilhelm Müller, der sich von ber Erde erhoben hatte, ging nach Karl Müller zu und sagte, als er an das Hofthor des Georg Zipperlein, welches 44 Schritte von bem Hofmann'schen Hofthor ent­fernt ist, gekommen war, zu Karl Müller:Karl, ich kann nicht mehr!" Ec lehnte sich wider bas Hofthor unb stürzte auf einmal zusammen. Als Wilhelm Müller unb Hosmann zu Boben lagen, war Niemand in ihrer unmittelbaren Nähe und hörte auch Karl Müller von Keinem der Beiden einen Laut. Bei bem Nieberfallen des Wilhelm Müller nahmen die herangekommenen Personen an, derselbe sei betrunken. Die alsbald sichtbar werdenden starken Blutlachen und die Regungslosigkeit Müllers ließen jedoch sofort klar werden, daß Müller gelobtet worben war. Der Getödtete wurde in sein elterliches Haus verbracht unb erfolgte alsbald bie Ver­haftung des Angeklagten. Bei seiner ersten Vernehmung räumte er ein, bie tödtliche Stichwunde bem Wilhelm Müller beigebracht zu haben. Er behauptet jeboch, baß Wilhelm Müller ihn angegriffen unb er sich gegen die thätlichen Angriffe desselben mit seinem Messer vertheidigt, somit in Nothwehr gehandelt habe. Er suchte die Sache auch in der heutigen Verhandlung so hinzustellen, als ob er schon im Jacobi'schen Hause von verschiedenen Burschen angegriffen, geschlagen und verfolgt worden sei, insbesondere habe ihn Wilhelm Müller hinten am Genick gefaßt und zusammen­gerissen, so daß er auf das Gesicht gefallen wäre. Er ver­sicherte, Müller habe sich auf ihn geworfen und ihn, während er sich umdrehte, an der Kehle gepackt - er habe sich mit feinem Messer, das er noch in ber Hand gehalten, gewehrt. Auf ein Mal habe Müller ihn losgelaffen, sei von ihm weggelaufen unb habe von innen sein Hofthor zugeriegelt. Wilhelm Müller habe laut gerufen:Ich habe ihm halb bie Kehle zugebrückt", währenb Karl Imhof gerufen habe: \ Hättest Du ihn boch gehalten, ich hätte ihm das Genick ab- ' gestochen." Diese Behauptungen wurden von den Zeugen als unwahr bezeichnet- insbesondere seine Angabe, daß er den Müller gestochen habe, während dieser auf ihm lag, wurde durch das sachverständige Gutachten als unglaubhaft wider­legt. Die Geschworenen verneinten die auf Todtschlag ge­richtete Frage, bejahten aber die an sie gestellten, den That- bestand der Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg und der gefährlichen Körperverletzung enthaltenden Fragen unter Ver­neinung der hierzu gestellten Nebenfragen nach dem Vorhan­densein mildernder Umstände. Aus Grund dieses Verdicts verurtheilte der Gerichtshof den Angeklagten in eine Gesammt-

gefängnißstrase von vier Jahren und zwei Monaten nebst Kosten.

Die seitens der Genossenschaft freiwilliger Kranken­pfleger im Kriege im April unb Mai d. Js. unternommenen Versuche, auch in Sübdeutschland Filialen zu begründen, waren von bestem Erfolge begleitet. Es bildeten sich neue Genossenschasts-Comites mit zusammen 123 Mitgliedern in Gießen (Vorsitzender Professor Dr. Gottschick, Rector), Darm­stadt (Ehrenpräsident Finanzminister Weber, Vorsitzender Professor Dr. Henneberg), Karlsruhe (Vorsitzender Geheimer Hofrath Professor Dr. Engler), Heidelberg (Vorsitzender Pro­fessor Dr. Schroeder, b. zt. Prorector), Straßburg i. E- (Vorsitzender Professor Dr. Knapp, Rector), Freiburg i. Br.. (Vorsitzender Generalmajor z. D. Seldner), Tübingen (Vor­sitzender Professor Dr. Buder, Rector) und Erlangen (Vor­sitzender Professor D. Kolbe, Prorector). An ben meisten der vorbenannten Hochschulen sanden gleich nach Pfingsten allgemeine Studentenversammlungen statt, deren Ergebniß war, daß in Gießen 32, in Darmstadt 48, in Heidelberg 45, in Straßburg 46, in Tübingen ca. 60, in Erlagen 43, also im Ganzen 274 Studirende ber Genoffenschaft beitraten. Die Organisation hat sich in Sübdeutschland im engsten An­schluß an bie betreffenden Landesvereine vom rothen Kreuz vollzogen. Die jetzt beginnenden Unterrichtscurse werden theils von den Aerzten der betreffenden Universitätsklinik, theils von Militärärzten abgehalten. Der Zuwachs an activen Mitgliedern für die ganze Genossenschaft seit Pfingsten beträgt 600 bis 700 Mann. Vor einigen Tagen hat auch die bis dahin selbstständige Genossenschaft in Jena sich ber großen allgemeinen Genossenschaft eingegliebert, so baß die letztere heute 2300 active Mitglieder aufweist. Wie bie Organisation von Genossenschaftsverbänben in Süddeutschland sich im engen Anschluß an die dortigen Lanbesvereine vom rothen Kreuz vollzogen hat, so treten die Genossenschafts­verbände im Königreich Preußen in immer engere Fühlung zu den Provinzialvereinen vorn rothen Kreuz. Kürzlich haben in ben Provinzen Rheinland, Westfalen, Sachsen, Branden­burg, Hessen-Nassau unb Schlesien bie Oberpräsidenten das Ehrenpräsidium je über den Genossenschaftsverbanb ihrer Pro­vinz übernommen. Auch in der Provinz Schleswig-Holstein hat der Oberpräsident die Ernennung zum Ehrenmitgliede ber. Genossenschaft acceptiri.

Verkehr bei den Telegraphen-Anstalten des Groß« herzogthums Heffeu im Jahre 1890. Im Jalwe 1890 bestanden 300 Telegraphen-Anstalten, bei denen 362 213 Telegramme aufgegeben wurden. Die hierfür erhobenen Gr bührcii betrugen 308 780 Mk. Auf 25,6 m-Kilometer entfällt eine Tclcuvaphen- Anstalt. Es kommen auf je 1 ^-Kilometer 47,2 Telegramme,, ans 1000 Einwohner 364,17 Telegramme mit 310,45 Mk. Gebühren. Am 31. December 1890 waren in Betrieb 1968 Kilometer Linien, 7011 Kilometer Leitungen, 481 Appa­rate, darunter 208 Fernsprecher. Nach Provinzen geordnet wurden aufgegeben in Rheinhessen 177 534, in Starkenburg 119449, in Oberhessen 65 230 Telegramme. Die Abstufung, in der Zahl ber aufgegebenen Telegramme in ben einzelnen Städten des Großherzogthnms entspricht annähernd der Einwohnerzahl derselben, so daß also Mainz obenan steht.

-ck. Grimberg, 15. Juni. Das gestrige Kirch en- Gesangf est nahm einen einzig schönen Verlauf und übertraf alle Erwartungen, die man an dasselbe geknüpft. Den Chor bildeten acht Kirchengesangvereine: Beuern (Dirigent Lehrer Musch), Bobenhausen (Dirigent Pfarrer Muhl), Burkhards­felden (Dirigent Lehrer Gerstenmeier), Grünberg (Dirigent Lehrer Mohr), Ladenbach (Dirigent Pfarrverwalter Weinberger), Londorf (Dirigent Lehrer Laubinger), Ulrichstein (Dirigent Pfarrer Beckel) und Wetterfeld (Dirigent Lehrer Jacob). Die Leitung des Gesammtchores hatte Herr Lehrer Hamburger von hier übernommen. Ein Orgelspiel: Toccata unb Fuge in D-moll von I. S. Bach, vorgetragen von Herrn Lehrer Görlach ans Gießen, leitete stimmungsvoll bie Feier ein. Das schöne Orgelspiel verriet!) eine brillante Fingerfertigkeit unb klare Auffassung des Leitmotivs der herrlichen Fuge Seitens des jungen Organisten. Sodann begann die gottes­dienstliche Feier, eröffnet mit dem Gesang der Gemeinde: Wach auf mein Herz unb finge. Derselben lag als Haupt­ideegeistlicher Tageslauf" zu Grunde. Die Wirkung des mächtigen Chores war eine überraschende, verblüffende. Eine solch mächtige Tonfülle mit voller harmonischer Klangfarbe haben wir noch nie gehört. Das präcise Einsetzen, sowie überhaupt das ausgezeichnete Zusammenwirken der einzelnen Chöre bewies ihre vortreffliche Schulung und tüchtige Leitung. Nur eine Stimme ber Anerkennung für diese brillante Leistung des Chores herrschte unter der zahlreichen Zuhörerschaft.

Lindenstruth, 13. Juni. Heute Mittag gegen 3 Uhr wurde der 63 Jahre alte pensionirte Bahnwärter Menz in feinem Zimmer erhängt aufgefunden. (Gründ. Anz.)

A Herbstein, 15. Juni. Gestern fand zu Ilbeshausen das vierte Säug er fest des Vogelsberger Sängerbundes statt. Es hatten sich von auswärts eingefunden bie Vereine von Altenschlirf, Engelrod, Eichenrod, Herbstein, Rixfeld und Rainrod. Nach Abhaltung der * Generalversammlung im Saale des Gastwinhs Müller sand Probe im Schulsaal statt. Gegen P/2 Uhr Mittags stellte sich der Festzug auf unb bewegte sich nach dem Festplatze, eine Viertelstunde von Ilbes­hausen entfernt, an der Oberwaldstraße gelegen. Herr Präsident Löffler von Ilbeshausen hielt die Begrüßungs- und Herr Bundespräsident Schäddel von Altenschlirf die Festrede. Es hatte sich eine coloffale Menschenmenge eingefunden, welche zum größten Theil bis zur späten Morgenstunde aushielt. Die gerade an diesem Tage günstige Witterung und das vortreffliche Bier aus den Bierbrauereien des O. Suppes von Herbstein und der Freiherrn Riedesel zu Lauterbach mögen hierzu wesentlich beigetragen haben.

Vermischtes.

* Mainz, 13. Juni. Die Medicinal« und Gerichts^ behörbe hat gestern eine Besichtigung der Strecke Budenheim-