außerordentlich wohl in der Luft und zeigen dies durch lustiges Umhersprtngen an. _ „ „
Wir baden nun noch Einiges über die Ernähr««- der
«nd MUchschweine, über Auswahl der Raffen, Behandlung der säugenden Tauen und oerfchiedenes Andere zu besprechen; aus Mangel an Raum und Zett müssen wir jedoch heute adbrechm und den Schluß auf später verschieben.
Citeratur rrnv rinnst.
— Rovellen-Bibliothek der Jlluffrirten Zeitung. Eine Sammlung ausgewählter Erzählungen. Neunter Band. VI und 382 Seiten. Preis geheftet 2 Mk., in Original-Leinenband 3 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig.
Die zu einem in jeder Hinsicht hochelegant ausgestatteten Buche vereinigten 20 Novellen dürfen durchgehends dem Trefflichsten beigezählt werden, das die deutsche Literatur auf diesem so reich bebauten Gebiete aufzuweisen hat. In ihrer künstlerischen Form die reichste Mannigfaltigkeit bietend, gleichen sie sich doch wiederum in Bezug auf feine Ausarbeitung und edeln Gehalt. Es ist nicht leichte Durchschnittswaare, die uns hier geboten wird; manche dieser No- velletten und Sctzzen dringen, knapp geschürzt, in die bedeutungsvollsten Probleme der modernen gesellschaftlichen Ordnung ein, zum Nachdenken und weiterer, selbständiger Ausgestaltung stimmend, in psychologischer Tiefe Verstand, Gemüth und Phantasie gleichmäßig anregend und befruchtend. Wer mit seinen Wünschen und Ansprüchen nicht über ordinäres, herkömmliches Matz hinausgeht und an der Obel fläche der Dinge leichtltch hängen bleibt, wird unserm Urtheil vielleicht nicht beistimmen; tiefer dringende Naturen mit reiferem Verständntß des Lebens und der Welt finden, wir sind dessen sicher, hier reinen Genutz und volle Genüge.
indem er ihm eine derbe Maulschelle verabreichte, weil der Junge eine schwere Zuchtsau dadurch quälte, daß er den Schwanz des Thieres herumleierte, wie die Kurbel an einer Drehorgel, was dem Thiere heftige Schmerzen verursachte. Ein klägliches Grunzen war die Folge und das schien dem gefühllosen Schlingel weidlich zu gefallen. Die saftige Ohrfeige war darum sehr an ihrem Platze und trägt roo$l Ae dA"Acksichtsvollen, ruhigen Behandlung der Haustbiere sind uns die Araber und Türken, auch andere sogen, ntchtgebildete Völker weit „über". Sie hauen ihre Thiere nicht, sie reden ihnen freundlich zu, streicheln sie, wenn es nicht vorwärts will und kommen dadurch viel weiter, haben auch viel länger an den Thieren, wie die Schinder und Quäler. ,, c ,
Wer mit Thieren, einerlei ob Säugethieren oder Vögeln, umzugehen pflegt, weiß sehr wohl, wie empfänglich diese Geschöpfe für freundliche Behandlung und gute Worte sind, das Schwein nicht ausgenommen. Daß die Schweine aber auch Intelligenz besitzen, beweist die Thatsache, daß man sie in neuester Zett zu Etrkuskunst- stücken abgerichtet hat.
Als zweite Hauptbedingung für gute Erfolge in der Schweinezucht ist pünktliche, regelmäßige Fütterung auszuführen. Der Züchter versäume es nicht, genau nach der Uhr zu futtern, wenn es die Geschäfte in der Wirthschaft nur einigermaßen gestatten. Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit sind überall die Seele des Geschäftes, so auch hier. Eine pünktliche, regelmäßige Wirthschaft leistet viel mehr, als schlapperiqe. „Ordnung lehrt Dich Zeit gewinnen", sagt Mephisto zu dem Schüler. Der Militärdienst zeigt am Besten, was mit Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit geschafft werden kann.
An Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit hinsichtlich der Fütterung schließt sich Reinlichkeit «nd Sauberkeit des Stalles und der Träge. Die meisten Menschen lachen vielleicht darüber, daß man für das Schwein, das schmutzigste Thier, das sich mit Wohlbehagen in Sümpfen und Cloaken herumwälzt, das alles Widrige und Häßliche verzehrt und dabei dick und fett wird, Reinlichkeit und Sauberkeit verlangt. Trotzalledem und alledem ist unsere Ansicht richtig, denn es handelt sich hier um Zucht und Zuchtthiere, für die andere Bedingungen zu stellen sind, als für die gewöhnlichen Schweine. Es kommt sogar noch die Forderung hinzu: gute Luft und Licht in den Ställen. In Betreff der Reinlichkeit in den Trögen wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Futterrefte Saure und Fäulniß erzeugen, welche Durchfall und Krankheit verursachen. Mit den Bacillen, Bacterien und sonstigen Infusorien aber ist heutzutage nicht mehr zu spaßen.
Ein großer Fehler bei der Schweinezucht wird dadurch sehr oft gemacht, daß die Thiere zu frühe zur Zucht verwendet werden. Wenn gute Ernährung ftattgefunden hat, kann man die Eber mit 9 Monaten, die Sauen mit 8 Monaten zulassen. Ein ähnlicher Febler wird begangen, indem man die Zuchtthiere zu alt werden läßt, d. h. zu lange zur Zucht benützt. Länger als 4, höchstens 5 Jahre sollte man einen Eber nicht benutzen; die größte Frucht- baikeit herrscht im dritten und vierten Jahre. Die Eberferkel laßt man am besten in der siebenten oder achten Woche castriren.
Für Bewegung in freier Luft muß unbedingt Sorge getragen werden und zwar für jedes Alter. Die Thiere fühlen sich
Süßer Natur-Medicinal-Ungarwein
von I. Leuchtmann, Wien
zeichnet sich den anderen im Handel vorkommenden Ungarweinen (Tokayer) gegenüber aus:
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Niederlage: «arl Schwaabs Delieateffenhandlung in । Gießen. 4672
3n °°rst°hmd°m Tarif- tonnten nur bie am häufigsten zur Untersuchung kommenden Gegenstände B-rÜ-kfichtigung finden. Sind anderweit.ge hier nicht verzeichnete Arbeiten auszussthren, fo werden für etne qualitative SQBeif^'baß* bie än°Lfi?be°bezüKten Gebühren im Saufe eines Rechnungsjahres die Summe von mindestens 100 Mark erreichen, findet am Schluss-
de- J°hr-s eme Rückvergütung von 20«Zo M• Wten Seteageä: ftatt Eigenschaft und für amtliche Zwecke veranlaßt werden, wird bei Franeozusendung der Untersuchungsobjeele die
Hälfte der |aUe für jede Lzc.n?Prob° 1 Mart berechnet. G,ne Rückvergütung findet h.erauf mch. statt.
Universitäts - Nachrichten.
— Der Cultusminister hat für die Pflege des Schwimm- und Rudersports unter den Studirenden der Akademie Munster die Summe von 3000 Mark bewilligt. Bet Sudmuhle soll an dem Werseflusse eine Schwimmanstalt und ein Boothaus errichtet werden.________________
Landwirthschaftliche Winke und Kaihschläge.
Beiträge zur rationellen Schweinezucht.
△ A«S Oberheffen, Mitte Mai.
In den letzten Jahren ist die Schweinezucht wohl derjenige Zweig in der Viehzucht, der den größte« Rußen abwarf.
Wiederholt ist in dieser Zeitung auf diese günstigen Resultate bingewiesen und die Landwirthe sind durch Vorführung von practischen Beispielen zur eifrigen Nachahmung angeregt worden.
Wer dieser Anregung folgte, hat es nicht zu bereuen gehabt und obgleich sich ein kleiner Rückgang fühlbar macht, bleibt die Schweinezucht immer noch etne sehr lucrattoe Zucht, vielleicht mehr, als sich auf den ersten Blick zeigt. Kommt das amerikanische Schweinefleisch aber wieder auf unseren Markt, dann wird der Preisrückgang für uns noch deutlicher werden. Es schadet daher nichts, wenn fick der kleine Lanbwirth einmal tüchtig mit den Hauptregeln der Schweinezucht bekannt macht, so daß er ab- und zugeben kann und nicht blos in den Tag hinein züchtet. Wenn auch die Preise zurückgehen, bleibt immer noch ein Stück Geld zu verdienen und deshalb wollen wir die Sache heute einmal ein Bischen bespreckem^hnlich man Diejenigen, die keine Erfolge in der Schweinezucht haben, behaupten: Der und Der hat Glück in der Pferde-, Rindvieh-, Schaf-, Schweinezucht u. s. f., mir aber leuchtet kein guter Stern. Daran liegt etwas Wahres. „Ein Quentchen Glück" pflegte ein fehr gewiegter, in hohem Alter verstorbener Practiker zu dem Schreiber dieser Zeilen oft zu sagen, „ist häufig mehr werth, als ein Viertelcentner Verstand. Aber," pflegte er hinzu zu setzen, „seine Schuldigkeit muß man stets dabet thun; schaffen, wirken, arbeiten gehört dazu, das Glück allein machts nicht aus."
Sehen wir also dem Dinge einmal ein Bischen in die Falle! In erster Linie ist es nothwendig, daß die Thiere Nicht roh «Ud gefühllos behandelt werden, wie es leider noch vielfach geschieht. Zwar ist Vieles besser geworden und daran haben die Lehrer, die es den Kindern einprägen, und die Thierfchnßvereine ein großes Verdienst. Es muß aber stets weiter gewirkt werden; alle Thiere müffen ruhig behandelt werden, ganz befovderS aber die Zucht- thiere, hier also die Zuchtsauen. Diese werden leicht träge und unbehülflich; manche Menschen glauben daher, man müsse die Thiere durch Fußtritte, Stockprügel usw. aus ihrem langsamen Tempo herausbringen. Gar oft sind durch solche Rohheiten schon Aborttr- erscheinungen, schwere Krankbeiten und der Tod der Thiere herbeigeführt worden, zum großen Schaden der Eigenthümer. Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehes — und „die Schweine sind sozusagen auch Thiere", rief jüngst ein Lehrer einem elfjährigen Bengel zu,
Feuilleton.
Ein Pfingstabend.
Von Fritz Gotthold.!
(Nachdruck verboten.)
So saß ich denn zum ersten Male in meinem Leben mutterseelenallein in der Fremde — ganz allein zu Pfingsten! —
„Ach, du Frühlingsfest, bringst du mir diesmal keme der Freuden, die sonst jede Brust erfüllen, — keine der Freuden, die vor Jahren das Knabenherz beseligten, wenn ich daheim unter meinen Lieben das Fest feierte? — Ach, wär ich doch daheim, wo die Nordsee wogt an dem sandigen Strande, wo lustiger Wind weht immer von Wester her und wo die Möven jetzt jauchzend schreien, daß Frühling, daß Pfingsten ist! Hier ächzen blos die Spatzen und schauen mich an, was der fremde Gesell hier will, der das schwäbische Deutsch so schlecht versteht. — Und das kleine Sperlingsweibchen, das vor mir auf dem Gartentische sitzt, schüttelt das Köpfchen: Hast du kein Liebchen, einsamer Mensch? — Warum bist du nicht bei ihr? — Willst Du denn nicht Pfingsten feiern?" — Und da kamen mir auf einmal große Thränen ins Auge und ich hob schnell eine Zeitung vom Tische und that, als ob ich lesen wollte — was versteht so ein Bogel, wie es ist, wenn einem „vom Liebsten, was man hat", die Treue gebrochen wird.
So starrte ich denn auf das Blatt, aber die Augen waren umflort und das Herz schwer — wie sollte ich lesen ? Und doch. Mein Blick fiel auf eine kurze Annonce, die in bescheiden kleinen Buchstaben an wenig beachteter Stelle stand. Sie lautete aber so:
„Eine arme Frau bittet Edeldenkende, zur Aufheiterung ihrer schwer gemüthskranken Tochter ihr eine Spieluhr zu leihen. Hofergasse 12."
„Arme Frau, arme Tochter!" dachte ich. Dringt mcht der fröhliche Lärm dieses Tages, nicht die lustige Musik von allerorten hinauf zu eurem Leid? Wird sich wohl eine mitleidige Seele finden, die heute zu Pfingsten an euch denkt und euch nicht vergebens bitten läßt? — Aber Spieluhren haben nur reiche Leute, und die haben heute mehr zu thun, als kleine Anzeigen zu lesen — es ist ja Pfingsten!
Und ich hörte von fern und nah das Juchschreien der fröhlichen Burschen und hörte die Fiedel munter klingen der Frühling blühte und duftete ringsum — und ich mußte au die arme Mutter denken, die jetzt einsam mit ihrer kranken Tochter im ärmlichen Stübchen saß und noch wartete auf ihre Pfingstsreude.
„Sitzt jetzt nicht auch mein liebes Mütterchen daheim und ist bekümmert, weil der einzige Sohn heute so fern ist, so fern in der Fremde mit dem enttäuschten und betrogenen Herzen? — Ja, ich will zu der armen Frau im Hosergäßchen gehen und trauern mit den Traurigen!"
Und ich stieg hinauf in mein Zimmer oben im Gasthause und suchte in meinem großen Koffer. Ganz unten auf dem Boden lag, was ich brauchte, ein länglicher, niedriger schwarzer Kasten, in ein Tuch gehüllt. Ich stellte ihn vor mich aus den
Tisch, dann saß ich am offenen Fenster und schaute lauge hinaus in den kommenden Abend. — Wie kam es nur, daß ich immer und immer die Melodie im Innern nicht los wurde: „Verlassen, verlassen, verlassen bin ich, wie der Stein auf der Straßen.— verlassen bin ich!"
Geist der Pfingsten, tröste mich doch!
Endlich war die Zeit gekommen, ich nahm meinen Kasten unter den Arm und stieg die Treppe hinab. Unterwegs begegnete mir der Wirth und frug mich lachend: „Na, wo wullen S' no hin, gelle? Mit dem Dings do?"
„Pfingsten feiern!" sagte ich leise, und kopfschüttelnd blickte er mir nach.
Eilig drängte ich mich durch das Gewimmel auf den Straßen und frug nach der Hofergaffe. Sie lag ganz draußen am Ende des Städtchens, wo der Berg anhebt. Da draußen war freilich alles still, kaum daß ich einigen Menschen noch begegnete. Sie mochten wohl fort fein nach den belebten Orten, wo die lustige Welt sich freut.
Hier war endlich das gesuchte Gäßchen und hier gleich das einstöckige Häuschen mit der Hausnummer 12. In den kleinen Fenstern brannte Licht. Da öffnete sich die Thür- eine schnarrende Stimme ertönte in dem Hausflur:
„Also wem Se wirklich nich kaufen etne Spieluhr, mit lauter neue Walzer, for billiges Geld? Aber weinen Se doch nich so grausam, meine Dame, will ich doch geben meine Waare auf Borg, auf Credit auf lange!"
Ich mußte wohl richtig sein. Der Jude betrachtete mich und meinen Kasten mit argwöhnischen Blicken, als er sich entfernte. Er mochte wohl Concurrenz befürchten. — Noch stand ich zögernd vor der Thür, dann trat ich rasch in den Hausflur und pochte an die niedrige Stubenthür, die sich vorhin aufgethan hatte. Eine alte Frau mit hagerem, verkümmertem Gesicht öffnete und noch liefen ihr die Thränen über die eingefallenen, durchfurchten Wangen, als ich sie begrüßte.
„Ach, es sind schon drei dagewesen, die Spieluhren verkaufen wollten, aber ich habe ja kein Geld und wollte nur eine borgen!" sagte sie noch schluchzend, als sie mich erblickte. Sie hielt mich jedenfalls auch für einen, der Spieluhren verkaufen wollte. Ich faßte ihre Hand und dieselbe streichelnd, sagte ich: „ r
„Nein, liebe Mutter, ich will auch keine verkaufen, ich wollte etwas anderes. Eine Spieluhr habe ich zwar nicht und verschaffen kann ich Ihnen auch keine- aber ich habe eine Zither, auf der ich spielen kann, und das klingt auch so schon. Darum wollte ich meinen Pfingstabend bei Ihnen und Ihrer armen Tochter zubringen! Ich bin auch verlassen und alleine und da gehören wir heute zusammen."
Ich mußte der Alten wohl Zutrauen einflößen, denn sie blickte mir in die Augen, setzte mir einen Stuhl hin und schüttelte mir die Hände. Sprechen konnte sie wohl nicht viel, denn sie war noch ganz aufgeregt von vorhin. Es war ja auch nicht nöthig, ich verstand sie ohne das.
Das Stübchen war ganz ärmlich eingerichtet- zwei Schränke, ein Bett, Tisch und Stühle waren bis auf die Schwarzwälder Uhr und einige Heiligenbilder alles, was sich darin befand. An dem Tische saß ein Mädchen von etwa zwanzig Jahren, ganz regungslos, den Blick starr geradeaus
gerichtet. Sie war sehr schon. Aber auf den Zügen lag eine Traurigkeit und Schwermuth, die mich tief rührte. In den Händen hielt sie einen Rosenkranz, aber die Lippen regten sich nicht. Der Anblick des Mädchens war erschütternd. Armes Kind! arme Mutter! Ich wußte alles, ehe die Alte wir erzählte. „— Es ist eine alte Geschichte, doch ist sie ewig neu — und wem sie just passiret, dem bricht das Herz entzwei!" — Diesem armen, wunderschönen Mädchen war das Herz entzwei gebrochen, das sah man in dem unsagbar traurigen Gesicht. Sie mußte geisteskrank sein, denn sie nahm keine Notiz von dem, was um sie vorging.
Ach, und hier wollte ich die Aermste aufheitern, wo mir selbst das Herz blutete- was sollte ich wohl spielen? — Ich nahm meine Zither aus dem Kasten und legte sie vor mich auf den Tisch. Prüfend glitt ich über die lieben Saiten - ach, seit einem halben Jahre hatte ich sie nicht berührt und ihren süßen Klang nicht gehört! Jetzt sollte ich lustig aufspielen ! —
Pfingstabend, Pfingstabend, dich feiern wir!
Und fast unwillkürlich und unbewußt begann ich zu spielen:
„O, du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit!" — Und bei der lieben, alten Weise und bei dem rauschenden Klingen meiner Zither ging mir das Herz so weit auf — und ich konnte nicht anders, ich mußte auch noch fingen dazu:
„Christus der Meister — Heiligt die Geister — Freue dich, o freue dich, du Christenheit!"
Und mir war, als wäre ich ganz allein mit mir, und während mir die Thränen erlösend aus den Augen traten, fpielte ich und sang immer lauter und stärker — viele Stücke nacheinander — und noch nie habe ich herzhafter und inniger mich an der Musik erfreut als damals, wo ich bei den beiden armen Frauenherzen Pfingsten feierte.
Wie lange ich musizirt hatte, ich wußte es selber nicht — aber als ich endlich, ganz überrascht, aufhörte, da sah ich, wie das betrübte Antlitz des jungen Mädchens so freundlich erhellt war und wie ihre blauen Augen so selig glänzten, und wie die alte Mutter, den grauen Kopf auf die Hande gestützt, mich so glücklich ansah, — ja, es war mir geglückt, ich hatte zwei Menschenherzen auf eine Weile getröstet und sie ihr Leid vergeßen lassen. Und das Pfingstfest fühlten wir alle drei in unseren Herzen: „O, du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit!"
Dann packte ich ohne viel Komplimente meine Zither ein und trat den Heimweg an. — Die Geschichte jener Armen habe ich nie erfahren, aber als ich in der herrlichen Frühlingsnacht nach Hause ging, da wußte ich, daß auch traurige Herzen zu Pfingsten wieder froh werden und daß man fröhlich sein kann, auch wenn die Augen weinen.
Und wenn jetzt in Schleswig zu Pfingsten die Möven jauchzend kreischen und die See luftig braust, so denke ich an jenen Pfingstabend in Süddeutschland unten und spiele auf meiner Zither und finge:
O, du fröhliche, o du selige, Gnadenbringende Pfingstenzeit!


