Ausgabe 
17.2.1891
 
Einzelbild herunterladen

t

Neueste Nttehviehten.

WolffS relegrapYffcheZ Torre<pondenz-Bureo.u.

Meustein, 15. Februar. Das Eisenbahn-Betriebsamt Allenstein macht bekannt: Die Strecke Allenstem-Mehlsack ist heute früh in Folge Schneesturmes bis aus Weiteres ge­sperrt worden.

München, 15. Februar. Heute früh um 3 Uhr stießen in der Station Ruderatshofen an der Lindau-Münchener Linie ein von Kempten kommender Postzug mit einem von Buchloe kommenden, gleichzeitig einjahrenden Güterzuge zusammen- der Oberconducteur und em Conducteur kamen ums Leben, von den Passagieren ist Niemand schwer verletzt. Als wahrscheinliche Ursache des Zusammenstoßes wird falsche Weichenstellung vermuthet.

eine Künstlerin die sich von ihrem früheren hiesigen Wirke» der herzlichsten Sympathie erfreut Thessa Klinghammer als Gast aus. Das Publikum kannte rasch seinen Lieblin- wieder an dem, bis zur Keckheit frischen und geistvollen Spiele und nahm jeden schicklichen Moment zur Dar- bringung eines applaudirenden Willkommengrußes dar. Nach den Actschlüssen wiederholte sich dieser Beifall in verstärktem Maße. In der eigenartigen Rolle der Francillon nimmt Thessa Klinkhammer mit voller Sicherheit die einzige Positisn ein, in welcher der darzustellende Character, das Stück und sein Autor zu verstehen ist."

DaS im vorigen Jahre aus Oswalds Garten gewesene hyppodrom ist zur Freude aller Reitlustigen wieder eingetroffe» und aus Lonys Bierkeller eröffnet worden. Es bietet diesmal den Vorzug in geschütztem, dazu hergerichteten Saale diese« Genuß sich hingeben zu können.

und ebenDors und Stadt". Wir unterlassen es ungern mit Rücksicht auf den uns zugemessenen Raum, einen ein­gehenderen Vergleich zwischen dem Romanorginal und der dramatischen Bearbeitung zu versuchen, der gerade beiDors und Stadt" besonders dankbar und anziehend ist, weil nir­gends deutlicher als hier die srauenhafre Art der Birch- Pseiffer, stets ängstlich alle realistischen Motive ihrer Vor­lagen durch idealistische zu ersetzen, zu Tage tritt und eilen sofort zu der Besprechung der wundervollen Verkörperung des Sorte durch Frl. Thessa Klinkhammer. Was über die Darstellung dieser zugleich höchst dankbaren Rolle durch die Künstlerin bekannt geworden war, reicht an die Wirklich­keit noch nicht entfernt hinan. Wir können uns einfach keine wahrere, innigere und mehr überwältigende Versinnlichung des kerngesunden naiven Sorte denken, deslebsrischen Maidle", das bei seiner unendlichen Siebe zu dem von ihr wie ein höheres Wesen angesehenen Maler Reinhard doch nie zur sentimentalen Schwärmerin wird und auch in allen Herzkränkungen in ihrer neuen, vornehmen Stellung, in die sie sich nicht zu finden weiß, bei klaren Sinnen bleibt und im rechten Moment fest und entschlossen zu handeln versteht. Aus Grund eines psychologischen Beobachtungsvermögens sonder Gleichen zeichnete Thessa Klinkhammer ein bis ins ein­zelnste hinein so einheitliches und harmonisches Bild dieses Frauencharacters, lebte sie so vollkommen in ihrem Sorte, daß jedes kleinste Wort, das sie sprach, jede Handbewegung, die sie machte, wie ein Ausfluß ihres innersten Wesens er­schien und der Eindruck sich in vollendeter Weise erzeugte, daß das keine ausgeklügelte schauspielerische Kunstleistung sei, ! sondern leibhaftiges, warm pulsirendes Menschenleben. In lautem, wiederholtem Beifall, oft bei offener Scene, sprach cs sich aus, wie mächtig alle Anwesenden von dieser gleichen Vorstellung bewegt wurden, lieber unsere einheimischen Schauspieler nur wenige Worte: Im Allgemeinen konnte man die Wahrnehmung machen, daß es den meisten unter ihnen als Norddeutschen recht schwer wurde, sich mit dem schwäbischen Dialect abzufinden. Am besten gelang es noch

I Fräulein Ida Unger als Bärbel, die auch sonst sehr gut war. Volle Anerkennung gebührt sodann auch den Herren Biebrach, Winolt und Fräulein Elisabeth Bischofs.

Theater. Ueber dieFrancillon" des Fräulein Thessa Klinkhammer schrieb dieFranks. Zig." u. A.: AlsFrancillon" trat in unserem Schauspielhaus gestern

Das am Samstag Abend in Steins Saalbau ab- gehaltene, mit vielem Geschick arrangirte Winterfest des SchntzenvereinS verlief in schönster Weise. Von den einzelnen Nummern des schönen Programms sind besonders hervorzu­heben : die GesangßposseDer neue Schützenkönig", worin einige Mitwirkende sogar Vorzügliches leisteten, und am Schluß des Programms die lebenden Bilder:Göttin Diana, nach dem Modell der Diana zu Versailles, in verschiedenen Grup- pen-Zusammenstellungen, welche den Glanzpunkt des Festes bildeten, und mit Recht allgemeine Bewunderung hervorriefen. Stürmischer Applaus wurde besonders den Darstellerinnen, lauter frischen lieblichen Mädchengestalten. Den Schluß des Festes bildete ein Ball, welcher die Theilnehmer bis zur frühen Morgenstunde zusammenhielt, und ein am Sonntag Nachmittag auf das Schützenhaus veranstalteter Ausflug zeigte, daß es der Verein verstanden hat, sich viele Freunde zu erwerben.

Das am Sonntag, den 22. Februar, Nachmittags 5 Uhr im Clubsaate stattfindende Kammermusik Coucert bringt eine Reihe hier noch nicht gehörter interessanter Werke. Die Eröfsnungsnummer bildet das O-nroll-Trio von Johannes Brahms. Dieses der gegenwärtigen Schaffensperiode des Meisters angehörende Werk zeigt vielleicht am allerdeutlichsten, in welchen Rahmen das Genie des Künstlers sich jetzt be­wegt. Es finden sich tiefe Gedanken bei klarster Arbeit und knappster Form vereint; es zeigt den vollendeten Meister. Die zwei Ecksätze sind achter männlicher Brahms. Der zweite Satz, der in Beethoven'scher Scherzo-Art dahinfliegt, gehört zu dem genialsten, was Brahms erdacht hat, während der dritte Satz im 5/4 Tact durch Sieblichkeit und Originalität erfreut. Robert Schumanns großes V-moU-Trio bildet den Schluß des Programms. Das Werk stammt aus der Zeit, als Schumann mit der Genoveva und dem letzten Theil der Faust-Scene beschäftigt war. Der erste Satz trägt den schwermüthigen Schumann'schen Character, während der zweite in einziger Frische und Rhytmik dahinrauscht. Auf das dem Verständniß nicht leicht sich erschließende Adagio folgt im herrlichsten D-dur das jubelnde Finale. Zwischen diesen Werken gelangen Claviersoli von Siszt, Chopin und Rubinstein zum Vortrag, von letzterem die berühmte Etüde mit falschen Noten; ferner Gesänge von Schubert und Ernst Franck. Letzterer, früher Hofcapellmeister in Mannheim, Hannover und Frankfurt, starb leider vor wenigen Jahren in geistiger Umnachtung. Die frisch empfundenen Ratten­fängerlieder mit obligater Geige gehören zu den gelungensten Eingebungen des talentvollen Künstlers. Das interessante Programm und die Namen der ausführenden wohlaccreditirten Künstler, der Frau Florence Bassermann, Herren Dr. Ganz, Hugo Becker und Fritz Bassermann versprechen großen Genuß, den sich das kunstliebende Publikum unserer Stadt nicht ent­gehen lassen möge.

w. Theater. Vor völlig ausverkauftem Hause und mit außerordentlichem Erfolge ging gesternDorf und Stadt", die bekannte Birch - Pf ei s f er'sche Dramatisirung der Auerbach'schen NovelleDie Frau Professorin", im Neuen Theater in Scene. Man mag an der literarischen Thätig- keit und Bedeutung Charlotte Birch-Pfeiffers nach der prin- i zipiellen Seite wie im Einzelnen aussetzen, was man will, i man wird immer einräumen müssen, daß unter den nahedem sechsundsechzig Stücken der Verfasserin doch sehr viele mit so glücklichem dramaturgischen Geschicke und seinem Tact behandelt sind, daß sie an Eindrucksfähigkeit in poetischer wie dramatischer Beziehung noch heute über viele der an­spruchsvoller auftretenden modernen Dramen weit hinaus­ragen, wie namentlichDie Waise aus Lowood",Die Grille"

g Watzenborn. Am 14. d. Mts. feierten der gewesene Bürgermeister Johannes Schäfer III. und dessen Ehefrau im Kreise ihrer Kinder, Enkel, nächsten Verwandten und guten Freunde das Fest der goldenen Hochzeit, und zwar in ihrer Wohnung, da es der Jubilarin nicht möglich war, in das Gotteshaus zu gehen, während Herr Schäfer für dieses Alter noch sehr rüstig ist. Möge es dem Jubelpaare noch lange vergönnt sein, auf diesen Tag zurück zu blicken.

Die Kirchengesaugvereine der Orte Grünberg, Londorf, Beuern, Wetterfeld, Lardenbach, Bobenhausen und Ulrichstein beabsichtigen, im Laufe des nächsten Sommers ein Kirchen­gesangfest in der geräumigen Stadtkirche zu Gründer» abzuhalten. Wie die am vergangenen Montag in Grünberg zu einer Besprechung versammelten Vorstände der in Betracht: kommenden Vereine beschlossen, wird diese schöne Feier am 14. Juni stattfinden. Auch wurden bereits die zum Vortrag kommenden Lieder ausgewählt.

Friedberg, 12. Februar. Zwei Familien wurden in Stammheim im Laufe dieser Woche schwer heimgesucht. V. Reichhold von da dient bei einem Gastwirth in dem be­nachbarten Altenstadt. Am Dienstag gegen Abend fuhr er einen Reisenden nach Stockheim. Vor diesem Orte schneidet die Oberhessische Eisenbahn die Chaussee. Da hier die Barriöre geschlossen war, mußte die Chaise halten. Der Kutscher stieg vom Bock und stellte sich vor die Pferde, sie am Zügel haltend. Vor dem heranbrausenden Zuge scheute das eine Pferd, stieg in die Höhe und traf den vor ihm Stehenden beim Herunterschlagen auf die Brust. Derselbe fiel unter die Pferde, welche in diesem Augenblicke durchgingen und den Unglücklichen mitschleiften über Chausseegrabes und Aecker. An einigen Obstbäumen blieb die Chaise hängen, und konnte der Unglückliche jetzt erst aus seiner gräßliche« Lage befreit werden. Er liegt nun zu Hause, an Kopf und Brust sehr schwer verletzt, fast hoffnungslos darnieder. Am Mittwoch Mittag wollte ein Maurer, Namens Nagel,

der auf einer Anhöhe des Dorfes wohnt, einen Wage« zum Düngerladen in seinen Hof schieben. Er war jedoch nicht imstande, den Wagen auf dem glatten, abschüssigen Wege zu dirigiren, wurde an eine Haustreppe gedrückt und erlitt sehr schwere Quetschungen an den Beinen. D. Ztg.

)( Alsfeld, 14. Februar. Gestern Abend um 9 Uhr wurden die Bewohner unserer Stadt durch denFenerrns" vom. Stadtthurm aus alarmirt. Aus dem Wallach'schen Holzplatze nächst dem Bahnhof war auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise ein Gebäude in Brand geraden. Zum Glück war auf den heftigen Wind, der Nachmittags wehte, völlige Wind­stille eingetreten und so konnte man des Feuers recht bald Herr werden.

§ Engelrod, 15. Februar. Seit einiger Zeit ist die hiesige Schule geschlossen worden und zwar bis 1. März, indem die Diptheritis unter den Kindern in hohem Grade verbreitet ist.

§ Hercheuhain, 14. Februar. Gestern Abend erhielt von unbekannter Hand auf dem Heimweg ein junger Mann von hier einen Stich in den Hals. Der Verletzte mußte ärztliche Hülse in Anspruch nehmen. Als der dieserhalb hierher berufene Arzt mit seinem Fuhrwerk wieder »ach Gedern zurückkehren wollte, scheute in der Gegend von Hartmannshain das Pferd, rannte in wilder Hast davon, s» daß der Arzt und der Kutscher aus dem Schlitten geschleudert wurden. Der Arzt erlitt hierbei eine Beschädigung am Arme. Das Pferd konnte erst oberhalb Gedern, wo eS sich in das Geschirr verwickelt hatte, zum Stehen gebracht werden. Der Schlitten war total zertrümmert.

Vom Vogelsberg, 16. Februar. Schon hoffte wa» zuversichtlich, die Herrschaft des strengen Winters sei vorüber und ein milder Nachwinter werde den Uebergang zum baldigen Frühlinge bilden, da setzt sich der gefürchtete Winter noch einmal von Neuem ein. Und daß eS ihm wiederum voller Ernst ist, zeigt der Stand des Thermometers bei seinem abermaligen Beginnen in der Nacht auf den Samstag mit 10° Kälte R. Allerdings waren die Spuren der feiten winterlichen Strenge von der seitherigen milden Witterung noch nicht beseitigt. Hier oben im Oberwalde liegt der Schnee noch stellenweise meterhoch und auch der Erdboden ist noch nicht ausgethaut, das beweist die Wasserstauung iu den Gebäulichkeiten, deren Fundamente und Abzugscanäle bis heute noch völlig zugefroren sind. Und doch nahen wir uns schon dem Frühlingsmonat und die Sonne scheint am Mitta- schon recht wohlig xvaxm. Darum hat der Landmann strenge« Frost jetzt gar nicht gern, weil der am Tag aufgethaute Boden Nachts um so härter ausfriert, wodurch eben die Saat leicht Schaden nimmt. Auch kann der leichte Schnee­schleier, der gegenwärtig über die Felder ausgebreitet liegt, wenig oder gar keinen Schutz bieten. Zu verwundern bleibt es bei diesem ungemein strengen Winter, daß die Heu- und Strohpreise so niedrig bleiben und keine Steigerung erfahren haben. Man bezahlt hier eben noch wie im Herbste für den Zentner Heu durchschnittlich 2 Mk. bis 2,20 Mk. und für den Gentner Stroh erst 1,50 Mk. Was wir dagegen für die Holzpreise vorausgesehen, das hat sich vollauf bestätigt

Abg. Frhr. v. Stumm weist persönliche Angriffe Bebels geg« ita zurück. Die Sonntagsruhe sei aus seinen Werken wcitergehend geordnet, als die Vorlage verlange.

S 105b Ads. 2 wird schließlich in der Fassung der Lommission mit dem Amendement Dr. Hartmann zum vorletzten Satze mit großer Mehrheit angenommen. Danach darf an den ersten Feiertagen der -rotzen Feste eine Beschäftigung überhaupt nicht, an Sonn- und Festtagen nicht länger al8 5 Stunden stattfinden. Weitere Ein­schränkungen können durch statutarische Bestimmung erfolgen. Für die letzten vier Wochen vor Weihnachten, sowie für einzelne Sonv- unb Festtage mit erweitertem Geschäftsverkehr kann bis lOstündige Beschäftigung zugelassen werden.

Angenommen werden ferner S 41a (soweit Gehülfen rc. im Handelsgcwerbe an Sonn- und Fetttagen nicht beschäftigt werden dürfen, darf in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb an diesen Tagen nicht stattfinden) und 55a (Verbot des Gewerbebetriebes im Amherzieben an Sonn- und Festtagen) mit dem Amendement Biehl.

Z 105c Abs. 1 bestimmt:Die Bestimmungen des S 105b finden keine Anwendung: 1. auf Arbeiten, welche zur Beseitigung eines Nothstandes oder zur Abwendung einer Gefahr oder im öffent­lichen Interesse unverzüglich vorgenommen werden müssen; la für einen Sonntag auf Arbeiten zur Durchführung einer gesetzlichen Inventur; 2. auf die Bewachung der Betriebsanlagen auf Arbeiten »ur Reinigung und Instandhaltung, durch welche der regelmäßige Fortgang des eigenen oder eines fremden Betriebes bedingt ist, sowie auf Arbeiten, von welchen die Wiederaufnahme des vollen werk- thätigen Betriebes abhängig ist, sofern nicht diese Arbeiten an Werk­tagen vorgenommen werden können; 3. auf Arbeiten, welche zur Verhütung des Verderbens von Rohttoffen oder des Mißlingens von Arbeitscrzeugnissen erforderlich sind, sofern nicht diese.Arbeiten an Werktagen vorgenommen werden können; 4. auf die Beaufsichtigung deS Betriebes, soweit er nach Ziffer 1 bis 3 an Sonn- und Fest­tagen stattfindet."

Abs. 2 schreibt vor, daß Gewerbtreibende, die Sonntags Arbeiter mit vorstehenden Arbeiten beschäftigen, darüber Verzeichniffe führen wüsten.

Abs. 3 besagt:Bei den unter Ziffer 2 und 3 bezeichneten Arbeiten, sofern dieselben länger als 3 Stunden dauern, sind die Gewerbetreibenden verpflichtet, jeden Arbeiter entweder an jedem dritten Sonntage volle 36 Stunden oder an jedem zweiten Sonntage Mindestens in der Zeit von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends von »er Arbeit frei zu lassen. , Avtr n

Abg. Payer (Volksp.) befürwortet Streichung des Abs. 2. Wir stäken so wie so schon viel zu tief in Schreiberei. Es bedürfe des hier geforderten Verzeichnisses zur Controle für die Durchführung der Sonntagsruhe nicht. (Verfall.)

Reg.-Comm. Geh. Rath Wilhelmy tritt für Aufrechthaltung deS Abs. 2 ein. Andernfalls müßte eine polizeiliche Genehmigung für die ausnahmsweise Sonntagsarbeit eingeführt werden.

Abg.- Biehl (6tr.): Das wäre immer noch einfacher und bequemer als die Schreiberei. Mit solcher seien die.Gewerbtreibendm durch die Versicherungsgesetzgebung überlastet.

Abg. Bebel (Soc.) hat einen Antrag eingebracht, wonach das von Gewerbetreibenden zu führende Verzeichnitz der Sonntagsarbeiten am Monatsschlusse dem Aufsichtsbeamten vorgelegt werden soll. Der Antragsteller bemerkt zur Begründung des Antrages, daß ohne diese Bestimmung die Verletzung der Sonntagsruhe gar nicht con- irollrt werden könne. Die Polizei- und Verwaltungsbehörden können diese Controle nicht ausüben. Redner weist dann namentlich auf die mißlichen Verhältnisse im Bäckergewerbe hin, wo namentlich die Lehrlingsausbeutung auch an den Sonntagen eine ungeheure fei.

Hierauf wurde ein Vertagungsantrag angenommen.

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Fortsetzung der Berathung. Schluß 57s Uhr.

Co*l<» »«4»

Gießen, 16. Februar.

Die gestrige Antigone-Vorlesung von Frl. Natalie Köhler war recht zahlreich besucht, und die Dame, sichtlich gehoben durch die rege Betheiligung, gab ihr Bestes. Auch die Musik­begleitung war von wahrhaft künstlerischer Gediegenheit und schmiegte sich mit seinem Verständniß dem meisterhaften Vortrag an. Das zahlreiche Publikum gab seinem Beifall wiederholt den wärmsten Ausdruck. Wtr bitten dringend, die gestern gezeigte Sympathie für die schwergeprüfte Dame möge sich ! auch noch bei ihrer letzten Vorlesung, derMaria Stuart" durch recht regen Besuch bethätigen. Unsere theilnehmenden Leser wissen, daß Frl. Köhler eine nochmalige gute Einnahme nöthig hat, um unsere Stadt verlassen zu können.

Die Nr. 5 deshessischen Kirchendlattes" (im Auftrag des Evang. Pfarrvereins im Großherzogthum Hessen heraus­gegeben von Pfarrer Dr. Naumann in Gießen) hat folgenden Inhalt : 1. Wandel und Leben des Pfarrers. 2. Zur socialen Frage. 3. Die Friedensposaune. 4. Kirche und Psarrer undSchulbote für Hessen". Auch ein Zeichen der Zeit! 5. Etwas von einem Voranschlag. Eine verspätete Nenjahrs- betrachtung. 6. Ueber kirchliche Familienabende. 7. Mehr Corpsgeist? 8. Wo versichern wir unsere Kirchenparamente? 9. Amtsjubiläum. 10. Sterbkasse-Verein. 11. An die Vertrauensmänner und Ausschußmitglieder in Oberhessen. 12. Die Mitglieder des Pfarrvereins. 13. Antwort auf die Anfrage. 14. Briefkasten. 15. Pension.

Der hiesige, im Jahr 1837 gegründete Gesangverein Liederkranz hielt gestern Abend in Steins Garten eine humo­ristische Abendunterhaltung ab, die durch ihr reichhaltiges und gut gewähltes Programm viel Heiteres bot. Alle gesang­lichen und komischen Nummern wurden mit Sicherheit und Gewandheit vorgetragen. Dem Vorstand und Dirigenten wie nicht minder den beteiligten Mitgliedern des Vereins gebührt besonderer Dank für die gelungenen Vorträge, die mit Nachfolge eines Tanzvergnügens die zahlreichen Anwesen­den in munterer Stimmung bis zur vorgerückten Niorgen- slunde zusammenhieltcu.