^Dort im Norden ist die Zionsgemeinde, welche 130 000 Seelen zählt und nur drei festangestellre ^Pastoren hat und einen Hilfsprediger; im Osten die Markusgemeinde, die ebenso groß ist, ebenso wenig mit Seelsorgern versorgt ist- im Süden die Heiligkreuzgemeinde mit 12<)000 Seelen und drei Geistlichen und einem Hilss- - Prediger. Berlin hat eine große Reihe solcher Riesengemeinden, in denen die Prediger mehr als genug zu thun haben, wenn sie die allernothhwendigsten Amtshandlungen ausführen. In solchen kirchlichen Nothstand ist die Stadt- mission hineingetreten. 4 Pastoren, 35 Stadtmissionäre, 4 Stadtmissionsschwestern stehen in ihrem Diensten. Die Aufgabe der Stadtmissionare ist es, die Noth in den Häusern zu suchen und den Herzen den Trost aus dem Worte Gottes anzubieten- jeder unserer Stadtmissionare ist in einem Jahr mit 9000 Familien wiederholt in Verbindung getreten, ungerechnet diejenigen Personen, mit welchen einmal oder gelegentlich Unterredungen, stattgefunden haben. An die Thüren der Armen haben sie zunächst geklopft, sie kennen die Armuth — die verschuldete und die unverschuldete — die Klagen fallen ihnen von allen Seiten ins Herz hinein. Nicht planlos helfen sie, sondern sie reichen die Gaben so dar, daß auch durch die Art ihrer Darbringung der Werth derselben erhöht wird. Nicht immer ist einer Familie mit Geld zu helfen, oft ist ein altes Kleid mehr werth als blankes Geld, und oft ist ein Wort des Trostes, eine Ermunterung zum Glauben, ein Gruß der Liebe, welcher Gabe hinzugesügt ist, iverthvoller als die Gabe selbst. Solche Saat wird auf Hoffnung gesäet. Mag sie oft lange unter dem Winterschnee verborgen liegen: Missionsarbeit ist die Arbeit eines Säemanns, der warten und hoffen kann. Wir geben keine unsterbliche Seele verloren, solange der Herr ihr noch Gnadenfrist gegeben hat. Hilf uns säen: der Herr wird das Aehrenseld reisen taffen.
* Berlin, 14. December. Letzte Nacht ist ein bejahrter Rentner Namens Gur au er, der in der Lothringerstraße 'wohnt, von seinem Dienstmädchen, einer Eousine desselben, und einem Schuhmacher geknebelt und mißhandelt ^worden. Es war wahrscheinlich aus einen Mord abgesehen. Das Stöhnen des alten Mannes wurde aber von einem Hausbewohner gehört. Dieser rief den Wächter. Man drang in die Wohnung, befreite den Gefesselten und verhaftete die ^drei genannten Personen.
tt Aus Kurheffeu, 14. December. Eine entsetzliche TBkutthat hat durch ihre besonderen Nebenumstände die LBelvtchner der Kreise Fulda und Hünfeld rc. in ungewöhnlicher Weise in Erregung versetzt. Der Thatbestand ist kurz
folgender: Im Dorfe Hattenhof bei Neuhof saßen gestern Abend die jungen Bursche des Ortes gemüthlich im Wirths- hause zusammen, als Neckereien wegen Liebeshändel entstanden- schließlich kam es zwischen mehreren jungen Leuten zum Wortwechsel und zu schlimmen Drohungen. Dabei forderte der 25jährige ledige Schuhmacher Albert Bug, welcher ein leidenschaftlicher Jäger und Jagdpächter ist, die mit ihm streitenden Gebrüder Möller aus, doch mit ihm hinaus vor die Thüre zu kommen, wenn sie von ihm noch etwas heraus haben wollten. Als er, aus seine körperliche Kraft pochend, die beiden Brüder wiederholt hänselte, gingen dieselben wirklich hinaus auf den Hausflur. Hier hatte Bug nun aber sein Jagdgewehr hängen oder inzwischen von Hause herbeigeholt, genug, er machte Miene, auf die Brüder anzulegen. Diese sprangen entsetzt zur Seite und, indem sie aus dem Bereich des Unmenschen zu kommen suchten, flüchteten sie hinaus auf die Straße, der durch Genuß von Spirituosen aufgeregte und wüthende Bug mit der geladenen Waffe da- hinterher. Auf der dunklen Straße, in der Nähe des Wirths- hauses, befand sich nun unglücklicher Weise der 20jährige Bauernsohn Valentin Münster, ebenfalls aus Hattenhof. Dieser junge Bursche hat große Aehnlichkeit mit einem der beiden Möller und wurde nun, so wird berichtet, im Halbdunkel der schlecht erleuchteten Straßen von Bug für den einen Möller gehalten und erschossen. Der aus dem Jagdgewehr aus kurzer Entfernung abgegebene Schuß drang dem wohl kaum den Ernst der Situation begriffen habenden Münster mitten in die Brust und derselbe fiel sofort tobt zu Boden. Bug, der aus guter Familie stammt, ging noch am selben Abend nach dem Gericht zu Neuhof und stellte sich selbst.
Verkehr, Land, nnd VolkswirLH-chaft.
Siehe«, 15. December. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfb- X 1,18—1,20, Hühnereier 1 St. 7-8, 2 St. - 4, Enteneier 1 St.--4, 2 St. - 4,
Käse pr. St. 7—9 4, KLsematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 20 4, Linsen pr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar X 0,60—0,00, Hühner pr. Stück X 0,85—1.00, Hahnen pr. St X 0,70—1,20, Enten pr. Stück X 1,50—1,70, Ochsenfleisch pr. Pfd. 70—76 4, Kuh- und Rindfleisch 62—66 4, Schweinefleisch 60-70 4, Hammelfleisch 50—704, K(Ä- fleisch 54-60 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo X 7,50-8,50, Weißkraut pr. St 4—10 4, Zwiebeln per Centner X 6,50—7,50, DttlL per Liter 12—18 4, Ganse 48-56 4.
— Kürbis als Gemüse. Meistens findet der Kürbis nur Verwendung als eingemachte Frucht - weniger Mannt ist, daß er auch zur Herstellung eines sehr schmackhaften Gemüses gebraucht werden kann. Das von Schale und dem inneren weichen Thelle befreite Fruchtfleisch wird in fingerlange Stücke geschnitten und in Salzwasser weich gekocht. Man bereitet bann eine Sauce, ähnlich der, welche man für Schwarzwurzel, Spargel rc. gebraucht, aus saurem Rahm,
JIM Will
Butter, Mehl, Salz rc.; in dieser wird der Kürbitz nochmals schnell ausgekocht und nach ca. Vs Stunde bei mäßiger Hitze stehen gelassen. Bor dem Serviren thue man etwas Petersilie auf das Gericht.
Universitäts«Nachrichten.
— Aus Halle a. d. S. wird gemeldet: Der Germanist Prof. E. Siewers hier hat sich enttchlossen, dem von Leipzig an ihn ergangenen Rus als Nachfolger Zarncketz, seines Lehrers, zu folgen. Darüber, ob Profeffor Crusius-Tübingen dem Rufe nach hier als Nachfolger Ed. Hillers folgen wird, liegt noch keine Entscheidung vor.
Citeratur rrrrd Kntift
, —Die Hexe. Eine Regensburger Geschichte aus dem sechtz- zehntm Jahrhundert von Josef Laufs. Preis broschtrt 5 Mk. In Orig naleinband 6 Mk. (Verlag von Albert Ahn in Köln und Leipzig.) Der Verfasser hat sich bereits durch sewe drei größeren epischen Dichtungen: „Jan van Calker" und „Der Helfenstetner", besonders aber durch seine letzte, „Die Ooerstolzin", einen weiten und dankbaren Leserkreis erworben, der sich j<tzt durch seine neue Gabe jedenfalls noch bedeutend vergrößern wird. Lauff hat nämlich das Gebiet der gebundenen Rede verlassen und sich dem Roman zugewendet.
"UH hier wieder sofort als Meister bewährt und zwar als ein Merster so ganz eigener Art, daß wir sein Werk mit gar keinem ähnlichen dieser Gattung zu vergleichen wüßten. Die „Hexe" rl i r ®?R ^nen Romanen, wie sie deren alljährlich dutzendweise erscheinen, die man als Unterhaltungslectüre (wenn auch vielfach als eine recht gute und amüsante) schnell durchlieft und bann beiseite legt; hier wird dem Leser e:was ganz Anderes und weit mehr ge- etwas geradezu Bedeutendes und von dauerndem Werth. Dies gilt zunächst von der gesummten Darstellungsweise, die so eigenartig und anziehend und vielfach so schön ist, daß dieser Um- ftand schon allein genügen wird, die Aufmerksamkeit in hohem Grade auf dieses Werk zu lenken. Und hier tritt uns auch der Dichter wieder sofort entgegen in seiner edlen Sprache, in seinem Bilder- reichthum, in seinen glänzenden Naturfchilderungen und in der poetischen Ausmalung aller, auch der geringfügigsten Einzelheiten.
Die beste Seife für die Kinder.
Seifen haben auf die Haut des Säuglings einen verderbliche» Einfluss, sie alteriren das Wohlbefinden des Kindes, begünstigen das Wundsein, hemmen sogar dessen fortschreitende Entwicklung. — Ebenso wie der Säugling nur milder Speise bedarf, so bedarf seine ausserordentlich zarte Haut nur der mildesten, neutralsten Seife. Wer seinem Kinde daher ernstlich wohl will, bade und wasche es mit
Doerings Seife mit der Eule. Wundsein, Jucken, Spannen und Brennen der Haut wird dadurch vermieden werden. Doerings Seite mit der Eule wird in fast allen Kinderspitälern und Kinderanstalten angewandt. Ihr billiger Preis, nur 40 Pfg. per Stück, gestattet deren Anwendung allen Müttern ohne Ausnahme.
7485 Engros-Verkauf: Benner & Krumm, Giessen,
Bekanntmachung.
Die Auffüllungs- und Planirungs- er ketten, des Realschulhofes sollen im W wiederholter öffentlicher Aus- fchr tzüüung vergeben werden. Angebots rformulare liegen auf dem Ge^ schäs 'tszimmer Nr. 5 auf und werden dasel W unentgeltlich abgegeben.
Vc trkyelte Angebote sind mit entsprech wibt‘r Aufschrift versehen bis Dom vertag den 17. b< M., Dormil tags 10 Ahr, ebendorthin einzusenden '/woselbst die Eröffnung der Angebote' in Gegenwart der etwa er- schienenenj Bieter erfolgt
Gießen,, den 14. December 1891.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 10688
Danners tag den 17. vcrember,
N kchmtttags 2 Uhr,
,uGießen in Ur Bieker'sch-N Hosraithe sollen geflen l Vaarzahlung öffentlich versteigert werden t
2 Schwein- V 1 Wagen, 1 Hanokarren, 1 Ladeneinr ichtung, 2Waarenschränke, 1 Caffaschra rck, 1 Pianino, 2 Sophas, 2 Commode tt, 2 Betten, 1 Nähmaschine, 1 Sill'rerschrank, Gold, Silber, Bücher x-
Versteigerung vorauss.theilw. bestimmt.
Engel,
11000 Gerichtsvollzieher,
Holzverkauf.
Aus demHaffenhäuserJntereffenten- Wald sollen Dienstag den 22. December.l. I., Nachmittags 1 Uhr, in meinem Wohnung circa 100 Festmeter Kieffern - Stämme, zu Bau- und Grubenholz geeignet, auf dem Stand an den Höchstbietenden verkauft werden. Das' Holz kann bis dahin an jedem Wochentag eingesehen werden. Die Bedingungen werden in dem Termin bekannt gemacht. [10978
Haffenhausen, 14. Decbv. 1891. Schmitt, Waldvorstcmd.
Iltilgeöolenes.
Fortsetzung des Ausverkaufs von Wall-, Surr-, Galanterie- und Spielwaare«
findet in meiner Wohnung zu jeder Tageszeit zu den billigsten Preis n statt.
H. C. Werner,
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Großherzogliche Bürgermeisterei Steinheim. Nicklas.
ChriftbescheerungfürarmeKiuder.
Mit etwas bangem Herzen bin ich in diesem theuren Jahre an meine Weihnachtsbescheerung (zweiundvierzigste) für arme Kinder herangetreten- allein sehr bald konnte ich mich überzeugen, daß meine Bangigkeit eine ganz unnöthige war, denn ich habe abermals die freudige Wahrnehmung gemacht, daß in meinem lieben Gießen noch recht, recht viele wohlthätige Menschen wohnen. Die Gaben sind nämlich so zahlreich geflossen, daß ich in der angenehmen Lage war, 189 armen Kindern eine Weihnachtsfreude bereiten zu können, und ich spreche hiermit allen edlen Geberinnen und Gebern meinen innigsten Dank für diese überaus reichliche Unterstützung aus. Es wäre mir jedoch nicht möglich gewesen, eine so große Anzahl Kinder zu bedenken, wenn ich dabei nicht die Zinsen der Curschmann- Stiftung hätte verwenden können, und es drängt mich daher, auch diesen wohlwollenden Stiftern wiederholt herzlichst zu danken. Auch fühle ich mich noch besonders veranlaßt, allen den jüdischen Familien, die mir zu meiner Bescheerung recht hübsche Sachen und sehr ansehnliche Geldbeiträge überschickren, meinen schönsten Dank abzustatten.
Zur Bescheerung, welche kommenden
Sonntag den 20. December, Nachmittags 4 Uhr, in dem Schulhause der höheren Mädchenschule (Schillerstraße) ftattfinden wird, lade ich hiermit Alle, die sich an dieser guten Sache betheiligt haben, freundlichst ein.
Die Gaben der Kinder können jedoch schon von Morgens 10 Uhr an in genanntem Locale in Augenschein genommen werden, und ich bin sehr gerne bereit, über deren Austheilung nähere Auskunft zu geben.
Curschmann, Lehrer.
Drogenhandlung von ______Otto Schaaf.
P. Theis, Friedberg i. d. W.
10941] Eine Parthie leere bham»
pagnerstaschen, per Stück 3 Pfg., bei i
K. Klemmrath, Küfer. I
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Steinheim für 1892/93 liegt vom 16. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier offen.
Steinheim, den 15. December 1891.
Parfümerien. Und Toilettemittel
Toilette- und Haushaltungs-Men, Mtdicin-Skiftn,
Taschentuch-Parfüms:
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Mundwasser, Zahnpulver und Zahnpasten, Haarwasser, Pomaden, Haaröle, Gold- cream, Puder, MandeBkleie, Sandmandel, kleie, Vaseline, Lanolin, Boroglycerin- lanoEm, Toilettenglycerin, Sarg s flüssige Glycermsesfe, Glycerin-Cream :c. rc.
BekauuturMmng. Strassburger Lotterie.
Gemäß Bedingungen unseres Lotterieptanes haben wir uns vorbe» halten, die Ziehung bis zum 12» Januar 1892 zu verlegen und findet in Folge dessen die .Ziehung unwiderruflich am vorstehenden Tage statt. 109^7
Das Verloosungs-Comitc des Gewerbevereins Straßburg i. E.
Donnerstag den 17. un- Freitag den iS. December, jedesmal Morgens von W Uhr ab, versteigere ich im Saale des Gasthauses Zur Tranbe in Lollar
eine große Parthie Moll-, Kurz-, Spiel- urp Galanteriewaaren, einen Poften rein wollene Meiderftoffe, einen Posten Solinger Stahlwaare« u. s. w. 10991
Sämmtliche Maaren sind nur Prima und werben nur wegen Geschäftsaufgabe versteigert._______________________________________________H. E. Werner.


