Ausgabe 
16.7.1891
 
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Novbr. 1891.

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DerSturm auf die Getreidezölle"

läßt, so schreibt diePost", angesichts der augenscheinlichen Erfolglosigkeit zur Zeit anscheinend etwas nach- aber er wird im Herbste vor dem Zusammentritt des Reichstages und demnächst in demselben sich ohne Zweifel wieder erneuern, wenn nach der Ernte die Getreidepreise zwar von ihrer jetzigen übermäßigen Höhe zurückgehen, aber, wie anzunehmen, noch immer einen überdurchschnittlichen Stand behaupten und die Getreide-Einfuhr im Hinblick auf die mit dem Inkraft­treten der Handels-Verträge zu gewärtigende Herabsetzung der Getreidezölle stockt. Wenn nicht unvorhergesehene Er­eignisse dazwischen kommen, so wird zwar auch der erneute Ansturm erfolglos bleiben. Immerhin wird der deutsche Land- wirth aus diesen Vorgängen die Mahnung entnehmen müssen, dessen eingedenk zu bleiben, daß außerordentliche Umstände eintreten können, welche zu einer wenn auch vorübergehenden Minderung des Zollschutzes nöthigen. Jedenfalls aber wird der deutsche Landwirth vom nächsten Frühjahr ab mit einer Ermäßigung des Getreidezolls von 5 auf 3.5 Mark für den Doppelcentner rechnen müssen. Wie immer man über eine solche Zollmaßregel denken mag, wird man sich der Ueber- zeugung nicht verschließen können, daß das Zustandekommen der Handelsverträge ganz gesichert ist. Auch der entschiedenste Gegner der Ermäßigung der Getreidezölle muß, wenn anders er nicht die Politik des Vogel Strauß treiben will, damit .als mit einer vollendeten Thatsache rechnen.

Was folgt daraus für den Landwirth? Die Noth- wendigkeit, durch Hebung und Verbilligung der Production die Verminderung des Zollschutzes thunlichst auszugleichen. Sicher ist in den letzten Jahren, zum Theil unter dem Drucke der mißlichen Lage der Landwirthschast, viel nach dieser Richtung geschehen. Namentlich beweisen Vereine und Ge­nossenschaften, unter denen wir vor Allem die Deutsche land- wirthschastliche Gesellschaft wegen ihres energischen und plan­mäßigen gemeinnützigen Wirkens für die Förderung der landwirthschaftlichen Production besonders hervorheben, einen rühmlichen Eifer, allen landwirthschaftlichen Betrieben die Vortheile zugänglich zu machen, welche die heutige Entwicklung der Wissenschaft und des Verkehrs für die Landwirthschast mit sich bringt. Wenn aber Lehre und Beispiel vielfach auf sehr fruchtbaren Boden gefallen sind und reiche Früchte erzielt ' haben, so ist es leider ebenso sicher, daß ein erheblicher Theil unserer landwirthschaftlichen Betriebe noch keineswegs auf der zur Zeit möglichen Höhe der Vollkommenheit sich befindet. Und zwar gilt dies nicht blos von Kleinbetrieben. Mehr denn je aber erheischt unsere Zeit die Anspannung aller Kräfte, um den landwirthschaftlichen Betrieb lebensfähig zu -erhalten. Der bequeme Schlendrian früherer Zeiten bedeutet einfach Untergang- Wissen und Können, Intelligenz und Fleiß

müssen in höchster Anspornung der Kraft zusammenwirken, wenn unsere Landwirthschast sich so lebensfähig und kräftig erhalten will, wie dies für Deutschland und zwar nicht bloß vom wirthschastlichen Gesichtspunkte, sondern auch unter dem socialen und im Interesse seiner moralischen und kriegerischen Kraft unerläßlich ist. Klagen Hilst nichts und lähmt höchstens die Kraft zu fortschreitender Entwicklung. Wer hinter seiner Zeit zurückbleibt oder unwirthschaftlich ist, hat nicht einmal ein Recht zu klagen. Mögen daher diejenigen unserer Land- wirthe, welche noch nicht auf der Höhe des landwirthschaft­lichen Betriebes sind, ihre Kräfte anspornen, so lange es noch Zeit, um dem Beispiele ihrer vorgeschrittenen Berussgenoffen zu folgen, und die letzteren, Vereine und Genossenschaften, es sich mit Treue und Fleiß angelegen sein lassen, dies Streben durch Wort und That zu unterstützen, beziehungs­weise wo es noch fehlt, zu wecken!

Wer den Unterschied in dem Ertrage und zwar nicht blos in dem Roherträge, sondern auch in dem Reinerträge, zwischen unter Benutzung aller Errungenschaften der Wissen­schaft und Erfahrung mit Sachkunde und Energie geleiteten landwirthschaftlichen Betrieben und solchen Betrieben kennt, welche sich ruhig in den alten ausgefahrenen Geleisen fort­bewegen, wird darüber nicht im Zweifel sein, daß manche Klage verstummen würde, wenn überall das geleistet würde, was nach Lage der Dinge geleistet werden kann. Wenn die sicher bevorstehende Minderung des Zollschutzes, wie sie es der Natur der Sache nach muß, unserer Landwirthschast den Ansporn zu einem Intensiven Fortschreiten, insbesondere zur Hebung der zurückgebliebenen Betriebe auf die den Bedürf­nissen der Gegenwart entsprechende Höhe, gibt, so werden sich die nachtheiligen Folgen der Maßregel für die deutsche Landwirthschast voraussichtlich ausgleichen lassen. Anspornung aller Kräfte zur Hebung und Verbilligung .der landwirth­schaftlichen Production ist daher die durch die gegenwärtige Lage den deutschen Landwirthen dictirte Parole. Daß der Staat, wenn er den Zollschutz mindert, umsomehr die Auf­gabe hat, die Durchführung derselben zu fördern und zu unterstützen, ist selbstverständlich.

Derrtfches Reich.

Darmstadt, 13. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog kamen heute zu Wagen von Seeheim und begaben Sich um 9 Uhr 38 Minuten mittelst Sonderzugs der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn mit Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Heinrich in Begleitung des Commandeurs der Grobherzoglichen (25.) Division und zahlreicher Depu­tationen von activen und inactiven Offizieren der gesammten Division zur Schmückung der Gräber der auf den Gefechts­feldern von Laufach, Frohnhofen und Aschaffen­

burg 1866 gefallenen Kameraden. In Aschaffenburg, woselbst Seine Königliche Hoheit von einer städtischen Depu­tation begrüßt wurden, schloß sich u. A. eine Deputation von Offizieren des Königlich Bayerischen 2. Jägerbataillons an. Nachdem man in Laufach gegen 11 Uhr angekommen war, wurden zunächst die Gräber der Offiziere und Soldaten auf dem dortigen Kirchhof unter Vorantritt eines Kriegervereins besucht und mit Kränzen geschmückt. Hierbei, sowie beim Be­suche der Gräber bei Frohnhofen legten Seine Königliche Hoheit Allerhöchstselbst, sowie der Divifionscommandeur Lor­beerkränze nieder. Der Weg von Laufach nach Frohn­hofen wurde zu Fuß zurückgelegt. Beim Eintritt in Frohn­hofen begrüßte, wie dies auch in Laufach der Fall war, der Bürgermeister Seine Königliche Hoheit und übergab die Tochter des Bürgermeisters von Frohnhofen unter Verlesung einer sinnigen Ansprache Allerhöchstdemselben einen Blumen­strauß. Am Johanniterdenkmal war ebenfalls ein Krieger­verein, worunter ehemalige Homburger Soldaten mehrfach vertreten waren, zum Empfang aufgestellt. Herr Divisions­pfarrer Strack hielt am Denkmal die Gedächtnißrede. Im Anschluß hieran brachte Se. Exc. Generallieutenant o. Bülow ein Hoch auf Se. Majestät den König von Bayern und Se. Königl. Hoheit den Prinz-Regenten Luitpold aus. Am Grabe des bei Frohnhofen gefallenen Hauptmanns v. Wa ch t e r wurde auch vom Regimentscommandeur im Namen des Offi­ziercorps des 1. Großherzogl. Jnfanterie-(Leibgarde-)Regiments Nr. 115 ein Kranz niedergelegt. Die Ortschaften Laufach und Frohnhofen waren zum Empfang mit Fahnen, Will­kommenpforten und frischem Laubwerk reich geschmückt. Gegen 1 Uhr fuhr der Extrazug von Station Wendelstein nach Aschaffenburg zurück. Hier versammelten sich die Offi­ziere im HotelPrinz Luitpold" zu einem Mittagsmahl, an welchem auch Se. Kgl. Hoheit der Großherzog theilnahmen. Um 3 Uhr 30 Min. fand die Rückfahrt mit Sonderzug nach Darmstadt statt. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog begaben sich dann sofort zu Wagen nach Seeheim zurück.

Berlin, 14. Juli. In der Montags-Nummer desReichs- Anzeigers" wird eine Uebersicht über die Ernteaussichten in verschiedenen Ländern veröffentlicht, die im Allgemeinen recht günstige Aussichten eröffnet. Nach dieser Uebersicht sind die Ernteaussichten in den getreidereichen russischen Gouver­nements Kowno, Wilna und Grodno durchschnittlich befrie­digende. In Roggen ist eine Mittelernte zu erwarten, da­gegen wird die Weizenernte unter dem Durchschnitt zurück­bleiben. Finnland wird eine wenig hinter dem Durchschnitt zurückbleibende Ernte geben. Bulgarien verspricht eine der besten Ernten, wie sie je in diesem Lande erzielt worden ist. In Britisch-Jndien wird das Gesammtergebniß der Weizen­ernte auf 6,842,000 Tonnen geschätzt, was den Ertrag des vorigen Jahres und den Durchschnitt der letzten fünf Jahre

Feuilleton.

Die Menschenfsnger in der Türkei.

(Schluß.)

Mein Begleiter Mejor bekam Nervenkrämpfe ob der 'Frechheit, wie er meinte, mit der ich jetzt noch Spässe mache. Ich ließ mich aber nicht beirren und in der That hatte meine Auskunft den Räubern zu denken gegeben. In demselben Moment hatten auch die Schnarrposten durch einen eigen- thümlichen, der Wildtaube abgelauschten Lockruf die An­näherung von Zapthies angezeigt. Der Hauptmann fliegt an die Waldlisiöre, wirst sich auf alle vier, und so läuft er buchstäblich mit affenartiger Behendigkeit den Waldsaum ab, nirgends mehr als den Kops über das den Boden bedeckende 'Laubwerk erhebend. .

Nach der Jnspicirung des Waldsaumes kehrte der Capr- tän beruhigter zurück. Immerhin hatte er die Zapttehs ge­sehen, die, uns ziemlich dicht auf der Spur, die Verfolgung ernstlich aufzunehmen gewillt schienen. Dieser Anblick schien nicht einflußlos auf die weiteren Entschließungen der Bande zu bleiben.Wie lange braucht," so frugen sie,die Post von Stambnl bis Biledjin?" Wir begriffen, daß an diesem Ende der Hebel anzusetzen sei, um namhafte Preisreductionen, einCassa Sconto, wenn man sich so ausdrücken darf, zu erreichen, und meine Ortsnamenkenntniß reichte gerade aus, um zehn Tagesstationen für den Courier vorzuzählen. Hierzu käme noch der Aufenthalt in Stambul, bis so viel Geld herbeigeschafft re., so daß ich die Frist, die unsere Couriere In vier Tagen durchmessen, aus vierzehn Tage schätzen konnte. Nach eingehender, abseits geführter Berathung der drei 'Oberräuber eröffneten sie uns, daß sie sich mit 1OOO Lire Mriedenstellten, wenn selbe an dem nächsten Tage erlegt

würden. Sie wollten Herrn Mejor entlassen, mit der Be- \ dingung, daß er sich mit oder ohne Geld am nächsten Tage wieder einzustellen habe- in ganz weißer Tracht, begleitet von einem Manne mit rother Leibbinde, damit beide weithin sichtbar seien, so sollten sie über die Straße von Biledjin gegen Bazont ziehen- an einem geeigneten Punkte würde man sie abfassen, das Geld übernehmen und mich alsbald freilassen. Die Räuber schwuren heilige Eide, daß sie mich indessen gut behandeln und mich wohlbehalten abliefern ' würden. Mittlerweile war es 11 Uhr geworden. Herr Mejor machte sich aus den Weg, von zwei Räubern bis an einen Punkt geleitet, von dem er die Straße sehen konnte. Er hatte mir die größte Eile und energische Action ver­sprochen.

Es war nicht eben das Gefühl völliger Beruhigung, mit dem ich nun mein: allein, unter Larven die einzig fühlende Brust, mit der Bande zurückblieb. Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg, da die Späher wieder sich nähernde Gensdarmen avisirten, und nun ging es pfadlos bergauf, bergab, durch unwegsames Dickicht, dann wieder an jäher Felsenwand kletternd, ohne Aufenthalt stundenlang. Es wäre ermüdend, wollte ich des Weiteren schildern, wie sieben Tage in steter Suche des Geldes seitens der Räuber und der Räuber seitens meiner Befreier vergingen. Die Qualen der wachsenden Verzweiflung zu schildern, die mich erfaßte, als ich, ohne Nachricht von der Außenwelt, Stunde um Stunde, Tag um Tag verrinnen sah, ohne zu wissen, ob überhaupt an meiner Rettung gearbeitet werde und in welcher Art, dazu wäre meine Feder nicht mächtig.

Samstag Vormittag endlich gelang es dreien von den Räubern, meinen Diener zu treffen, der auss Gerathewohl ausgeritten war, um die Bande in den Wäldern zu suchen und mit ihr Stunde und Ort für die Geldübergabe zu ver­abreden. Hierbei wurde jedoch das Lösegeld von tausend

auf fünfzehnhundert Pfund erhöht und Samstag Abends wurde das Lösegeld vran der verabredeten Stelle übergeben, mit einem nicht unbeträchtlichen Quantum an Victualien aller Art, das die Banditen sich ausbedungen hatten. Endlich, endlich um 8 Uhr Abends treffen zwei der Räuber mit den erbeuteten Schätzen und Vorräthen bei der Bande ein. Jubelnd begrüße ich die kaum mehr erhoffte Freiheit, muß aber vor­her von allen mitgebrachten- und Trinkvorräthen kosten, um so die Räuber vor etwaiger Vergiftung sicherzustellen. Nach halbstündigem Marsche, von einem Räuber begleitet, treffe ich Herrn Mejor .und meinen Diener, die das Geld Überbracht hatten. Nach zweistündiger Wanderung traf ich meine Pferde und nach einstündigem Ritt war ich um Mitter­nacht in Bazont wieder angelangt.

Man sollte nun glauben, daß die türkischen Behörden sofort nach meiner Befreiung alles aufgeboten hätten, um der Räuber und der von ihnen auch erpreßten Summe hab­haft zu werden, um so mehr, als die Regierung selbst zur Wiedererstattung dieser Summe unzweisclhast verpflichte: ist und diese Verpflichtung auch prinzipiell anerkannt hatte. Mit Nichten. Gegenüber dieser Landplage hält die Pforte ihr altes Princip des Nichtsthuns aufrecht. Die Civilbehörden, insoweit sie nicht mit den Räubern sind, was vielfach be­hauptet wird, besitzen weder die Routine, noch die Organi­sation zn einer tatkräftigen Action. Die Gensdarmerie ist ein verwahrlostes Corps, zwar gut bewaffnet, aber ohne Schulung, größtenteils muthlos. Die Bevölkerung verhält sich aus Furcht vor Rache bestenfalls indifferent, großen- theils leistet sie durch Verproviantirung den Briganten Vor­schub. So gedeiht denn das Räuberhandwerk lustig weiter und bildet eine im Abendlande unbekannte Kategorie von. Reiseunfällen, gegen die bisher noch keine Assecuranz-Gescll- schäft versichert.