Erstes Blatt.
Sonntag den 15. November
1891
®cr Wfewt täglich, Bte LuSnahmr des KontegZ.
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hitge-eqi.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
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Mymbte Tag erscheinenden Nummer bil Sonn. 10 llhr.
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Hrattsöeikage: Gießener JamikimökätLer.
Alle AnnoNreK-Bureaux des In- und Auslandes uetz«« Anzeigen für dm „Gießener Anzeiger- entgegn ■iiiiüiLI । !LLW I^ILUBS.!—1L1—JJ1LLI_____
Amtlicher- Theil.
Betr.: Ausführung der Feuerlöschordnung.
Gießen, den 12. November 1891.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
<m die Grotzh. Bürgermeistereien de- Kreises»
Nach §§ 26—30 unserer Kreisseuerlöschordnung vom 4. Mai 1891 werden einer Brandhülfe leistenden Gemeinde oder einer Gemeinde, welche im Falle eines außerordentlichen Aufgebots, welches jedesmal ausdrücklich verfügt wird, bei einem Brande Hülfe leistet, die Kosten des Hin- und Rücktransports der Mannschaft und der Löschgeräthe nach einem bestimmten, in § 30 näher angegebenen Satze aus der Kreiskaffe vergütet und erhalten die bei dem Brande thätig gewesenen Mannschaften dieser Hülfe leistenden Gemeinden, insoweit dieselben nach § 26 der K.-F.-L.-O. zu entsenden waren, eine Vergütung aus der Kreiskaffe und zwar pro Kopf und Stunde 25 H, jedoch mindestens eine Mark.
Indem wir Ihnen bemerken, daß nur in den oben genannten Fällen und nur in der in § 30 der K.-F.-L.-O. angegebenen Höhe eine Vergütung aus der Kreiskaffe geleistet wird, beauftragen wir Sie bei der Aufstellung der an uns einzusendenden Kostenverzeichniffe stets die Zahl der Führer und Mannschaften unter Beifügung der Namen und Einrangirung derselben, die Zeit des Abrückens aus Ihrer Gemeinde und die Zeit der Wiederrückkehr dorthin oder, falls nicht alle Mannschaften gleich lange Zeit thätig gewesen sind, die Dauer der Thätigkeit eines jeden Einzelnen, sowie die Dauer der Benutzung etwa requirirter Pferde genau angeben zu wollen.
Aus Veranlassung mehrerer bei uns gestellten Anfragen, wer den Befehlshabern der Pflichtfeuerwehr und deren Stellvertretern die bei Gelegenheit der Wahrnehmung ihres Verpflichtungstermins erwachsenen Gebühren zu zahlen habe, bemerken wir Ihnen, daß dies Sache der Gemeinde ist, und daß wir es angemessen finden, wenn die Gebühren derselben in derselben Höhe bemessen werden, wie die Tagegelder der Bürgermeister, Beigeordneten, Gemeinderathsmitglieder und ähnlicher Gemeindefunctionäre (S. M. A. Nr. 25 vom 25. December 1874 und KüchlerS Handbuch S. 149 unter C. e.).
__________________v. Gagern.__________________
Bekanntmachung,
betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.
Vorträge des Herrn Obstbautechnikers Metz: Sonntag den 15. d. M., Nachmittags, in Bellersheim, Montag den 16. d. M., Abends 8 Uhr, in Bettenhausen.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.
______________Nebel, Amtmann.______
Gefunden: 1 Gemüsenetz, 1 Schürze, 1 eiserner Vorschlag, 1 Taschentuch, 2 Armbänder, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 silberne Brosche, 1 Zwicker, 1 rother Palentin, 1 Geldstück, 1 Perpentikel, 1 Peitsche, 1 Pferdeteppich, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Fischreuse, 1 Plüschkappe und 1 Leitleine.
Zugelaufen: 1 schwarzer Hühnerhund.
Gießen, den 14. November 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
politische Wochenschau.
Gießen, 14. November 1891.
Das politische Interesse galt in der vergangenen Woche weniger dem augenblicklich zur Behandlung stehenden dürftigen Material in politischen Begebenheiten als der Frage^ was der am 17. November wieder zusammentretende deutsche Reichstag dem deutschen Volke dieses Mal an Rechten und Verpflichungen bringen werde. Da die letzte Session des Reichstages am 9. Mai nicht geschlossen, sondern nur vertagt worden ist, so werden zunächst alle diejenigen Arbeiten wieder ausgenommen und sortgeführt werden, welche während der letzten Reichstagssitzungen zu keinem Abschlüsse gelangt sind. Hierher gehört in erster Reihe die Krankenkassennovelle, über die ein Commissionsbericht bereits erschienen ist. Ebenfalls war das Telegraphengesetz, durch das dem seither beanspruchten Telegraphenmonopol des Reiches eine feste Stütze gegeben werden soll, bereits in erster Lesung erledigt. Der Trunksuchtsgesetzentwurf, der in weiten Kreisen <z. B. auch von dem Juristentag in Köln) sehr abfällig be-
urtheilt worden ist, wird zum mindesten in völlig veränderter Form dem Reichstage zu geh en, wenn nicht ganz fallen gelassen werden. Der Entwurf des Reichshaushaltsetats ist im einzelnen noch nicht bekannt - soviel bis jetzt verlautet, wird namentlich in Folge von beträchtlichen Mehrforderungen für das Heer, speziell die Artillerie, eine starke Erhöhung der Ausgabeposten eintreten. Ohne heiße Kämpfe wird die Etatsberathung sicherlich nicht von statten gehen, zumal die einzelnen Etatstitel von jeher von den Parteien als Handhabe benutzt worden sind, um Angriffe und Beschwerden vorzubringen. Zu diesen glauben die oppositionellen Parteien diesmal mehr wie je Veranlassung zu haben. '. In vorderster Linie wird die fortgesetzte Lebensmitteltheuerung wieder den Anlaß bieten, die Aufhebung der Brodzölle zu fordern. Die jüngsten Ereignisse auf dem Felde unserer Colonialpolitik, der Untergang der Zelewski'schen Expedition und der mysteriöse Zug Emin Paschas werden der parlamentarischen Kritik nicht entgehen. Ein besonderes Interesse wird sich der Berathung der Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn und Italien zuwenden, namentlich deshalb, weil sie eine Herabsetzung des seither bestehenden Kornzolles von 50 Mark auf 35 Mark enthalten. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, daß Fürst von Bismarck als Abgeordneter für Otterndorf im Reichstage erscheint, um den Ansichten entsprechend, die er seither in den „Hamburger Nachrichten" vertreten hat, gegen die Handelsverträge Stellung zu nehmen. An Initiativanträgen außerhalb der Etatsberathung sind von freisinniger und socialistischer Seite solche auf Gewährung von Reichstagsdiäten an die Reichstagsabgeordneten bereits in der Presse signalisirt.
Die Hoffnungen, die man hinsichtlich der Ergebnisse der internationalen Friedenseonferenz in Rom etwas voreilig gehegt hat, sind nicht ganz in Erfüllung gegangen. Wir haben von dem eigenen Unstern, der über dem schönen Unternehmen von Anbeginn an waltete, bereits Mittheilung gemacht. Die Mandatsniederlegung des seither präsidirenden Italieners Bonghi, der eine Rückgabe von Elsaß-Lothringen an Frankreich als unumgänglich nothwendig im Interesse des Weltfriedens ansieht, wurde für die Franzosen der Grund wegzubleiben, wie sie für die Deutschen die Grundbedingung ihres Erscheinens bildete. Auch auf dem Congresse selber bestand die Hauptarbeit darin^, einige tactlose Theitnehmer, die sich fortgesetzt bemühten, die Versammlung durch provo- cierende Aeußerungen zu spalten und zu einem Bilde internationalen Unfriedens zu machen, im Zaune zu halten. Heber allgemeine Wendungen kamen die wenigen Congreßmitglieder in Folge dessen nicht hinaus. Es scheint, als ob das an sich in hohem Grade sympathische und schätzenswerthe Unternehmen nirgends in den rechten Händen gelegen hätte. Wünschen wir, daß erneute Versuche erfreulichere Früchte tragen. — In Italien hat Minister di Rudini nun endlich seine lang angekündigte Programmrede gehalten. In Bezug auf die Finanzgebahrung Italiens sprach er seine feste Absicht aus, zu den alten Schulden keine neuen hinzumachen zu wollen. Auf der anderen Seite erklärte er sich außer Stande, die Ausgaben auch da zu beschränken, wo die Wehrhaftigkeit des Landes in Frage käme. Den europäischen Frieden bezeichnete auch di Rudini als ungefährdet und er versicherte, daß Italien sich als ein festes Element des Friedens fühle. Nur schade, daß so viel von dem tiefen Frieden, in dem wir leben, gesprochen werden muß, um sein Dasein genügend bemerklich zu machen. — In Brasilien ist eine Revolution ausgebrochen, über deren Ursachen und Entwickelung man deshalb recht im Unklaren ist, weil die Regierung den ge- sammten telegraphischen Verkehr ihrer politischen Gegner mit dem Auslande inhibirt hat. — In Serbien ist eine einschneidende Ministerkrisis eingetreten. Der Finanzminister Vuitsch hatte im Interesse der Consolidirung der Finanzen die seit Jahren rückständigen Steuern beitreiben wollen. Mit Rücksicht auf die Stimmung der Wähler widerrierhen die übrigen Minister. Daraufhin demissionirte Vuitsch. Aus einem anderen Grunde trat der Cultusminister zurück. Es ist nicht unmöglich, daß auch der Ministerpräsident Pasitsch fallen wird, ein Umstand, welcher die Ministerkrisis diesmal als eine besonders ernste und bedeutungsvolle erscheinen läßt.
3>eutfd?es Reich.
Berlin, 13. November. Heber das in voriger Tagung des Reichstages unerledigt gebliebene Telegraphengesetz, welches jetzt wieder zur Vorlage gelangt, bringt die „Nordd. Allg. Ztg." eine längere Auseinandersetzung. Dieselbe beweist, daß die zahlreichen Eingaben, welche städtische Behörden während der Sommervertagung des Parlaments an den Reichstag in dieser Sache gerichtet haben, im Reichs
postamte Beunruhigung Hervorrufen. Alle diese Petitionen gehen in der Hauptsache dahin, es möge in das neue Gesetz eine Bestimmung ausgenommen werden, welche die Reichspostverwaltung in der Verfügung über die Straßenkörper beschränkt und es ihr unmöglich machen soll, die Herstellung eleetrischer Anlagen an erschwerende Bedingungen zu knüpfen. Die „Nordd. Allg. Ztg." führt nun aus, daß solche Vorschriften nicht in das Telegraphen-Monopol-Gesetz, das der Reichstag bekanntlich nur noch in dritter Lesung zu erledigen hat, sondern in das dem Bundesrathe erst zu unterbreitende Gesetz über die Herstellung eleetrischer Anlagen gehören. Das ist ja richtig, aber ebenso steht fest, daß der Reichstag, wollte er das Telegraphen- und Telephon-Monopol-Gesetz in der beantragten Fassung endgültig annehmen, sich gegenüber dem erwähnten zweiten Gesetze die Hände binden würde. Vielleicht erklärt sich die Reichspostverwaltung damit einverstanden, daß die weitere Berathung des Monopolgesetzes im Reichstage aufgeschoben wird, bis demselben auch das Gesetz über die Herstellung eleetrischer Anlagen vorliegt; dann dürfte eine Verständigung leichter sein.
— Die Nachricht, daß der Landtagsabgeordn^te für die Stadt Frankfurt a. M., der frühere Frankfurter Polizeipräsident von Hergenhahn, sein Mandat niedergelegt habe, bestätigt sich. Herr von Hergenhahn soll sich lediglich aus Rücksicht auf seine erschütterte Gesundheit zu diesem Schritte entschlossen haben.
— Die Schauermär von der angeblichen Erschießung eines Marinesoldaten aus Fort Müngersdorf bei Köln nach standrechtlicher Verurtheilung wird jetzt in einer Mittheilung des Gouverneurs von Köln, Generals v. Skopp, an die „Nat.-Ztg." als völlig unbegründet bezeichnet. Hiermit sind natürlich auch alle Betrachrungen, welche man in der Tagespresse an diese Sensationsuffaire knüpfte, gegenstandslos geworden. Es war aber auch gerade hohe Zeit, daß die Militär-Behörde eine Erklärung von sich gab.
neuefte Nachrichten
Wolffs telegraphisches Lorrespondmz-Bureau.
Berlin, 13. November. Der Charlottenburger Bankier Maas erklärte gestern Abend dem Polizei-Präsidium, 400,000 Mk. Depots unterschlagen zu haben. Maas gibt an, 300,000 Mk. nicht ihm gehörige italienische Rente bei Mendelssohn verpfändet zu haben. Nach den Abendblättern sollen etwa 150 Kunden, darunter 100 kleine Leute, geschädigt, etwa 100,000 Mk. Waisengelder, sowie 20,000 Mk. Kirchengelder sollen unterschlagen sein. Die Katastrophe wird dem verschwenderischen Leben von Maas zugeschrieben. Die Börse hat nur geringen Antheil an der Insolvenz^ die Passiva sollen gegen 600,000 Mk. betragen.
Berlin, 13.November. Die Generalsynode berieth den Entwurf, betreffend die Verlegung des Buß- und Bettages. Der Cultusminister empfiehlt die Annahme der Vorlage, die eine Vereinigung mit den Nachbarstaaten ermögliche. Präsident Barkhausen machte die Synode für die Folgen einer etwaigen Ablehnung verantwortlich. Der Gesetzentwurf wurde mit großer Mehrheit angenommen.
Dresden, 13. November. Die Thronrede, mit der der König die Ständeversammlung eröffnete, gedenkt der bevorstehenden Vermählung des Prinzen Friedrich August und conjtatirt, daß, wenn auch das wirtschaftliche Leben gegenwärtig nicht besonders glänzend sei, doch von einem ungünstigen Zustande des Landes nicht die Rede sein könne. Der bevorstehende Abschluß einiger wichtiger Handelsverträge lasse hoffen, daß der erweiterte Absatz neue Arbeitsgelegenheiten schaffen werde. Die Finanzverhältniffe seien fortdauernd in günstiger Entwickelung. Sie gestatteten ferner die Verwendung reichlicher Mittel. Zum ersten Male werden die den Schulgemeinden gewährten Beihilfen zu den Lehrergehältern dauernd auf die Staatskasse übernommen werden. Eine Ausbesserung der Beamtengehälter, besonders der niederen, werde ausgesührt werden. Eine Erhöhung der Minimalgehälter der Volksschullehrer werde vorgeschlagen. Der weitere Ausbau des Eisenbahnnetzes und die Anlage eines Verkehrs- und Winterhafens in Dresden sei in Aussicht genommen.
Hannover, 13. November. Die städtischen Collegien bewilligten 14,000 Mk. zu den Kosten der Vorarbeiten für den Rhein-Weser-Elbe-Canal.
Wien, 13. November. Gestern Morgen um 3 Hhr früh fanden in Nevesinje und Trebinje (Herzegowina) heftige Erdbeben mit unterirdischem Getöse statt. Die Bewegung »folgte stoßartig in der Richtung von Osten nach Westen und dauerte 2 bis 4 Secunden.
Rom, 13. November. Der Friedenscongreß ver-


