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1891

Samstag den 15. August

Rr. 188

Annts- und Anzeügeblntt fflt? den Uwif Gieren

Anzeigen für denGießener Anzeiger'" entge^^

Amtlichrv ShsLl.

FerrilLetsn

(Schluß folgt.)

Sonntag, 16.

Montag, 17.

Dienstag, 18.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bht fslge^drn Lag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Der frtefceetr ^«zeigrr «scheint täglich, »it Ausnahme des Montags.

Die Gießener

MmitteUßtätter Serben dem Anzeiger Mßchmtlich dreimal beigelegt.

freundlichst eingeladen.

Gießen, 13. August 1891.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Obstbauvereins. Nebel, Amtmann.

BierteljLhriger j6oÄtteme«t$»vttei 2 Mark 20 Pfg. Bringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mart 60 Pf,.

Redoction. Expediti« und Druckerei:

KchutstraßeNr.s. Fernfprechcr 61.

Neorefte Nachrichten.

Wolfts telegraiihischeS Sorrespvndenz-Durcru.'..

5Nel, 13. August. Der Kaiser empfing heute Vor- rnittag um 11 Uhr an Bord derHohenzollem" den Chef

des Militärcabinets Hahnke zum Vortrage. Gras Waldersee ist heute früh nach Altona zurückgereist.

Kiel, 13. August. Der Kaiser unternahm Nachmittags eine Segelfahrt auf demMeteor".

Hamburg, 13. August. Der Senat hob das am 2. Januar 1888 erlassene Einfuhrverbot von Kehricht und Ab­fällen aus Schiffen, welche aus schwedischen, norwegischen und dänischen Häsen ankommen, aus.

Schwerin, 13. August. Der Großherzog, bei welchem zuletzt häufige weniger heftige Anfälle von Athemnoth ein­traten, hat in der letzten Nacht mehrere Stunden verhältniß- mäßig ruhig geschlafen. Der Appetit hat sich nicht gehoben, die Schwäche ist groß.

Köln, 13. August. DieKöln. Ztg." erfährt aus K i e l über den Unfall des Kaisers auf der Nordlandsahrt folgende Einzelheiten: Der Kaiser stand in lebhafter Unter­haltung auf Deck an eine Cajütenwand gelehnt und glitt bei einer schnellen Wendung auf dem glatten, mit Linoleum belegten Deck aus. Der anwesende Generalarzt Leuthold stellte sofort fest, daß die rechte Kniescheibe aus der Gelenk­kapsel getreten, und renkte dieselbe sofort wieder ein. Der Kaiser ertrug die großen Schmerzen ohne Wimperzucken. Auf den Wunsch des Leibarztes wurde der Kaiser zum Bett ge­tragen und schnell ein Gypsverband angelegt. Der Monarch hat dann die folgende Nacht ruhig geschlafen- augenblicklich kann der Kaiser wieder gut stehen und gehen, trägt jedoch vorsichtshalber noch einige Zeit die seste Bandage.

Borkum, 13. August. Nachdem die Herstellung des Kabels von Emden nach England gestern erfolgt ist, gehen die deutschen Ingenieure und Telegraphenbeamten heute nach Wilhelmshaven, von wo an das Kabel über Wangeroog nach Helgoland gelegt wird.

Paris, 13. August. DemJournal des Debats" zufolge wird die aus 22 Schiffen bestehende Mittelmeerslotte am 25. August im Hasen von Villasranka mit dem britischen Geschwader unter Admiral Hopkins Zusammen­treffen.

Paris, 13. August. Wie aus Regierungskreisen gemeldet wird, haben die Vertreter der europäischen Mächte in China wegen der Hetzereien gegen die Fremden eine neuerliche Note an den Tsung-li-Uamen (auswärtiges Amt) gerichtet. Uebrigens sind hier keine Nachrichten über neuerliche Ruhestörungen in China eingetroffen.

Paris, 13. August. DerLiberte" zufolge würden zur Begrüßung der britschen Flotte unter Hopkins im Hafen von Villesranche nur zwei oder drei Schiffe entsendet werden. Die Begegnung soll bereits am 18. August stattfinden.

Vichy, 13. August. Großfürst Alexei ist heute Nachmittag hier eingetroffen und wurde von einer großen Menschenmenge enthusiastisch begrüßt. Der russische Consul

hielt eine Ansprache, in der er sagte, Frankreich sei Rußland und Rußland sei Frankreich, zu keiner Zeit hätten die Herzen der Franzosen mehr für Rußland und den Ruhm des Czaren geschlagen.

Rom, 13. August. DerOsservatore Romano" erörtert die Haltung des Papstes gegenüber den deutschen und französischen Katholiken und erklärt, der Papst sei schmerzlich davon berührt, daß diplomatische Combinationen ihn und die Kirche durch neue Hindernisse abhalten, die friedliche Mission in Rom und Italien zu erfüllen. Das Blatt beklagt den Dreibund, welcher die italienischen Katholiken kränke und den Interessen Italiens abträglich sei.

Achen, 13. August. 1700 Mann sind von der Psorte zur Verstärkung der Garnisonen nach Kreta gesandt worden.

Petersburg, 13. August. DieNowoje Wremja" meldet, daß der Minister des Innern behufs sofortiger Ergreifung von Maßregeln für die Volksernährung sowie zur Anschaffung von Saatkorn den Landgemeinden, wo eine Mißernte vor­handen ist, bedeutende Summen angewiesen hat. In den bedürftigen Gouvernements werden Sachverständige zu Be- rathungen herangezogen, welche unter dem Vorsitz der Gou­verneure und unter Theilnahme der Gouvernements- und Kreisuprawas stattfinden werden.

Dem Reichsrathe wird ein Projeet sür eine russische Industrie-Ausstellung im Jahre 1893 vorgelegt werden.

Liffabon, 13. August. Es verlautet, der Finanzmintster werde die Einfuhr ausländischen Getreides vom 31. August ab bis zum vollständigen Verbrauch des ein­heimischen, der gegenwärtigen Ernte entstammenden untersagen. Die vorhandenen inländischen Getreidevorräthe genügen für mehrere Monate.

Konstantinopel, 13. August. Ueber die Verhandlungen des Baron Hirsch mit dem Großvezir wegen Ansiedelung russischer Juden in der Türkei verlautet, Baron Hirsch beabsichtige ausgedehnte Ländereien in Kleinasien längs den Eisenbahnen zu einem Jahrespachtzins von acht bis zehn Millionen Francs auf lange Zeit zu pachten. Die Pforte wäre berechtigt, diese Rente zu capitalisiren, was ihr ein Capital von etwa 100 Millionen Frans zur Verfügung stellen würde.

Konstantinopel, 13. August. Der Dragoman der franzö­sischen Botschaft reiste heute in Begleitung Rousfiös mit dem Lösegeld für den von den Räubern gefangenen Farmer Raymond ab.

Rewyork, 13. August. Ein Vergnügungsdampfer mit 800 Passagieren prallte bei Long-Jsland infolge eines plötzlichen Windstoßes an einer Brücke an. Das Schiff brach

Nazi (Ignaz)" genannt,da nehmens doch gleich a halbes oder auch a ganzes Dutzend Flaschen von mir mit, Sie habens ja bequem mit dem Schlitten, der Franz! packt sie Ihnen gut in den Schlittenkasten."

Nein," lehnte der Forstmann ab,wegen der paar Flaschen möchte ich nicht erst den Zoll bezahlen- für ein ganzes Fäßchen brauche ich dann auch nicht viel mehr Zoll zu bezahlen."

Das schon, Herr Oberförster," erwiderte der dicke Nazi, aber wozu wegen der paar Flaschen erst die Finanzwache incommodiren? Die paschen (schmuggeln) Sie halt einfach und der Franzl wird den Wein schon so gut verstecken, daß ihn kein Finanzer wittert."

Ei, ei, Ignaz," drohte der Oberförster und erhob den Finger gegen den Versucher.Sie wollen mir, als königlich sächsischem Beamten, zumuthen, das kaiserlich königliche Finanz- ärar zu hintergehen? Nein, nein, alter Freund, so etwas darf ich mir in meiner Stellung nicht gestatten und so gern ich auch morgen mir zu Hause ein Glas Erlauer geleistet hätte, so will ich mit dem Weine lieber warten, bis ich ihn auf erlaubtem Wege erhalten kann."

Und es wird vielleicht auch gut sein, wenn der Herr Oberförster den Wein nicht als Paschergut mitnimmt," warf auch der mitanwesende Apotheker des Ortes ein,denn wir haben seit Kurzem einen neuen Finanzoberausseher und der soll höllisch scharf in seinem Geschäfte sein und es ordentlich riechen, wo etwas gepascht wird. Es wäre dann für Sie, Herr Oberförster, höchst fatal, wenn er gerade Ihren Schlitten anhielte und dann die nicht verzollten Weinflaschen auf­spürte."

Ich möchte mir gestatten, einen Vorschlag zu machen, ertönte in diesem Augenblicke die helle Stimme des Forst- aecessisten Schutze von H..dors, welchem die Hohe Ehre zu

Theil geworden war, seinen gestrengen Vorgesetzten auf der Schlittenpartie begleiten zu dürfen.Meine Idee ist höchst einfach: Wir haben ja in den beiden Schlitten zusammen fünf Wärmflaschen wie wäre es, wenn wir dieselben für die Heimfahrt mit dem Erlauer füllten? Die Damen werden gewiß gerne das kleine Opfer bringen und sich auf der Nach- hausesahrt mit Decken und Stroh zur Bedeckung der Füße begnügen, wir könnten ja für sie zur Belohnung eine der Wärmflaschen mit Tokayer füllen lassen. Die Flaschen sind sämmtlich groß und glaube ich, daß sie schon eine ganz hübsche Portion Wein werden aufnehmen können, und ich wette, selbst der findigste Grenzaufseher wird nicht auf den Gedanken kommen, daß in den Wärmflaschen ein etwas kostbarerer Stoff als gewöhnliches Wasser enthalten sein könnte."

Allgemeiner Beifall folgte dem genialen Vorschläge des Forstaeceffisten und nur der Herr Oberförster selbst schien hiermit noch nicht ganz einverstanden zu fein. Aber jetzt schlug sich der Wirth wiederum ins Mittel, indem er sagte, der Gedanke des Herrn Forstaceessisten sei vortrefflich und er selber wolle gleich die Füllung der Wärmflaschen mit dem edlen Naß besorgen- für die Damen habe er außerdem einen alten, herrlichen Rüster Ausbruch in petto. In der That war das merkwürdige Geschäft von dem dicken Nazi im Handumdrehen besorgt- vier der Wärmflaschen bargen in ihren unförmigen zinnernen Bäuchen zusammen zwölf Flaschen der edlen Erlauer Auslese, während die fünfte Genossin zwei Flaschen köstlichen Rüster Ausbruches zum Versteck diente, und sorgsam mit Stroh umhüllt, wurden die bisherigen Wärmgefäße mit ihrem kostbaren Inhalte wieder in die beiden Schlitten vertheilt, natürlich' auf das Sorgfältigste zngeschraubt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Der verwNndelte Wein.

Humoreske von M. Heinert.

(Nachdruck verboten.)

Im Extrastübchen des Rathskellers zu N., einem größeren Grenzorte des nördlichen Böhmens, saß an einem Winter- spätnachmittag eine kleine Gesellschaft vergnügt bei einem Glase edlen Ungarweines, den man beim Rathskellerwirth in wirklich vorzüglicher Qualität bekam, zusammen. Die An­wesenden bestanden nur zum kleineren Theile aus Orts- angehörigen, die meisten waren aus dem benachbarten sächsischen Grenzorte H..dorf auf einer Schlittenpartie herübergekommen und befanden sich unter ihnen auch mehrere Damen, welche das herrliche Wmterwetter trotz der ziemlich strengen Kälte veranlaßt hatte, die Partie mitzumachen. Dieselben mahnten indessen, als die Lampen angezündet worden waren, immer energischer zum Aufbruche, da es für sie zu Hause doch immerhin noch dieses und jenes zu besorgen gab und die männlichen Mitglieder der Partie mußten sich daher wohl oder übel den Wünschen der Damen fügen. . Es wurde da­her den beiden Kutschern im Vorzimmer der Befehl zum An­spannen ertheilt und seufzend erhob sich der Herr Oberförster von H..dorf, welcher gewissermaßen der Leiter des Schlitten­unternehmens war, trank sein mit Erlauer Auslese ge­fülltes Glas aus und meinte, sich den dichten Schnurrbart -streichend:

Donnerwetter, das ist ein brillanter Tropfen, von dem werde ich mir nächstens ein kleines Fäßchen kommen lassen, so etwas kriegt man ja bei uns drüben gar nicht."

Na, Herr Oberförster," meinte jetzt der zu ihm heran» tretende Rathskellerwirth, von seinen Stammgästender dicke

Abends 8V2 Uhr zu Hattenrod, Abends 8V2Uhr zu Burkhardsfelden, Mittwoch, 19. Abends 8i/2 Uhr zu Annerod

Vorträge über Obstbau halten. Den Vorträgen werden zu noch näher zu bestimmenden Stunden in den Baumstücken Anleitungen über Baumsatz und Baumpflege vorausgehen.

Eine solche Anleitung findet auch am Vormittag des 19, August zu Oppenrod statt.

Alle Mitglieder des Obstbauvereins und alle Freunde des Obstbaues sind zu diesen Vorträgen und Anleitungen

Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird Samstag, 15. August l. I., Abends 8*/2 Uhr zu Ruttershausen, Nachm. 3 Uhr zu Reiskirchen,

Bekanntmachung,

Abhaltung von öffentlichen Faselschauen zu Grünberg und Gießen betreffend.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß in Verbin­dung mit den am 27. August l. I. zu Grünberg und am 2. September l. I. zu Gießen stattfindenden Vieh­märkten öffentliche Faselschauen durch die Körcommission ab- gehalten werden. Die Schau zu Grttnberg beginnt Vor­mittags 8Vr Uhr, die zu Gießen Vormittags 10 Uhr. Bei den Faselschauen, welche nur zum Zweck der An­körung von Faseln abgehalten werden, wird die Commission vorzugsweise Fasel der reinen Vogelsberger und Berner, speziell Simmenthaler Rasse berücksichtigen, andere nur dann, wenn sie ganz besonders schön sind. Es werden nur solche Bullen angekört, die sprungfähig entweder schon sind, oder dies wenigstens in kürzester Zeit werden. Bei der Schau zu Gießen können den Besitzern guter Fasel, soweit die Mittel reichen, Wegegelder in Aussicht gestellt werden.

Gießen, den 12. August 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________________I. V.: Jost.______________________

Bekanntmachung.