Ausgabe 
15.4.1891
 
Einzelbild herunterladen

München, 13. April. DieNeuesten Nachrichten" melden den Rücktritt Friedrich Kaulbachs vom Directorat der Akademie der bildenden Künste.

München, 13. April. Bei den gestrigen Wahlen zum Gewerbegericht siegten die sozialistischen Arbeitercandi- daten gegen diejenigen der katholischen Gesellenvereine.

Bern, 13. April. Die Criminalkammer des Bundes- gerichtS verwies die der Betheiligung am Tessiner Aus­stande Angeklagten vor die Züricher Geschworenen. Bundesrichter Olgiati wurde zum Präsidenten designirt.

Wien, 13. April. Der Kunstgewerbeverein wird dem Handelsminister einen Bericht bezüglich der Beschickung der Ausstellung in Chicago unterbreiten, worin die Geneigheit der Kunstindustriellen zu reger Betheiligung be­tont und als unerläßliche Voraussetzung die offizielle Unter­stützung durch die Negierung erbeten und die Regierung er­sucht wird, bei der Negierung der Vereinigten Staaten auf Beseitigung bezw. Milderung der Mc Kinley-Bill, ins­besondere der Mc Kinley-Administrativ-Bill, zu dringen.

Pest, 13. April. In der heutigen Sitzung des Ab­geordnetenhauses richtete der Abgeordnete U g r o n an die Regierung eine Interpellation darüber, ob es wahr sei, daß der Minister für Landesvertheidigung ungarische Land­wehrobersten ausgesvrdert habe, in die gemeinsame Armee überzutreten, und, wenn dies der Fall, womit dieses pfiicht- vcrletzende und die heimische Landwehr schädigende Verfahren motivirt werde.

Paris, 13. April. DerTemps" erörtert ausführlich die Rede des deutschen Kaisers vor dem Seeosfizier- corps in Kiel und erblickt darin ein präcises Programm, welches jedenfalls aus die Tactik der anderen Flotten, sowie aus deren numerische Stärke einwirken werde.

Paris, 13. April. Nach einer Mittheilung desTemps" hat das Ministerium des Auswärtigen die Auslieferung der drei in Toulon erbauten chilenischen Schisse an den Präsidenten Balmaceda als anerkanntes Staatsoberhaupt beschlossen, jedoch die Bildung einer aus Franzosen bestehenden Schifssbemannung untersagt.

London, 13. April. DieTimes" meldet aus Rangun: Quinton wurde vor den Augen des Regenten geköpft und verstümmelt- seine Glieder wurden den Pariahunden vorgeworfen. Der Regent befahl, die Leichen der anderen Offiziere ebenso zu behandeln. Den politischen Agenten Grim- wood und zwei andere Offiziere traf das gleiche Loos.

Rom, 13 April. Offiziell wurden in Folge der tür­kischen Quarantäne für Provenienzen aus Massauah vom Gouverneur Informationen eingeholt; derselbe bezeichnete die Gesundheitsverhältnisse in Massauah als ausgezeichnete. Rudini ersuchte demnach die Pforte um Aufhebung der Quarantäne.

Mailand, 13.April. Der internationaleArbeiter- Congreß trat heute im Theater Canabbiana zusammen. Zu demselben hatten gegen 40 Vereine Vertreter entsandt. Bei Eröffnung der Sitzung trug ein Musikcorps dieMar­seillaise" vor. Hierauf wurde Antonio Fratti zum Präsi­denten gewählt. Nach einer kurzen Ansprache an die Ver­sammlung ertheilte Fratti dem Franzosen R o u a n e t das Wort, der der italienischen Demokratie die Grüße der fran­zösischen überbrachte und eine Sympathie- und Zustimmungs­erklärung von etwa 20 Mitgliedern des Pariser Munizipal- rathes verlas. Als Vertreter der deutschen Sozialisten sprach Jacoby. Ein von Liebknecht an den Congreß gerichtetes Schreiben wurde von dem Advocaten Turati verlesen. So­dann nahmen auch Fernandez (Barcelona), sowie der Anarchist Galleani, der Deputirte Maffei und mehrere andere Congreßmitglicder das Wort. Eine von Taroni vorgeschlagene Tagesordnung, welche die Socialisirung der Reichthümer mit internationalem Charakter für nothwendig erklärt, wurde angenommen.

Kopenhagen, 13. April. Betreffs der Provenienzen aus Neapel sind hier sanitäre Maßregeln angeordnet worden.

Petersburg, 13. April. An der kurländischen Küste sollen zwischen Domesnaes und Runöe mehrere ausländische Dampfer eingefroren sein, denen das rigaische Börsen- comite Hilfe geschickt habe.

DieNowoje Wremja" empfiehlt der Königin Natalie mit Rücksicht daraus, daß König Milan im In­teresse des inneren Friedens Serbien verläßt, ein Gleiches zu thun.

Petersburg, 13. April. Die Großfürstin Olga Fcodorowna, Gemahlin deö Großsürsten Michael Nikola­jewitsch, ist in vergangener Nacht in Charkow gestorben. Der Großfürst Michael Nikolajewitsch verreiste gestern nach Charkow.

Chicago, 13. April. Eine Feuersbrunst hat am Samstag das Möbelmagazin von John Smith und das Museum am Haymarket-Theater zerstört. Der Schaden wird aus eine Million Dollars geschätzt. Mehrere hundert Zu­schauer, welche einer Thiervorstellung beiwohnten, wurden von einer Panik ergriffen und stürzten gegen die Treppe, wo ihnen der Polizist Sheeny entgegentrat, indem er Denjenigen, welche nicht gehorchen wollten, mit Ntederschießen drohte. Dadurch wurde eine Katastrophe verhindert. Viele Affen, welche sreigelassen worden waren, kamen in den Flammen um.

London, 14. April. In Bradsort fanden gelegentlich eines Meetings der strikenden Seidenweber ernsthafte Un­ruhen statt- die Polizei wurde mit Steinen beworfen und verletzt zurückgedrängt,- nach Verlesung der Aufruhracte ver­trieb daö Militär mit dem Bajonet die Menge und ver­wundete Einige.

totales unb provinzielles,

Siehe», 14. April.

tzruennungen. Herr Ingenieur Backofen in Gießen wurde zum Baumeister ernannt.

Turnerisches. Der Turntag des Mittelrheinkreises fand am 12. April in Mainz bet zahlreicher Betheiligung aus allen Gauen und Vereinen des Kreises statt. Unter Punkt 5 der Tagesordnung, Wahl des Festortes für das 20. mitttelrheinische Kreisturnsest 1892, zu welchem außer Mainz und Darmstadt, nachdem sich die Vorstände beider hiesiger Vereine in gemeinschaftlicher Sitzung dafür erklärt, auch Gießen angemeldet war, entspann sich eine lebhafte De­batte. Darmstadt hatte das Fest nur zweimal, zuletzt 1875, Mainz nur einmal, 1881, Gießen, zuletzt im Jahre 1883, und zwar zum drittenmale, gefeiert und mußten die Ver­treter aus diesem Grunde, obwohl Gießen lebhaft als passende Feststadt anerkannt, ihre Anmeldung zurückziehen. Wir dürfen aber die bestimmte Hoffnung haben, das darauffolgende Kreis­turnfest in unseren Mauern zu feiern. Mainz wurde für 1892 gewählt.

+ Lich, 13. April. Im letzten Jahre wurde in hiesiger Psennigsparkasse die Summe von 9600 Mk. und während des nun achtjährigen Bestehens dieser segensreich wirkenden Anstalt die Gesammtsumme von ca. 72 000 Mark eingelegt.

+ Mufchenhein, 13. April. Der hiesige Handelsmann Nathan B. wurde heute vom Gr. Schöffengericht in Lich mit 6 Tagen Hast bestraft, weil derselbe vor einigen Wochen Schlachtvieh von Lich hierher verbracht hatte, ohne vorher die amtliche Bescheinigung erwirkt zu haben, daß dasselbe aus einem seuchenreinen Stall stamme.

Friedberg, 10. April. Der Wetterauer Obstbauverein, der seine wichtigsten Filialen im Kreise Friedberg hat, soll zum Obstbauverein für die Provinz Oberheffen erweitert und damit ein für die Vereinszwecke unbedingt nöthiger größerer pomologischer Garten dahier geschaffen werden. Man gibt sich der Hoffnung hin, das dazu uöthige Capital von 11,000 Mk. vom Provinzialausschuß zu erhalten und hat der Ausschuß des landwirthschaftlichen Provinzialvereins für Ober­hessen die zur Verzinsung und Amortisation des Capitals nöthigen 550 Mk. per Jahr in sein Budget eingestellt. Die obere landwirthschaftliche Behörde beim Ministerium nimmt dem Projecte gegenüber eine sehr sympathische Stellung ein.

Büdingen, 11. April. In der gestern Abend abgehaltenen Generalversammlung hat der Ortsgewerbeverein den Neubau einer Gewerbeschule beschlossen.

Vom Vogelsberg, 13. April.Der April ist nicht so gut, er schneit dem Bauer auf den Hut." Diese be­kannte Wetterregel trifft für das gegenwärtige Frühjahr nicht ganz zu. Schneien thut es wohl schon im April, leider nur zu viel, aber dem Bauer nicht aus den Hut. Noch rastet und rostet Pflug und Spaten- denn der Landwirth vermag der schlechten Witterung wegen trotz vorgerückter Zeit die Früh­jahrsausstellung von Garten und Feld nicht in Angriff zu nehmen. Gar oft hatte man bei früheren Jahrgängen um diese Zeit längst den Hafer gesäet und die Gartenarbeit be­endigt, gegenwärtig ist noch keine Furche Landes gepflügt und noch kein Spatenstich ins Grabland bei uns hier gethan worden. Und bei dieser Verspätung ist noch wenig Aussicht zur baldigen Wendung zum Besseren. Denn noch liegt täglich bezw. allnächtlich der Winter im Kampfe mit dem anbrechenden Frühling. So war heute Morgen wieder Flur und Feld mit einer geschloffenen Schneedecke überzogen und die Wagen, welche aus dem Gebirg kamen, zeigten die Spuren des nächt­lichen Schneefalls. Wirklich treffend können wir mit dem Lahrer Hinkenden" von anno 1869 sagen:Ach, was war das für ein Lenze achtzehnhundertneunzigein? Eis- bezapfte Blüthenkränze Regen und kein Sonnenschein!"

Vermischtes.

* Darmstadt, 13. April. Seine Königliche Hoheit der Großh erzog haben Allergnädigst geruht: Am 11. April bcii Hauptstaatskassier Geheimen Finanzrath Joseph Stephan Liu deck zum Dircetor der Hauptstaatskasse zu ernennen.

* Wie schon früher gemeldet, soll in Offenbach ein Crematorium (Leichenverbrennungsofen) errichtet werden. Die dortige Stadtverordneten-Versammlung hat ihre Zu­stimmung ertheilt, nachdem der Frankfurter Feuerbestattungs­verein die Kosten übernommen hat. Nun kommt das Kreis­amt Offenbach aber, wie man von dort schreibt, und erklärt, da man nach dem Landesgesetz eine andere Bestattungsweise als die Beerdigung nicht kenne, könne die Benutzung des zu errichtenden Crematorinms nicht gestattet werden. Darauf erwiderte jedoch die Bürgermeisterei Offenbach, es beständen keine Bestimmungen, welche die Bestattungsweise mittelst Ver­brennung verbiete und weil die Landesgesetzgebung nur die Beerdigung kenne, sei eine andere, nach ihrer Ansicht bessere Bestattungsweise nicht verboten. Sie sei daher nach dem all- gemeinen Rechtsgrundsatz erlaubt. Man beanspruche keines­wegs, daß die Regierung gut heiße, was man wolle, sondern nur das Recht, daß Nichtverbotenes nicht gehindert, also ge­duldet werde. Daraufhin erklärte sich die Stadtverordneten- Versammlung mit dem Antrag, die Mittel durch Ausgabe von Antheilscheinen auszubringen (Gegenleistung der Stadt ist Gestattung unentgeltlicher Benutzung des Ofens) ein­verstanden. Man darf gespannt sein, wie die Sache weiter verläuft, denn daß daö Kreisamt sich dabei beruhigt, ist nicht wohl anzunehmen.

* Burgsolms, 10. April. Gestern wurden mehrere Arbeiter, welche mit der Beseitigung einer Verstopfung bei einem Hochofen beschäftigt waren, durch unerwartet aus­strömende glühende Schlackenmassen schwer verbrannt. Zwei der Leute wurden in die Gießener Klinik gebracht, während einer im hiesigen Orte verblieben ist. Der Zustand eines derselben soll zu starken Besorgnissen Veranlassung bieten.

* = Frankfurt a. M., 13. April. Der Proceß gegen die Bri e fm ark e n f ä l s ch er kommt am nächsten Mittwoch den 15. April vor der hiesigen Strafkammer zur Verhandlung. Ein Wagner st rike ist am Samstag hier ausgebrochen, nachdem von den 30 hiesigen Wagnerwerkstätten nur zehn die

Forderungen der Gehilfen bewilligten. 25 Gehilfen striken. Die in Arbeit stehenden führen 20 pCt. ihres Lohnes an die Strikekasse ab. Zwei Geschäfte haben die Forderungen in­zwischen gleichfalls bewilligt und man glaubt, daß die übrigen bald nachfolgen werden. Der Kaiser hat dem hiesigen Kaiser-Friedrich-Gymnasium, dem einzigen, das den Namen dieses unvergeßlichen Fürsten trägt, das Bild seines hohen Protectors, gemalt von der Meisterhand Gustav Richters, geschenkt.

* Caub, 11. April. Nachdem der Kaiser von dem Plane der Errichtung eines N a t i o n a l - D e n k m a l s für den Feld­marschall Blücher bei Caub (zur Erinnerung an den Ueber- gang in der Neujahrsnacht 1813) Kenntniß genommen und den Erlaß eines Aufrufs hierzu genehmigt hat, soll die Grundsteinlegung am 18. Juni d. Js. (Waterloo) und die Enthüllung am 26. August (Schlacht bei Katzbach) in einem noch zu bestimmenden Jahre stattfinden.

* Hannover, 10. April. Angst vor dem Gelde. Eine bejahrte Frau im Sageborner Breitenmoor wurde, wie aus Achim geschrieben wird, vor Kurzem zum dortigen Laud- rathsamte beschieden, um eine Erbschaft von 135,000 Mk. aus dem Nachlaß ihres Bruders in Empfang zu nehmen. Letzterer, ein Deutsch-Amerikaner, war im vorigen Sommer zum Besuche seiner Heimath und der Bremer Ausstellung aus Amerika herübergekommen- er war erkrankt und in einem Bremer Krankenhause verstorben. Aus die Frau entfielen 135,000 Mk., auf ihre an einen Anbauer in Breitenmoor verheirathete Tochter 4000 Mk. Als der Frau daS Geld ausgezahlt werden sollte, weigerte sie sich entschieden, dasselbe anzunehmen.Dat gifft to väle flechte Minschen - wenn ick dat Geld mitnehm, denn flat se mi im Moor dod. Wat schall ick ok ich mit dat väle unglückliche Geld anfangen'? Dat laten Se hier man in de Ach'mer Sparkass' beieggen. Aber de Böker will ik ok nich hebben, det könnt Se ok glieks hier beholen!" Bei dieser Weigerung blieb sie entschieden, endlich erbarmte sich der Director der Sparkasse, der bei der Auszahlung der Erbschaft zugezogen war, der über die Erb­schaft entsetzten Frau und versprach ihr, das Geld für sie in Verwaltung zu nehmen. Schließlich bequemte sich die Frau doch noch, 54 Mk., welche nach Abzug verschiedener Kosten außer jener Summe für sie übrig blieben, mitzunehmen, be­dankte sich für die Freundlichkeit des Herrn LandrathS und des Herrn Sparkassedirectors, der ihr die schwere Last vom Herzen genommen hatte, und kehrte fröhlich ins Sageborner Breitenmoor zurück.

* Hamburg, 11. April. Vor 4 Wochen kam ein Bauer in ein Geschäft auf dem Rödingsmarkt, um sich nach dem Preise einer Wrin gmaschine zu erkundigen. Er erhält Auskunft.Dreeuntwintig Mark?" fragt der erstaunte Bauer geringschätzig,de kann ickop'n Lager" veel billiger köpen doar kost' se blos foftein!" Aus die Frage des Kaufmanns, wo denn das Lager sei, nannte der Bauer eine benachbarte Straße. Nun wurden etwa drei Wochen lang Nachforschungen im Geheimen ängestellt, woher denn diebilligen Maaren" stammten, und das überraschende Ergebniß war, daß eine ganze Reihe Kaufleute systematisch von ihren Hausknechten bestohlen wurde. Die feinsten Luxuswaaren, Hausstandssachen. Eßwaaren, Handwerksgeschirr, kurz, alle möglichen Maaren waren in dem Lager, das sogar eine große Filiale aus dem Landgebiet unterhielt, die alsVerkaufsstelle" diente. Vor etwa 8 Tagen erfolgten die ersten Verhaftungen in dieser Sache. Bis jetzt sind bereits 21 Commis und Hausknechte verhaftet. Die Untersuchung nimmt großen Umfang an, da es sich um Veruntreuungen im Merthe von mehreren Hundert­tausend Mark handelt. Ein trauriges Licht aus die Sache wirft der Umstand, daß die Commis mit ihren Untergebenen gemeinsames Spiel getrieben haben, sowie, daß die meisten der Verhafteten Familienväter sind, die Mochenlöhne von 15 bis 20 Mark erhielten. Zum Transport der gestohlenen Maaren nach dem Stadthause waren mehrere Frachtwagen nöthig.

* Für den Spielsaal des Curhauses in Ostende hatten sich mehrere belgische und französische Bewerber bei der Stadt­behörde gemeldet. Das höchste Preisangebot erfolgte von einem Pariser: 350,000 Francs pro Saison für drei auf­einander folgende Jahre ober vielmehr Halbjahre. Am 28. März hat der Stadtrath von Ostende dem Pariser den Spielsalon zugeschlagen. Vor Allem wird jetzt der Unter­nehmer durch hohe Eintrittsgelder sich entschädigen müssen und dann wird er versuchen, die Spielsucht aufs Aeußerste anzuspornen.

* Paris, 10. April. Zu den sonstigen Unthaten, deren sich Deutschland gegen Frankreich schuldig gemacht hat, tritt, wie imMatin" zu lesen ist, eine ganz neue hinzu, die bisher selbst den Nachsorschungen der Patriotenliga entgangen war. DerMatin" schreibt nämlich über die Fischentvölke­rung der Seine, in der sich nur noch eine einzige Fischart in großer Menge befände:Auf dem Fischmarkt nennt man sie hotu und die Fischer nennen sienase. In der Seine ist dieser Fisch erst seit zehn Jahren erschienen. Er ist durch den Maascanal aus Deutschland gekommen. Sein Geschmack ist abscheulich." Natürlich! Wie könnte es auch anders sein. Es ist eine Karpsenart, cyprinus nasus gemeint, auch deutsche Nase oder Näsling genannt. Wahrscheinlich hat der übrigens den französischen Wörterbüchern längst bekannte Namen den Glauben aufgebracht, daß der Fisch deutschen Ursprungs sei.

* Der Papst über die Mädchenerziehung. Aus Rom wirb berichtet: P a p st L e o XIII. fragte jüngst eine schweizerische Dame, bie mit ihrem Gemahl zur Audienz erschienen war, ob sie auch Kinder besitze, und als er vernahm, baß sie Mutter eines Töchterchens sei, fragte er weiter, ob sie dasselbe zu Hause erziehe oder in einem Institut erziehen lasse. Die Dame bejahte ersteres und Leo XIII. erwiderte sichtlich erfreut, das Elternhaus sei die beste Erziehungsanstalt für Mädchen. Es thue ihm jedesmal wehe, wenn er vernehme, daß Eltern ihre Töchter schon frühe aus dem Elternhause in Institute ver­setzen, die auch im güngstigsten Falle dem Kinde nie das auf den Lebensweg mitgeben, was die liebende Mutter ihm geben