Einzelbild herunterladen

Bürgermeister und den Obervorstehern der Kaufmannschaft, welche die Fahrt von Swinemünde mitgemachl hatten. Der Kaiser, von dem zahlreich am Hasen versammelten Publikum durch Zurufe begrüßt, verließ um 5J/4 Uhr mittelst Sonder­zuges die Stadt.

Breslau, 13. Januar. DerBreslauer Zeitung" zufolge ist der Strike im Schmiederschacht beendet. Die ganze Belegschaft ist ohne jegliche Lohnerhöhung wieder an- gefahren.

Wien, 13. Januar. DerPolit. Corr." zufolge könne berechtigterweise von einer armenischen Frage keine Rede mehr sein, nachdem der Patriarch der Armenier Frieden mit dem Sultan und der Pforte gemacht hat, in Armenien voll­ständige Ruhe herrsche und keine Macht die Agitation be­günstige- alle Mächte wären in dem Wunsche eines friedlichen Arrangements bei der Lösung der Schwierigkeiten einig.

Paris, 13. Januar.Siecle" meldet: Der Deputirte Dillon, welcher am nächsten Freitag in Frankreich landen soll, wird definitiv zum einzigen Leiter der irländischen Partei gewählt werden.

DasJournal des Debats" veröffentlicht einen Bries des Generals Beaussremont, enthaltend eine von Marschall Mac M a h o n gezeichnete Erklärung, er habe zwar am Vorabende der Schlacht von Sedan dem Kaiser Napoleon ein Decret betreffend die Ernennung G a l l i f e t s zum Brigadegeneral vorgelegt, aber das Decret wurde niemals unterzeichnet. Er wiffe nicht, wie Gallifet sich zum General ernennen ließ, ohne das Decret erhalten zu haben. Das I. d. Debats" führt ausführlich Beweis dafür, daß ein Jrrthum Mac Mahons vorliege.

Paris, 13. Januar. Nachrichten aus Buenos Aires über die Lage in Chile besagen, daß lediglich das chile­nische Geschwader von der aufständischen Bewegung ergriffen fei. Die Armee blieb Balmaceda treu, die Bevölkerung ver­hält sich ruhig. Die Regierung ergriff energische Maßregeln zur Unterdrückung der aufständischen Bewegung. Der Belage­rungszustand ist proclamirt.

Paris, 13. Januar. Einer Meldung desSoir" aus Arras zufolge striken 900 Grubenarbeiter in Auchel.

Paris, 13. Januar. Den Abendblättern zufolge ist Gras AmelvtChaillon zum Ministerresidenten in Cettinje eritannt.

Cherbourg, 13. Januar. Die Panzerdivision des Nord' see-Geschwaders macht sich segelfertig, um Mobilisirungs- übungen vorzunehmen.

Venlo, 13. Januar. Die englische Post von gestern Abend über Vlissingen ist wegen Nebels aus See aus­geblieben.

Kopenhagen, 13. Januar. Die planmäßige Fahrt Goedser-Warnemünde wird morgen wieder aus­genommen.

Madrid, 13. Januar. Die Blätter melden: Die spanische Regierung theilte der französischen osficiell die Verhaftung Padlewskis mit. Die Auslieferung wird beantragt, falls die Identität des Verhafteten mit Padlewski durch einen nach Olot entsandten französischen Agenten festgestellt wird.

Madrid, 13. Januar. Eine neue Untersuchung der in Olot verhafteten Persönlichkeit ergab, daß das Signalement nicht demjenigen Padlewskis entspricht. Padlewski hatte ein künstliches Gebiß, der Verhaftete aber natürliche Zähne.

Madrid, 13. Januar. - In ganz Spanien dauert die Kälte fort- in Madrid, Granada und Sevilla finden große Schneefälle start. Die Landwirthschaft wird durch den Frost schwer geschädigt. An den Küsten dauern die Stürme fort.

Petersburg, 13. Januar. DasJournal de St. Peters- bourg" bespricht das Finanzexpofe und weist auf den Schluß desselben hin, worin sich der Fiuanzminister zum Dol­metscher von ganz Rußland macht, indem er der vorsorglichen, festen und friedliebenden Politik des Kaisers seine Huldigung darbringt.

Konstantinopel, 13. Januar. Der Sultan verlieh den Offizieren und Mannschaften des deutschen Kanonenbootes Wolf", welches die Ueberlebenden des untergegangenen türkischen PanzerschiffesErthogrul" nach Kope (Japan) ge­bracht hatte, goldene, resp. silberne Rettungsmedaillen.

Algier, 13. Januar. Tr eilb, Professor der medicini- fchen Schule, will den Bacillus des Wechselsiebers entdeckt haben.

Tlemcen (Algier), 13. Januar. Eine Abtheilung Zuaven und Trainjoldaten ist auf dem Marsche von Tlemcen nach Sebdon eingeschneit und vollständig blokirt. 200 Mann der Garnison von Tlemcen gingen zur Hilfeleistung ab.

Newyork, 13. Januar. Ein Privattelegramm aus Val­paraiso berichtet, die chilenische Marine habe revoltirt, indem sie sich gegen die angeblich willkürlichen Handlungen -des Präsidenten Balmaeda erklärte.

Berlin, 14. Januar. In der morgen erscheinenden Nummer derDeurschen medicinischen Zeitschrift" gibt Prof. Koch die Entdeckungswege und die Bereitungsweise seines Heilmittels gegen Tuberkulose an. Dasselbe ist ein Stoffwechsel- product, wahrscheinlich Eiweißkörper, jedoch kein Toxalbumin, tödtet das lebende Protoplasma und bringt den Bacillus durch Entziehung der Wachsthumsbedingungeu zum Absterben.

Locales und K^ovsnzielles.

Gießen, 14. Januar.

L. St. Evang. Kircheugesangverei«. Das Programm der geistlichen Musikaufführuug am nächsten Sonntag knüpft an das Weihnachtsfest an. Zwei Sätze aus Herzogs Weihuachts- sonate eröffnen dasselbe. Im ersten dieser Sätze will das erste Thema mit seinen vollen Accorden, die umspielt werden von munterem Figurenwerk, vornehmlich die Festfreude aus­drücken - das zweite (Gesangsthema) knüpft in seiner Motiv­bildung frei an das Lied:O du fröhliche" an. Satz 2 der Sonate ist in seiner Form ein Pastorale, in dessen Durch­

ührungstheil der Choral:Vom Himmel hoch" cingeführt wird. Nr. 2 des Programmes bringt einige Weihnachts­lieder von P. Cornelius. Entgegen den zwei Hauptmomenten von Cornelius' Individualität, der tiefen lyrischen Innigkeit und seinem Humor, welche imBarbier von Bagdad" ihren künstlerischen Ausdruck gesunden, zeigen uns die Weihnachts­lieder einen anderen Zug seines Characters, nämlich seine echte, unerschütterliche Gläubigkeit. Die werthvollsten Num­mern dieser Lieder sind Nr. 3Die Könige", Nr. 5 Christus als Kindersreund, Nr. 6 Das Christkind. In der dritten Nummer,Die Könige", bildet die Begleitung der Choral: Wie schön leucht' uns der Morgenstern", während die Sing« timme eine meisterliche, melodische Führung verräth, wo die Begleitung eigentlich schon Alles vorwegnahm. Von unge­meiner Feinheit ist das Lied:Christus der Kindersreund" Nr. 5, dessen beide Strophen sich in je eine I gehaltene und igurirte Hälfte gliedern. Die ersten Accorde der Begleitung zeigen sich als Verkleinerung der folgenden. Im sechsten Lied:Christkind" thut sich in der herrlichen Modulation nach E-dur ein erinnernder Blick aus (wo Christkind in der Krippe lag"). Auch die dann im Programm folgenden Chöre sind Weihuachtslieder, welche seit langen Jahren zu den bevorzugten Lieblingen der Kirchengesangvereine zählen, näm­lich Bachs Choral:Brich an" und Leonh. Schroeters Lied: Freut Euch, ihr lieben Christen." An Sylvester resp. Neujahr schließen sich Bachs Choralvorspiel:Das alte Jahr vergangen ist" und Stallbrocks Arie:Bleibe bei uns" an. Das Bach'sche Choralvorspiel war von allen seinen Schwestern das erklärte Lieblingsstück Mendelssohns. Und man kann diese Gunst wohl verstehen- denn Bach schlägt in Melodik und Harmonik recht weiche Töne an, die gleichsam als ein Gruß an Mendelssohns Zukunst erscheinen. Ein ähn­licher Ausdruck tief innerlichen Gefühlslebens durchweht auch die Bach'sche Air für Violine und Orgel. Den Schluß des ersten Theiles bildet Kühnes gewaltige Orgelfantasie für zwei Spieler. Dies Werk will die Orgel in ihrer ganzen Kraft zeigen. Sie ist in einer Zeit entstanden, in welcher das Orgelspiel aus seinem langen Schlummer durch Mendels­sohns Sonaten, Schumanns A, B, C, B-Fugen und Thieles kühne Fantasien geweckt wurde. Der zweite Theil des Programmes enthält Rheinbergers Concert mit Orchester und Mendelssohns Te Deum. Von allen Meistern unserer Zeit hat Rheinberger sich am meisten und erfolgreichsten der Orgelcomposition zugewandt. Rheinberger beherrscht wie Keiner außer ihm die alten strengen Orgel- und Vocalsormen und ebenso steht er auf der Höhe der Technik in der Jnstru- mentalcomposition, welche in unserem Jahrhundert vor allem die sogenannte thematische Arbeit gefördert hat. Da zu dieser Formengewandtheit sich eine ungewöhnliche Erfindungskraft gesellt, so ist es kein Wunder, daß er alle Orgelcomponisten der nachbachischen Zeit um mehr als Kopseshöhe überragt. Sein Concert bildet einen Markstein der Orgelcomposition unseres Jahrhunderts. Eine genauere Analyse würde zu weit führen. Vor allem muß aber gesagt werden, daß dies Werk das erste ist, welches die Jnstrumentalconcertform mit Erfolg aus die Orgel herübergenommen hat- und das in würdiger Weife. Der Text des le Deums von Mendelssohn ist dem alten Festhymnus (ambrosianischer Lobgesang genannt) uachgebildet. Seit langen Jahrhunderten haben die Compo- nisten ihn mit großer Liebe componirt. Und in der That bringt er auch der Composition dankbare Aufgaben entgegen. Welcher Künstlergeist wird nicht begeistert, wenn er in den einzelnen Versen die Chöre der Engel, des Cherubim und Seraphim, die Chöre der Propheten, der Apostel nacheinander herschreiten sieht vor dem Thron des Vaters und des Sohnes, Jubel, Dank und Bitte zu singen. Mendelssohns Te Deum zeigt in der Anlage die altbewährte vornehme Dreitheiligkeit, m diese Theile hinein schieben sich kleinere freie Partien, be­dingt durch das Durchcomponiren des Textes. Die Musik, nach Form und Inhalt auf Mendelsfohn'fcher Höhe stehend, wirkt recht interessant durch den reichen Wechsel von Chor und Soloquartett.

w. Theater. Die dritte Aufführung vonSodoms Ende" von Sudermann war besser noch, als eine der vor­hergehenden. Je näher man das Schauspiel kennen lernt, um so weniger begreift man, wie ein Stück, das sich aus so ernster sittlicher Grundlage ausbaut, irgendwie soll Anstoß geben können. Der Grundgedanke ist doch der, daß es für das Genie nicht erlaubt sein kann,sich jenseit der Moral" zu stellen und daß wahrhaft glücklich Niemand zu sein ver­mag, der seine Seelenreinheit verloren hat. Es wirkt beson­ders ergreifend inSodoms Ende", daß der junge Maler Willy in dem Kampfe wider die Sünde, der er sich zu lange widerstandslos hingegeben hat, um ihrer noch Herr werden zu können, sich im Besitze Kittys, des seelenstarken und welt­klugen Mädchens, das ihn versteht und liebt undheil machen" will, was krank an ihm ist, fast schon aus dem Moraste gerettet glaubt und bereits neue Schaffenskraft und Lebensfreude in der Gemeinschaft mit ihr sich erblühen sicht, als die Folgen seines seither in ausschweifendem ziellosen Ge­nüße geführten Lebens ihn vernichten. Unerbittlich geht das Verhängniß seinen Gang; aber der Gedanke, daß es den Un­glücklichen erst dann ereilt, als er sein ganzes Dasein seither verachten gelernt und zugleich auch die Kraft gewonnen hat, ihm zu entsagen, versöhnt doch wieder mit dem furchtbaren Ende des eben noch Vergötterten. Von den Einzelleistun­gen haben wir keine besonders hervorzuheben, indem die Ver­treter der Hauptpartieen (Frau Anni Reiners, Frl. Bischoff, Frl. Unger, die Herren Bicbrach, Goullon, Winolt) aus­nahmslos ihrer Aufgabe trefflich gerecht wurden und ebenso die Nebenrollen durchweg gut besetzt waren. Frl. Elsa Ne in hold machte als Kitty ja einen sehr sympathischen Ein­druck, wird aber ihre Partie immer noch mehr ausarbeiten dürfen, namentlich in manchen Aeußerlichkeiten.

Das Kaiferpanorama hat mit seiner dieswöchentlichm Serie, den bayrischen Königsschlössern, so großen Ersolg gehabt, daß dieselben noch bis Samstag, den 17. Ja­nuar, ausgestellt bleiben werden. Es bietet sich somit die

erwünschte Gelegenheit für Jeden, der dieselbe noch nicht be­nützt hat, die Königsschlöffer zu besichtigen. Es wirkt in der That bezaubernd, sich mit einem Male in eine solche Wunder­welt des ungeheuersten Luxus versetzt zu sehen, die sich körperhaft ringsum aufzubauen scheint. Zuerst ist man ge­blendet, betäubt von all' der Pracht. Unser ruhiges Urtheil kehrt erst zurück, wenn aus den phantastischen hohlen Pomp, der auf stiller Alpseeinsel die gedankenlose Herrlichkeit des französischen Sonnenkönigs nachahmt, die gehaltvolle, ernste Schönheit von Neuschwansteins deutschen Hallen besänftigend folgt. Wer den riesigen Unterschied zwischen deutschem und gallischem Wesen verkörpert sehen will, der vergleiche die Schloßräume von Neuschwanstein mit denen von Herren­chiemsee oder Linderhos. Die Einwohner unserer Nachbar­orte sollten den Weg nicht scheuen nach Gießen- Schöneres, wie diese Prachtschlösser, dürfte nicht wieder gezeigt werden.

Als Dreijährig Freiwilliger in das deutsche Heer einzutreten, ist die Zeit von jetzt ab bis zum 31. März in­sofern die günstigste, als allen bis dahin eingestellten Mann­schaften später ihre Dienstzeit schon vom 1. October 1890 angerechnet wird. Bei allen vom 1. April 1891 als Drei­jährig-Freiwillige Eintretenden zählt die Dienstzeit erst vom 1. October 1891 ab. Wer in das Heer einzutreten wünscht^ hat die Erlaubniß zur Anmeldung bei einem beliebigen Truppentheile nur beim Civilvorsitzenden der Ersatzcommission zu erwirken. Derselbe giebt seine Erlaubniß durch Erthellung eines Meldescheines, welcher von der Einwilligung des Vaters oder Vormundes und von der obrigkeitlichen Bescheinigung, daß der zum freiwilligen Dienste sich Meldende durch Civil- verhältnisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat, abhängig gemacht wird. Die ertheilteu Meldescheine haben nur bis 1. April Gültigkeit. Bemerkt sei, daß den mit Meldescheinen versehenen jungen Leuten die Wahl des Truppentheiles, bei welchem sie dienen wollen, vollständig frei steht. ,, , . .

Hebet die im vorigen Sommer in Butzbach stattge- habte Landtagswahl, in welcher das Loos zwischen dem früheren Landtagsabgeordneten Apotheker Vogt von Butzbach und dem Landwirth W. Köhler von Bettenhausen zu Gunsten des letzteren entschied, hat jetzt der dritte Ausschuß der Zwei­ten Kammer Bericht erstattet. Dieser schließt mit dem An­träge, sowohl die Wahl des Abgeordneten als auch diejenige der Butzbacher Wahlmänner für ungiltig zu erklären, dem­gemäß die Regierung zu ersuchen, nach erneuter Wahlmänner­wahl in Butzbach eine wiederholte Abgeordnetenwabl anzu- ordnen. Die Ungiltigkeitserklärung der im vorigen Sommer vorgenommenen Wahl des Abgeordneten mußte schon deshalb ausgesprochen werden, weil ein Wahlmann mitgewählt hatte, der zu jener Zeit gar nicht das hessische Staatsbürgerrecht befaß- aber auch die Wahl der Wahlmänner in Butzbach konnte wegen mehrerer unterlaufener Versehen, die des Nähe­ren angegeben sind, nicht aufrecht erhal-ten werden.

Butzbach, 12. Januar. Auf der Münsterer Jagd, die von einem Frankfurter Herrn gepachtet ist, wurde von diesem gestern ein capitaler Zwölfender-Hirsch geschossen. Das Thier wog 225 Pfund.

)-( Willingen, 12. Januar. Heute starb dahier plötzlich der hiesige Gemeinde-Einnehmer Koch. Der Verstorbene, seither sich wohl befindend, fühlte sich plötzlich unwohl und war nach wenigen Augenblicken in Folge eines Schlaganfalls eine Leiche. Koch hat viele Jahre die Stelle des Gemeinde- Einnehmers dahier begleitet, war seit Eröffnung der Bahn­linie Hungen-Laubach Verwalter der hiesigen Poststelle und besaß die Achtung seiner Mitbürger in vollem Maße.

)( Herbstein, 13. Januar. Am vergangenen Sonntag sand im Locale des Gastwirths Gustav Ganß dahier bie Centralausschußsitzung des Vogelsberger Sänger b un des statt. Es hatten sich die Vertreter der einzelnen Vereine, der Herbsteiner Gesangvereine und die Nachbar- vereine von Altenschlirf, Höngenau, Rixfeld und Ilbeshausen eingesunden. Nach Erledigung der Tagesordnung wurden von den Vereinen verschiedene Gesangsvorträge gehalten, der Herbsteiner Musikverein concertirte, es kam noch eine größere Gesellschaft aus Lauterbach hinzu und so verlief der Nach­mittag unter dem Wechsel von Gesangs- und Musikvorträgeu in einer äußerst heiteren und gemüthlichen Stimmung.

Kleine Mittheilungeu aus dem Großherzogthnm tzefie«. Am Freitag wurde auf dem Friedhose in Reichen­bach i. O. eine Zigeunerbeerdigung vollzogen. Eine aus 49 Köpfen bestehende Zigeunerbande brachte ein verstorbenes, etwa einjähriges Kind zu Grabe. Die Bestattung erfolgte nach katholischem Ritus, und viele Neugierige wohnten der Handlung bei. Nach der Feier warfen die braunen Gestalten zahlreiche Münzen in das offene Grab und zogen dann schwei­gend von bannen. Aus dem Mainzer Friedhose ist der Boden infolge der andauernden Kälte bis auf 1,15 Meter tief gefroren, so daß die Anlage von Grabstätten schwierig ist. Es wurde bereits versucht, den Boden mit ungelöschtem Kalk anfzuthauen, was aber nur teilweise bis auf etwa 25 Ctm. gelungen ist. Ein Soldat der Mainzer Gar­nison, welcher sich ohne Urlaub entfernt hatte, versuchte, sich am 12. d. M. durch einen Rcvolverschuß um's Leben zu bringen. Er liegt schwer verletzt darnieder. In Castel sind unter den Truppen mehrfache Typhus-Erkrankungen vor- gekommen. Diese Erscheinung wird auf den Genuß ungesun­den Trinkwassers zurückgeführt, weshalb den Soldaten ver­boten wurde, aus den öffentlichen Brunnen zu trinken. Das Wasser für das Militär wird zunächst in großen Fässern aus Mainz geholt.

Der Bbstbaum.

(Aus derDewsch-n Allg. Zeitung für Landwirthschaft".)

Wenn das Scepter des lachenden Sommers langsam in die Hände des ernsteren Herbstes übergleitet, dann werden, die Abende länger und der Landwirth findet Zeit und mutz