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1891

Dienstag den 14. Juli

Nr. 160.

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Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Juni 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen:

Hafer «X 18.80, Heu «X 6., Stroh 5.30.

I «Gießen, den 11. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." bespricht dkn großartigen Empfang des Kaisers in London und hebt die bedeutsame herzliche Übereinstimmung der Aeußer- ungen des Kaisers mir den Anschauungen des arbeitstüchtigen, kernhaften englischen Volkes hervor- die tiefgegründete Gleich­heit der Anschauungen habe besonders in den Worten des Kaisers über die Aufrechterhaltung des Friedens Ausdruck gesunden.

Berlin, 11. Juli. Der Kaiser ernannte die Reichs- gerichtsräthe Hahn, Wiener und Daehnhard zu Senats-Präsi­denten, die Oberlandesgerichtsräthe Suppes in Frankfurt a. M., Achilles in Celle, Winchenbach in Stettin zu Reichs- gerichtsräthen.

Anstand.

London, 11. Juli. Bei dem Hofball im Bucking­ham-Palaste zu Ehren des Kaiserpaares waren der Saal und die Zugänge mit seltenen Pflanzen, Blumen und Palmen herrlich geschmückt. Die Festversammlung war eine glänzende und es herrschte strengste Hosetikette. Die Musiker der Königin spielten. Der Kaiser eröffnete mit der Prinzessin von Wales den Ball, während der Prinz von Wales mit der Kaiserin tanzte. Der Ball dauerte bis spät in die Nacht.

London, 11. Juli. Der deutsche Kaiser inspicirte so­eben die Garden des Buckingham-Palastes und die Yeoman- leibwache, bestehend aus ehemaligen verdienstvollen Unter­offizieren in der Uniform aus der Zeit Heinrichs VIII. mit Hellebarden. ,

London, 11. Juli, Mittags. Der gestrige Hofball im Buckingham-Palast war erst um drei Uhr Morgens beendet. Heute Vormittag machte der Kaiser einen Spazierritt im

Hydepark. Die Besichtigung der Aeomanleibwache sand im Hose des St. James-Palastes statt. Die Vorbereitungen für die Nachmittags stattfindende Revue sind in vollem Gange. Die Freiwilligen sammeln sich bereits auf verschiedenen Eisen­bahnstationen.

London, 11. Juli. Nach beendetem Lunch empfing der Kaiser die deutsche Deputation, welche eine Be­willkommnungsadresse überreichte und fuhr dann um 3 Uhr zur Victoriastation, von wo er sich mit dem britischen Generalstab nach Wimbledon begab, um die freiwilligen und die regulären Truppen in einer Gesammtstärke von 23 000 Mann zu oe- sichtigen. Die englischen Prinzen und Prinzessinnen be­gleiteten das Kaiserpaar zur Parade aus dem Wimbledoner Feld. Als der Kaiser um 4 Uhr dort eintraf, feuerte die Artillerie Salut. Die Truppen standen unter dem Oberbefehl des Herzogs von Cambridge. Der Kaiser, begleitet vom Prinzen von Wales und den Herzögen von Cambridge und von Connaught mit ihrem glänzenden Stabe, schritt die Front der Mannschaften ab, die ihn mit dem Königssalut begrüßten. Hierauf begann der Vorbeimarsch der Truppen, die dann wieder Paradeaufstellung einnahmen. Die Revue dauerte P/2 Stunde und nahm einen glänzenden Verlaus. Der Kaiser lobte wiederholt die Haltung der britischen Truppen. Der Kaiser trug weiße Kürassierunisorm und ritt einen prächtigen Rappen. Neben dem Kaiser hielten zu Pferde während des Defilirens der Prinz von Wales und die Herzöge von Cambridge und von Connaught. Hinter dem Stand­punkt des Kaisers war die deutsche Kaiserstandarte gehißt worden. Das überaus glänzende Schauspiel war vom prächtigsten Wetter begünstigt. Die Zahl der Zuschauer wird aus eine Million geschätzt. Eine große Militär- und Polizei­macht hielt das eigentliche Paradeseld frei. Nach der Revue begab sich das Kaiserpaar mit den königlichen Prinzen von Großbritannien nach dem Crystallpalast, wo das Diner ein­genommen wurde. Das Kaiserpaar mit Gefolge verließ Wimbledon zu Wagen und fuhr zum Bahnhof, von dort im Sonderzug zum Crystallpalast. Die Ankunft daselbst erfolgte um 61/2 Uhr. Der Prinz von Wales und seine Gemahlin empfingen das Kaiserpaar auf der großen Terrasse, die Marine- eapelle spielte die preußische Nationalhymne. Bei dem Feuerwerk wurden u. A. fünf Porträts des Kaisers dar­gestellt, welche von der Kaiserin von der Loge aus mittelst Electrieität entzündet wurden. Der Kaiser entzündete das die Schlacht am Nil darstellende Tableau. Dem das Concert dirigirenden Capellmeister wurde vom Kaiser eine Ordens­auszeichnung verliehen.

Neapel, 11. Juli. Der Lavastrom vom Vesuv setzt seinen Lauf in der Richtung nach dem Observatorium fort. In alten abgestürzten Massen des Berges Posilippo sind

neue Risse entstanden. Die Behörden ordneten Vorsichts­maßregeln an.

Stockholm, 11. Juli. Ein Minenbot des französischen Nordgeschwaders übersegelte heute ein Schiffsboot, das zu dem AvisodampferLance" des Geschwaders gehörte. In dem Schiffsboot befanden sich fünf Matrosen, von denen zwei ertranken.

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Neueste Nachrichten.

WolfiS telegraphisches rorrespondmz-Bureau.

Metz, 12. Juli. Die Nachwahlen zum Gemeinderathe sanden heute unter ganz außerordentlich großer Betheiligung statt. Gewählt wurden 5 Altdeutsche und 11 Einheimische. Der neue Gemeinderath besteht demnach aus 11 Altdeutschen und 21 Einheimischen.

Pest, 12. Juli. DasAmtsblatt" veröffentlicht das Gesetz betreffend die Verstaatlichung der ungarischen Linien der österreichisch-ungarischen Staatsbahn-Gesellschaft.

London, 12. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich heute Vormittag in Begleitung des Herzogs und der Herzogin von Connaught, des Prinzen Christian und eines' Gefolges nach der St. Pauls-Kathedrale und wohnten daselbst dem Gottesdienste bei. Die Herrschaften nahmen im Chorraume in der Nähe des Altars Platz- die Predigt hielt Rev. W. I. Hall. Den Inhalt derselben bildete Gottes Einfluß aus die materiellen Dinge. Nach dem Gottesdienste kehrten der Kaiser und die Kaiserin nach dem Buckingham- Palast zurück, von der vor der Kathedrale angesammelten Menge ehrerbietigst begrüßt. Der Kaiser sowie die Be­gleitung trugen Civilkleidung.

London, 12. Juli. Zu dem Diner im Crystall­palast im Speisesaale des Prinzen von Wales waren nur fürstliche Personen geladen. Unter den Theilnehmern be­fanden sich der Kaiser und die Kaiserin, der Prinz und die Prinzessin von Wales, der Herzog und die Herzogin von Anhalt, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Mecklenburg-Strelitz, Prinz Eduard, Prinzessin Alexandra von Anhalt, der Herzog von Clarence, die Herzöge und Herzoginnen von Edinburg und Connaught, Prinz und Prinzessin Christian, Prinzessin Victoria von Schleswig- Holstein, Prinz Albekt von Schleswig-Holstein, Prinz Heinrich von Battenberg. Nach der Jnspection der Feuerwehrmänner überreichte der Kapitän derselben, Shaw, dem Kaiser eine Adresse, für welche derselbe dankte und zugleich seine Ueber- raschung über die Haltung der Feuerwehrleute und die Schönheit ihrer Pferde aussprach. Der Kaiser ließ sich darauf die Offiziere der Feuerwehr vorstellen.

London, 13. Juli. Das Kaiferpaar mit Gefolge traf gestern Nachmittag 6 Uhr auf Hatfield, dem Landsitze

Feuilleton.

Der Blitz und die Dlitzgesahr.

(Nachdruck verboten.)

Ueber die Entstehung des Blitzes tappt die Naturlehre trotz ihres heute im Allgemeinen so vorgerückten Standes noch immer im Dunkeln. Man weiß eigentlich nur, daß die Blitze electrische Entladungen sind, welche zwischen entgegen» gesetzt electrischen Wolken oder auch zwischen einer electrischen Wolke und einem Punkte der Erdoberfläche, in welchem durch Vertheilung die entgegengesetzte Electrieität angehäuft ist, stattftnden. Dagegen hat die Forschung über die sonstige Naturgeschichte" des Blitzes schon viel zu Tage gefördert, vor Allem kennt man nunmehr die Arten der Blitze und ihre Bahnen. Man unterscheidet heute Zickzackblitze mit scharf begrenzten Rändern, Flächenblitze, welche größere Theile der Gewitterwolken oder dieselben ganz erleuchten, und die so­genannten Kugelblitze. Die Zickzackblitze schlagen am häufigsten von einer Wolke zur anderen, oder auch nach oben- viel seltener sind die Fälle, in denen diese Blitze nach der Erd­oberfläche niederzucken und alsoeinschlagen". Die Flächen­blitze sind im Grunde genommen häufig auch nichts wie Zick­zackblitze, die hinter einer Wolke erfolgen, so daß man nicht den Blitz selbst, sondern nur das von ihm ausgehende, durch die Wolke bindurchscheinende Licht erblickt. Aber es sind allerdings auch directe Flächenblitze beobachtet worden, welche ihrem Wesen nach dadurch erklärt werden müssen, daß un­zählige electrische Büschel, wenn man so sagen darf, gleich­zeitig zur Entladung gelangen und zwar aus einer horizon­talen Fläche. Was die Kugelblitze anbelangt, so weisen dieselben die Form von Feuerkugeln auf und bewegen sie sich etwaslangsamer" als die Zickzack- und Flächenblitze, welche

in der That nur ganz momentan erscheinen, gleich einem flüchtigen Mundhauch. Die Kugelblitze treten am seltensten aus, es vergehen oft Jahre, ehe eine derartige Erscheinung beobachtet werden kann, und daraus erklärt es sich, daß über das Wesen der Kugelblitze noch nicht viel bekannt ist.

Die verheerende Wirkung, welche ein zur Erde nieder- ] zuckender Blitzstrahl zu bewirken vermag, hat schon in den 1 Zeiten des Alterthums zu Versuchen geführt, die Blitzgefahr i zu bekämpfen. Bereits den Priestern der alten Egypter müssen die Gesetze der Blitzleitung bekannt gewesen sein, denn man hat altegyptische Inschriften aufgefunden, aus denen her­vorgeht, daß verschiedene Tempel hohe Masten trugen, die in ihrem oberen Theile mit Kupfer beschlagen und zugespitzt waren, um die Macht der Ungewitter aus der Höhe zu brechen. Auch in China waren schon in alten Zeiten der­artige Masten zum Auffangen der Blitze bekannt, ferner gab es daselbst und gibt es heute noch eine Art Thurmhäuser, welche an ihren Außenwänden kupferne Spiralen zum ge- , dachten Zwecke aufwiesen. Im Mittelalter scheint man über die Kunst des Blitzabsangens ebenfalls nicht ganz ohne Kennt- j niß gewesen zu sein, indessen sind die hierüber vorliegenden Mittheilungen nur höchst ungewiß und lückenhaft. Das Ver- , dienst, den ersten wirklichen Vorläufer unserer heutigen Blitz­ableiter conftruirt und errichtet zu haben, gebührt dem um die Naturforschung seiner Zeit verdienten Priester Dr. Procop Divisch in Prendiz bei Znaim in Mähren. Derselbe errichtete am 15. Juni 1754 in der Nähe seiner Psarrwohnung einen mit Metallleitung und vielen eisernen Spitzen versehenen hohen Apparat zum Fangen der Blitze auf, und sollte er nach der Meinung seines Erbauers dazu dienen, ganze Gewitterwolken auszulösen. Den ersten zum Schutze des Hauses bestimmten Blitzableiter aber schuf sechs Monate später Benjamin Franklin in Gestalt einer langen eisernen, mit einer kupfernen Spitze versehenen Stange. Dieser

Franklin'sche Blitzableiter ist im Allgemeinen das Vorbild aller späteren Blitzableiter geblieben, nur daß bei denselben die Kupferspitze durch eine vergoldete Spitze ersetzt worden ist, während außerdem die modernen Blitzableiter in ihrer Bauart noch eine ganze Reihe von Verbesserungen erfahren haben.

Es sind in neuester Zeit eingehende Ermittelungen über die Blitzgesahr, d. h. über die Häufigkeit der einschlagenden Blitze, angestellt worden, welche ergeben haben, daß die Blitzgefahr innerhalb eines Zeitraumes von fünfzig Jahren im Allgemeinen immer mehr zugenommen hat. Diese That- sache steht unumstößlich fest, sie beruht auf einem zahlreichen und zuverlässigen statistischen Material und bei ihrer Wich­tigkeit für Leben und Eigenthum des Menschen hat man begreiflicher Weise nach den Ursachen der steten Zunahme der Blitzgefahr nachgeforscht. Dieselben will man nun nach verschiedenen Richtungen hin aufgefunden haben. Einerseits soll die von manchen Seiten behauptete fortschreitende Wald­abnahme in Deutschland es handelt sich bei den erwähnten Erhebungen nur um Deutschland eine Zunahme der Blitz­schläge bewirken, da sich alsdann auch die die Electrieität an­ziehende Spitzenwirkung der Wäldermassen vermindert. Ander­seits führt man die sich mehrende Häufigkeit der Blitzschläge auf den vermehrten Gebrauch von Metallconstructionen beim Häuserbau, auf die Vergrößerung des Eisenbahn- und Tele­graphennetzes, auf, die gewaltige Vermehrung der Feuer­stätten durch Fabriken und Eisenbahnen, auf die durchgreifende Einführung der Kohlenheizung mit ihrer beträchtlichen Zufuhr von Staubtheilchen in die Luft und auf noch andere Ursachen zurück. Indessen erweisen sich manche dieser Behauptungen bei näherer Betrachtung keineswegs als sonderlich stichhaltig und außerdem muß berücksichtigt werden, daß eine nur fünfzigjährige Beobachtungsreihe noch viel zu kurz ist, als daß man, auf ihr allein fußend, mit einiger Sicherheit eine