erwägen habe, ob, eventuell mit welchen Mitteln, ein eignes Gebäude für die Handwerkerschule und den Gewerbverein errichtet werden könne.
Zu Mitgliedern dieser Commission wurden die Herren Oberbürgermeister G n a u t h, A. H u g und L. Petri HI. gewählt.
Vermischtes.
* Berlin, 8. Juni. Der Kaiser wurde, von einer Spazierfahrt am Sonnabend heimkehrend, Zeuge eines betrübenden Unglücksfalles. Ein sechsjähriger Knabe, welcher mir mehreren Altersgenossen am Ufer des Landwehrkanals in der Nähe des Hauses Königin-Augusta-Straße Nr. 42 sich durch Spielen vergnügte, stürzte plötzlich über die dort befindliche Böschung ins Wasser. Unter dem sich alsbald ansammelnden Publikum befand sich auch ein Major, der sich sofort seines Uuisormrockes entledigte und ins Wasser sprang. Der Knabe war, nachdem er in den Fluthen verschwunden, nicht wieder attfgetaucht. Trotz des schnellen, hochherzigen Eingreifens des Majors war es ihm nicht möglich, den Körper des Knaben auszufinden. Der Kaiser, der gerade vorübersuhr, ließ sich von dem soeben ans Ufer getretenen Major eingehend Bericht über den Unglücksfall erstatten. Die von Schiffern sofort vorgenommenen Versuche, die Leiche des Knaben aufzufischen, blieben erfolglos. Dagegen entdeckte man — die Leiche eines ungefähr achtzehnjährigen Mädchens. Die Unglückliche hatte anscheinend den besser situirtcn Ständen angehört. Bei der Lerche sanden sich außer goldener Uhr nnd Kette mehrere Ringe und verschiedene Werthgegenstände.
* Dortmund, 9. Juni. Der städtische Straßen- mt ei st er war darum eingekommen, einen Revolver tragen AU dürfen, da er des Nachts bei Beaufsichtigung der Kehrarbeiten mehrfach angegriffen worden war. Dies wurde ihm gestattet und Polizei-Jnspector Brake wollte ihm heute Morgen kurz nach 8 Uhr in der Wachtstube aus den Beständen einen geben. Als der Straßenmeister die Waffe in der Hand hatte, ging sie — die Ursache bleibt dahingestellt — los und die Kugel drang dem Polizei-Jnspector durchs Herz, der sofort tobt zusammenbrach. Der stattliche, noch verhältnißmäßig junge Mann war vor Kurzem erst von Emden hierher gekommen. Er lebte in kinderloser Ehe.
* Berlin, 9. Juni. Die 13 jährigen Schüler Oscar Sch. nnd Georg M., welche sich bei der in der Spreestraße wohnhaften Frau P. in Pflege befanden, hatten an den Schilde- rungen des den Orientzug betreffenden räuberischen Ueberfalls soviel Gefallen gesunden, daß sic dem Drange, sich selbst zu Banditen auszubilden, nicht widerstehen konnten. Allein dünkteu sie sich jedoch zu schwach, und wußten daher ihren gleichfalls 13 Jahre alten Mitschüler Paul M. zu bewegen, der Schule Valet zu sagen, sich ihnen anzuschließen und vagabondirend umherzutreiben. Die Burschen verließen ihre Wohnungen und hielten sich im Thiergarten und Grünewald Tags über versteckt. Ihren neuen Beruf begannen sie damit, daß sie die Frühstücksbeutel aus Häusern erbeuteten -
später wollten sie sich vervollkommnen. Dazu ist es jetzt noch nicht gekommen, denn die Polizei hob das Raubnest am Sonntag aus.
Citerafttt unö Rrrirst.
- lieber die Roller'sche Stenographie finden wir in der zweiten Auflage von „Otto Spamers tlluNrirkem ConversationS- lexikon" unter dem Artikel „Stenographie" auf Spalte 1328 folgendes sehr beachtenswerthe Urtbetl: „Von Christian Heinrich Roller wurde der Beweis erbracht, daß trotz unübertroffener Kürze der Wortbilder eine vollständig einheitliche buchstäbliche Vokalbezerchnung auch in der Stenographie möglich ist. Im Jahrs 1875 trat er mit seinem „Vollständigen Lehrgang einer einfachen Stenographie" an die Oeffentlichkeit. Jeder Selbstlauier besitzt nur ein Zeichen mit unbeschränkter Verbindungsfähtgkeit, so daß die gejammte Vokal- bezeicknung in eine Regel ohne Ausnahme gefaßt ist. Aehnliche Laute erhallen ähnliche Zeichen. Obwohl phonetische Schreibung Grundsatz ist, so kann jegliche Rechtschreibung ohne Schwierigkeit berücksichtigt, jedes Fremdwort, jeder Eigenname mit größter Leichtigkeit geschrieben werden. Alle Stamm- und betonten Silben werden ungekürzt, Vor- und Nachsilben, Artikel, Hilfszeitwörter, sowie ca. 50 Begriffs- worter gekürzt bezeichnet. Drei Regeln ergeben fast unbegrenzte Kürzungsreihen. Bei schnellschrifllichen Aufnahmen wird in der Regel ohne wettere Kürzungen gearbeitet, im Bedarfsfälle zu Auslaut- knrzungen gegriffen. In Folge des folgerichtigen Aufbaues auf einfachen sprach- und schriftwissenschaftlichen Grundsätzen und vermöge der dadurch bedingten Einfachheit und leichten Erlernbarkeit eignet sich Rollers System für alle Kreise des deutschen Volkes^und wie kein anderes zur Einführung in die Elementarschule. e>eine practische Verwendbarkeit ist glänzend erwiesen. Das System ist in 5 fremde Sprachen übertragen." Mr können hinzusügen, daß dieses Kurzschriftsystem letzt auch auf Russisch und Französisch angewendet ist.
- Die Urgeschichte des Menschen nach dem heutigen Stande derWissenscvaft. VonDr.MorizHoernes. (Mitüber300Abbildungen im Texte und 20 ganzseitigen Illustrationen.) A. Hartlebens Verlag, Wien, Pest und Leipzig. In 20 Lieferungen a 50 Pf. Dieses Welk, dessen Erscheinen nunmehr bis zum 5. Hefte fortgeschritten ist, saßt die Ergebnisse langer, fruchtbarer Arbeiten auf dem Gebiete der ältesten menschlichen Culturstufen in ein farbenreiches, fesselndes und imposantes Gemälde zusammen. Der Laie erkennt mit Ueverraschung die hundertfachen Beziehungen, welche sich von der Urgeschichte der Menschheit in unsere hochentwickelte Civilisation, in unser persönliches Leben und unsere tägliche Umgebung hinein fortsvinnen. Der Werth der Urgeschichte zeigt sich hauptsächlich darin, daß sie uns die tiefere Erklärung der Geschichte und damit auch der Gegenwart an die Hand giebt. Neben diesem hohen Ziele verfolgt die Darstellung den practischen Zweck, dem Leser, welcher durch zufällige Funde, durch de - Besuch prähistorischer Sammlungen ober durch die Betrachtung größerer, im freien Terrain erhaltener Denkmäler angeregt, über Entstehung und Bedeutung. Zeititellung und cultnrgefchichtllcken Zusammenhang solcher Ueberreste Belehrung sucht, diese im reichsten Maße und in wissenschaftlich gesicherter Weise darzubieten. Deshalb schweift der Blick des Urgeschichtsforschers unausgesetzt Über die aauze Erde, sucht überall das Aehnliche aus und verschafft sich Gewißheit über die Ursachen und das Fortwirken jeder Erscheinmw die der primitiven Entwicklung der Menschheit angehört. So wird es ihm möglich, alle Einzelheiten, die den Laien so oft befremden und durch ihre Wunderlichkeiten entweder abstoßen oder anziehen, als wohlverstündliche ©lieber in einem großen Ganzen zu zeigen nnd näher zu bringen. Jedes Land hat seine prähistorischen Alter- thumer; Jedermann begegnet ihnen entweder im freien Felde, in der Literatur oder im Museum. Diese Dinge sieben uns räumlich ebenso nahe, als sie uns zeiiltch fern liegen. Der Patriotismus, das Interesse, welches mir an der Vorzeit unseres Landes und unseres Volkes nehmen müssen, gebietet uns, auch zu diesen Zeugnissen einer fernen Vergangenheit Stellung zu nehmen. Schon die erste, ans reiner Neugier aufgeworfene Frage: Gehören diese Alterlhümer des
heimischen Bodens unserer eigenen Nation ober einer Vorläuferirr derselben an? — stellt uns vor eines der interessantesten Probleme der Urgeschichte. Zeigt sich bann, baß das Volk, welchem wir selbst angehören, damals noch in ganz anderen Erdräumen hauste, eine ganz andere Cultur besaß, so wird man fragen: wer waren jene Vorgänger? wo sind sie hmgekommen? wann und wo hat unser eigener Stamm diese Wohnsitze erreicht? wo lebte er früher? Auf alle diese Fragen findet die Urgeschichtsforschung Antwort an der Hand der prähistorischen Archäologie und der vergleichenden Sprachwissenschaft.
Verkehr, Land- und Volkswivthschaft.
Bekanntmachung.
Aufschrift der Postsendungen.
Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimmungsort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei find namentlich folgende Punkte zu beachten:
1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichstgenauanzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an derselben Stelle der Aufschrift, nämlich unten rechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge.
1. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbezirk (0., N., NO. rc.), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der Ortsbezeichnung .Berlin" zu vermerken.
1. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich ober ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamen im Post' verkehr als maßgebend anzrrsrhen sind, ergibt sich aus bem „21er«- zeickmiß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zu» Preise von 10 Pf. durch Vermittelung jeder Reichs-PostanstalL bezogen werden farm.
4. Wenn der im ReichS-Postgebnt belegene Bestimmmrgso.t zivar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber mcht als all > gemein bekannt anzunchmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sich die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des politische,^ Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. ro.), in welchem der Besinn mungsort belegen ist, ober auch bie Angabe von größerenFl ü sse n [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) rc.j, ober von Gebirgen l(Harz), (Riesengebirge) zc.). Nicht minder sind zusätzliche 23e- zeichuungen, wie ((Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.j für den Zweck geeignet.
5. Auf Postiendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diesenige Post, anstalt anzugebkn, von welcher aus bie Bestellung ber Senbung an ben Empfänger bewirkt werben bez. die Abholung erfolgen soll.
S. Denn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Postgebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch dar, betreffende Land bez. der Laudestheil auf der Sendung anzugeben.
Die Beachtung dieser Punkte wirb zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunst der Sendungen an den Empfänge: wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendunaen hiernach aenau anrufertiaen.
Für die Armen
zu Hunderttausenden aus Rußland vertriebenen Juden nehme ich meine Zuflucht zu den mildthättgen Herzen unserer Stadt mit der Bitte mir Geldunterstützungen für dieselben zukommen lassen zu wollen, die ich mit herzlichem Danke entgegennehmen und an das für deren Auswanderurig thätige Comite nach Berlin schicken werde, Rabbiner Dr. Levi.
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