Ausgabe 
14.6.1891 Zweites Blatt
 
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Nr. 135

Der Hirße»rr A«zei-er erschenit täglich, mit Ausnahme de- Montag».

Die Gießener Wamitteußtätter «erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Sonntag den 14. Juni

1891

Kichener Anzeiger

Henerat-MnzWger.

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Aunahm» »on Anzeigen zu der Nachmittag» für den -Alqenven Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

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pflichtet sind.

Außerdem hat uns die Spar- und Leihkasse anstatt des früheren kleinen Betrags von 200 Mk. nunmehr einen

Hauptlehrer Hug den Unterricht im Bauzeichnen und der Bauconstructionslehre,

Barthel den Unterricht im freien Handzeichnen und Modelliren,

Dr. Molly den Unterricht in der darstellenden Geo­metrie, ,

Gerhardt den Unterricht im geometrischen Zeichnen und Freihandzeichnen, Carle den Unterricht im maschinellen Zeichnen, Altvater den Unterricht in der angewandten dar­stellenden Geometrie, Kalbfleisch den Unterricht im Rechnen und deutscher Sprache.

Zuschuß von 1000 Mk. gewährt, wofür ich auch hier noch­mals unserem Danke Ausdruck gebe.

Dazu kommen dann als weitere Erhöhung unseres- Budgets die bereits in meinem vorjährigen Berichte erwähnten 500 Mk., um welche die Stadt den uns aus städtischen Mitteln gewährten Zuschuß dankenswerther Weise erhöht hat.

Durch diese reichere Dotirung sind wir nunmehr in die Lage gekommen, an den schon so lange erstrebten weiteren Ausbau der Schule gehen zu können, dem ernstlich näher zu treten uns bisher die Unmöglichkeit abhielt, einen weiteren, während des Winters seine ganze Zeit der Schule widmenden Lehrer austellen zu können und wir denken dies in der Weise zu tbun, daß wir, wie bei den größeren Winterbauschulen unter ungeänderter Erhaltung der Sonntagschule einen vollständigen zweijährigen Cursus für die Werktagschule ein- sühren, in welchem dann sämmtliche Einzelfächer, die bisher in das constructive Zeichnen nur theilweise eingeschoben wurden, während des Winters in besonderen Unterrichtsstunden gelehrt, andere bis jetzt überhaupt nicht vertretene Fächer dem Lehr­plan neu eingefügt werden.

Es wird uns hoffentlich möglich werden, bis zum Beginn des Wintersemesters diese Neuorganisation ins Leben zu rufen, bei der, nachdem uns die erforderlichen Geldmittel zur Ver­fügung sind, als die beiden wesentlichsten Punkte noch zur Erledigung verbleiben: die Gewinnung einer geeigneten tüchtigen Lehrkraft und die Beschaffung der genügen­den Schulräume.

Der Mangel ausreichender Schulräume steht der Ent­wicklung der Schule tatsächlich hindernd im Wege, trenn er auch allerdings mehr bei der so sehr zahlreich besuchten Sonntagschule als bei der Werktagschule empfunden wird.

Für erstere genügen die Lehrzimmer überhaupt nicht, um alle Schüler unterzubringen und wir mußten zu Anfang dieses Semesters Schüler aus Mangel an Raum zurückweifen und die am Unterricht theilnehmenden sind so aufeinander­gedrängt, daß sie den zum Zeichnen erforderlichen Raum nicht in genügendem Maße haben. Die einzelnen Zimmer find für die Schülerzahl der einzelnen Klaffen viel zu klein, wodurch die vorhandenen Lehrkräfte in sehr unvorteilhafter Weise zersplittert werden.

Außerdem fehlen aber vollständig die noch sonst für die Schule erforderlichen Räumlichkeiten- unser für die Bibliothek verfügbarer Raum ist so sehr beschränkt, daß unsere schönen und kostbaren Jllustrationswerke in den Schränken schwer erreichbar aufeinander gehäuft sind und Die Möglichkeit, in den Schullocalitäten selbst etwas nachzuschlagen oder nach­zulesen, kaum vorhanden ist.

Die für den Unterricht nöthigen Modelle sind so schlecht und eng untergebracht, daß sie vielfach Noth leiden.

Wir geben uns der Hoffnung, daß dieser unserer Woh- nungsnoth in nicht ferner Zeit abgeholfen werde, mit um so mehr Berechtigung hin, als verehrliche Stadtverordneten- Dersammlung ihr Interesse an unserer Schule in letzterer- Zeit ja mehrfach bethätigte; hoffentlich wird dieser Nothstand mit Vollendung der neuen Knabenschule beseitigt werden können, was allerdings schwerlich schon mit Beginn des Wintersemesters der Fall sein wird.

Seitens Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein wurden wir im verflossenen Jahre, wie früher, durch Ueberlaffung werthvollen Unterrichtsmaterials an Vorlagen und Musterzeichnungen ausgiebig unterstützt wie auch der Herr Präsident und Generalseeretär dieser Stelle zu einer Revision und Prüfung der Schule dieselbe besuchten.

Des weiteren erfolgte die Ablage der Rechnungen des Gewerbvereins sowie der Handwerkerschule, die nach Prüfung durch zwei Mitglieder des Vereins in Ordnung befunden und bezüglich deren dem Rechner Decharge ertheilt wurde. Der Bericht schließt mit dem Ausdruck des Dankes an die Herren Lehrer für ihre Wirksamkeit an der Schule und an den Herrn Rechner für seine Bemühungen.

Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl für das statutengemäß mit Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres ausgeschiedene Drittheil des Vorstandes wurden gewählt refp. wiedergewählt die Herren O. Bergen, Professor Buchner, L. Heyligenst aedt, F. Habenicht, L. Petri III. und F. Schiele, an Stelle des durch seine Versetzung von hier während des Jahres ausgeschiedenen Herrn Dr. Dietz wurde Herr L. Petri II. gewählt.

Ein von Herrn Hauptlehrer Hug gestellter Antrag wegen Erbauung eines Schulgebäudes für die erweiterte Haudwerkerschule wurde in der modificirten Form ange­nommen, daß eine Commission ernannt werden solle, die zu.

Brdenttiche Hsnpivkrsammlung des Srtsgewerb- vereins in Gießen.

Die ordentliche Hauptversammlung des hiesigen Orts- gewerbvereins fand am 1. Juni statt. In derselben wurde zunächst von dem Vorsitzenden Herrn A. H e ß der Jahres­bericht über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, fowie über den derzeitigen Stand und die Wirksam­keit der erweiterten Handwerkerschule erstattet, den wir in seinen wesentlichen Theilen hier mittheilen:

Jahresbericht für das Jahr 1890/91.

Den Bericht über die Lage und die Thätigkeit unseres Vereins, den ich Ihnen satzungsgemäß in der Hauptversamm­lung zu erstatten habe, pflege ich damit einzuleiten, daß ich Ihnen Mittheilnngen über den Personalbestand der Mitglieder des Vereins wie desVorstandes mache und ich bin in diesem Jahre in der angenehmen Lage, Ihnen ganz besonders Erfreuliches bezüglich dieser statistischen Verhältnisse berichten zu können.

Nachdem unser Verein feit einer langen Reihe von Jahren in seiner Mitgliederzahl nicht vorgeschritten war, haben wir seit meinem letztjährigen Berichte die sehr wesent­liche Vergrößerung desselben um ea. 70 Mitglieder, d. i. um mehr als 50pCt. des vorjährigen Bestandes zu ver­zeichnen.

Neben der regen Thätigkeit des Vereins in der letzten Zeit, sowie den von ihm veranstalteten interessanten Vorträgen im verflossenen Winter haben wir diesen erfreulichen Zuwachs ohne Zweifel vorzugsweise der über den Verein und seine Wirksamkeit belehrenden und mahnenden Schrift zu verdanken, die unser Vorstandsmitglied, Herr Direetor Bergen, an­läßlich deS 50jährigen Bestandes des Vereins verfaßte und die wir dann, begleitet von einem Ersuchen, demselben beizu­treten, an eine größere Zahl hiesiger Einwohner verschickten, von welchen wir glaubten annehmen zu dürfen, daß sie sich für die Bestrebungen des Vereins intereffirten. Wir haben dabei wieder die nicht'neue Beobachtung gemacht, daß es oft nur eines birecten Anstoßes bedarf, um Viele zu veranlassen, sich bei etwas zu betheiligen, was sie zwar gerne fördern, dem sie aber, ohne diese birecte Anregung, boch fremb ge­blieben sein würden.

Herrn Bergen sei für diese erfolgreiche Förderung des Vereins unser wärmster Dank ausgesprochen.

Immerhin muß es noch unser Aller Bestreben bleiben, solche Bekannte, die dem Verein noch nicht angehören, die ihm aber nach ihrer Thätigkeit oder ihrer Stellung angehören sollten, bei jeder geeigneten Gelegenheit anzuregen, demselben beizutreten - beim noch immer stehen wir in unserer Mitglieder­zahl gegen die meisten anberen (Stabte bes Laubes verhältniß- mäßig zurück unb namentlich fehlen noch sehr viele ber jüngeren Hanbwerker unb Gewerbtreibenben unter unseren Mitgliebern unb grade diese könnten mannigfache Vortheile in ihren geschäftlichen Beziehungen ans der Angehörigkeit zum Gewerbverein ziehen.

In der Zusammensetzung des Vorstandes trat durch die vorjährige Generalversammlung eine Aenderung insofern ein, als in denselben die Herren Universitätsamtmann Dr. Dietz und Spenglermeister C. A. Faber neugewählt wurden, von welchen wir indeß den ersteren durch seine Versetzung von hier zu unserem Bedauern sehr bald wieder verloren.

Was dieWirksamkeitdesOrtsgewerbvereins als solchen zunächst abgesehen von der Handwerker- schule betrifft, so bestand dieselbe in erster Linie in der Veranstaltung einer Anzahl öffentlicher Vorträge von hohem Interesse- es waren dies die Experimentalvorträge des bekannten Eleetrotechnikers Herrn A. Egts über verschiedene Anwendungen der Electrieität, sowie dessen Vortrag über Fernsprechwesen und Fernsprechapparate. Dieselben erregten so großes unb allgemeines Interesse, baß wir bafür ben größten verfügbaren Raum, ben Saal in Steins Garten in Anspruch nehmen mußten. Entgegen unserer sonstigen Hebung erhoben wir zur theilweisen Deckung ber bebeutenben Kosten derselben von ben bem Verein nicht zugehörigen Besuchern der Vorträge ein kleines Eintrittsgelb. Demungeachtet nahmen dieselben unsere Kasse in einem über unser Budget hinausgehenden Maße in Anspruch - wir dürfen indeß für wirklich bedeutende Vorträge auch außergewöhnliche Kosten nicht scheuen, denn einestheils ist es wie ich bereits im vorigen Jahresbericht zu bemerken mir gestattete besser, ganz wenige, recht vorzügliche Vorträge zu veranstalten, als viele von geringem Interesse, und anderntheils ist es gar nicht leicht, wirklich geeignete und für einen größeren Kreis belehrende Vorträge zu finden, so vielfach auch die

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| chratisöeikage: Gießener IaimtienMtter

Die Schüler der Abendschule wurden im Einklänge mit Unterricht der Fortbildungsschule in einem dreijährigen Cursus, die Schüler der Sonntag- und Tagesschule in einem zweijährigen Cursus unterrichtet.

Soviel über den derzeitigen Zustand unserer Schule, welchem ich noch einige Bemerkungen über deren Aus­sichten und Erwartungen für die nächste Zu­kunft, sowie über die beabsichtigten Erweiterungen anzu­schließen habe. Ich theile Ihnen hier zunächst mit, daß es uns gelungen ist, eine abermalige, nicht unbedeutende Erhöhung der Subvention der Schule aus Staatsmitteln zu erwirken. Der Beitrag für die erweiterte Handwerkerschule aus Großh. Hauptstaatskaffe ist uns mit Beginn dieses Finanzjahres um 1400 Mk. erhöht worden, sodaß derselbe nunmehr 7100 Mk. beträgt- ich hatte s. Z. der Großh. Staatsregierung resp. der Central­stelle darzulegen gesucht, daß wir, um unseren Aufgaben gerecht werden zu können, eine Vermehrung des staatlichen Beitrags um 1500 Mk. nöthig hätten und es ist uns auch der erbetene Mehrbetrag bis auf 100 Mk. gewährt worden, wofür wir Regierung und Ständen zu lebhaftem Danke ver-

Anerbietungen von Leuten sind, die das Vortraghalten geschäfts­mäßig betreiben.

Unsere reichhaltige Bibliothek wurde in gewohnter Weise ziemlich eifrig benützt, doch möchten wir wünschen, daß noch mehr Gebrauch von ihr gemacht würde- denn es ist ein so reicher Schatz von Belehrung und Vorbildern in den vielen schönen Jllustrations- und Vorlagewerken, sowie den Muster­zeichnungen der Bibliothek enthalten, daß dessen Benutzung von viel Anregung und Werth für zahlreiche Gewerbtreibende insbesondere für Schreiner, Deeorationsmaler, sowie namentlich das Kunstgewerbe sein könnte. Ebenso wurden, wie in früheren Jahren, mannigfache Anfragen seitens einzelner Gewerbtreibender gestellt und durch den Hauptlehrer der erweiterten Handwerkerschule erledigt.

Indem ich uns auf den gegenwärtigen Stand, sowie die vorjährige Wirksamkeit unserer erweiterten Hand­werkerschule in ihren Beziehungen zum Gewerbverein, dessen wesentlichste Thätigkeit ja in ihr liegt, übergehe, darf ich vorausschicken, daß wir auf deren Entwicklung und Leistungen im vergangenen Jahre mit aller Befriedigung zurücksehen können.

Die Zahl unserer Schüler war eine sehr be­trächtliche und gegen das Vorjahr wieder vergrößerte, sodaß es uns recht schwer wurde, alle in unseren Schulräumen unterzubringen. Sie betrug:

in der Sonntagschule 205 Schüler,

Abendschule 60

Tagesschule im Wintersemester 30

desgl. im Sommersemester 16 ,,

Summa 311 Schüler.

Ein sehr beträchtlicher Bruchtheil dieser Zahl kommt aus den umliegenden Ortschaften.

Was das Lehrerpersonal betrifft, so trat keine Veränderung unter den seit einer langen Reihe von Jahren an der Schule mit erfreulichem Erfolge wirkenden Lehrern ein, wohl aber eine Vermehrung der Lehrkräfte. Nachdem, wie bereits in meinem vorjährigen Berichte erwähnt, wir durch die große Zahl der an dem eonstructiveu Zeichnen theilnehmenden Schüler veranlaßt worden waren, mit Beginn des Wintersemesters 1890/91 einen weiteren Lehrer, speziell für das maschinelle Zeichnen anzunehmen, wurde zu Beginn dieses Schuljahres 1891/92 eine neue Theilung durch die bedeutende Zunahme der Schüler unabweisbar und gewannen wir eine neue tüchtige Lehrkraft an Herrn Bautechniker Altvater, dem vorzugsweise die angewandte darstellende Geometrie überwiesen wurde.

Es ertheilen nunmehr: