Einzelbild herunterladen

Berlin, 12. März. Eine» Telegramm desBerliner Tageblatt" auS Bagamoyo zufolge trifft Wißman» von der Expedition nach dem Kilimandscharo morgen in Baga- moho ein.

Berlin, 12. März. DerReichsanzeiger" meldet, daß Minister vonGoßler auf sein Ansuchen vom Amte ent­bunden worden sei unter Belaffung des Titels und Ranges eines Staatsministers und unter Verleihung des Sterns der Wroßcomthure des Hohenzollern'schen Hausordens. Ferner publieirt das Blatt die Ernennung des Herrn v. Zedlitz - T rutsch le r zum Cultusminister und die Ernennung des Herrn v. Wilamowitz-Moellendorf zum Oberpräsi- denten von Posen.

Berlin, 12. März. Den BerlinerPol. Nachr." zufolge wird dem neuen Oberpräsidenten von Posen das Amt des Vorsitzenden der Ansiedlungscommission nicht übertragen, viel­mehr soll eine andere Organisation der Ansied­lungscommission eintreten, worüber die Erörterungen bereits schweben.

Die heute früh constatirte geringe Besserung Windt- horfts hat tagsüber angehalten, das Bewußtsein ist klar, die Kräfte sind befriedigend. Der Papst spendete Windt« horst telegraphisch seinen Segen, Cardinal Rampolla fügte die besten Wünsche für dessen Wiedergenesung bei. Gegen Abend wurde Graf Conrad Prey sing zum Kaiser nach dem Schloß beschieden, um über den Zustand Windthorsts zu berichten. Abends 6 Uhr traf die Tochter Windthorsts ein. Der Kranke konnte sich mit derselben längere Zeit unterhalten.

München, 12. März. Der Landesfestzug anläßlich des 70. Geburtstages des Prinzregenten war sehr glänzend. Es befanden sich in ihm etwa 4000 Teilnehmer mir etwa 400 Fahnen, 100 reichverzierte Equipagen, zwanzig Musikcorps, ebensoviel mit landwirthschastlichen Emblemen malerisch ausgestattete Wagen mit Hunderten der originellsten Volkstrachten aus dem gelammten Staate. Viele Tausende bildeten Spalier. Die Landesdeputationen und Vertreter der Städte begaben sich in das Residenzschloß, um Glückwünsche und Geschenke darzubringen, die der Prinzregent huldvollst entgegennahm.

München, 12. März. An dem Festessen im Rath­haussaale nahmen die Minister und die auswärtigen Gesandten Theil. Prinz Ludwig toastete auf das Wohl Bayerns; Bayern ginge stets mit Kaiser und Reich und werde auch so weiter gehen. Abends fand vor dem Schlöffe Serenade und Fackelzug statt. Der Prinzregent sandte dem Minister­präsidenten Crailsheim ein Handschreiben, worin er für die dargebrachten Huldigungen und Glückwünsche Allen wärmstens dankt.

München, 11. März. Der Prinzregent richtete heute Rachmirtag an den Ministerpräsidenten Crailsheim ein längeres Dankschreiben für die Glückwunschadresse des Gesammtministe- riums, das besagt, er nehme mit Befriedigung wahr, daß bem Ministerium gemäß feinen landesväterlichen Absichten die Wahrung der ideellen und materiellen Interessen des bayerischen Volkes am Herzen liege. Bayern nehme mit der aufrichtigsten Bnndestreue stets den regsten Antheil an den Ausgaben des Reiches. Die freundschaftlichen Beziehungen zu den aus­wärtigen Staaten seien fest begründet. Im Lande mehre sich ber innere Friede. Was zur Ausgleichung der socialen Gegensätze möglich sei, werde vom Staare gerne vorgekehrt und unterstützt. Die Kirche walte, von der Versaffung ge­schützt, ihres heiligen Amtes, die Parität werde gewahrt; Wissenschaft, Landwirthschaft, Industrie und Handwerk, die finanzielle Lage und das Heer seien in sehr befriedigenden Zuständen und steter Weiterentwickelung. Er wünsche die Grundsätze, die zu dem Allen geführt, von der Regierung such ferner beibehalten zu sehen und habe volles Vertrauen zu der gesammten Staatsverwaltung. Er wolle solches ver­öffentlicht wiffen.

Wien, 12. Marz. Durch die gestrigen Reichsraths­wahlen wuchs die Zahl der Deutschliberalen^, aus 106, der Deutschnationalen auf 18, der liberalen Italiener auf 4. Die Parteibilanz steht nunmehr endgiltig fest: Deutschlibe­rale: Verlust 11, Gewinn 9; Deutschnationale: Verlust 4, Gewinn 4; Katholischconservative: Verlust 3, Gewinn 2; Antisemiten: Verlust 3, Gewinn 7.

Paris, 12. März. Die inbirecten Einnahmen im Februar überstiegen den Voranschlag um Fr. 5 400 000 und betragen 9 Millionen mehr als 1890.

Der argentinische Gesandte theilte der Regierung mit, daß die Telegraphen-Telephoncompagnie von Laplata der internationalen Telegraphenconvention bei- getreten ist.

Paris, 12. März. Nach einer Meldung aus Arras nahm ein Theil der strikenden Arbeiter in den Gruben bei Brnay heute Morgen die Arbeit wieder auf.

London, 12. März. Die durch Schnee unterbrochen gewesenen Verbindungen mit den Grafschaften Devonshire und Cornwall sind seit heute wieder hergestellt. Der Sturm richtete großen Schaden an. Bei Darthmouth sind zwei Schiffe gescheitert, sechs Personen werden vermißt, bei Start Point scheiterte die von Liverpool nach Valparaiso gehende BarkDryad". Die ganze Besatzung (24 Mann) ist er­trunken. Jnsgesammt sind gegen 60 Personen durch Stürme «mgekommen, viele Fischerfahrzeuge werden vermißt.

London, 12. März. Nachrichten aus Chile berichten von einem hartnäckigen Kampf mit einem für die Congreß- partei siegreichen Ausgang. Uruguay soll feine Vermittlung angeboten haben.

London, 12. März. Der Kriegsminister Stanhope kün­digte an, die Regierung werde sich dem Projecte Sir Edward Reeds in Betreff der Erbauung einer Rohreifenbahn Unter dem Canal widersetzen.

Rom, 12. März. Der Herzog von Aosta (der 21jährige Neffe des Königs), vom Schießübungsplatze bei NettNno znrückkehrend, erlitt durch Scheuwerden seines Pferdes

eine leichte Verletzung an der linken Schulter- er nahm je­doch, hierher zurückgekehrt, an der königlichen Tafel Theil.

Washington, 12. März. Der Staatssecretär ist benach­richtigt worden, daß die Regierung von Guatemala mit der Cosmos-Dampfergesellschaft einen Vertrag für die Gründung einer Dampserlinie zwischen den Häsen von Guatemala und Hamburg abgeschloffen hat. Die Abfahrten sollen monatlich stattfinden.

Berlin, 12. März. Ueber den Zustand Windthorsts lautet ein Vormittags 10*/2 Uhr ausgegebenes Bulletin: Während der Nacht mehrstündiger erquickender Schlaf. Puls und Temperatur weiter heruntergegangen. Das Allgemein­befinden ist besser.

totales rrrrd jpromnsicllcs,

Gießen, 13. März.

Sitzung bet Stadtverordneten vom 12. März. An­wesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Keller und Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Georgi, Grüneberg, Habenicht, Heyligenstaedt, Jughardt, Keller, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schwall, Schop- bach, Simon, Dr. Thaer und Wallenfels.

Das Gesuch des Herrn I. Boller um Erlaubniß zum Wirthschastsbetrieb (in den vom Gesuchsteller erworbenen Häusern Nr. 53 und 55 an der Bahnhofstraße) wird der seitherigen Uebung entsprechend, bei Fortsetzung bereits be­stehender Wirthschaftsbetriebe die Bedürfnißfrage zum Aus­schank von Branntwein zu bejahen, befürwortet. Das Ge­such des Herrn A. Noll II. um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße wird mit 6 gegen 6 Stimmen nicht befürwortet. Diese Entscheidung entspricht dem Anträge der Commission. Großh. Polizeiamt hatte mit Rücksicht da­rauf, daß die Geschäftsführung des Gesuchstellers einen Miß­brauch der etwa zu ertheilenden Concession zum Zweck des Ausschanks ausschließe, die Entscheidung dem Stadtvorstand anheimgegeben, wogegen die Commission für ihren Antrag die Ansicht geltend machte, daß lediglich die Frage, ob ein Bedürsniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße vorliege oder nicht, maßgebend für einen Beschluß sei. Für die hier in Frage kommende Gegend (Haus Bahnhofstr. 51) liege, da eine Anzahl nebeneinander befindlicher Wirthschasten und Spezereigeschäfte mit Branntweinverkauf vorhanden, ein Bedürsniß für eine weitere Verkaufsstelle nicht vor. Die , Gesuche der Herren Fr. Textor, Wilh. Gail und P. I. M ö b s um Erlaubniß zur Aufstellung von Dampf­kesseln in ihren Betrieben werden nicht beanstandet. Das Gesuch der Firma Kauffmann & Co. um Erlaubniß zur Stockwerks-Aussetzung auf ein in Fachwerk ausgeführtes Lager­haus wird, nachdem es in voriger Sitzung an die Baudepu­tation zurückverwiesen worden, nicht genehmigt bezw. dem Deputationsantrage beigetreten, nach welchem ein auf Erthei- lung eines Dispenses von den dem Gesuch in seiner jetzigen Form entgegenstehenden baupolizeilichen Bestimmungen zu richtendes Gesuch befürwortet werden könne. In demselben Sinne wird bezüglich des wiederholt gestellten Gesuches des Herrn Eberhard Fenster beschlossen, der einen bewohn­baren Stockwerksausbau in Fachwerk auf seinem theilweise abgebrannten Nebengebäude errichten will. Herrn E- H- Müller soll auf Gesuch für die Straßenauffüllung vor den von ihm erbauten Häusern in der Schillerstraße die übliche Vergütung, 1 Mk. pro Cubikmeter, insgesamt 483 Mk. 50 Psg., gewährt werden. Nach Anlage des von der Grünberger Straße nach der Schmall'schen Bleiche entlang dem Garten des Herrn H. Vogt führenden Fußweges hat Letzterer Anspruch auf Ersatz des Schadens erhoben, der dadurch verursacht wurde, daß infolge der im Verhältniß zur Lage des Gartens erhöhten Anlage des Weges das Spalier nebst dahinter angepflanzten Zwergobstbäumen beschädigt worden. Stadtbauamt wie Baudeputation haben die Berechtigung des Anspruches anerkannt und beschließt deshalb die Versammlung Bewilligung eines Ersatzes in Höhe von 270 Mk., welcher Betrag den Kosten entspricht, die die Errichtung einer Futter­mauer, auf welcher ein Spalier errichtet werden kann, ver­ursacht. Herr Carl Huhn hat um Abänderung der am Eingänge zur Rittergasse befindlichen Straßenrinne der Markt­straße nachgesucht. Gesuchsteller begründet sein Gesuch mit dem Hinweis auf die Erschütterungen, denen seine Wagen in­folge der tief eingeschnittenen Gosse ausgesetzt feien. Die Baudepntation hat Verflachung der Gosse nach der Ritter- gaffe hin empsohlen. Es wird antragsgemäß unter Bewilligung der auf 30 Mk. veranschlagten Kosten beschlossen. Zur Erwerbung eines in die Flucht der Liebigstraße fallenden und zum Ausbau derselben nöthigen, an der Ostseite der Ludwigstraße liegenden Geländetheiles von 750 lUMeter wird Genehmigung ertheilt. Die in der Sitzung vom 5. Febr. angeregte Anschaffung eines dritten Schneeschli11ens wird, nachdem die Baudeputation im Interesse der schnelleren Räu­mung der Straßen dieselbe empfohlen, genehmigt. Die zur Abfuhr des Composts nach den städtischen Wiesen erforderlichen Kosten im Betrage von 312 Mk. werden be­willigt. Als Sachverständige zur Ueberwachung der behufs Vertilgung der Blutlaus erlassenen Verordnungen wer­den die seither thätigen Mitglieder der Commission, die Herren Fr. Helfrich, Chr. Haubach I., Gg. Conrad Simon und Carl Steinberger wiedergewählt. DieBefreiung der untersten Steuerklassen von der Gemeinde­steuer" hat die Stadtverordneten-Versammlung schon in einer früheren Sitzung beschäftigt. Bekanntlich wurden in einer Zu­schrift der Bürgermeisterei Mainz die größeren Städte des Großherzogthums zur Unterstützung eines Antrages an die Großh. Regierung ausgesordert, der dahin ging, die untersten Stusen der Gemeindesteuer von der Entrichtung derselben zu befreien, ohne daß damit eine Beeinträchtigung in den staats­bürgerlichen Rechten der Betreffenden herbeigeführt würde. Die darauf folgende Berathung des Antrages auf dem Städte­tage, auf welchem die Stadt Gießen durch Herrn Oberbürger­meister G n a u t h vertreten war, ergab zwar daS Einverständ-

niß mit der Steuerbefreiung selbst, nicht aber bezüglich der vollständigen Wahrung der politischen Rechte. Besonders machte der Abgeordnete für Darmstadt auf den entstehenden Widerspruch aufmerksam, wenn den Angehörigen der untersten Gemeindesteuerklassen A, B und C, d. h. denjenigen, die ohnehin von der Entrichtung von Staatssteuern befreit sind, auch nach Eintritt der Befreiung von Gemeindesteuern die politischen Rechte gewahrt würden, während z. B. die Steuer­pflichtigen der 1. Stufe der Staatssteuer (Einkommen von 5600 Mk.) von der Berechtigung zur Wahl ausgefchloffen würden, wenn sie sich mit einem oder zwei Zielen im Rüch- stande befänden. Der Vertreter Offenbachs empfahl, falls dem Mainzer Anträge nicht im Prinzip zugestimmt würde, demselben in der Praxis dadurch zu entsprechen, daß man eine umfassendere Niederschlagung nicht eindringlicher Ab­gaben dieser Steuerstufen eintreten lasse. Was die Zahl der für Gießen in Betracht kommenden Steuerpflichtigen der Stufen A, B, C (Einkommen bis zu 300, bezw. 300400, bezw. 400500 Mk.), den jährlichen Steuersoll derselben, die Summe der uneinbringlichen bezw. zwangsweise beizutrei­benden Abgaben und die daraus entstehenden Kosten betrifft, so machte Herr Oberbürgermeister Gnauth folgende Mit- theilungen: In den vorbezeichneten Klassen A, B, C befinden sich 265 Steuerpflichtige mit einem Steuersoll von 448 Mk. Von diesem Ansätze mußten 373 Mk. executorisch beigetrieben, 218 Mahnungen und 166 Psandbesehle erlaffen werden, was einen Kostenaufwand von 88 Mk. 20 Psg. veranlaßte. Um festzustellen, von welchem Werthe die Wahrung der politischen Rechte im Falle eintretender Steuerbefreiung ist, wurden auch Erhebungen bezüglich des Geschlechts der Steuerpflichti­gen dieser Klassen angestellt, nach denen sich ergab, daß unter den 265 Steuerpflichtigen sich nur 27 Männer befinden. Die Finanz-Commission hat hiernach die Befreiung der Steuer­stufen A, B und C empsohlen und zwar unter Verzicht auf den im Mainzer Anträge enthaltenen Vorbehalt wegen Wah­rung der politischen Rechte. Die Versammlung beschloß im Sinne dieses Commissionsgutachtens.

Akademische Vorträge. Von dem gestern Abend gehaltenen Vortrage des Herrn Professors Dr. Schmidt geben wir eine kurze Scizze, da das behandelte ThemaTunis und Algier" ein allgemeines Interesse beansprucht. Der Vortrag begann mit dem Hinweise daraus, daß die genannten Länder noch heute durch ihre Fruchtbarkeit, ihre landschaftlichen Reize, öle Eigenart ihrer uneingesessenen Bewohner sich auszeichneten. Ungeheuer sei ferner ihr Reichthum an Inschriften, sodaß im Jahre 1880 sogleich nach Herausgabe eines Bandes afrikanischer Inschriften mit 1100 Nrn. die Inangriffnahme eines Supple­mentbandes sich als unumgängliches Bedürsniß herausgestellt habe. Nach Wilmanns Tod sei ihm (dem Vortragenden) die Weiterführung der betreffenden Arbeiten übertragen worden. Zu diesem Behuse habe er im Ganzen zwei längere Reisen unternommen, deren Zielpunkte der Redner im Einzelnen genau aufzählt. Aus der zweiten Expedition sei er leider 80 Meilen südlich von Tunis an der Malaria erkrankt. Im Allgemein e n characterisirt Herr Professor Schmidt sodann das Land als sehr fruchtbar, und namentlich an Weizen, Gerste, Oliven, Orangen und Granaten ergiebig. Heerden gediehen in üppiger Fülle. Eine gewisse Grasart, die zum Flechten verwandt werde, finde sich schon in dem vo» ihm herausgegebenen Fragment eines diocletianischen Edictes er­wähnt. Ebenso kämen u. a. Tamarinde und Ricinus vor, weich' letzterer das Oel zum Schmieren von Maschinen und Nädern liefere. Der Ackerbau, der für die Einwohner überaus wichtig fei, hänge sehr von Wind und Wetter ab. In Bezug auf die ökonomische Lage könne man nichts Allgemeingültiges sagen. Wirkliches Elend treffe man kaum, wiewohl die französische Occupation dem Lande geschadet habe. Von den Franzosen hätten die Eingeborenen zunächst nur die Laster und Schimpf­wörter übernommen. Aus seine specielle Mission eingehend betont der Vortragende, daß seine Arbeit vor allem auch eine starke Constitution erfordert habe und daß er eben deßwegen auf gute Nachtlager besonders hätte sehen müssen. Diese seien dreierlei Art gewesen. Zunächst habe er zweimal in soge­nannten Cafes übernachtet, die ihm aber das legiousweise auftretende Ungeziefer rasch verleidet hätte; 50 (!) Wanzen habe er einmal abgelesen. Die Bettler, an die der Redner bei dieser Gelegenheit erinnert, hätten dort die Sitte, den gütigen Gebern dadurch zu danken, daß sie dieselben vermittels mitgeführter Kohlengluth beweiräucherten. Ebenso unerträglich wie die Cafes sind dem Redner gewisse dort übliche, mit Dünger und Stroh bedeckte Hütten als Herbergen gewesen, ebenfalls wegen des Ungeziefers. Umsobesser erfüllten die Beduinenzelte diesen Zweck, mit deren Erkundung und Beschreibung einen Beitrag zur Wissenschaft geleistet zu haben er sich schmeicheln dürfe. Denn die geringeren Forscher achteten dergleichen nicht, bedeutendere aber, wie Maltzahn, hätten die Mühe der Untersuchung gescheut. Die Zelte bestünden an§ wasserdichtem Kamelgarn, mehrere lägen gewöhnlich zusammen. Im Innern seien sie in zwei Theile getrennt: eine Hälfte für Frau und Kinder, eine andere für die Gäste. Ihn (Redner) habe es nicht genirt, einmal in feiner nächsten Nähe zwei mit Blattern über und über bedeckte Knaben zu sehen; Aehnliches fei er vom Feldzuge gewöhnt. Gleich nach der Ankunft werde zunächst den Pferden Gerste gereicht; für das Gepäck sorgten die Diener. Dann beginne eine harmlose Unterhaltung mit den Männern. Die Frauen müßten alle Arbeit verrichten, sogar die Zelte aufstellen. Ihre Tracht bestehe aus einem auf beiden Seiten bis zur Hüfte offenen Kleide - die kleineren Kinder gingen nackt: so abgehärtet sei die Race. Umgekehrt steckten manchmal die Männer ihre bloßen Beine in's offene Feuer, um sie zu wärmen. Die Weiber trügen Ketten und Ringe, das letztere auch junge Knaben. Tättowirung einzelner Körpertheile sei eine allgemein cingesührte Sitte. Ein einigermaßen wohlhabender Mann besitze 3 bis 4 Frauen und 10 bis 12 Kinder. Die Frau nehme eine ganz unwürdige Stellung ein, schon in ihrer Jugend lerne sie nicht wie die Knaben. Die Hausthiere, Hunde und Katze seien verwildert und hartschlägig. Die Männer machten mit ihren