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14.2.1891
 
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Nr. 38

Samstag den 14. Februar

1891.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

ttebaction, fjpebrew- mtb Druckerrt:

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^rrnürrecher 51

dierrNjähKi^k« Xlew*e*<etsyt<tr*>, 2 Mark 20 Psg.

Brmgrrloh«. Durch sie Poft bez^ -, 2 Mark 50 Pf,

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»rrttn brin Anzeiger «Lchenklich dreimal bei^elegt.

Der Hw« ZwzeiOer nffchttnt tSglich, *M Ausnahme bei Montags.

Amts- uttb Anzeigeblatt fih? den Kvei« Gieren

«^na(atc von Anzeigen zu der Nachmittags für den ArrtfislvtftT Alle Annonun-Bureaux deS In- und Lu-laude» nehmn

^n>d,n Lag erscheinenden Nummer bis »arm. lO Uhr. tpHUlSmiagC. AaMlUeNvlKIier. Anzeigen für den Gießener Anzeiger- entgegn

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Aintlichev Theil.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat Januar 1891 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen:

Hafer 16.30, Heu 6.30, Stroh 4.70.

Gießen, den 12. Februar 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Nerzeste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Berlin, 12. Februar. Se. Majestät der Kaiser nahm gestern bei einer dem Cultusminister ertheilten Audienz einen Band mit Verhandlungen der höheren Unterrichtsconferenzen entgegen; die Vertheilung des Werkes an die Betheiligten und an das Publikum wird nunmehr sofort erfolgen. Zu dem morgen unter Theilnahme Sr. Majestät des Kaisers bei dem Reichskanzler stattfindenden parlamentarischen Diner sind außer dem gesammten Vorstande des Reichstags und des Directors Knack geladen ; die Abgeordneten Ackermann, Douglas, Hartmann, Saldern, Mantenffel, Helldorf, Wiß- berg, Zorn v. Bulach,Weyrauch, Stolberg, Baumbach, Kardorff, Adelmann, Hitze, Wendt, Huene, Kwilecki, Gebhard, Buhl, Fenstel, Windthorst, Conrad, Preising, Prinz Arenberg, Marquardsen, Meyer (Berlin), Rickert- ferner Minister Bötticher, Kaltenborn, die Staatssecretäre Stephan, Maltzahn, Marschall, Hotlmanu, Rossi, Eulenburg, Lucanus und andere distinguirte Persönlichkeiten.

Berlin, 12. Februar. Zu dem heutigen Diner zu Ehren des Kaisers bei dem Botschafter Her bette waren 33 Personen geladen, darunter Caprivi und Marschall. Der Kaiser, in der Uniform der Leibhusaren, traf um 5 Uhr ein. Die Kaiserin wohnte dem Festessen nicht bei. Bei dem Diner saß Madame Herbette zwischen dem Kaiser und Prinz Heinrich, ihnen gegenüber Herbette mit der Prinzessin Heinrich.

Berlin, 12. Februar. DerReichsanzeiger" theilt mit, daß die Schutztruppe in Dentschostasrika dem Reichs- marineamt unterstellt ist. Der Bedarf sei aus absehbare Zeit gedeckt, da Offiziere und Unteroffiziere in beträchtlicher Zahl vorgcmerkt seien.

Berlin, 12. Februar. DerReichsanzeiger" meldet: Der Kaiser beauftragte den Staatssecretär Bosse mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Bereiche der Justiz­verwaltung.

Ein kaiserlicher Erlaß vom 22. Januar genehmigt die Ausnahme einer dreiprocentigen Anleihe von 50,479,291 Mk. für Zwecke des Reichsheeres, der Post- und Telegraphenverwaltung auf Grund des Gesetzes vom 5. Juli 1890. Ein weiterer kaiserlicher Erlaß setzt die Zinstermine für die auf Grund der Erlasse vom 7. September 1889, 17. März, 17. September 1890 und 22. Januar 1891 zu begebenden Anleihe aus den 1. April und den 1. October fest.

Berlin, 12. Februar. Die Patentcommission des Reichstags nahm die Gesammtvorlage einstimmig an und beschloß, daß die Novelle einheitlich in das bisherige Patent­gesetz hineinzuredigiren sei. Als Einführungstermin wurde im Einverständniß mit der Regierung der 1. October 1891 festgesetzt.

Der heutigen Versammlung zur Berathung der Frage der Arbeiterwohnung en wohnte auch Minister Ber­lepsch bei. Nach einem Referate des Herrn Bensch über ein von ihm ausgearbeitetes Project der Einfamilienhäuser in den Vororten wurde eine zustimmende Resolution ange­nommen und ferner die Mittheilung der Bestrebungen an den Kaiser beschlossen.

Die erste Raumvertheilung für die deutsche Aus­stellung in London findet am 25. Februar statt. Auch Londoner Agenten sind zugelassen- wenn sie deutsche Maaren ausstellen.

Paris, 12. Februar. Der hier weilende Ep-König Milan von Serbien läßt gegenüber den Meldungen der Zeitungen, daß sein Sohn, König Alexander, an einer chronischen Krankheit leide, formell für unbegründet erklären.

Brüssel, 12. Februar. Die fünfte Section der Kammer lehnte mit 11 gegen 8 Stimmen den Antrag auf Ver- fassungsrevision ab, vier Mitglieder enthielten sich der Abstimmung- die vierte Section verwarf den Antrag mit 8 gegen 6 Stimmen. In zwei Sectionen sprachen sich die Mitglieder der Rechten gegen die der Linken für die Ver­fassungsrevision aus.

Lissabon, 12. Februar. Das Amtsblatt beginnt mit der Veröffentlichung zahlreicher, dem Könige aus dem ganzen Königreiche zugegangener L o y a l i t ä t s k u n d g e b u n g e n an­läßlich der Zwischenfälle in Oporto.

Die Truppen für Mozambique wurden bei der Einschiffung sympathisch begrüßt. Die Ordnung wurde nirgends gestört.

Liverpool, 12. Febr. Zweitausend Dockarbeiter haben heute die Arbeit eingestellt. Der allgemeine Strike scheint unvermeidlich.

Belgrad, 12. Februar. Die Meldung verschiedener Blätter, daß der radicale Club über die Ausweisung der Königin Natalie berathen oder einen Beschluß darüber gefaßt habe, wird in Deputinenkreisen mit allen daran ge­knüpften Folgerungen als vollständig erfunden bezeichnet.

Madrid, 12. Februar. Auf dem Banket der Re­publikaner unter dem Präsidium Salmerons sprach sich dieser zu Gunsten der Errichtung einer gemäßigten Republik aus; er glaubt, die Folge des allgemeinen Stimmrechts werde der Triumph der spanischen Republik sein, nicht durch Revo­lution, sondern durch Entwickelung. Verschiedene Bankette wurden auch in den Provinzen gehalten. Ruhestörungen kamen nirgends vor.

Petersburg, 12. Februar. Wie im livländischen Gou­vernement, so ist nunmehr auch in sämmtlichen Stadt-Ver­waltungen des kurländischen Gouvernements der Gebrauch der russischen Sprache vorgeschrieben. Den der russischen Sprache unkundigen Stadtverordneten ist es einstweilen ge­stattet , bei den Debatten sich einer anderen Sprache zu bedienen.

Petersburg, 12. Februar. Zu der heutigen großen Truppenparade erschien Erzherzog Franz Ferdinand in der Uniform feines Bugschen Dragonerregiments und ritt an der Seite des Kaisers die Truppenfront ab. Die Haltung der Mannschaften war trotz des Schneegestöbers vorzüglich. Alsdann sand im Winterpalais ein Dejeuner statt, wozu die Chefs der Paradetruppen und eine Deputation des Bugschen Dragonerregiments befohlen waren. Der Kaiser toastete aus den Erzherzog und dieser auf den Kaiser.

Konstantinopel, 12. Februar. Der frühere Botschafter in London, Musurus Pascha, ist heute hier gestorben.

Newyork, 12. Februar. Die Newyorker Handelskammer faßte eine Resolution, welche besagt, daß die freie Silber­ausprägung zu bekämpfen sei, so lange nicht eine Ver­einigung mit anderen handeltreibenden Mächten erzielt sei. In einem Schreiben spricht sich der frühere Präsident Cleve­land ebenfalls gegen die freie Silberausprägung aus.

Newyork, 12. Februar. Die nationale Vereinigung der Bergarbeiter in den Vereinigten Staaten beschloß in einer Versammlung zu Columbus (im Staate Ohio), daß alle Ar­beiter am 1. Mai den Achtstundentag fordern sollen.

Locales tmfc Provinzielles.

Gießen, 13. Februar.

Landwehr-Hebungen. Es sollen nunmehr auch die Landwehrleute ersten Aufgebots mit dem neuen Gewehr 88 ausgebildet werden und zwar in zwei Abteilungen, die erste in der ersten Hälfte des Monats März und die zweite in der ersten Hälfte des Monats April. Außerdem sollen hierzu

Fenilletsn.

Der einzige Sohn.

Novelle von I. Bonnet.

(Nachdruck verboten.)

Die Gesellschaften, welche der Gcncraldirector der ... Güter ein paar Mal im Jahre gab, gehörten zu den'Ereignissen in der kleinen Stadt. Wer einige Tage vorher zufällig da zu thun hatte, dem gellten bald die Ohren. Wohin er auch kam, in jedem Laden, in jedem Haufe hieß cs:Wissen Sie denn schon? Große Festlichkeit bei Generaldirectors!" Und Jedes konnte an den Fingern abzählen, was sich dabei zu­tragen würde. Der Förster hatte das und das Wild zu liefern, der Fleischer schlachtete ganz besonders dafür, der Conditor bot alle Feinheiten für Eis und Torten auf, der Bäcker backte mit zarter Ueberlegung, der Gärtner hatte alle Hände voll zu thun, das ganze Städtchen befand sich so zu sagen in mitgesühlvvller Erregung. Es war eins von jenen glücklichen Städtchen, dessen drei- bis viertausend Einwohner noch ein Herz für einander haben, wo jedes in des Nächsten Kochtopf guckt und in des Nächsten Beutel Bescheid weiß wie die Katze auf des Nachbars Dach, und wo, was in einem Hause sich begibt, in sämmtlichen anderen wiedertönt wie auf einem Resonnanzboden.

Und nun gar solch Ereigmß bei Generaldirectors! Man mußte sich unter die Erde schämen, wollte es das heimtückische Geschick, daß man ohne Einladung gerade am Tage der Fest­lichkeit nach der Stadt kam, das war das reine Spießruten­laufen.Sie sind gewiß bei Generaldirectors?" hieß es hier.Sie wollen gewiß auch zu der großen Gesellschaft!" schallte es da.Wir sehen uns wohl heute Abend?" mit nichtigem Augenzwinkern-ah, Sie gehören auch zu den

Glücklichen!" Ueberall so, wo man ging und stand. Es war geradezu furchtbar, ein Unglück, eine Schande, nicht auch da­bei zu sein. Man stürzte sich in den Wagen, peitschte auf die Pferde, nur fort, nur fort! Am Ende der Hauptstraße war noch das Schrecklichste zu bestehen, da trat mit der Sicherheit einer Uhrpuppe, wenn cs voll schlägt, der Con­ditor, durch das Rädergeraffel angezogen, weißbeschürzt vor die Thür und lächelte höhnisch, wenn der betreffende Wagen statt herein, zur Stadt hinausfuhr. Und der Mensch war ein Dichter, wie allbekannt, er dichtete den Mond und die Sterne an, er besang die Welt, die er in der Ferne beim Kuchenteig gesehen, und machte gelegentlich Knittelverse mit anzüglichen Anspielungen, die ebenso wie feine zarten Ergüsse natürlich jofort allgemeines Stadteigenthum wurden. Er war das poetische Weltgericht innerhalb des städtischen Weichbildes und noch etwas weiter.

Uebrigens hielten sich die Festlichkeiten des General­directors, so hübsch sie waren, immer in gewissen Grenzen. Auf einem anderen größeren Schauplatz würden sie kaum beobachtet worden sein. In unserem Städtchen hingegen richtete das Oeffnen einer Weinflasche sogleich eine Erschütte­rung der Zungen an, die für unbefestigte Gemüther gefährlich war. Dazu kam das bedeutende Ansehen des Wagner'schen Hauses. Es erhob sich gleichsam in eine höhere Welt vor den Augen der Kleinstädter. Was da geschah, galt als maß­gebend. Auch die Hausgenossen bis auf das Gesinde hinab schienen um Kopfeslänge hinausgerückt über die anderen Menschen im Orte. Ihnen ward leicht nachgesehen, was sonst nicht vergeben ward.

Der Generaldirector selbst und seine Frau waren von Haus aus bescheidene und liebenswürdige Menschen. Ihnen lag es fern, sich etwas herauszunehmen oder ungebührliche Ansprüche zu machen. Sie ließen auch jedem seine Weise

und mochten ihrer Umgebung den Stempel des eigenen Seins nicht aufdrücken. Immer gefällig, immer nachgiebig, wenn es ja einmal einen Zwiespalt geben wollte, immer heiter, sorg­los und genußfroh lebten sie, im Wunsche, unbehelligt z« bleiben, so wie sie andere gehen ließen, angenehm hin.

Sie bewohnten ein altertümliches Haus, das zur Herr­schaft gehörte und den NamenSchloß", den es führte, eigent­lich nicht verdiente. Mit einem anderen langen Gebäude, zwischen dem und ihm das gewölbte dunkle Thor gewisser­maßen eine Scheide bildete, war es in eins gebaut. Dort befanden sich die Bureaus, während hier die Familie des Güterdirectors die beiden Stockwerke inne hatte. Vor dem Schlößchen erhob sich eine Art Rampe, die zu einer Treppe emporstieg. Diese war oben balkonartig eingerichtet, über­dacht und mit wildem Wein dicht überzogen, so daß sie für die Familie einen artigen Platz für den Nachmittagskaffee hergab.

Der Blick von da war ein erfreulicher. Geradeaus führte er in den Park, wo uralte Baumgruppen mit lichten Rasenplätzen angenehm wechselten. Nach rechts aber, wo ein Auslug durch die dickten Weinranken geschnitten war, traf er auf blinkendes Wasser, das, drüben von Rohr und Ge­büsch eingefaßt, ein Bild der lieblichsten Ruhe bot, wenn bei stiller Luft der Sonnenschein seinen Flimmer darüber warf.

Heute war große Gesellschaft. Aus der Stadt und vom Lande kamen die Gäste, und sie kamen gern, nicht blos, weil es als ein Vorzug galt, eingeladen zu sein, sondern auch weil die Gastgeber es ihnen äußerst angenehm zu machen ver­standen. Der Generaldirector mit seiner wohltönenden, ans frohestem Herzen schallenden Stimme und seinem lauten, ge­mütlichen Lachen, entfernte von vornherein alle Steifheit und Geziertheit. Seine gute Frau mit ihrem behaglichen Kichern