Ausgabe 
14.1.1891
 
Einzelbild herunterladen

ckktßvNM.

WM -----s*tti*$kt. "1 fc«7®«® L -u vemiethrn.

- Eelterswea 67.

3 Ltmmrr nebst «57 , ?^S.elpsad 1.

Gründliche Wohning zu

Ms-

V "tp

? Qualität $ 6

*Ä-

*ÄL

Aer-Lel

*

W-

Selm Orbifl|177

Marktplatz i.

t» EteiM«s«^ E.. Staut mtt totiüt ®fc «? solider junoer Mann

-Lmmer Sabtnet thetl- allein).

Wcstanlage Nr. 3.

inMg mit WerkstStte jx Dammstraße S.

aMn mit tzotzi? zu ver-

ilaet, KMMahe 18.

scht Arqeigm.

äjt leittete Äfietrttt nmt n Hamd»r-er Si-anm -stel»u.t-e-e«1i0-M. r hshe Prsvifio«.

link * Samars.

Der

G-KmiKtt.

ihtte CettliUI«/

Wit.ndlSüiwferte-»«.

LW»dkA"nm>

rt)H4«i8 «n» st-ms.

Bfljecw» für lettÄtttett- [tif41praftlf4eMtitm8 ffnÄÄ-n SuftttUn- eut Prtttz 1 4 *0 *

Die

Dekla«atl0Ee»

Ache D-rtk-gt

Nr. 11 Mittwoch den 14. Januar .1891

Der frWMX *<qdg« erscheint täglich, mit AuSnshmr des Montag«.

Die Gießener

werde« dem Lnzeiger ^Schrntlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

8ifrte(läl)rxgct ASannementsprei»» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohtr.

Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expeditlos und Druckerei:

-ch«tftraße Ar.», Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Giefzen.

I chrattsöeikage: Gießener IlamikienMtter

H»WWMMMWWMWWWW^WW>W»M>WWmPMMWMMr«mWMWMMM»m>WWWMM>WWW»»WWWWWW>M

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes ach«« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme »0« Anzeigen zu der Nachmittag» für deu folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

Maul- und Klauenseuche zu Langsdorf betreffend.

Nachdem die in zwei Gehöften zu Langsdorf ausgebrochen gewesene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, heben wir die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aus.

Gießen, den 9. Januar 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, am 10. Januar 1891.

Betr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung, hier die Vorlage von Baugesuchen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land» gemeinden de- Kreise-.

Nachdem sich im verfloffenen Jahre bei Erledigung von Baugesuchen infolge der vielfach erforderlichen ordnungsmäßigen Feststellung der Baufluchten wiederholt lästige Verzögerungen für die Baulustigen ergeben haben, empfehlen wir Ihnen, im lausenden Jahre auf eine möglichst frühzeitige Vorlage der in Aussicht stehenden Bauprojette durch diesbezügliche ortsübliche Bekanntmachung hinzuwirken.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Er wird hiermit zur öffenttichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittetten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat December 1890 für den Liejerungsverband Gießen pro 100 kg betragen;

Hafer <X 16., Heu 6.30, Stroh 5.30.

Gießen, den 10. Januar 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Kaspar Eisenbach zu Gießen hat die Concesfion als Dienstmann mit der Nr. 10 erhalten.

Gießen, den 12. Januar 1891.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 12. Januar, lieber den am Samstag stattgefundenen H 0 sball melden dieNeuen Hess. Bolksbl." : Der am Samstag im Großherzogl. Alten Palais stattgefun­dene Hosball war einer der glänzendsten seit vielen Jahren. Es waren über 350 Gäste anwesend, insbesondere waren die Familien der inländischen Standesherren zahlreich vertreten. Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Alix bot in einfachem weißen Ballkleid mit rosa Federn im Haar eine überaus reizende und aumuthreiche Erscheinung. Alle die zahleichen glänzenden und geschmackvollen Toiletten der Damen zu beschreiben, ist uns ganz unmöglich, doch sei es uns gestattet, hier nur zwei derselben zu erwähnen, da dieselben allgemeines Aussehen er­regten. Es waren dies Freifrau v. Sch. z. Sch., welche in einem weißen altgriechischen Costume eine wahrhaft hoheits­volle Erscheinung bot, sodann Freifrau v. H. z. H. in einer weißen Tüllrobe, welche ganz und gar mit lebenden Veilchen­bouquets garnirt war. Aus der linken Schulter trug die Dame als auffallenden Schmuck vier Orden, darunter das hessische Verdienstkreuz und das Eiserne Kreuz, welche sie sich durch aufopfernde Pflege im Jahre 1870/71 erworben, und aus der rechten Schulter eine Diamantagraffe von ungewöhn­licher Größe, dazu einen Brillantschmuck, der seine Reflexe weit in den Saal warf und die Bewunderung aller Kenner erregte. Seine Königl. Hoheit der Großherzog betheiligte sich sowohl an den Rund- als den Contre-Tänzen und Seine Königl. Hoheit der Erbgroßherzog, sowie Prinz Albert von Schleswig-Holstein zeigten sich als flotte und unermüdliche Tänzer. Nach 2 Uhr war das glänzende Fest zu Ende.

Berlin, 12. Januar. Die wiederholt ausgetauchte und ebenso oft als unbegründet erklärte Nachricht von einer be­vorstehenden zeitweiligen Uebersiedelung des Prinzen Heinrich von Preußen nach Berlin soll sich doch bewahr­heiten. Es heißt, daß Prinz Heinrich seinen kaiserlichen Bruder in der Repräsentation unterstützen und zugleich in der allgemeinen Staatsverwaltung thätig sein solle. Die Ueber­siedelung des Prinzen von Kiel nach der Reichshauptstadt wird schon für die nächste Zeit in Aussicht gestellt.

Ausland.

Paris, 12. Januar. Das Ministerium besitzt noch keine offieielle Meldung über die von verschiedenen Blättern ge­meldete Verhaftung Padlewskis, dieselbe scheint sich jedoch zu bestätigen. Die letzten Nachrichten melden über ein Interview im Gefänguiß, wonach der Verhaftete sein Verbrechen zugebe und erklärte, er habe Seliverstow aus

Rache ermordet und sei dann über Dijon nach Spanien ge­langt, wo er sich in Bareelona, Saragossa und Carthagena aushielt, er verweigerte jedoch die Angabe, wer ihn aus der Flucht begleitet habe.

Madrid, 12. Januar. Der Präseet von Gerona sprach telegraphisch die Ueberzeugung aus, daß die in Olot verhaf­tete Person Padlewski sei.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphische» Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 12. Januar. DerReichsanzeiger" eonstatirt auf Grund des jetzt vorliegenden, von dem Geschworenen­gericht zu Wadowiee gegen die galizischen Auswande­rungsagenten ergangenen Erkenntnisses, daß es wesent­lich der Pflichttreue und dem Eifer der preußischen Grenz­beamten zu danken gewesen sei, daß überhaupt die schmachvollen Oswicimer Vorgänge aufgedeckt und die Schuldigen zur Ver­antwortung gezogen worden seien. Es scheine geboten, dies vor der Oeffentlichkeit sestzustellen, um die schweren Angriffe zurückzuweisen, die man gegen die Ehre der preußischen Be­amten erhoben habe.

Berlin, 12. Januar. Die freisinnige Partei hat auf Anregung des Reichstagsabgeordneten Barth beschlossen, bei dem Reichstag die Aushebung des Einfuhrverbots gegen amerikanischen Speck und Schinken zu beantragen.

Spandau, 12. Januar. Der Vormittags im Maschinen­schuppen des Hamburger Bahnhofs entstandene Brand wurde von dem Bahnhofpersonal schnell bewältigt. Der Schaden ist unerheblich.

Stettin, 12. Januar. Nach Mittheilung der Abend­blätter Grifft der Kaiser morgen früh in Swinemünde ein, um die Eisverhältnisse des Haffs zu besichtigen. Hier em- getroffene Schiffe melden große Eisstauungen; die Durchfahrt des Haffs sei schwierig.

Braunschweig, 12. Januar. Der Landwehrverein des Großherzogthums beschloß die Errichtung eines Denkmals für den Herzo g Wilhelm von Braunschweig.

Malchin, 12. Januar. Das Schloß Basedow ist, wäh­rend der Graf Hahn in England weilt, heute durch eine Feuersbrunst zerstört. Ein Theil der Bibliothek und der Gemälde ist gerettet.

Prag, 12.Januar. Gestern sand zu Ehren der deutsch- böhmischen Abgeordneten ein Commers statt. Der deutsch-nationale Abgeordnete Bendel brachte einen Toast aus, in dem er hervorhob, die Deutschen Oesterreichs würden immer festhalten an der geistigen culturellen Gemeinsamkeit

Lenilletoii.

Unter der Erde.

Novelle von Zoö 0. Neuß.

(Fortsetzung.)

Die Kränze waren gebunden, das Orakel konnte befragt werden. Die Erste, welche den Kranz emporwarf, war wieder Trina. Er blieb richtig an einem regelrechten Aste hängen, der sich wie ein Arm aus der grünen Blätterumhüllung des Baumes hervorstreckte. Jauchzen, Jubel und Händeklatschen begrüßte ihn von unten aus dem Munde der zuschauenden Dirnen, während Trina selbst verschämt die Augen niederschlug.

Nun bist Du an der Reihe, Anna," sagte sie endlich, der Kameradin Platz machend.

Anna zögerte indessen ein unbestimmtes Gefühl hielt sie anscheinend davon ab, gegenwärtig das Orakel um ihre Heirathsaussichten zu befragen. Sie hatte viel Aerger, Ver­druß und Herzeleid gehabt in letzter Zeit und war überhaupt nur Trina Tienken zum Gefallen zum Johannistanz gegangen. Felix Liebe hatte sie eine Zeitlang sehr angenehm um­schmeichelt, und süße, mädchenhafte Liebesträume wachgerufen, aus denen sie bei ihrer Unschuld und gänzlichen Mangel an Welterfahrung sehr unangenehm erweckt worden war. Das war nicht so schnell zu überwinden . . . Dazu sürchtete sie den Spott der Burschen und Mädel.

Aber gerade die Kameradinnen ließen ihr keine Zeit zur Ueberlegung. Von allen Seiten gedrängt, gab sie nach und schleuderte den Kranz, den sie ohne bestimmte Absicht mit ihnen gebunden hatte, auf den Baum. Er glitt schnell wieder herab.

Die Schadenfreude war zu groß, um sich verbergen zu Hassen. Wozu auch sich Zwang anthun besonders der hochmüthigen Anna Harras gegenüber, die einfältig genug zewesen war, zu glauben, daß sie der Sohn des Commerzien-

raths zu seiner Frau machen werde? Selbst die Spottdrossel lachte höhnend vom Eichbaum herab, aber doch nicht laut ge­nug, um das Hohngelächter unten zu übertönen. Nur die kecke Trina behielt Geistesgegenwart zur Abwehr. Während Anna verstummte, hob sie den Kranz in die Höhe, blickte ihn prüfend an und sagte tröstend zu Anna, indem sie ihn ver­ächtlich den Burschen ins Gesicht schleuderte:Kein Wunder, daß er heruntergekommen ist Du arme Dirn hast Männer­treu in Deinen Kranz gebunden . . . Komm hinweg!"

Am liebsten wäre Anna gleich heimgegangen, aber das gab Trittchen wieder nicht zu.Du wirst doch nicht davon­laufen, gelt? 's ist der blanke Neid, daß sie unsereinem auf­sässig sind. Zeig ihnen die Zähne!"

Daß sie dies Kunststück gut verstand, empfand auch Gustav Nedderson, ihr Liebhaber, der für seine Theilnahme am Strike zu büßen hatte, der der Verwirklichung ihrer Heirathspläne keineswegs förderlich gewesen war.Ich freie keinen Mann mit leeren Taschen- das Hochzeithalten irn Herbst laß Dir nur vergehen, trotz des Kranzes. Wofür ist so etwas? Nur damit die Sparbüchse leer wird, die bis zum Herbst just voll gewesen wäre zum Heirathen! Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen! Merke Dir's für ein ander Mal. Erst kommt der Lach-Kant*) und dann der Wein-Kant, just ganz wie beim lieben Brode. So gehts! . . . Das Kranzwerfen gilt auf ein Jahr vor Ostern bekommst Du meines Vaters jüngste Tochter nicht ins Haus. . . . Mein Tänzer magst Du bleiben!"

Damit mußte sich der junge Bergmann zufrieden geben, vorläufig wenigstens. Im Stillen hoffte er freilich, daß fein resoluter Schatz das letzte Wort noch nicht gesprochen hatte. Das zeigte am besten die Eifersucht, die Trina jedesmal be­fiel, wenn der Bursche Miene machte, mit einer anderen Dirne zu tanzen. Nur ihrer Freundin trat sie ihren Tänzer ab, leihweise, um die betrübte Dirneaus den Platz zu

*) Der Ausschnitt und das Endstück deS Brodes.

bringen". Leider aber ohne Erfolg. . . . Die vielumworbene Anna Harras saß heute wieangefroren" Niemand, Nie­mand kam, um sie in die Reihe der Tanzenden zu führen. Das Orakel hatte die Mißachtung, die sie sich durch ihren dummen Hochmuth" zugezogen hatte, zum Ausdruck gebracht und sollte Recht behalten. Mutterseelenallein saß sie auf ihrer Bank, zurückgesetzt, mißachtet, vergessen.

Nur Einer hatte sie nicht aus den Augen verloren. Immer wieder schielte Hermann Wildhagen zu ihr hinüber. Manchmal trafen ihn ihre schönen blauen Augen wie in stummer Bitte und dann dünkten sie ihm fast wie die feuchten Blaublümelein zu sein, wenn die Bachwelle darüber hinweg zittert. Endlich konnte er nicht mehr widerstehen wahr­lich, es war auch genug der Strafe. Mit kurzem Entschluß trat er aus seiner Ecke hervor, um sie zu holen.

Da ganz von ungefähr trat Bernhard Kahlsen an Anna Harras heran. Mit kühnem Griff und vor aller Leute Augen warf er den Musikanten eine Handvoll neuer Markstücke in die Aeste der Eiche hinaus daß sie ihr Ziel nicht erreichten, that nicht viel, es war ihm nur um das Protzen. Im nächsten Augenblicke hatte er Anna schon um­faßt und tanzte keck mit ihr in den Reigen hinein drei­mal, viermal rings um die Linde, so flott, daß die anderen Tänzer auseinanderstoben. Dann führte er sie aus ihren Platz zurück, blieb aber bei ihr stehen, wie angenagelt.

Hermann Wildhagen knirschte in leidenschaftlicher Wuth laut mit den Zähnen. Vor dem Windhund hatte er sie glücklich behütet- nun kam vielleicht der Wolf, um das Schäflein zu holen. Er schalt sich, daß er der Zurücksetzung des Mädchens so lange unthätig zugesehen, ja, ihr in Aerger und Verdruß die Mißachtung gegönnt hatte. Nun war sie abermals für ihn verloren. Denn Bernhard Kahlsen hatte niemals ein Hehl daraus gemacht, daß ihm die Anna bester als jede andere gefalle, und daß er sie zur Frau wollte. Und Geld schien er auch vollauf zu haben, mehr als jeder andere, obgleich Niemand wußte, woher es ihm kam. Allerdings hatte