Ausgabe 
13.9.1891 Zweites Blatt
 
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Es ist kein Kunststück, gutes, wohlschmeckendes Brod herzustellen, wenn die richtige Zeit des Gährungs-Processes wahrgenommen, der entwickelte Zuckerftoff festgehalten, das nöthige Salz beigegeben, der Teig gut verarbeitet und das Brod in entsprechender Reife in einem entsprechend geheizten Backofen gut ausgebacken wird.

Prüfet Alles und das Beste behaltet!

totales uns provinzielles.

Gieße», 12. September.

Ordeusverleihuugeu. Se. Königl. Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigft geruht: am 18. August dem Rechner Karl Heidt zu Friedberg das Allgemeine Ehren­zeichen mit der InschriftFür 50jährige treue Dienste" zu verleihen.

Das am 10. September ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 28 enthält die Verordnung, die Errichtung einer Ministerialabtheilung für Eisenbahnwesen betreffend.

Gerichtliche Zeuge» dürfen nur für wirkliche Erwerbs- versäumniffe sich entschädigen lassen. Es wird das nicht immer genügend beobachtet, kann aber eventuell schlimme Folgen haben, wie das jetzt wieder in Düsseldorf vorkam. Dort verurtheilte das Schöffengericht einen begüterten Rentner, der als Zeuge bei einer Strafkammer'Verhandlung für Er- werbsversäumniß sich 4 Mark hatte zahlen lassen, ohne in Wirklichkeit etwas versäumt zu haben, wegen Betrugs zu 30 Mark Geldbuße.

Friedberg, 9. September. Einer Einladung zufolge wird der Gesangverein Liederkranz bei der 25jährigen Jubelfeier des KölnerSängerkreises" und dem damit ver­bundenen Internationalen Gesangwettstreit vom 12. bis 16. September durch eine Deputation, bestehend aus dem Ehrenpräsidenten, Dirigenten und 4 Mitgliedern, vertreten sein.

Aus dem Rodgau, 9. September. In den meisten Ge­meinden unserer Gegend ist man dermalen mit dem Ausdrusch des neuen Getreides beschäftigt. Dabei ergibt sich allerwärts die erfreuliche Thatsache, daß die Frucht nach Menge und Gewicht weit besser ausfällt, als man vermuthete. Für die kürzlich 14 Tage lang im Rodgau mit Verpflegung ein- quartirten Soldaten wird aus der Militärkasse nur die übliche Vergütung von 65 Psg. pro Mann und Tag geleistet. Da jedoch die Verköstigung eines Soldaten um diesen Betrag unmöglich ist, so faßten die meisten Communalverwaltungen den Beschluß, die Entschädigung aus Gemeindemitteln auf 1 Mark zu erhöhen. Einzelne Gemeinden leisten auch 1 Mark 20 Psg., ja sogar 1 Mark 70 Pfg.

Mainz, 9. September. In die Militärmagazine wurden gestern die ersten Ladungen Weizen eingeliefert, die für das neue Kommißbrod, das sogen.Caprivi-Brod", jetzt Verwendung finden sollen und zwar zu einem Drittel Weizen­mehl mit 8 pCt. und zwei Drittel Roggenmehl mit 15 pCt. Kleien-Auszug. Es sind zunächst Probebackungen angeordnet worden, nach deren Ausfall das Kriegsministerium nöthigen- salls eine andere Zusammensetzung des Mischmehls, feft- stellen wird.

Ober-Jugelheim, 8. September. Mehrere Familien aus zwei Dörfern des Selzthales haben Antheile eines zerlegten polnischen Rittergutes angekauft und werden dieselben im Laufe des Winters nach der Provinz Posen übersiedeln.

vermisstes.

* Frankfurt a. M., 10. September. Von Freitag den 11. bis zum 23. September spielt in der Electrotechnischen

Ausstellung die Großh. luxemburgische Militär- capelle unter der Leitung c>es Großh. luxemburgischen Musikdirectors Herrn Kahnt. Der Besuch der Aus­stellung in dieser Woche verspricht unter dem Einfluß der schönen Witterung und des Electrotechniker-Congreffes ein außerordentlich starker zu werden. Die Zahl der abgegebenen Tickets beläuft sich täglich auf 810000. Die laufende Woche dürste den stärksten Besuch seit Eröffnung der Aus­stellung aufweisen.

* Bingen, 10. September. Durch Beschluß des Gemeinde­raths wurde die Schließung der Weinberge auf den 17. l. M. festgesetzt. Es muß noch sehr viel gutes Wetter geben, wenn das Erträgniß einigermaßen zufriedenstellende Qualität haben soll- die Menge fällt jedenfalls gering aus.

* Ein unbeaufsichtigt gelassenes Kind hat kürzlich in Berlin einen schrecklichen Tod gefunden. Die Arbeiter K.'schen Eheleute zu Lanke ließen, um ihrer Arbeit nach­zugehen, das l3/4 Jahre alte Töchterchen unter der Obhut ihrer 9 Jahre alten Schwester zurück. Diese verließ die elterliche Wohnung, nachdem ihre kleine Schwester eingeschlafen war. Als sie nach einiger Zeit zurückkehrte, fand sie die Kleine mit dem Kopfe zwischen der Stuhllehne hängend leblos vor. Das Kind muß versucht haben, zwischen die Lehne des Stuhles, welcher zur Sicherheit vor das Bett gestellt war, hindurch zu kriechen,- hierbei ist der Stuhl fortgerutscht und das Kind mit dem Kopfe hängen geblieben, wodurch es feinen Tod fand.

* Auf das Preisausschreiben des Thierschutzvereins Gera über die Frage:Was ist von den Besitzern, den Thierschutz­vereinen und den Behörden zum Schutze der Ketten- und Zughunde zu thun?" sind neunzehn Arbeiten eingelaufen - bei der soeben stattgefundenen Preisvertheilung erhielten die Arbeiten des Lehrers I. Ziller in Niederhaßlau, des Haupt­lehrers N. Metzroth in Elberfeld und des Lehrers A. Stiemert in Kräsem die ausgesetzten Preise. Außerdem wurden noch die Abhandlungen von Frau Marie Anderßen in Breslau und von F. Rungius in Coburg durch je ein Ehrendiplom ausgezeichnet. Die beste Arbeit wird demnächst als Sonder- schrift erscheinen.

Schiffsnachrichte«,

Der PostdampferPennland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 8. September wohlbehalten in Phila­delphia angekommen.

Der PostdampferWaesland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 9. September wohlbehalten in Newyork angekommen.

Verehr, Land« uitö Polfswirtbfcbafl.

Zur Obsternte. Die Erntezeit für Kern- und Steinobst rückt immer naher heran und erfreulicher Weise bestätigt es sich, daß die Ernte darin fast in allen Thetlen Deutschlands gut ausfallen wird. Die alte Sorge, wie das Obst am besten zu verwerthen sei, tritt jetzt wieder von Neuem hervor und wird um so größer, je reicher der Obstsegm autzfällt. Im Interesse besserer Verwerthung des frischen Obstes geht man jetzt mit der Errichtung von Obstbörsm, auf welchen nach ausgelegten Proben der Früchte verkauft werden sollen, immer mehr vor. Solche haben früher schon z. B. in Erfurt und Hamburg stattgefunden und sind für dieses Jahr auch in Hamburg, Berlin und Frankfurt a. M. in Aussicht genommm. Es eignen sich jedoch nur ausgelesen schöne Früchte zum Frischverkauf und die übrigen können eine bessere Verwerthung nur durch Umwandlung in Dauer- waare oder in Obstwein erfahren. Die billigste und einfachste Art der Umwandlung in Dauerwaare bietet der Dörrbetrieb und zu diesem sind die von dem Amerikaner Dr. Ryder erfundenen Dörr-Apparate bekanntlich schon im Jahre 1887 durch die Deutsche Landwirthschasts- Gesellschaft als die bestgeeigneten bezeichnet und mit den beiden höchsten Preisen preisgekrönt worden. Die mit diesen Apparaten gedörrten Früchte bewahren die Eigenschaften der frischen Früchte

besonders gut. Auch die Bereituna des Obstweines ist sehr einfach uud mtt geringen Kosten durchzuführen. Dazu gehört nur eine Obstmahlmühle und eine gute Obstpreffe. Bei der im vergangmen Herbste gleichfalls von der Deutschen LandwirthschaftS-Gesellschast oorgenommenen Concurrenz Prüfung der Maschinen zur Obstwein- und Weinberettung zu Colmar wurde der erste Preis der Obst- ub> Trauben-PresseHercules" zuerkannt. Diese Presse hat bei einer Füllung mtt 300 Kilogramm Aepfel und, von nur einem Arbeiter bedient, in drei Stunden Preßzeit 188 Kilogramm Most und damit von allen zur Prüfung vorhanden gewesenen Keltern dm höchstm Ertrag an Most geliefert, nämlich 62pCt. der Kelterfülluna. Diese Hercules"-Keltern sowohl, als auch die vorerwähntm Dörr-Apparate, Patent Dr. Ryder, sind Fabrikate der bekanntm Firma PH. Mays art h & Co., Fabriken landwirthswaftlicher Maschinen in Frankfurta.M., Berlin N. und Wien II. Diese Firma hat sich schon mannigfache Verbimste um die vaterländische Landwirthschaft erworbm und nicht das kleinste derselbm bildet gerade die Vervollkommnung der Maschtum und Geräthe zur Obstoerwerthung.

Citeratur uhO Kauft.

AuS dem Inhalt der uns vorliegmdm Nummern des Prs- testarrttscheir beben wir hervor: Der Einödsee.

Ein hugenottisches Heldmpaar. Was der Papst segnet. Schund- literatur. Fromme Weisheit. Unser täglich Brod. Am Fenster. Ein neues Heldmlied. Der hl. Rock zu Trier, rc.

Nr. 32-34 der Wochenschrift Immergrün bltngm zunächst: Der Sonntag und seine Bedeutung für das christliche Volksleben. Um freien Glauben (Fortsetzung und Schluß). Eichkätzchen. Still­vergnügt. Kaiser Franz Joseph. Grüne Blätter. Knospm und Blumen. Hausapotheke, Recepte, Räthsel, Wochenrundschau rc.

Da- neue Buch der Statur. Von A. v. Schweiger- Lerchenfeld. (Mit ca. 400 Illustrationen, darunter zahlreichen Vollbildern.) Wien, Pest und Leipzig. A. Hartlebens Verlag. 1891. In 35 Lieferungen ä 50 Pfg. Später complet in 2 Bändm Groß- octao mtt zusammen 70 Bogen. In den vorliegmdm neuen Liefe­rungen (610) dieses verdienstlichen und anziehmdm naturwiffm- schaftlichen Werkes sind der Pflanzen-Anatomie und Pflanzen- Physiologte eingehende, sehr lichtvolle und durch die Art der Darstellung sehr ansprechende Abschnitte gewidmet. Wer da weiß, wie schwer es ist, die ziemlich verwickelten Verhältniffe von jenen Erscheinungen, die im Pflanzenlebm zum Ausdrucke kommen, dem nicht fachmännisch gebildeten Naturfreunde verständlich zu machm, wird überrascht durch die Art des Vortrages, den der stylgewandte Verfasser anschlägt. Die elementaren Lebmsäußerungen der Pflanzen, ihr anatomischer Bau, Ernährung und Wachsthum, Bewegungs­erscheinungen, die Anpassung der Pflanzen an ihre Lebensbedingungm, die Fortpflanzung und Vermehrung der Pflanzen dies sind in Kürze die wichtigen und hochinteressanten Themm, deren wissenschaft­liche Bedeutung gewiß nicht darunter leidet, daß es der Verfasser vorzüglich verstanden hat, sie dem Laien mundgerecht zu machen. Seltm wohl find die Erscheinungen der Darwinschen Entwickelungs­lehre so leichtfaßlich, schier im unterhaltenden Plaudertone behandelt worden. Wer die Kunst deS Verfassers richtig beurtheilen will, lese beispielsweise aufmerksam den AbschnittAm Wiesen- und Feldraine". Eine Fülle von Thatsachm, die dem ununterrichteten Auge ganz und gar entgehen, wird hier, in Form von Spaziergängen im Freien, sehr anschaulich vermittelt. Blume auf Blume, Aehre aus Aehre wird gepflückt und Alles, was das allgemeine Jntereffe erregt, erläutert. Hier zeigt sich, daß die Welt im Kleinen groß ist.

Zur Erinnerung an Theodor Körners hundertsten Ge­burtstag (23. September) hat die Verlagshandlung derJllnstrirten Zeitung" in Leipzig (I. I. Weber) eine »KSrner Nremmer^ erscheinen lassen. Die schön ausgestattete Nummer mthält neben dem sehr lehrreich und seffelnd geschriebmen Texte eine stattliche Anzahl Bilder aus dem Leben des jugendlichen, im Kampfe für Deutschlands Befreiung auf dem Schlachtfelde gefallenen Dichters. Die erste Seite der Körner-Nummer ziert das BrustbUd Körners, nach einer im Körner-Museum zu Dresden befindlichen Kreidezeichnung von seiner Schwester Emma Körner. Diesem Bilde schließen sich an die Bilder von Körners Eltern und Geschwistern, ein Gratulationsbrief Schillers bei Körners Geburt, Körner als Knabe und sechszehnjähriger Jüng­ling, die Vollbilder: Theodor Körner am Vorabend seines Todes im Herrenhaufe zu Gottsgabe und: Die Lützower ander Leiche Körners, das Körnerhaus in Dresden, Theodor Körners Grab usw. Der Preis dieser wirklich gediegenen Nummer beträgt 1 JL

Grummetgras Versteigerung.

Das Grummetgras von den Wiesen der Gemeinde Klein-Linden soll nächsten Dienstag den 15. September, von Nachmittags 2 Uhr an, an Ort und Stelle versteigert werden.

Der Anfang ist an der Weiher­wiese zunächst dem Ort.

Klein-Linden, 9. September 1891. Großh. Bürgermeisterei Klein-Linden.

Germer. 8089

Bekanntmachung.

Folgende zum Plockischen Hospital- gut gehörigen Grundstücke, als: Fl. XXVI. Nr. 195 1980 Dm Acker am untersten Riegelpfad auf die Gärten,

Fl. XV. Nr. 213 9187 Qm Wiese am Wolfshort,

Flur XXV. Nr. 36 1275 Qm Wiese am Felsgraben in der Gemarkung Wieseck,

Fl. XXV. Nr. 52 3363 Qm Wiese in der Oberlach beim Keffel in der Gemark. Wieseck sind leihfällig und sollen Samstag den 19. September, Bormittags 10 Uhr, auf dem Bureau des Armenamts Zimmer Nr. 6 des Bürgermeisterei- Gebäudes auf weitere 9 Jahre von Martini 1891 bis Martini 1900 verpachtet werden.

Gießen, den 4. September 1891. Die Armendeputation derStadtGießen. Gnauth.

B

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