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Zweites Blatt. Sonntag den 13. September
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1891
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Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Metzen.
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Zur Beachtung für unsere Landwirthe.
Bekanntmachung.
Hauptversammlung des landw. Vereins von Oberhefsen.
Zur diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung des Vereins beehre ich mich, die Mitglieder sowohl, wie alle Freunde der Landwirthschaft auf
Mittwoch den 23. September d. I.,
Vormittags 11 Uhr in Steins Garten zu Gießen hiermit ergebenst einzuladen.
Gegenstände der Verhandlungen werden sein:
1. Der Entwurf eines Reichs-Heimstättengesetzes. Referent: Herr Amtmann Rebel-Gießen.
2. Die Bildung von landw. Verkaufs-Genossenschaften. Referent: Herr Dr. Ullmann-Büdingen.
3. lieber Obstverwerthung. Referent: Herr Landwirth- schastslehrer Reichelt-Friedberg.
Laubach, den 20. August 1891.
Der Präsident des landw. Vereins von Oberhessen: Friedrich Graf zu Solms-Laubach.
Ausschutzfitzung des landw. Vereins von Oberhessen betr.
Der auf Mittwoch den 23. September d. I. anberaumten Hauptversammlung soll um 10 Uhr Vormittags eine Ausschußsitzung vorangehen, zu der ich die Mitglieder einzuladen mich beehre.
Laubach, den 20. August 1891.
Der Präsident des landw. Vereins von Oberheffen: Friedrich Graf zu Solms-Laubach.
Ein alter Bäckermeister schreibt dem „Mainzer Journ.": Die diesjährige Roggenernte liefert leider in den meisten Gegenden Deutschlands nicht den vollen Bedarf für unser Brod, wie wir es zu esien gewohnt sind, ein großer Theil Kornfrucht muß daher — wenn wir uns nicht wirthschastlich einzurichten verstehen — vom Ausland zu hohen Preisen erkauft werden.
Das russische Ausfuhrverbot verbreitet bereits seinen dunklen Schatten und die Treiber und Kornwucherer an den Getreidebörsen lachen sich ins Fäustchen, weil sie glauben, gute Geschäfte zu machen. Der Kornpreis wird Heuer um 8 bis 10 Mk. die 100 Kilo theuerer sein als Gerste, welche gut gerathen ist. Auch der Hafer übertrifft allenthalben im Ertrag die Ernten früherer Jahre. Wir haben also weniger Korn, dagegen mehr Gerste und Hafer. Es wäre daher gerathen, ja, klug und weise, wenn unsere Landwirthe sich dieses Jahr behelfen, ihr Korn zu hohen Preisen verkaufen und sich ihr Brod aus Gerste und Hafer herstellen würden. Wohl ist Gerste für sich allein zum Verbacken etwas rauh und spröde, weil sie gar wenig Kleberstoff besitzt. Das Brod davon wird schneller trocken, nicht wie Kornbrod, das länger die Feuchtigkeit behält. Dagegen würde der Hafer (ein Drittel bis zur Hälfte), mit gemischt und mit der Gerste vermahlen, den Brodteig zäher, elastischer und backsähiger machen und ein ausgezeichnetes, gesundes und kräftiges Brod liefern, das dem Kornbrod an Rahrkrast nicht zurücksteht.
Man wird mir vielleicht entgegnen: „Das wäre ja ein neues Recept? Der Hafer ist für die Pferde." Eine solche Ansicht wäre ein großer Jrrthum. Die Aerzte kennen schon
längst den großen Nährwerth des Hafers und verordnen das Hafermehl häufig für Säuglinge, die der Muttermilch entbehren, zur besseren gedeihlichen Entwickelung und für Schwache und Kranke. Hafer befördert den Knochenbau und gibt dem Körper Festigkeit. Was also hier für diese heilsam ist, das dürste doch ohne weiteres Bedenken auch der erwachsenen Bevölkerung zur Ernährung empfohlen werden.
Da Korn seither unsere gewohnte Brodfrucht gewesen, so wurden Gerste und Hafer für Backzwecke weniger beachtet und blieben außer Uebung. Nur in hohen Gebirgsgegenden wird Haferbrod gegessen, da dort andere Getreidearten selten reifen.
Die Zubereitung des Gerfte-Haserbrodes ist die gleiche, wie die des von Korn erzeugten. Nur möchten wir empfehlen, daß man bei Behandlung des Einmehrens bis zur Teig- bereitung sorgsamer, pünktlicher verfahre, als es leider in mancher Haushaltung geschieht, wo bisweilen die Einmehrung 7 bis 9 Stunden steht und total versäuert, bis endlich der Teig gemacht wird. Das ist ein großer Fehler in der Brod- bereitung, denn die Zuckerbildung geht verloren und die Essigsäure tritt ein, was dem menschlichen Magen nicht zuträglich, sondern schädlich ist.
Das Wasser zum Einmehren darf nicht zu warm genommen werden, da es die Gährung zu sehr beschleunigen würde. Bei richtiger Wärme des Wassers, 20 bis 30 Grad nach Reaumur, je nach der Jahreszeit, hat das „Merschel" bei entsprechendem Zusatz von gesundem Sauerteig in beiläufig 4—472 Stunden feinen Gährungsproceß beendet und die aufsteigenden Bläschen (Gase) deuten an, daß man mit dem Teigmachen sofort beginnen soll.
Feuilleton.
Bittgesuch - Stilbtüthen.
Wenn Kaiser Wilhelm I. so recht bei guter Laune war — und das war gottlob gar oft der Fall — da ließ er es sich nicht nehmen, einige der manchmal in unglaublicher Anzahl einlaufenden Bitt- und Gnadengesuche mit Randbemerkungen zu versehen, manche ohne weitere eingehende Prüfungen gleich birect zu bewilligen und hauptsächlich auch marcante Stellen in den Gesuchen, die ob ihrer Originalität, Naivetät, Stupidität oder Ueberschwänglichkeit zum Lächeln oder Kopfschütteln Veranlassung gaben, mit dem Bleistift zu unterstreichen oder mit einem Ausrufungszeichen zu versehen. Das Hauptcontingent der Bittsteller liefert, wie leicht begreiflich, der „im Dienst ergraute, schlachtenerprobte Soldat a. D." und es befand sich ein apartes Ressort im Kriegsministerium , an welches die betreffenden Gesuche behufs weiterer Ermittelungen in Sachen der Stichhaltigkeit der angegebenen Facta gelangten. Die Arbeiten in diesem Reffort sind vielseitiger und umständlicher, als sich mancher Bittsteller einbilden mag, da die Recherchen nichts weniger als oberflächlich vorgenommen werden.
Einige Bittgesuch-Stilblüthen, die unserem alten Heimgegangenen Heldenkaiser wohl besonders ins Auge springend gewesen sein mochten, die er doppelt unterstrichen und mit Ausrufungszeichen versehen hatte, theilt Robert v. Hagen im „Deutschen Soldatenhort" mit:
„Auf den Märschen in Frankreich habe ich eine neue Krankheit erobert."
Gelegentlich der goldenen Hochzeit des Kaisers: „Und so wirft sich der Gnadenflehende vor den gnadentriefenden Stufen des heiligen Thrones nieder und bitten an diesem seltenen goldenen Hochzeitsfeste, welches die Naturgeschichte bis jetzt noch nicht ansgezeichnet und das noch von Kindeskindern bis ins tausendste Glied besprochen und gelehrt werden wird, um Gnade für die Freiheit, die ich mir zu erlassen erdreiste."
„Schrecklich ist mir zwar der Gedanke, wie als ge- schoffenes Reptil vom Staate todtgefüttert zu werden, aber meine trauernde Lage ist eine bewußte, indem ich beide Feldzüge mitgemacht habe."
„Und gleichzeitig sage ich mir, daß Euer Majestät nur ein guter edler Mann sein können, denn, verzeihen Sie mir, 'Majestät, Sie ähneln meinem alten Onkel, und Leute, welche ihm ähnlich sehen, können nur gute sein."
„Aber Eure huldvolle Majestät erlauben Sie mir eine lFrage: „Wo bleibt da das Milithär-Pansions-Gesetz von 1871 und die daraus hervorgegangenen Motisen? Auch das Millitähr-Ehrenzeichen hatte ich verdient. Aber das Gesetz «st feinen Verpflichtungen nicht nachgekommen und aus diesem Grunde habe ich mit meiner zahlreichen Familie den schreck
lichsten Martertod bis heute erlitten. Und so Erlaube ich mir zu bitten, mir über meiner Klage zum Recht zu helfen, denn es muß Euer Majestät und den Königlichen Hoheiten doch auch angenehm sein, wenn endlich einmal das ewige Correspontiren in meiner vorherrschenden Angelegenheit aufhört."
Sehr deutlich ist der Sattlergehilfe Peter L. in seinem Gesuche um klingende Münze. Er schließt mit den Worten: „Und so sehe ich einer eilfertigen dringenden Antwort entgegen und bitte for meiner Familie um Seiner Majestät Porträtte auf Metall geprägt. Mit Ueberreichung von sechs Piessen (Piecen) als treuer Patergolt (wohl Patriot) und Vaterlandsvertheidiger Peter L . . ."
Bei Anderen heißt es: „Erfahrungsmäßig stütze ich mich und baue bei Ueberreichung dieses Gesuches auf Eure Allerhöchst dieselben allbekannte Herzensgüte, selbst sogar gegen den allergeringsten Unterthan, wessen Geschlecht er immer angehören mag."
„Ja, Eure Majestät, wenn Sie wollen, können Sie Alles, denn ein Wort meines Allergnädigsten Kaisers, zertrümmert Berg und Thal, wenn sie sich in ordnungsmäßiger Lage befinden."
„Meine werthe Adresse lautet: An den rc. rc."
„Wären es Sorgen gewöhnlicher Art, so würde ich den Staub der Thronesstufen nicht unnütz zu berühren wagen."
„Bei den schlaflosen Nächten kommen mir Vorstellungen und Träume von meinen Kriegsjahren und da sehe ich Euer Majestät auf dem Schlachtfeld immer an mir vorbeireiten, was mich veranlaßt, meine Verhältnisse in einem jammervollen Zustande Euer Majestät zu überreichen und zu den gnadenreichen Füßen an Ort und Stelle abzugeben."
„Drei Tage und drei Nächte bin ich vor Euer Majestät allerhöchsten historischen Eckfenster gestanden, ohne ein Auge zuzumachen und habe mein gegenwärtiges Gesuch in die Höhe gehalten, aber Euer Majestät haben mir nicht gesehen und dann hat mir der Schutzmann Nr. 538 fortgewiesen."
„Im Feldzuge 1866 bekam ich einen leidenschaftlichen Fehler an den Füßen durch einen Pferdeschlag. Die Wunde ist unheilbar und blutet mir öfter, so daß ich dergestalt bin, in Verblutung zu erliegen, Außerdem bin ich von einem Kanonenschuß auf das linke Ohr unhörbar geworden."
„Meine Gedanken richten sich oft auf meinen Kaiser und Vaterland, für das ich diente, kämpfte und starb."
„Im vorstehenden Feldzuge war ich ein Mitarbeiter an der hocherhabenen, goldenen, mit Perlen und Edelsteinen und mit Lorbeer umkränzten Kaiserkrone. Diese welthistorische Ehre ist mir zwar lieber als Orden, Weib und Kind, aber wo ich mit meinen Thränen mich satt essen und mit einer Familie von drei Kindern das Leben befruchten muß, so fiel ich den allerdurchlauchtigsten General Oberstlieutenant brieflich zu Füßen mit der tiefgebeugtesten Bitte um Pension."
„Ich habe kein Jnsallithengeld bekommen, sondern nur eine kleine Unterstützung, womit ich eine Kur durchmachte, um den mit Erfolg verlorenen Beruf als Gürtler wieder
nachgehen zu können. Ich erhoffte von der Kur wenn nicht Genesung, so doch Linderung meiner Gesundheit, aber damit war es nichts."
„Die Behörde, an die ich mich nun schon zum fünften Male wandte, wollte mit mir nicht weiter reflectiren und so bleibt mir nur der Ausweg, mich an die richtige Schmiede zu wenden, nämlich an Eure Majestät."
„Wenn es in Berlin in der Lindenstraße noch ein Kammergericht gibt, so gibt es aber auch unter den Linden einen deutschen Kaiser, der auch noch etwas zu sagen hat. Hab ich Recht Euer Majestät?"
„Da ich mich aber historisch in einer tiefbetrübten Lage befinde, die noch mit Krankheitsumstano verbunden ist, indem meine älteste Tochter Marie an Diefuß (Typhus) behaftet ; und mein Sohn, welcher Setzer ist, an Bleivergiftung erkrankt ■ ist, so will ich es bei Allerhöchst Eurer Majestät einmal mit \ einem Gnadengesuch riskiren."
„Ich sehe es als eine gnädige Fügung des Himmels an \ und für mein Bittgesuch als eine gute Vorbedeutung, daß j ich gerade so wie Eure Majestät, am 22. März von meinen ■ Eltern geboren wurde und mit Vornamen ebenfalls Wilhelm ' heiße, und daß meine Frau ebenfalls Auguste, geborene \ Jähnicke, heißt."
„Hoheiten Seiner Majestät dem Kaiser und Seinem ; allerhöchsten Throne Erlaube ich mir Tiesgeneigtest das nähere j meines Gesuches anheimzustellen.
„Während meiner Militärzeit beim Turniren mußte ich i über den Kasten springen und ich traf auf die Ecke des ' Kastens mit meinem ganzen Körper aus allen zusarnmen- ’ genommenen Kräften zweimal so heftig, daß ich seither großen - innerlichen Husten mir im Leibe zugezogen habe. Infolge s der Mobilmachung ist dann dienstlich meine Gesundheit für < immer verloren gegangen."
„Behufs meiner Brodlosigkeit muß ich mit meiner j Familie sehr kärglich leben und mit Brod und Salz den ; Hunger mit eine Thräne darauf würzen."
„Eine viermalige Lungenschwindsucht zerrüttete meinen zur Ruine herabgesunkenen Körper, so daß ich sogar unhellbar aus dem Lazareth gewaltsam herausgeschafft wurde und jetzt an einer Anfälligkeit meiner Lunge für Erkältungen leide, die in galoppirende Schwindsucht auszuwachsen droht."
„Für Eurer Majestät sind 25, 30, ja vielleicht selbst 40 Mark noch gar nichts, für mich aber sehr viel. Möchten das Euer Majestät nur allergnädigst bedenken."
„Mit blutbenetztem Herzen bittet ein alter Jnfalid Euer Majestät um eine hilfsbedürftige Unterstützung."
Mit dieser Auslese wollen wir schließen. Es ist selbstverständlich, daß bei Berücksichtigung oder Zurückweisung der gestellten Bitten Schrift, Stil und Orthographie keinen Einfluß übten, obwohl ein deutlich, correct, kurz und bündig geschriebenes Gesuch sich schon von vornherein empfiehlt.


