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Nr. 213 Erstes Blatt. Sonntag den 13. September
1891
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
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Anrtlichev Theil.
Gefunden: 1 Manschettenknops, 1 Regenschirm, 2 Stöcke, 1 Kinderstrohhut, 1 Zugstiesel, 1 Hundemaulkorb, 1 Weste, 2 Taschentücher und 1 Contobuch.
Zugeflogen . 1 junger Hahn.
Gießen, den 12. September 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
politifctye Wochenschau.
Gießen, 12. September.
Aus dem Gebiete der inneren Reichspolitik ist noch am Ende der vorletzten Woche eine lang ersehnte Maßregel von weitreichender wirtschaftlicher Bedeutung vollzogen worden: die Aushebung des Einfuhrverbotes von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten amerikanischen Ursprunges. Das Verbot ist bekanntlich im Jahre 1883 nicht durch einen Gesetzgebungsact, sondern auf dem Verwaltungswege zu Stande gekommen, indem die Regierung von einer Clausel des Zollgesetzes Gebrauch machte, welche sie berechtigt, jeder Zeit auch ohne Zustimmung des Reichstages zeitweilige Einfuhrverbote aus sanitätspolizeilichen Rücksichten zu erlassen. Von dem Augenblicke aber, in dem die betreffende Verordnung damals veröffentlicht wurde, begannen auch schon die Bestrebungen, das Verbot wieder zu beseitigen. Im Reichstag wurde die Angelegenheit von freisinniger Seite in jeder Legislaturperiode immer wieder zur Sprache gebracht und zuletzt noch bei der Etatsberathung am 22. und 23. Januar 1891. Noch damals lehnte eine Mehrheit den freisinnigen Antrag ab, den Reichskanzler zu ersuchen, die Aufhebung des Verbotes zu veranlassen. Man konnte sich auch trotz des kurz vorher in Amerika ergangenen Fleischschaugesetzes nicht entschließen, die Gefahren des Genusses von amerikanischem Fleisch für beseitigt zu erklären. Und doch hatte der berg- und hüttenmännische Verein in Aachen schon vor dem Erlaß des amerikanischen Gesetzes geltend machen können, daß keine einzige Trichinenerkrankung unter seinen Mitgliedern vorgekommen sei, obwohl erinnerhalb dreier Jahre 18 583 Doppel- centner amerikanischen Speckes bezogen und consumirt habe. Zur Aushebung des Einfuhrverbotes hat dann wohl auch die Erwägung beigetragen, daß allen gesetzlichen Verfügungen zum Trotz ein Import der amerikanischen Fleischwaaren auf dem Wege über Holland vermittelst eines ziemlich ausgedehnten Schmuggels bis in die letzten Tage fortwährend stattgefunden
hat, ohne daß ein Auftreten der Trichinose zu constatiren war. In der Hauptsache aber wird sich die Regierung wohl durch die Rücksicht aus die hohen Lebensmittelpreise zu dieser einen Erleichterung der Volksernährung haben bewegen lassen. Wird es doch immer klarer, eine wie erhebliche Einbuße der Volkswohlstand unter der gegenwärtigen Theuerung erleidet. So lehrt auch die Sparkassenstatistik, wie ernst die Lage im Augenblicke ist. Beispielsweise ergeben die Berechnungen der städtischen Sparkaffenverwaltungen in Sachsen, daß in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Ganzen 1376 680 Mk. weniger eingezahlt und 3934 386 Mk. mehr zurückgezogen worden sind als im gleichen Zeiträume des Jahres 1890, obwohl jetzt 226 Sparkassen, d. h. 14 mehr als im Vorjahre, in Sachsen bestehen, also das Sparkassennetz viel weiter ausgedehnt ist. Dafür daß die Regierung diesen trüben Erscheinungen sich nicht verschlossen hat, sondern in einem nicht unbedeutenden Punkte eine Milderung der Nothlage erstrebt, gebührt ihr der Dank aller wahren Freunde des Volkes.
Von Angelegenheiten der auswärtigen Politik steht immer noch die Dardanellenfrage aus der Tagesordnung des öffentlichen Interesses voran. Mehr und mehr bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß in der Uebereinkunft Rußlands mit der Türkei eine Umgehung der Pariser Meerengen-Convention vorliegt. Von nichtenglischen Mächten hat bisher nur Italien sich in einen ausgesprochenen Gegensatz zu dem Verhalten Rußlands und der Pforte gestellt. Im Uebrigen hält man so lange zurück, als der Inhalt des türkisch-russischen Abkommens nicht genau bekannt ist. Von deutscher Seite wird demgemäß neuerdings die vor Kurzem verbreitete Nachricht, daß Deutschland und Oesterreich-Ungarn nur aus ein Vorgehen Englands in der Dardanellenfrage wa-Mßxn, um dann gleichfalls einzuschreiten, als erfunden entschieden dementirt. Auf der anderen Seite verhehlt man sich jedoch auch in Deutschland den Ernst der Situation nicht im Mindesten, wenn man auch hofft, die Schwierigkeiten der Lage auf friedlichem Wege beseitigen zu können. — In Frankreich ist Carnots Vorgänger, der Expräsident Jules Grevy, un- vermuthet rasch gestorben. Mit ihm ist einer der aufrichtigsten und überzeugtesten Republikaner Frankreichs dahingegangen. Seit 1848 stand er — allerdings nicht ununterbrochen — im politischen Leben,- seine eigentliche Glanzzeit begann aber erst mit dem Sturze des Kaiserreiches. Im Jahre 1879 wurde er zum ersten Male zum Präsidenten gewählt, 1885 erfolgte seine Wiederwahl auf sieben Jahre. Aber schon nach zwei Jahren wurde er durch den bekannten Ordensschacher- prozeß, in den auch sein Schwiegersohn Wilson verwickelt war, gezwungen, zurückzutreten, obwohl er selber vollkommen
unbescholten aus dem Prozesse hervorging und sich nur einer zu großen Vertrauensseligkeit gegen seinen Schwiegersohn schuldig gemacht hatte.
Deutscher Reich.
Darmstadt, 11. September. Aus Kassel, 10. September, wird der „D. Ztg." geschrieben: Seine Kgl. Hoheit der Großherzog und Seine Großh. Hoheit der Prinz Heinrich begaben sich in Begleitung des Generaladjutanten Generalmajor Wernher, des Majors v. Groß gen. v. Schwarzhoff, des Flügeladjutanten Hauptmann Frhrn. v. Röder und des Hosstallmeisters Frhrn. v. Riedesel zu Eisenbach heute Morgen zu Wagen nach Oberzwehren und stiegen dort um Vi vor 8 Uhr zu Pferde. — Drei Divisionen des XI. Armeecorps kämpften heute unter dem Befehl Sr. Excellenz des commandirenden Generals v. Grolman gegen einen von Süden her aus Kassel zu operirenden markirten Feind. Bei schönstem Wetter und klarem Himmel verlief das Gefecht, das an die Marschsähigkeit der Truppen zum Theil große Anforderungen stellte, auf das Glänzendste. Nachdem gegen 12 Uhr die Hauptstellung des markirten Feindes südlich von Kirchbauna umfaßt und angegriffen worden war, machte das Signal „das Ganze Halt" dem heißen Gefechtstag ein Ende. Die Truppen marschirten ohne Ausnahme in Cantonnements. — Seine Kgl. Hoheit der Großherzog und Seine Großh. Hoheit Prinz Heinrich begaben sich mit den Herren der Begleitung zu Wagen nach Kassel zurück. — Abends 6 Uhr hatten Seine Kgl. Hoheit der Großherzog den Prinzen Heinrich und die sämmtlichen Generale, Stabsoffiziere und Adjutanten, die höheren Sanitätsoffiziere der 21. und 22. Division, sowie Se. Excellenz den commandirenden General v. Grolman mit seinem ganzen Stabe zu einem Festmahl in das Hotel „König von Preußen" eingeladen. Es waren 120 Einladungen zu dem Feste ergangen. — Gestern Abend war Seine Kgl. Hoheit der Großherzog mit den Herren der Begleitung einer Einladung des commandirenden Generals in dessen Wohnung gefolgt. Es waren daselbst außerdem versammelt die Generale und Commandeure des XL Armeecorps, sowie die Spitzen der Civilbehörden.
Berlin, 11. September. Der jüngste Coursrückgang der Reichs- und preußischen Staatsanleihen erregt begreiflicher Weise in weiten Kreisen Aufsehen, zumal im Hinblick auf den steigenden Cours der russischen Staatswerthe. Welche Ursachen indessen dieser auffälligen Erscheinung eigentlich zu Grunde liegen, läßt sich zur Zeit noch nicht mit Gewißheit feststellen. Jedenfalls darf aber die Zuversicht ausgesprochen
Fettilleton.
Die Cowboys von Santana.
Von Friedrich Meiste r.
(Nachdruck verboten.)
„Fort Lincoln, Santana, Vegas County, Texas. 2. April 1889.
Meine gute Else!
Jahr und Tag ists jetzt her, seit ich unserer Schwester Johanna andeutete, daß es Dir sehr zuträglich und auch anderen nicht zum Schaden sein würde, wenn Du einmal einen Sommer bei mir zubrächtest. Du entsinnst Dich wohl noch der Antwort, die mir damals zu Theil wurde. Deine Gesundheit wäre nicht sest genug, Texas wäre das Land der plötzlichen, unberechenbaren Temperaturwechsel und überdies wäre ich die allerungeeignetste Persönlichkeit, ein so eigenwilliges und unruhiges kleines Ding, wie Dich, zu behüten und zu bewachen. Deine eigene Ansicht über die Sache lernte ich erst kennen, als es bereits zu spät war- mein Plan wurde daher zu Wasser und Johanna triumphirte, wie gewöhnlich. Jetzt wende ich mich direct an Dich und nicht an Johanna. Du bist neunzehn Jahre alt, liebe Else, und wenn eine Amerikanerin beabsichtigt, jemals einen eigenen Willen zu haben, so beginnt sie damit im neunzehnten Jahre. Willst Du diesen Sommer zu uns kommen? Und zwar gleich nach Empsang dieses Briefes? Meine Frau sehnt sich nach Dir, ich sehne mich nach Dir, und was unseren Jungen anlangt, so ist die Tante Else der unaufhörliche, heißeste Wunsch seines fünfjährigen kleinen Herzens. Ich erwarte, offen gestanden, keine günstige Antwort. Ich habe zu viel Respect vor Schwester Johannas Willensmeinung und Autorität. Nichtsdestoweniger aber lasse ich diesen Brief abgehen.
Dein treuer Bruder
Armin Hellbrand.
Nachschrift. Wenn Du mit der herrschenden Macht eine Vereinbarung treffen kannst, dann schreibe mir umgehend, damit ich Dir bis Santana entgegenkommen kann. Bis dorthin bringt Dich die Eisenbahn. Vielleicht nehme ich Dich auch schon in Hobart in Empfang. Du fürchtest Dich doch nicht etwa vor der Reise? A. H.
Ob ich dieser Aufforderung Folge leisten sollte? Selbstverständlich ! Meinte der närrische Junge wirklich, daß es nur einen Willen in der Familie gäbe? Wenn ihm in der That so viel an der Gegenwart seiner quecksilbernen, so schwer zu hütenden kleinen Schwester gelegen war, so sollte er sie haben. Johanna gerieth allerdings ganz aus dem Häuschen, als sie meinen Entschluß vernahm, ich konnte ihr aber nicht helfen. Ich sagte ihr einfach, daß ich reisen wollte und müsse, und ich reiste.
Bruder Armin war vor einer Reihe von Jahren nach Amerika gegangen, um in dem stehenden Heere der Vereinigten Staaten Dienste zu nehmen. Als die Eltern gestorben waren, folgten wir ihm über den Ocean und ließen uns in Chicago nieder, um in des Bruders Nähe zu sein. Und nun hatte sein Dienst ihn wieder so weit von uns entfernt.
Ich schrieb ihm schon am nächsten Tage, daß ich kommen würde, und zwei Wochen später rollte ich in einem Schlafwagen aus Chicago hinaus gen Westen. Es galt eine Eisenbahnfahrt von fünf Tagen und fünf Nächten und dann noch eine Wagentour von dreißig englischen Meilen oder sechs deutschen.
Das war für ein junges Mädchen ohne jegliche Begleitung eine lange Reise, allein ich war ja kein Kind mehr- die Natur hatte mir fünf gesunde Sinne und einen leidlichen Verstand gegeben und so hoffte ich zuversichtlich, mir in kürzester Frist das Wohlwollen und die Protection der Mitreisenden zu erwerben.
Ich sollte mich nicht täuschen.
Die Bahnbeamten sorgten für mich in einer Weise, die in Deutschland kaum denkbar sein würde. Die amerikanischen
Zugconducteure mögen ihre Fehler haben, gegen mich aber betrugen sie sich geradezu rührend väterlich. Schaffner gibts hier nicht und jeder Zug hat nur einen Conducteur. Die Herren besorgten mir die Billers, sie unterrichteten mich, wv und wie ich umsteigen mußte, sie brachten mir Kaffee, sie öffneten und schlossen die Fenster für mich und verschafften mir stets die besten Sitze- auch die Mitreisenden nahmen sich meiner an, und lange, ehe noch Hobart kam, stand eine ganze Armee von Beschützern und Freunden zu meiner Verfügung.
Auf dem Perron zu Hobart schaute ich mich nach Armin um — er war leider nicht da. Ich beruhigte mich jedoch sehr bald - hatte ich bis jetzt tausend Meilen zurückgelegt, so konnte es auch aus die noch übrigen fünfzig nicht ankommen; dann war ich in Santana, wo ich sicherlich den Bruder treffen würde.
Allein, als ich in Erfahrung brachte, daß von Hobart aus nur ein Zug täglich in der Richtung nach Santana abging, daß dieser Zug nur aus einem Personenwagen bestand, daß ich das einzige weibliche Wesen an Bord dieses Zuges sein würde und daß die Fahrt wegen der Unsicherheit und Mangelhaftigkeit des Geleises nur sehr langsam mit einer Fahrgeschwindigkeit von höchstens zehn englischen Meilen in der Stunde vor sich gehen könnte, da begann mein Muth denn doch etwas zu sinken. Es war 2 Uhr Morgens und ich fühlte mich sehr müde und erschöpft. Zudem erhielt ich einen neuen Conducteur, ein Tausch, bei dem ich nicht gewann, wie ich meinte.
Der „Boß" oder Führer dieses Zuges war ein großer, vierschrötiger Mann in grober Kleidung und mit buschigem, verwildertem Bart- während er meine Decken und Gepäckstücke auf dem Sitze mir gegenüber zurechtlegte, stierte er mich aus eine Weise an, die weder höflich noch vertrauenerweckend war.
(Fortsetzung folgt.)


