Graham an der Spitze nach dem Kirchhofe in Bewegung, um dort Kränze niederzulegen. Als die Polizei den Theil- nehmern an der Kundgebung den Eintritt in den Kirchhof verwehrte, kehrten dieselben ohne Zwischenfall in die Stadt zurück. Heute Abend wird ein weiteres Meeting in der Salle Elysee abgehalten werden.
Loyales «nd provinzielles.
Gießen, 12. Mai.
— Der Richard WagnerZweigverein Gießen beging am verflossenen Sonntag, den 10. Mai, seine diesjährige Jahresfeier durch einen Musik-Abend mit einem sich daran schließenden gemeinschaftlichen Mahle im großen Saale des Gesellschafts- Vereins. Bisher wurde diese Feier stets am 22. Mai, dem Geburtstage des Meisters abgehalten, diesmal verbot sich das, weil der gedachte Tag in der Pfingstwoche liegt. Der Verein tritt nicht oft in die Oeffentlichkeit und auch das erst in den letzten Jahren. Wenn er aber seine Freunde bittet, sich mit ihm an edler, schöner Musik zu erfreuen, so können dieselben sicher sein, etwas Genußreiches dargeboten zu bekommen- freilich müssen diese Freunde Verehrer einer ernsten Richtung sein, dem seichteren Geschmack wird in keiner Weise eine Concession gemacht. Eine erschöpfende Kritik der einzelnen Leistungen in unserem Blatte zu bringen, verbietet uns das vorliegende Programm, welches die Namen der Mitwirkenden discret verschweigt, wir können es aber nicht unterlassen, zu constatiren, daß das Gebotene sich weit über alles Dilettantenhafte erhob, theilweise sogar echt Künstlerisches bot. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß auch der 10. Mai der strebsamen Vereinigung, welche neben der Wagner'schen Muse die Pflege jeder guten Musik auf ihre Fahne geschrieben hat, neue Freunde und Mitglieder zuführen wird- der Verein macht kein Geheimniß daraus, daß seine Musikabende eine ideale Werbetrommel sein sollen, um neue Rekruten für das Heer der edlen und schönen Königin „Musika" zu werben.
— Die gestrige Generalversammlung der Gewerbebank, eingetr. Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht, war von 94 Mitgliedern besucht. Die aus der Tagesordnung stehenden Berathungsgegenstände fanden nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes Erledigung im Sinne der gestellten Anträge. Für den durch Tod aus dem Aussichtsrathe ausgeschiedenen Herrn Jul. Hoch, sowie für den als Stellvertreter des Vorstandes erwählten Herrn Wilh. Seuling wurden die Herren Carl Berg und Daniel Heil neu-, die seitherigen statutengemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrathes Dr. Gutfleisch, Ehr. Leo, Carl Loos, Chr. Schopbach und PH. Uhl wiedergewählt. Der beantragten Gehaltserhöhung der Kaflenbeamten ertheilte die Versammlung die Genehmigung. ö
— Am dritten Pfingstseiertage wird der Gießener mit demMarburger Geschichtsverein einen Ausflug nach Gelnhausen und Büdingen unternehmen. Es ist schon sehr lange her, daß der Gießener Verein einen höchst gelungenen und genußreichen Ausflug nach Büdingen unternahm- in Gelnhausen war er noch nicht und ist um so dankbarer die von Marburg kommende Anregung zu einem so lehrreichen Ausfluge zu begrüßen. Die Zeiteintheilung ist folgendermaßen festgesetzt:
von Gießen 7 Uhr 5 Min. früh
in Gelnhausen 9 „ 30 „
von ,, 12 ,, 5 „
in Büdingen 12 „45 „
von „ 5 „ 5 „
in Gießen 6 „56 „
Auch der Hanauer Bezirksverein wird sich in Gelnhausen an die Marburger und Gießener Gesellschaft anschließen. Es ist zu wünschen und zu hoffen, daß auch von hier aus die Betheiligung eine sehr zahlreiche sein wird. Nicht nur daß die Gegend landschaftlich viele Reize darbietet, so sind auch die beiden alterthümlichen Städte, die Barbarossaburg und die Kirche re. in Gelnhausen, Schloß, Rathhaus usw. in Büdingen höchst sehenswerth, namentlich wenn man die Gewähr hat, unter guter Führerschaft die geschichtlichen Merkwürdigkeiten gezeigt zu bekommen.
— In dem Jnseratentheil dieses Blattes veröffentlicht der hiesige Reformvereiu für Bestattungswesen seine Sitzungen. Derselbe ist nach derartigen in vielen Städten bestehenden Vereinen eingerichtet und beabsichtigt nach § 2 der Statuten weder die Gefühle der Pietät zu verletzen, noch durch Agitation gegen die Blumenspenden bei Beerdigungen es dahin zu bringen, daß die durch die Poesie verherrlichten Gebräuche ganz abgeschafft würden. Er will nur dem übertriebenen Luxus steuern und die Zeichen der Liebe zum Andenken an die Verstorbenen sollen durch die Karten zugleich in Gaben der Barmherzigkeit verwandelt werden, nach Anweisung des Bibelwortes dazu bestimmt, die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden und die Kranken zu erquicken. Es dürfte wohl nicht leicht eine bessere, schönere Verwendung geben. Außerdem sind diese in angemessener Ausstattung gehaltenen Karten ein dauernderes Andenken als Kränze, die durch Regen, Sturm und Frost in kürzester Zeit vernichtet werden. Erstere zeugen noch in später Zeit, wer den Verstorbenen geehrt und werden ausbewahrt werden an dem Ort, an dem man die Gegenstände der Erinnerung an Freud und Leid hinlegt, in dem Familienschrein, zu dem man hingehe in weihevollen Stunden des Lebens, um vergangener Zeiten und der Lieben zu gedenken, die von uns geschieden. Nach alledem ist kaum anzunehmen, daß irgend eine feindselige Strömung, geleitet durch materielle Interessen, gegen den Verein sich geltend machen könne, weil zudem die zur Verwendung kommenden Gelder auch in die Hände von Geschäftsleuten gelangen. Im Sinne obiger Ausführungen ist der neue Verein zu betrachten, derselbe legt seinen Mitgliedern keine bindenden Verpflichtungen auf und stellt nur die Bitte an die Bewohner unserer Stadt, das humane Werk durch zahlreiche Beitrittserklärungen, '.die an den Verkaufsstellen entgegengenommen werden, zu unterstützen. Auch an Mitglieder werden Karten abgegeben.
— Psiugstverkehr auf den Eisenbahnen. Die Königliche Eisenbahn-Direction zu Hannover beabsichtigt in diesem Jahre zur Bewältigung des zu erwartenden lebhaften Pfing st Verkehres besondere Vorkehrungen im größeren Umfange zu treffen. So werden namentlich außer Sonderzügen auf einzelnen Strecken vor den Personenzügen mit erfahrungsmäßig starkem Personenverkehr Vorzüge zur Ablaffung kommen; diese Vorzüge werden den fahrplanmäßigen Personenzügen in geringem Abstande vorauffahren, aus denselben Stationen wie letztere halten und in Bezug aus Fahrkarten genau wie die Hauptzüge behandelt werden. Den Reisenden kann nur dringend empfohlen werden, sich möglich st frühzeitig zur Benutzung der Vorzüge aus den Abgangsstationen einzusinden, wobei darauf aufmerksam gemacht wird, daß diese Züge mit Sicherheit die Anschlüsse aus den Uebergangsstationen erreichen. An den beiden Pfingstfeiertagen werden außerdem die regelmäßigen Sommer-Sonntagssonderzüge zur Ablaffung kommen. Soweit der Verkehr der hiesigen Gegend in Frage kommt, sind besonders folgende Sonderzüge bemerkenswerth: Am 16. Mai (Samstag): Vorzug zu Zug 100 von (Deutz) Gießen bis Frankfurt a. M. 10 Min. vor dem 4 Uhr 42 Min. Nachm. von Gießen abgehenden Personenzuge- Vorzug zu Zug 97 von (Deutz) Gießen bis Cassel 10 Min. vor dem 4 Uhr 40 Min. Nachm. von Gießen abgehenden Personenzuge. — Am 17. Mai (1. Pfingstfeiertag) Sonder-Personenzug von Gießen bezw. Bad-Nauheim nach Frankfurt ab Gießen 9 Uhr 20 Min. Abends, in Frankfurt 11 Uhr 5 Min. Abends. — Am 18. Mai (2. Pfingstfeiertag): Dieselben Sonder-Personenzüge von Gießen bezw. Bad-Nauheim nach Frankfurt a. M. wie am 17. Mai- ferner Vorzug zu Zug 104 von Gießen bis Frankfurt a. M. 10 Minuten vor dem 7 Uhr 59 Min. Abends von Gießen abgehenden Personenzuge. — Am 19. Mai (Dienstag): Vorzüge zu den Personenzügen Nr. 100 und 97 wie am 16. Mai.
— Nach einer neuerlichen Entscheidung des Reichsversicherungsamtes ist der zur Erlangung einer Altersrente erforderliche Nachweis über die vorgesetzliche Beschäftigung der Versicherten im Sinne des § 157 des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes im Allgemeinen schon dann als ausreichend geführt anzunehmen, wenn sich ergibt, daß der Versicherte als ein eigentlicher Berussarbeiter zu betrachten ist und daß er während der vorgeschriebenen 141 Wochen in einem versicherungspflichtigen Arbeits- oder Dienstverhältnisse gestanden hat, ohne daß es des weiteren Nachweises bedarf, daß das Arbeits- oder Dienftverhältniß an sämmtlichen einzelnen Tagen der in Frage kommenden 141 Wochen in der Form wirklicher Beschäftigung und Thätigkeit in die Erscheinung getreten ist.
Der Kaiser in Schlitz.
(Originalbericht des „Gießener Anzeiger".)
*** Schlitz, 11. Mai 1891.
Ueber den Verlauf des gestrigen Tages berichte ich Ihnen Folgendes:
Se. Majestät begab sich nebst Gefolge zum Gottesdienste in die Kirche und verweilte nach demselben noch längere Zeit darin, um sie eingehend zu besichtigen. Die alte, aus der Zeit der Karolinger — theilweise — stammende Kirche wurde in den letzten Jahren sehr hübsch restaurirt. — Der Kaiser unterhielt sich längere Zeit mit dem ersten Geistlichen, Herrn Oberpfarrer Dr. Dieffenbach und bestieg dann unter Hurrah- rufen der umstehenden Menge den bereit stehenden Wagen. — Gestern Mittag i/22 Uhr wurde im Schloßparke eine in den Kriegsjahren 1870/71 unter den Fenstern des Grafen aufgegangene Eiche, welche mittlerweile zu einem stattlichen Baum herangewachsen war, aus einen freien Rasenplatz verpflanzt. Der Kaiser legte bei der Pflanzung selbst Hand an, wechselte mit dem Hosgärtner freundliche Worte, erkundigte sich nach der Beschaffenheit des Bodens und sprach die Hoffnung aus, daß der gepflanzte Baum sich gut weiter entwickeln möge. Die unter Mithilfe des Kaisers gepflanzte Eiche wird für immer Kaisereiche genannt werden. Der Moment der Pflanzung ist durch den Hofphotographen Held aus Weimar photographisch festgehalten resp. ausgenommen worden. — Am Nachmittag überreichte der Kaiser zur Erinnerung an seine diesjährige Anwesenheit dem Grafen seine lebensgroße Photographie in Brustbild. — Am heutigen Morgen waren drei Herren aus dem Gefolge des Kaisers auf der Auerhahnbalz im Revier Schlitz, zwei derselben erlegten je einen Hahn. — Heute Morgen um 11 Uhr sand der Bauernaufzug der Bewohner des Schlitzerlandes statt. Se. Majestät erschien auf der Freitreppe des Schlosses und besichtigte die vielen Wagen, — fünfzig an der Zahl — die meistens mit Männern und Frauen, Burschen und Mädchen, auch Kindern in Nationaltracht besetzt waren. Am meisten interessirten die aus den Wagen dargestellten Gewerke, wie Weberei und Schnitzerei, auch Spinnstuben fehlten nicht. Das Schönste unter Allem war der im Auszuge vorgesührte Hochzeitszug mit Musik, Vorreitern, dem landesüblichen Brautwagen, Burschen mit Sträußen und bändergeschmückten Mädchen und dann das zum Hochzeitszuge nöthige Brautpaar. Wie es hier in den Dörfern Sitte, führten die Burschen und Mädchen drei Tänze auf- nach diesen ließ der Kaiser dem Brautpaare ein Geschenk überreichen, welches in einer Broche und einer Uhr bestand. Um 1 Uhr fuhr Se. Majestät aus den Richthof, den Sommerausenthalt des Grafen. In der Nähe desselben soll Fuchsgraben stattsinden. Auf dem Wege dahin besichtigte der Kaiser nochmals die auf der Chaussee zwischen Schlitz und Hutzdorf ausgestellten Bauernwagen, dankte rechts und links für" die dargebrachten Grüße und suhr unter stürmischem Hurrah der Menge weiter. Die Zahl der Fremden, die heute anwesend, zählte nach Tausenden, das Wetter war prachtvoll.
Rebgeshain, Kreis Schotten, 10. Mai. Bei einem heute Nachmittag 5 Uhr über hiesige Gegend gezogenen Gewitter
schlug der Blitz in die Hofrailhe des Heinrich Dreher VL, wodurch in dessen und in der Hofraithe des Heinrich Kraft ein Brand ausbrach, welcher jedoch alsbald gelöscht wurde.
§ Grünberg, 11. Mai. Unsere Erwartung, daß der sehr hohe Preis der Kartoffeln, wie er auf dem vorletzten Fruchtmarkte stand, sich nicht dauernd ' erhalten würde, hat sich schon auf dem vorgestrigen Fruchtmarkte bestätigt. Der Preis für 100 Kilo betrug im Durchschnitt wieder Mk. 6—6,50. Die Auffahrt von Kartoffeln aus der Wetterau war eine sehr starke.
K. Stockheim, 11. Mai. In hiesiger Gemeinde hat sich vor Kurzem ein Schützenverein gebildet. Derselbe zählt bereits schon 18 Mitglieder. Zum Vorsitzenden ist Herr Ruppert, Director der Zuckerfabrik, und zum Schriftführer Herr Biligmann von hier erwählt worden. Der Schießstand, den der Verein erworben hat, ist ein sehr geeigneter. Am vorigen Sonntag hat das erste Schießen daraus stattgesunden.
— Eine Anzahl Hilfsgerichtsschreiber und Aspiranten im Großherzogthum hatten an die Zweite Ständekammer eine Petition um Anstellung aller Hilfsgerichtsschreiber (seither nur 20, vorausgesetzt, daß sie daß 30. Lebensjahr überschritten haben) gerichtet und hatte der Abg. Lautz einen Antrag in gleichem Sinne eingebracht. Nunmehr liegt ein vom Abg. Jöckel erstatteter Bericht des Finanzausschusses vor, welcher entgegen den Ansichten der Regierung ein Ersuchen empfiehlt, inhaltlich dessen alle Hilssgerichtsschreiber nach fünfjähriger guter und ersprießlicher Dienstsührung und zwar von der Absolvirung des Examens an gerechnet, widerruflich anzustellen und der Minimalgehalt (seither 1000 Mark) aus 1200 Mark zu erhöhen sein würde.
— Die Zeit der Maifröste (Mamertus 11., Pankratius 12. und Servatius 13. Mai) ist wieder da. Die Regelmäßigkeit, mit welcher, wenn überhaupt, diese Nachtfröste zu bestimmter Zeit (vom 11.—13. Mai) bei uns eintreten, ließen längst aus eine Ursache schließen, welche nicht so wandelbar ist, als das Wetter sonst zu sein pflegt. Der Nachweis dieser Ursache ist vor einigen Jahren auch erbracht worden: Wenn die Sonne im Frühling allmählich höher steigt, verhält sich die Balkan-Halbinsel mit dem zugehörigen Hinterland für uns wie ein vorgeschobener Kontinent, welchen sie früher erwärmt als das nördliche Europa. So entsteht nun auch über dem ungarischen Tiefland eine wärmere Luftschicht, welche, weil leichter, sobald der Gegensatz groß genug ist, durch kältere, schwerere aus Norden kommende Luftströmungen ausgeglichen wird. Dies geschieht nun, wie bekannt, stets in links drehenden Wirbeln, sodaß in unserer deutschen Nachbarschaft mit einemmal, wenn jene Spannung den höchsten Grad erreicht hat, nordöstliche trockene Winde hereinbrechen, welche aus Rußland noch bedeutende Kälte mitbringen. Diese wehen so lange, bis jene Differenz ausgeglichen ist, und greifen, von Osten nach Westen fortschreitend, sogar bis Frankreich hinüber. Da die Ursache stets die nämliche und in letzter Instanz in dem regelmäßigen Lauf der Erde zu suchen ist, so ist die regelmäßige Wiederkehr der Fröste einleuchtend. Unsere Witterung hängt aber von den Stürmen ab, welche aus dem Atlantischen Ocean kommen, und nur in letzter Linie von den sog. Falb'schen Fluthfactoren. Falls nun gleichzeitig ein solcher Wirbel von Westen über uns herzieht und bedeckten Himmel ober gar Regen mitbringt, so schützt er uns bald mehr, bald weniger vor jenem kalten Russen, und diejenigen Gegenden, aber auch nur diese, welche zufällig in jenen Tagen bedeckten Himmel haben, bleiben vom Nachtfrost verschont. Vor einem Tagfrost schützt uns die hochstehende Sonne.
— Ueber die Zwangsveröußerungen von Liegenschaften in dem Jahre 1887 im Großherzogthum Hessen ist eine ebenso umfangreiche als interessante Statistik erschienen, welcher wir Nachstehendes entnehmen: In dem Jahre 1887 hat die Zwangsveräußerung von Liegenschaften gegen die Vorjahre erheblich abgenommen- im Jahre 1887 erfolgten 409 Zwangsveräußerungen gegen 513 im Jahre 1886 und 590 im Jahre 1885, es ist daher gegen 1886 ein Rückgang von 20,3 pCt. und gegen 1885 ein solcher von 30,7 pCt. zu bezeichnen. Die 409 Zwangsveräußerungen betreffen zum größten Theil Gewerbetreibende re. mit einer Zahl von 273, dann kommen die Landwirthe mit 97 und andere Berufszweige mit 39. Was die Zwangsveräußerungen der Liegenschaften in den Provinzen betrifft, so kamen die meisten derselben auf Oberhesfen mit 180 oder eine auf 1406 Einwohner oder 307 Haushaltungen- dann Starkenburg mit 167 oder eine auf 2409 Einwohner oder 519 Haushaltungen. Am günstigsten steht Rheinhessen mit nur 62 oder eine auf 4697 Einwohner oder 1011 Haushaltungen. Betreffs der Zwangsveräußerungen in den einzelnen Kreisen steht der Kreis Mainz am besten - in ihm kommt eine Zwangsveräußerung auf 7746 Einwohner, dann folgt Darmstadt mit einer auf 7002, Oppenheim mit einer auf 4939, Alzey mit einer auf 4225 und Worms mit einer auf 3787 Einwohner. Am ungünstigsten ist der Kreis Schotten in Oberhessen daran - dorten kommt eine Zwangsveräußerung auf 703 Einwohner. Der Werth der veräußerten Liegenschaften betrug im Jahre 1887 1,276,138 Mk. gegen 1,969,067 Mk. im Jahre 1886 und 2,086,398 Mk. im Jahre 1885. Der Erlös aus den Zwangsveräußerungen im Jahre 1887 bezifferte sich auf 1,183,644 Mk. oder 92,8 pCt. des Werthes. Was nun die Ursachen anbelangt, welche die Zwangsveräußerungen veranlaßten, so wird angegeben, daß im häufigsten eigene Verschuldung, im besonderen schlechte Haushaltung, Trägheit, Arbeitsscheu, Nachlässigkeit, Trunk und Genußsucht in 50,2 Fällen von 100, zur liegenschaftlichen Zwangsveräußerung geführt haben, ferner freiwillige, ungünstige oder leichtfertige Uebernahme mit 14,2 pCt. erheblich zur Noth- lage beitrugen. Krankheit und ungünstige Familienverhältnisse folgen mit 12,8 pCt., sowie Unglück beim Geschäftsgang mit 9,4 pCt. Unglückliche Zeitverhältnisse mit 5,4 pCt. und unfreiwillige, ungünstige Geschäfts- oder Gutsübernahme erscheinen mit 4,5 pCt. Die Ausbeutung und Uebervortheilnng


