Einzelbild herunterladen

Antrag Manteuffel an, wonach je eine Million als erste Bauraten für zwei neue Panzerfahrzeuge 8 und U bewilligt werden sollen, desgl. den Antrag Rickert-Ballestrem, wonach im Etat 1890/91 die für eine neue Kreuzercorvette L bereits bewilligte erste Rate von 2300 000 Mk. in Wegfall kommt und als erspart nachzuweisen ist.

Posen, 11. März. Die Warthe ist sowohl hier wie bei Pogorzelice in stetem Steigen- hier ist sie 4,74, in Pogorzelice 4,89 Meter hoch. Die Ueberschwemmung wächst, die Zahl der Obdachlosen nimmt zu.

München, 11. März. Sämmtliche Abendblätter bringen aus Anlaß des 7 0. Geburtstages des Prinz- Regenten Festartikel und Huldigungsgedichte. In den prächtig geschmückten Straßen bewegt sich trotz des mit Schnee gemischten Regens eine dicht gedrängte Menschenmenge.

Wien, 11. März. Gegenüber der Meldung von der Einberufung des Reichsraths aus den 10. April wird authentisch mitgetheilt, daß der Einberufungstermin noch keineswegs festgestellt sei.

Paris, 11. März. DemTemps" wird aus Tunis gemeldet: InMenzel bei Gabes stürzte eine Synagoge ein- zahlreiche Kinder wurden verschüttet- bisher sind vier Leichen aufgefunden.

London, 11. März. Das Unterhaus nahm einstimmig in zweiter Lesung die von Jesse Collings eingebrachte, von der Regierung im Princip gebilligte. Vorlage an, durch welche die Localbehörden ermächtigt werden, Land anzukausen und es in fünfzig Acker nicht übersteigenden Malereien zu verkaufen oder in Parzellen bis zu zehn Acker zu verpachten. Das Schatzamt foll die erforderlichen Gelder vorstrecken und die Kosten für die Ausführung des Gesetzes aus Localabgaben bestritten werden.

Stockholm, 11. März. Die zweite Kammer nahm -ie Grundgesetzvorlage an, wodurch die Deputirtenzahl der ersten Kammer auf 150 und die der zweiten Kammer aus 225 festgestellt wird. Von den Deputirten der zweiten Kammer werden 75 von den Städten und 150 von den Provinzen gewählt. Dieser Beschluß 'entspricht dem vor einigen Tagen von der ersten Kammer gesüßten.

Lüttich, 11. März. Der Strike in den Stahlwerken Cockerills dauert fort. Die Hälfte der Arbeiter feiert. Morgen ist Sitzung des Schiedsgerichts. Die Arbeiter sind ruhig.

Konstantinopel, 11. März. Die Ratificationen des deutsch-türkischen Handelsvertrages vom 26. Sep- rember 1890 wurden gestern ausgetauschr. Dem Vernehmen nach werden die in dem Vertragstarif vorgesehenen Er­höhungen der türkischen Eingangszölle nicht sogleich in Krast Lesetzt. ______________

Berlin, 12. März. Das Befinden Windthorsts war gegen Morgen etwas besser. Gefahr bleibt jedoch nicht ausgeschlossen. , Der Kaiser fuhr Vormittags bei dem Patienten vor und er­kundigte sich persönlich nach deffen Befinden.

Locales und Keovinzielles.

Gießen, 12. März.

Samstag den 14. März l. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine Ifieutliche Sitzung des Provinzialausschuffes der Provinz Ober- Hessen statt, in welcher folgende Gegenstände verhandelt werden:

1. Gesuch des Christoph Wagner XX. von Großen- Buseck um Dispensation von der Errichtung einer Brandmauer.

2. Gesuch des Christoph Bäckel zu Bauernheim um Er- laubniß zum Betriebe einer Zapfwirthschast.

3. Gesuch des Adolf Heß von Vilbel um Erlaubniß zum Wirthschaftsbetrieb.

4. Anzeige gegen dte Gemeinderathsmitglieder Kaspar Scheerer und Consorten zu Ober-Mörlen wegen Fehlens in der Gemeinderathssitzung vom 25. Oc­tober 1890.

5. Klage des Ortsarmenverbands Goddelau gegen den Ortsarmenverband Rockenberg wegen Uebernahme der hülfsbedürftigen Mathilde Handwerk.

Dem Jahresbericht des Großh. Realgymnasiums und der Realschule, welchem ein sehr lehrreicher und für die Ent­wickelung der Universität Gießen interessanter Beitrag zur Geschichte des chemischen Unterrichts an der Universität (von Herrn Director Weihrich) beigegeben ist, entnehmen wir folgende Ziffern: Es besuchten das Realgymnasium im ersten Viertel des Berichtsjahres 221 Schüler, wozu im Lause des Schuljahres noch 5 kamen- es gingen davon ab 17, so daß im letzten Vierteljahr die Zahl der Schüler 209 betrug. Davon waren 63 auswärtige Hessen und 47 aus­wärtige Reichsdeutsche. Der Religion nach waren von den Schülern 200 evangelisch, 11 katholisch, 15 israelitisch. Die Realschule wurde im ersten Vierteljahre von 271 Schülern besucht, zu denen im Lause des Schuljahres noch 12 kamen- 12 gingen ab, so daß der Bestand im letzten Vierteljahre der gleiche war wie im ersten. Unter den Schülern befanden sich neben 186 einheimischen 51 aus­wärtige Hessen und 46 auswärtige Reichsangehörige. Nach der Religion vertheilten sich die Schüler aus 239 Evangelische, 11 Katholiken und 33 Israeliten. Die Vorschule wies am Schluffe des Schuljahres 155 Schüler aus, darunter 138 Einheimische, 10 auswärtige Hessen und 12 auswärtige Reichsdeutsche. 144 Schüler waren evangelisch, 6 katholisch, 10 israelitisch. Von den Abiturienten der Real­schule von Ostern 1890 widmeten sich 3 dem Postfach, 1 dem Eisenbahnsach, 4 der Kaufmannschaft, 1 dem Bureau- dienst, 1 dem Geschäft und 1 der Müllerei. Die öffent­lichen Prüfungen finden am Freitag den 13. und Samstag den 14. März statt.

Zu dem in aller Kürze in Darmstadt stattfindenden tzxamen für das Finauzfach erster Sategorie sind, wie die

N. Hess. Volksbl." berichten, bis jetzt schon 80 Zulassungs­gesuche eingelausen, eine bisher noch nicht erreichte Zahl. Im Vorjahre unterzogen sich 56 junge Leute diesem Examen, von denen indessen nur 13 bestanden. Die restirenden 43 sind in obiger Zahl nicht enthalten, weil dieselben, nach einer Ministerialversügung, nicht vor zwei Jahren zu einem neuen Examen zugelassen werden können. Der Zudrang zur Finanz- carriere scheint also immer noch stärker werden zu wollen.

lieber die gestrige Turnprüfnng der höheren und erweiterten Mädchenschule erhielten wir folgenden Bericht: Die Turnprüfung der höheren Mädchenschule begann gestern Nachmittag um 3 Uhr. Der Turnsaal war kaum im Stande, die Eltern der Mädchen, die Freunde und namentlich die Freundinnen des Mädchenturnens zu fassen, was uns als Beweis gilt, daß die Wichtigkeit des Turnens sich auch bei der Damenwelt Bahn gebrochen hat. Alle Anwesenden, be­sonders aber die Damen, folgten mit großer Aufmerksamkeit den Hebungen. Aber auch welch' liebliche Bilder entfalteten schon die kleinen Turnerinnen vor den Augen der Zuschauer durch die verschiedensten Gang- und Hüpsarten, denn mir freudestrahlenden Gesichtern durchzogen die Kleinen den Turnsaal auf schön gebogenen und geschlungenen Linien. Die größeren Mädchen entwickelten bei den verschiedensten Gangarten nach vielen Richtungen und in verschiedenen Gruppirungen eine geradezu bewunderungswürdige Mannig­faltigkeit und Fertigkeit. Sieben verschiedene Reigen wurden von den Mädchen mit dem größten Vergnügen, aber auch mit ernstlicher Bemühung wirklich wunderschön ausgesührr, und namentlich die präcise Ausführung des Ball- und Schwank- hüpsreigens imponirte allen Zuschauern. Die Hebungen an der Leiter, der Streckschaukel, der Rundlauf, die Gänge aus der Schwankschaukel wurden von den Turnerinnen in einer so schönen und sicheren Weise ausgesührt, daß alle Anwesenden nur Worte des Lobes hatten. Gegen 5 Hhr nahm die Prüfung der Mädchen aus der erweiterten Mädchenschule ihren Anfang, und wir haben nicht nöthig, über die Einzel­heiten, wie oben, zu berichten, denn auch diese Schülerinnen haben fast alle oben angeführten Hebungen so nett, sicher und präcis zur Ausführung gebracht, daß darüber alle An­wesenden in das höchste Erstaunen versetzt wurden.

Schwurgerichts-Verhandlung vom 12. März 1891. Unter dem Vorsitze des Großh. Landgerichtsraths Pückel wurden die Schwurgerichtssitzungen für dieses Quartal er­öffnet. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Wil­helmine Müller von Usenborn wegen Kindestödtung. Als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Heinrich Sehrt, Johann Friedrich Stoll, Wilhelm Kalbhenn, Bürger­meister Hensel, Ernst Eduard Vogt, Karl Hämmerle, Johann Georg Gernand II., Christoph Theodor Brück (Gießen), Johannes Frank, Karl Becker II. (Gießen), Johannes Peter Brach (Gießen) und Heinrich Euler.

Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlich- keit statt und endete mit der Vernrtheilung der Angeklagten in eine Gefäugnißstrafe von drei Jahren nebst Kosten, nach­dem die Geschworenen (Obmann: Christoph Theodor Brück) die Schuldfrage sowie die auf mildernde Umstände gerichtete Nebenfrage bejaht hatten.

In vergangener Nacht kurz nach 12 Uhr wurden die Bewohner der Stadt durch die Sturmglocke aus dem Schlafe ausgefchreckt, und ein intensiver Feuerschein ließ auf den Ausbruch eines größeren Brandes schließen. Glücklicher­weise war es nur eine im Garten Leihgesterner Weg Nr. 21 stehende größere Bretterbude, die zur Ansbewahrung von Stroh diente, welche in Brand gerathen war und bei dem herrschenden Sturmwinde und dem gänzlichen Mangel an Wasser in jener Gegend bis auf den Grund niederbrannte. Die Entstehungs- nrsache ist nicht bekannt. Es dürste auffallen, daß dieses schon der fünfte Brand innerhalb anderthalb Jahren in diesem Stadttheile ist.

Friedberg, 10. Mürz. Die hiesige Realschule und das Progymnasium waren im verflossenen Schuljahre von 274 Schülern besucht und zwar von 142 einheimischen und 140 auswärtigen. Der Consession nach vertheilen sich dieselben in 209 Evangelische, 29 Katholische und 44 Israelitische. Das Progymnasium besuchten 71 Schüler. Eröffnet wurde das Schuljahr mit 274 Schülern, eingetreten sind 8, ab­gegangen 8, so daß der Bestand am Schlüsse des Schuljahres 274 Schüler beträgt. Die Prüfungen finden am 12. und 13. März, der öffentliche Schulactus am 14. März, die Auf­nahme neuer Schüler am 6. April statt.

Friedberg, 11. März. Kürzlich unterzog ein königlich preuß. Landrath von Hofgeismar mit Kreisrath Dr. Braden unter Führung von Decan Meyer die hiesigeHerberge zur Heimath" einer eingehenden Besichtigung. Das für die Herberge selbst sowohl als für unsere Stadt sehr er­freuliche und ehrenvolle Ergebniß der Jnspection war, daß sich die genannten Beamten sehr befriedigt, sowohl über die innere Einrichtung, als die Führung der so segensreich wirkenden Anstalt aussprachen.

Laubach, 10. März. Laubach wird nun auch eine Wasserleitung erhalten und soll mit dem Bau bei günstiger Witterung baldigst begonnen werden. Dieselbe wird noch in diesem Herbst vollendet und werden ihre wohlthätigen Einrichtungen dann sofort dem Publikum zu Gute kommen. Mit Ingenieur Hilliger in Frankfurt a. M. wurde der betr. Vertrag abgeschlossen.

Alsfeld, 9. März. In einer seit Kurzem hier eröffneten Möbelfabrik ereignete sich dieser Tage ein trauriger Up glückssall. Dem an der Kreissäge beschäftigten Arbeiter Müller von Billertshausen wurden vier Finger der rechten Hand total abgesägt. Herr Dr. Dornseiff, welcher sofort gerufen wurde, mußte leider die Hand des Verunglückten amputiren und einen Nothverband anlegen, worauf Müller ins hiesige Spital verbracht wurde. In hiesiger Gegend, namentlich in Romrod, ist seit einiger Zeit die gefürchtete > Influenza wieder aufgetreten.

§ Aus dem Kreise Alsfeld, 11. März. Unsere Befürch­tung bezüglich Ausbreitung der wieder auftretenden Maul- nnd Klauenseuche im Kreise scheint sich leider bewahrheiten zu wollen. Nachdem Gr. Kreisamt anfangs nur über ein Gehöft in Leusel die Sperre angeordnet, wird jetzt dieselbe über die ganze Gemarkung Leusel verfügt. Daß der am 18. d. Mts. zu Homberg a. O. stattfindende Viehmarkt mit Rücksicht auf das Bestehen der Maul- und Klauenseuche in mehreren Ge­höften daselbst untersagt ist, haben Sie bereits schon mitge­theilt. Unzweifelhaft geht hieraus hervor, daß die plagende Seuche wieder rasch an Verbreitung gewinnt.

St. Ans dem Ohmthal, 11. März.Die linden Lüfte sind erwacht" , warmer Regen träufelt auf die Fluren und wäscht die letzten Spuren des scheidenden Winters hinweg. Der Schnee ist überall gewichen" und seine Neste verkriechen sich hinter Gräben und Rainen und schrumpfen jeden Tag mehr zusammen. Die Koppen des Vogelsbergs sehen nicht mehr weiß ins Thal. Im Morgengrauen ertönt der aup munternde Ruf der Meise an den Landmannspitz die Schar!" und auch der Buchfink schinettert wieder fein hell­klingendes Lied. Das sind die Vorboten des kommenden Frühlings. Endlich zeigt die Vegetation nach langem Winter­schlaf wieder Leben, bereits ziehen sich grüne Streifen durch den falben Wiefengrund, es sind die sprossenden Gräser. Unter der Hecke knospet das Veilchen, noch getraut es das Auge nicht zu offnen vor den es blendenden, von nahen Rainen herüber leuchtenden einzelnen Schneestreifen. Das Schnee­glöckchen aber, das heuer gar lange zurückgehalten, läßt schon die weißen Streifen des bald berstenden Köpfchens hervor- leuchteu- es wartet auf das Zeichen zum Einläuten des Früh­lings. Hält die gegenwärtige linde Witterung an, dann wird es nicht mehr lang auf sich warten lassen. Frost haben wir, trifft die bekannte Wetterregel von den 40 Rittern zu, welche in der Nacht vom Montag auf den Dienstag nur ihre kurze Visite machten, auch nicht mehr zu erwarten- beim gefroren hat es in der Nacht nicht, anders hätten wir der Regel nach, noch 40 Frostnächte zu erwarten gehabt (?). Das anhaltende Regenwetter läßt die Ohm über ihre Ufer treten und schon droht ein See das Wiesenthal zu begraben. Auch in die Keller, Scheunen und Ställe dringt abermals das Wasser aus allen Fugen und die Leute haben wiederholt ihre Noth mit der leidigen Wassercalamität. Es steht aber sicher zu er­warten, daß diesmal die Wasserstauung nicht so lange an­hält, denn der milde Regen wird bald die noch unten ge­frorene Erde aufthauen. Der Winter hat Heuer in der That sehr gedroht", aberes muß doch Frühling werden!"

Herbstem, 6. März. Ein Handelsmann und Viehhändler von Ulrichstein lieferte zu Ende vorigen Jahres einem Bauer mehrere Pfund Rindfleisch. Als der Bauer das Fleisch ge­kocht hatte und es genießen wollte, fand er, daß es kein Rindfleisch, sondern geringwerthiges Ziegenfleisch war, worauf derselbe Anzeige gegen den Handelsmann wegen Betrugs erhob. Letzterer, ein wohlhabender Mann, wurde nun heute am hiesigen Schöffengericht des Betrugs für schuldig erachtet und in eine Gefäugnißstrafe von vier Tagen und in die Kosten vernrtheilt. ________

Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthum Heffeu. Der Weinhändler PH. Mattern in Wörrstadt wurde zu 100 M. Geldstrafe vernrtheilt, weil er im Jahre 1889 unter Verwendung von 3]/2 Ohm Wein, Zucker, Rosinen drei Stück 3600 Liter Wein hergestellt hatte. Ferner hat er im Juni 1890 68 Ohm Drusen und aus einer Brühe, die er durch Einweichen von bereits gekeltertem Trester, unter Zu­satz von ca. 22 Centner Zucker und etwa 60 Liter Sprit gewann, ca. 6600 Liter Wein hergestellt. Eingezogen wurde eigeu- thümlicher Weise diese SorteWein" nicht. Am Samstag wurden von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog die mit der Verdienstmedaille ausgezeichneten Arbeiter Hahn, Krost, Kriger, Kandier, Schreiber, Kandner, Hitter, Kaik, Kraft und Ditt, welche in den Mainzer Lederwerken über 45 Jahre be­schäftigt sind, empfangen. Im Tunnel zu Mainz riß am Samstag ein Güterzug auseinander, weil ein in demselben befindlicher Waggon zu hoch beladen gewesen. In Baben­hausen wurde am 6. dss. Mts. ein etwa 60 Jahre alter Mann verhaftet, der schon seit längerer Zeit im dortigen Ge­meindewalde campirte. Der Mann gerirte sich bei seiner Fest­nahme als der zweite Schäfer Thomas und prophezeite für die nächste Zeit einen furchtbaren Krieg. Der Mann wurde zur weiteren Beobachtung feines Geisteszustandes ins Seligen­städter Amtsgericht abgeführt. Vor Kurzem passirte ein fremder Mann hoch zu auf den Schultern eines anderen Menschen die Stadt G a u-Al g e s he im, um an den Bahn­hof zu kommen. Der Reiter war, wie man sagt, für 2 Mk. von Ober-Hilbersheim von dem Anderen den ganzen Weg (zwei Stunden) getragen worden. Der arme zweibeinige Gaul" war, trotzdem er in Hemdärmeln ging, ganz in Schweiß gebadet. In Flomborn wurden infolge des Gerüchtes, daß in dortiger Gegend falsches Geld sabrieirt würde, ein Spenglermeister nebst seinem Sohne verhaftet. Eine mehr leichtsinnige als lustige Wette wurde neulich in Bischofsheim eontrahirt. Ein hetrathslustiger, junger Bursche von da wettete 50 Liter Wein, daß er bis kommende Ostern in den Stand der Ehe getreten sei, trotzdem er bis jetzt noch keine Wahl getroffen habe. Wenn der junge Mann auf diesem Wege nur nicht ein Weib erhält, das ihm nach der Hochzeit begreiflich macht, daß, wer sich in Gefahr be­gibt, darin umkommt. Infolge Wegfalls der Wein­steuer soll in vielen Orten Rheinhessens der Schoppen Wein um 5 Psg. billiger verzapft werden. In Büdesheim schoß am Sonntag Abend ein junger Mann nach vorher- gegangenem Wortwechsel mehrere Revolverschüsse auf seinen Schwiegervater ab. Die demselben zugefügten Verletzungen sollen indeß nicht gefährlich sein. Infolge des günstigeren Wafferstandes des Rheines ist z. Z. der Transport von Kohlen ein recht reger. Am 9. dss. Mts. passirten z. B. 18 Kohlenschiffe Bingen. Am Samstag Nachmittag steckten in Mainz einige Buben das hohe, aber gänzlich verdorrte