Ausgabe 
13.1.1891 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Berlin, 10. Januar. Der Centralvorstand des Afrika- Vereins der deutschen Katholiken hat für Missions- und ähnliche Zwecke in Deutsch-Ostafrika die bedeutende Summe von insgesammt 75000 Mk. und für den Wißmanndampser aus dem Victoriasee 25 000 Mk. bewilligt.

München, 9. Januar. In Bayern beschäftigt der von liberaler Seite gemachte Vorschlag, anläßlich des bevorstehen­den 70. Geburtsfestes des Prinzregenten Luitpold die Summe von 10 Millionen Mark aus den Etatsüberschüssen zu einem in München zu erbauenden Nationalmuseum zu widmen, lebhaft die Gemüther. Es liegen indessen über dieses Project so viele zum Theil widerspruchsvolle Meldungen vor, daß man gut thut, das Nähere abzuwarten. Auch schreibt die Münch. Allg. Ztg.", daß nach ihren Informationen die An­gelegenheit sich zur Zeit in einem Stadium befinde, welches augenblicklich weitere Mittheilungen hierüber noch ausschließe- es scheint demnach auch die Nachricht, daß der bayerische Landtag demnächst zu einer kurzen außerordentlichen Tagung in dieser Angelegenheit einberufen werden solle, als verfrüht. Bemerkenswerth ist, daß die Münchener Centrumsblätter, wieFremdenblatt",Bayerischer Courier",Vaterland", dem Projekte vom finanziellen Standpunkte aus sehr lebhaft widersprechen.

Ausland.

Wien, 9. Januar. DieNeue Fr. Pr." meldet aus Pest über die deutsch-österreichischen Handels­vertrags-Verhandlungen: Die deutschen Unterhändler sorderten die Wiederherstellung der seither geänderten Ver­fügungen der Art. 15 und 18 des Handelsvertrags von 1878, nämlich die Erhebung gleicher Einheitssätze im localen und im Durchzugsverbandsverkehr wie für die eigenen Provenienzen. Deutscherseits fverde ferner als die erste Voraussetzung für Den Handelsvertrag die Gewährung beiderseitiger Garantien hinsichtlich der Eisenbahnpolitik bezeichnet, damit eine Neu- tralisirung und die Umgehung der Zollsätze durch Tarifsätze unmöglich sei. Da man deutscherseits die paritätische tarifarische Behandlung der deutschen Provenienzen als conditio sine qua non für das Zustandekommen des Handelsvertrags bezeichnet, sei die österreichische Regierung nicht abgeneigt, auf die Vor­theile der bisherigen Tarifpolitik zu verzichten, um dieses Hinderniß für den Abschluß des Vertrages zu beseitigen. Gegenüber den gestern an der Börse verbreiteten Gerüchten über die angeblich unmittelbar bevorstehende Einberufung der Valuta-Enquete meldet dieNeue Fr. Pr." aus Pest, daß in letzter Zeit bezüglich der Einberufung derselben zwischen den Regierungen Oesterreichs und Ungarns keinerlei Ver­handlungen stattgesunden hätten- daher sei der Zeitpunkt für die Einberufung noch unbestimmt.

Paris, 9. Januar. DerTemps" meldet aus Peters­burg, Prinz Waldemar von Dänemark habe sich brieflich an den Czaren gewandt, mit der Bitte um Ausnahme des Herzogs von Orleans als Offizier in ein russisches Cavallerieregiment. Der Czar erwiderte, rr sehe darin mit Rücksicht aus die ausgezeichneten Be­ziehungen zu der französischen Regierung eine Unzukömmlichkeit, da die sranzösische Regierung darin eine tendenziöse Begünstigung der monarchischen Partei erblicken könnte, während Rußland der französischen Partei-Discussion fremd bleiben wolle, so lange Frankreich, welches alle Sym­pathien Rußlands besitze, an der Spitze eine geachtete Re­gierung wie diejenige Carnots habe. Bezüglich des Hin­weises auf den Fall des Prinzen Napoleon habe die Antwort erklärt, daß dieser Prinz niemals Aspirationen auf den Thron, noch Verwickelungen mit der Regierung der Republik gehabt habe.

Konstantinopel, 9. Januar. Ein Communique des Auswärtigen Amtes bezeichnet den vor einigen Tagen ver­hafteten Lutzki als Terroristen und in mehrere Criminal- untersuchungen in Rußland verwickelt- er sei Verurtheilungen nur durch die Flucht nach Bulgarien entgangen. Lutzki sei von der russischen Polizei mit erdrückenden Beweisen als ge­meiner Verbrecher gesucht- weder der Palast noch die otto- manische Regierung hätten sich in die Verhaftung eingemischt - die russischen Consularbehörden seien selbstständig vorgegangen, denn gemäß den Capitulationen stehe den sremden Consulaten gegen ihre Nationalen das Verhastungsrecht zu. Die otto- manische Regierung habe keinen Anlaß gehabt, Lutzki als ge­meinen Verbrecher zu schützen.

Die Sterblichkeit der Stabt Gießen im Jahre 1890.

Die Gesammtzahl der Sterbfälle betrug im Jahre 1890: 536, davon 97 Kinder im ersten Lebensjahre, 115 von zwei bis fünfzehn Jahren und 324 Erwachsene.

Nach Abzug der hierbei mitgezählten verstorbenen 145 Ortsfremden stellen sich die Zahlen in derselben Reihen­folge für die Bevölkerung der Stadt auf 391, 92, 76 und 223. Die Sterbeziffer beträgt, allerdings noch auf das Resultat der Volkszählung vom 1. December 1885 mit 18 962 Einwohnern berechnet, für die Gesammtsterbsälle 28,26 nach Abzug der Ortsfremden 20,06 vom Tausend der orts­anwesenden Bevölkerung, ist demnach umsomehr eine nicht ungünstige, als sich dieselbe bei der nach der letzten Volks­zählung constatirten Bevölkerungszunahme in Wirklichkeit noch günstiger stellt.

Ansteckende Krankheiten haben für die Bewohner der Stadt meistens nur in mäßiger Zahl auf die Sterblichkeit eingewirkt. Von Masern ist kein Sterbfall bekannt geworden, von Scharlach, Halsbräune und Unterleibstyphus nur je einer, von Keuchhusten und Rose je zwei, von Wochenbett­krankheiten 3 und von Rachenbräune 30. An Lungenschwind­sucht starben 50, an acuten entzündlichen Erkrankungen der Athmungs-Organe 57, an Gehirnschlagfluß 11 Personen, an acutem Gelenkrheumatismus eine und an Darmcatarrh und Brechdurchfall 14 Kinder im ersten Lebensjahre. Anderen bekannten Krankheiten erlagen 195 und unbekannt blieb die Todesursache in 18 Fällen. In Folge von Verunglückung sind 5 Personen gestorben, 2 durch Ertrinken und 3 durch Ueberfahren. Andere Arten gewaltsamen Todes sind bei der einheimischen Bevölkerung nicht vorgekommen.

Großh. Kreisgesuudheitsamt Gießen.

Locales rrnd provinzielles.

Gießen, 12. Januar.

Samstag den 17. Januar l. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des ProvinzialausschuffeS der Provinz Ober- heffeu statt, in welcher folgende Gegenstände verhandelt werden:

1. Antrag des Großh. Bürgermeisters Petri von Oppenrod auf Erhöhung seiner Bureaukosten.

2. Gesuch des Eduard Riemer von Gießen um Er- theilung der Concession zum Wirthschaftsbetriebe.

3. Klage des Friedrich Koch senior von Hain-Gründau gegen die Gemeinde Hain-Gründau wegen der Loos- holznutzung.

4. Klage der Georg Wilhelm Kratz Wittwe von Nieder- Florstadt wegen verweigerten Loosholzes.

5. Gesuch des Maximilian Jaskowsky zu Gießen um Ertheilung der Concession zum Wirthschastsbetrieb.

Unter Hinweis auf den in voriger Nummer ange­kündigten, am 21. d. M. stattfindenden Vortrag des Herr» Director Reich über die Frage:Stammt der Mensch vom Affen ab?" theilen wir ein Bruchstück des Referats über den­selben Vortrag aus demHannoverschen Tageblatt" vom 2. April 1890 mit:.....Er besprach zunächst die

Hauptarten menschenähnlicher Affen, Gorilla, Schimpanse und Orang-Utang, und stellte dazu die niedrigstehenden Menschen­rassen, Zulus, Koffern, Buschmänner u. s. w., in Parallele, indem er das Aehnliche wie die wesentlichen Verschiedenheiten in der Körperbeschaffenheit derselben hervorhob. Weiterhin ging er auf menschliche Deformationen, Kretins, Mikrokephalen, ein und kam zu dem Schluffe, daß ein Wesen, welches als Mittelstufe zwischen Mensch und Affe zu bezeichnen ist, der Wissenschaft nicht bekannt und daher die Ansicht, daß das Menschengeschlecht eine Fortpflanzung des Affengeschlechts wäre, bis jetzt keineswegs zu begründen sei. Die Ausfüh­rungen des Redners wurden durch eine große Anzahl recht hübscher Riesenlichtbilder wirksam unterstützt. In einer dritten Abtheilung wurde dann aus die vorsündfluthlichen Zeiten zurück­gegangen und die Eis-, Stein-, Bronce- und Eisenperiode in raschem Fluge durchmessen. Auch hier dienen eine Reihe von Lichtbildern zur Veranschaulichung des Vortrags."

Nachdem der Markenverkauf für die Alters- und Jnvaliditätsversicherung begonnen hat, dürste es am Platze sein, einen kurzen Namen für diese Marken zu wählen. Es

wird daher der Vorschlag gemacht, sieArbeitSmarkerr^ zu nennen, ein Wort, das ja den meisten Menschen geläufig ist und sich doch leichter ausspricht, als Alters- und Invaliden­versicherungs-Marken. (Wie wir erfahren, dürste den Marken die amtliche Bezeichnung:Berfichernngsmarken" gegeben werden. Red.)

Um Schleifen oder sonst glatte Stellen ans den Straßen dauernd unschädlich zu machen, gieße man etwas warmes Wasser aus und streue unmittelbar sofort Sand oder Asche nach, durch das Gefrieren des Streuwittels im Waffer ist eine neue Glätte ausgeschlossen.

Friedberg, 8. Januar. Im Jahre 1890 wurden in hiesiger Stadt geschlachtet: 466 Ochsen, gegen 458 in 1889, 7 Bullen, gegen 2, 208 Kühe, gegen 152, 280 Rinder, gegen 353, 10 Stiere, gegen 19, 1125 Kälber, gegen 1198, 2590 Schweine, gegen 2880, 236 Hammel, gegen 187, 219 Schafe, gegen 114, 51 Ziegen, gegen 37, zusammen 5192 Stück Vieh in 1890, gegen 5400 in 1889. Bei der Fleischbeschau wurden 13 Stück beanstandet, wovon 3 ver­scharrt wurden, während 10 für genießbar, aber nicht laden­rein erklärt wurden.

* Resultate der Volkszählung. Wir haben vor Kurzem Einzelergebniffe der letzten deutschen Volkszählung veröffent­licht und es dürste daher für unsere Leser nachstehende, der Weser-Ztg." entnommene Zusammenstellung intereffaut sein. Sie führt die Volkszahl der bedeutenderen deutschen Städte von den Jahren 1885 und 1890 aus:

1890

1885

1. Berlin

1,574,485

1,315,287

2. Hamburg

570,000

471,427

3. Leipzig

355,485

291,623-

4. München

344,898

261,981

5. Breslau

334,710

299,640

6. Köln

282,537

239,437

7. Dresden

276,085

246,086

8. Magdeburg

201,913

159,520

9. Frankfurt a.M. 179,666

154,513

10. Hannover

163,100

139,731

11. Königsberg

161,149

151,151

12. Düsseldorf

147,000

115,190

13. Altona

144,636

123,352

14. Nürnberg

142,404

114,891

15. Stuttgart

139,695

125,909

16. Chemnitz

138,855

110,817

17. Elberfeld

125,830

106,499

18. Bremen

124,940

118,073

19. Straßburg

123,566

111,985

20. Danzig

119,714

114,805

21. Barmen

116,192

103,068

22. Stettin

116,139

99,543

23. Crefeld

105,000

90,236

24. Aachen

102,300

95,725

25. Braunschweig

101,227

85,174

26. Halle

100,883

81,982

Entscheidungen -es Reichsgerichts.

Als ein Unfall »tei dem Betriebe" im Sinne de» $ 1 des Unsallversicherungsgesetzes ist nach ein m UrtheU deS Reichs­gerichts, I. Strafsenats, vom S. October 1890 der nach der Beendi­gung der Arbeit auf dem Wege von der Betriebsstätte nach Hanse geschebene Unfall wckt aniuseh-n.

Gerichtliche Entscheidungen.

Für die UrrsalleirtschLdigrmg ländlicher Arbeiter ist eine vor Kurzem getroffene Entscheidung oes Reich'-vei sicherungsairttS von Wichtigkeit. Dieselbe geht dahin: Der für Gewerbe geltende Grundsatz, die weitere Erwerbsfähigkeit eines Verletzten nicht aus-- schließlich nach der Art seiner bisherigen Beschäftigung zu bemeffen, sei nicht in demselben Grade auf die in land- und forstwtrthschast- lichen Betrieben Beschäftigten anzuwenden. Die in den Verhältnissen begründete größere Seßhaftigkeit ländlicher Arbeiter lasse den ver­letzten schwieriger einen seinen Fähigkeiten entsprechenden Erwerb finden, waS bei Beurtheilung der verbliebenen Erwerbsfähigkeit ent­sprechend gewürdigt werden müsse.

iw 1 Von unübertroffener Wirkung ist baß

Zur «YUUlMrtie: staatlich geprüfte und begutachtete Haarwaffer von Retter in München welches statt Oel oder Pomade, täglich gebraucht, das Haar bis ins höchste Alter glänzend, geschmeidig und Scheitel haltend macht, die Kopfhaut von Schuppen re. befreit und dadurch die Thätigkeit derselben erhöht. Z h. um 40 £ und v* 1.10 bet I. H. Anhr, Sonnenstraße 25, in Gießen. [6887

. Soeben beginnt zu erscheinen:

Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig u. Wien.

CD 2 B CiT 5- » ».ft

H

dritte, neubearbeitete Auflage

von Prof. Pechuel-Loesche, Dr. W. Haacke, Prof. W. Marshall und Prof. E. Z. Taschenberg, mit über igoo Abbild, im Text, 9 Karten, igo Tafeln in Holz­schnitt u. Chromodruck von W. Kuhnert, Fr. Specht u. a.

130 Lieferungen zu je 1 M.=. 10 Halbfranzbände zu je 15 M.

BRE HM S

Frankfurter Würstchen

89] Emil Fischbach.

Fst. grobkörnigen [92

~ C a v i a r

empfiehlt Emil Orbig.

mit

liefert die

Briefpapier and Couverts

Brühlsche Druckerei (>r. Ohr. Pietsch)

7. Schulstrasse 7.

Fernsprecher 51.

beginnt soeben einen neuen Jahrgang mit dem Roman

Eine unbedeutende Frau von W. Heimburg.

Man abonnirt auf Die Garterrlarrte 1891 in Wochen»Nnmmeen bet allen Buchhandlungen und Postanstalten. Abonnements-Preis viertel­jährlich nur 1 JL 60 Mündliche und schriftliche Bestellungen werden auch an den Schaltern der Postanstalten angenommen.

Gold «nb eiltet, Sinn, Kupfer, Messt«-, Blei Zink, Eisen, Ofen, und Mnschinengvtz kauft zu den höchsten Tagespreisen

Lenis Kothen berget, 6724 Neuenweg 22.

MF ertteile Unterricht ine flicken n. Weißzerrgnsthen. Näheres zu erfragen Neustadt 61. 203

Sonntagsverein für Mädchen.

An jedem Sonntag von 2 bis 7 Uhr Nachmittags ist das .

Local in der Kleinkinderschale geöffnet zur Vereinigung der Mädchen. Um SM Uhr gemeinsame Unterhaltung Bucher und Spiele reichlich Händen. Für den Vorstand:

90 Dr. Naumann, Pfarrer.