Ausgabe 
12.11.1891
 
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werde ich ins Arbeitshaus gesteckt. Solche Bcscheingungen erhalten wir leicht und Papiere, wie wir sie wünschen. Wir haben eine gute Gesetzgebung; hat man seine Papiere in Ordnung, dann können uns Polizei und Gendarmen in Ruhe lassen." So plauderte der gesunde und starke Mensch und schritt dann lustig fürbaß. In den letzten Wochen lieft man verschieden in den Blättern, welche Uebelthaten die Stromer verüben. Mit Kleinem fangen sie an, mit Großem hören sie auf. Der oben vorgetragene, tatsächlich vorgekommene Fall gibt vielleicht manchem Landwirth, Handwerker und Bürger, unter Umständen auch der Polizei Gelegenheit, sich diese Menschen genau anzusehen. Sie sind eine Landplage, die bei den jetzigen theuren Zeiten noch schlimmer zu werden drohen als seither. Einem gesunden, starken, arbeitsfähigen Menschen sollte man niemals etwas schenken, es wird nichts Gutes damit gestiftet.

Bingen, 9. November. Nach langen Vorbereitungen eröffnet der hiesige Ortsgewerbe-Verein in eigens dafür erbauten Räumen am 16. November eine erweiterte Handwerker­schule, welche den Handwerkern aller Berufszweige, ins­besondere aber den Bauhandwerkern, Gelegenheit bieten soll, die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisse und die nothwendige Fertigkeit im Zeichnen sich zu erwerben. Mit dieser Schule ist zugleich ein Sonntags-Zeichnen-Unterricht und eine Abendschule ver­bunden.

Aus Hefseu, 9. November. Einzelne Verwaltungsbehörden machen gegenwärtig die Landwirthe daraus aufmerksam, beim Herannahen des Winters ihre jungen Ob st bäume in ge­höriger Weise gegen Hasen fraß zu schützen. Das vielfach gebräuchliche Umwickeln der Baumstämmchen mit Stroh oder Ginstern ist durchaus nicht genügend, weil der Hase diese Schutzmittel mit Leichtigkeit durchnagt- auch nisten sich im Stroh die Obstbaumschädlinge mit Vorliebe ein. Einewwirk­lichen Schutz gewährt nur das dichte Umwickeln der Stämmchen mit Dornen ein leicht und billig zu beschaffendes Schutz­mittel, welches im Hinblick aus die Bedeutung des Obstbaues nirgends unangewendet bleiben sollte. D. Ztg.

vermischtes.

* Marburg, 10. November. Die in weiten Kreisen bekannte und hochangesehene Studentenverbindung Pharmacia hat den Namen Hasso-Borussia angenommen.

*tf Aus Kurhessen, 10. November. Recht bezeichnend für die Versteifung des Geldmarktes und als Beweis dafür, daß auch allmälig in der Provinz das Zutragen von Spargeldern in die öffentlichen Kassen spärlicher erfolgt (während bekanntlich früher ein allzu großer Andrang herrschte), beweist die Thalsache, daß jetzt einzelne Sparkassen daran denken müssen, den Zinsfuß für ihre Spareinlagen wieder zu erhöhen, während vor noch nicht langer Zeit eine Herabsetzung nach der andern folgte. So gibt die Leitung der städtischen Spar- und Vorschußkasse zu Sontra bekannt, daß vom 1. Januar 1892 der Zinsfuß für sämmtliche Einlagen von 3 auf pCt. erhöht wird.

Kassel, 8. November. Ein blinder Passagier kam gestern Abend mit dem Frankfurter Courierzuge, welcher

11 Uhr 28 Min. eintrifft, hier an. Es war dies ein junger Mensch von 16 bis 17 Jahren, welcher unter dem letzten Wagen des Zuges ^auf der Bremsstange liegend, die Fahrt von Frankfurt bis Kaffel mitgemacht hat. Auf der ganzen Fahrt, welche vier Stunden dauert, wurde der blinde Paffagier nicht bemerkt, erst hier auf der Station Kaffel, wo derselbe unter dem Wagen hervorkroch, wurde er von den Bahn- bediensteten bemerkt und dem Stationsbeamten vorgesührt. Sein Reisegepäck bestand in einer kleinen Holzkiste.

*tt Aus dem Fürstenthum Waldeck, 10. November. Der Kaiser hat einem alten Düppeler Schanzew Ersttirmer auf ein erst jetzt an denselben eingereichtes Gesuch noch nachträglich eine Gnadenpension bewilligt. Es ist diese Vergünstigung dem 63 Jahre alten Tagelöhner Johannes Jungermann in dem Dorfe Mandern zu Theil geworden. Derselbe nahm an der Erstürmung der Düppeler Schanzen im Jahre 1849 Theil und wurde dabei verwundet. Jetzt nach 42 Jahren erhält er nach vielen vergeblichen Petitionen endlich eine Jnvalidenpension von 13^ Mk. monatlich ausbezahlt. Dem in ärmlichen Verhältnissen lebenden Invaliden ist diese Ent­schädigung herzlich zu gönnen.

* Braunschweig, 4. November. Auf Veranlassung des herzoglichen Staatsministeriums ist dieser Tage Seitens der Polizei eine Enquete über die Wohn-bezw. Schlafstuben der hiesigen Bäckergesellen veranstaltet worden. Es sind dabei vielfach große Uebelstände festgestellt worden. Zum Theil befanden sich die Schlafräume der Bäckergesellen über Backräumen, Aborten, Pserdeställen und sogar in der Mehl­kammer. Es soll nun jetzt aus sanitären und baupolizeilichen Gründen gegen die betr. Bäckermeister vorgegangen und Ver­besserung der schlechten Räume bezw. Ueberweisung anderer Räume an die Gesellen verlangt werden.

* Koblenz, 7. November. In letzter Nacht um 11 Uhr stürzten aus einer Strecke von hundert Metern zwei Steinbrüche der bewaldeten Höhe an der Brauerei Königs­bach vor der Stadt, dicht neben der Pferdebahn und Bahn­linie nach Bingen, ein. Nach einer fachmännischen Schätzung betragen die abgestürzten Felsmaffen achtzehntausend Kubik­meter. Gewaltige Felsmassen bedecken das Pferdcbahngeleise. Für die Bahnlinie nach Bingen besteht Gefahr bjrd) drohende Nachstürze.

* Berlin, 7. November. Von Wickersheimer prä­parierte Gänse will man von hieraus nach Südamerika exportieren, um auch den dortigen Deutschen den Genuß einer juten jebratenen Jans" zu ermöglichen. Es werden zwar in Südamerika selbst Gänse gezüchtet, das Fleisch dieser Thiere hat aber einen Geschmack, der dem deutschen Gaumen nicht behagl. Herr Wickersheimec hat gestern vier Gänse für den ersten Exportversuch präpariert. Man will die Thiere unausgenommen, wie man sie hier auf den Markt bringt, versenden.

* Die Thal einer Wahnsinnigen. Ein haarsträubender Vorfall wird aus der Ortschaft Gründen bei Arnstorff in Bayern gemeldet. Die schon längere Zeit an Geistesstörung leidende Frau des dortigen Försters hat ihr dreivierrel Jahre altes Kind in der Bratpfanne gebraten und Mittags den Leuten zum Schrecken Aller zum Essen vorgesetzt.

ttnieerfitüte - Nachrichten.

Studentin an der Berliner Unioersitäl. Aus Berlin wird derFr. Ztg." gemeldet: Der Docmtin der Mathematik, Miß Gentry aus Nordamerika, ist es, wie dieNat.-Ztg." erfährt, gestattet worden, den Vorlesungen einiger Professoren der Mathematik tM der hiesigen Universität als Hospitantin beizuwohnen.

wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gieße«.

44. Woche. Vom 1. November bis 7. November 1891.

Einwohnerzabl: 20 611 (tnd. 1600 Mann Militär). Loterblichkeitszister: 20,19 Voo bezw. 15,14 nach Ausschl. der Ortsfremden.

; Kind er

\ ES starben an: Zusammen:

' Diphtherie 1 (1)

Acute entzündliche Er- krankunaen der Ath- 1 mungs-Organe 1

Darmcatarrh 1

Andere bekannte

Krankheiten________5 (1)__

Summa: 8 (2) 5~(lj 2 1 (1)

Anm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreff enben Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen

Erwachsene: im vom

1.Lebensjahr: 2.Ib.Jahr:

1 (1)

1 -

- 1

4 (1) 1

Literatur »ins Kunft

»Deutscher Soldatenhort", lllustrirte Zeitschrift für daS < deutsche Heer. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl Siegismund, Berlin Mauerstraße 68. Heft 4 erschien soeben und enthält: Wilhelm II., König von Württemberg. Von Heinrich ; Hecke. Mit Porträt. Kein Gott im Hause. Volksthümliche ' Original-Errählung von E. von Wald-Zedtwitz. Fortsetzung. Die schöne Melusine Original-Erzählung von Richard Schott. Aus der Zeit der Befreiungskriege. Original-Abhandlung von Fedor von Köppen. Fortsetzung. Ein Militarschriststeller vor 325 Jahren. Von Baron von Escdenbach. Fortsetzung. Mit zwei Bildern: Ulrich t von Hutten und Trotz auf dem Marsche. Vollbild: In aller Eile. \ Nach dem Gemälde von K. Herzl. Mit Text von E. M. Vacano. Die österreichische Armee, ihre Einrichtungen und ihr Dienst. Von Wolf von Metzsch-Schtlbach. 4. Die Katsermanöver in Nieder- : österreich. Sächsische Kriegstrophäen von 1870/71. Ein Erinne- ? rungsblatt von Max Dittrich. Die Junker von Kleist und von Platen. i Gedicht von B. Emil König. Pfahlbauten. Von R. 0. K. Mit i einem Bild: Pfahldorf. Wie unsere Geschütze entstanden. Original-' j Studie von Schetbert, Major z. D. Fortsetzung. Mit Zeichnungen j ebenfalls vom Herrn Verfasser. Plauder ecke. Vaterländische ; Gedenktage. Humoristisches.Kameradschaftliches Plauderstündchen.

Briefkasten.

Eingesandt.

Gießen, 11. November 1891.

Der Eingang zum Stadtbach am H ochftätter'scheu Hause ; am Brandplatz ist für die vielen Passanten, besonders des Nachts, , geradezu gefährlich. Es sind wiederholt Kinder und Erwachsene die Treppe hinuntergefallen und haben mehr oder weniger bedeutende ; Verletzungen davon getragen. Hoffentlich genügt dieser Hinweis, datz bald etwas zur Vermeidung weiterer Unglücksfälle geschieht, -r-

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Der Voranschlag der Gemeinde Bettenhausen pro 1892/93 liegt vom 12. l. M. an acht Tage lang auf der hiesigen Bürgermeisterei zur Einsicht der Betheiligten offen.

Bettenhausen, am 10. November 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Bettenhausen.

Rückel. 10012

Der Voranschlag der Gemeinde Alteu-Buseck für 1892/93 liegt vom 14. I. M. acht Tage lang auf unserem Bureau zu Jedermanns Einsicht offen.

Alten-Buseck, am 10. November 1891.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck.

Krämer. 10013

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Lumda für 1892/93 liegt acht Tage lang, vom 17. d. Mts. an, auf unserem Geschäftszimmer zur Einsicht und Entgegennahme von Einwendungen offen.

Lumda, am 12. November 1891.

Großherzoglicke Bürgermeisterei Lumda.

Schultheiß. 10018

Coucursmsahm.

In dem Concursverfahren über das Vermögen der Actien-Gesellfchaft Vogelsberger Bergwerks - Verein in Gießen ist zur Abnahme der nach Abhaltung des Termins vom 5. Fe­bruar 1891 gestellten weiteren Schluß­rechnung des Verwalters, zur Er­hebung von Einwendungen gegen das weitere Schlußverzeichniß der Schluß­termin auf

Donnerstag, 3. Decbr. 1891,

Vormittags 10 Uhr, vor dem Grobherzoglichen Amtsgerichte Hierselbst bestimmt. [10017

Gießen, den 10. November 1891.

Glässing, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts.

Versteigerung

Samstag den 14. d. MtS., Nach- rnittogs 3 Uhr, versteigere ich im Pfand­local gegen Baarzahlung 1 Landauer und 2 Pferde. Versteigerung bestimmt.

Gießen, den 11, November 189.'. 10030 Mulch, Pfandmeister.

Nutzholz-Verkauf.

1 Aus dem Gemeindewald der Ge­meinde Steinbach, Districten Heeghrck : und Ameisenkopf, sollen ca. 30 Fest­meter Kiefern-Grubenholz fubmissions- weise vergeben werden.

Gegen vorschriftsmäßige Bürg­schaftsleistung binnen 14 Tagen nach der Genehmigung wird Zahlungs­termin bis Martini 1892 gestattet.

Die Offerten sind bis zum 19. ds. Mts. bei der unterzeichneten Stelle portofrei einzureichen, woselbst die : Eröffnung am 20. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, stattfindet.

Nähere Auskunft über die Dimen­sionen des Holzes re. ertheilt Forst- wart Balser dahier.

Steinbach, am 9. November 1891. Großh. Bürgermeisterei Steinbach.

Krämer. 10032

IBS- Stellensuchende jede« Be­rufs placirt schnell Neuter-Burea«, Dresden, Ostra-Allee 35. [10021

Arbeitsdersteigerung.

Freitag den 13. lfd. Mts., Vormittags 9 Uhr, soll im alten Rathhause eine zu 281,40 JL ver­alt s chlagte Pflasterarbeit versteigert werden.

Gießen, am 11. November 1891.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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