gekommen, dasselbe vor dem allgemeinen Termin ernten will, hat um Erlaubniß hierzu bei dem Bürgermeister event. Local- Polizeibeamten nachzusuchen, welcher, insofern er es für nöthig hält, durch einen oder nach Umständen zwei bis drei der im 8 1 erwähnten Besitzer einen Augenschein darüber einnehmen läßt, ob das Obst den nöthigen Grad der Reife erreicht hat und ohne Nachtheil des Eigenthümers nicht bis zur allgemeinen Ernte hängen bleiben kann. Wird die Ernte gestattet, so hat der Bürgermeister, ev. der Local-Polizeibeamte, zugleich einen Termin festzusetzen, bis zu welchem dieselbe beendet sein muß.
Von der ertheilten Erlaubniß hat der Bürgermeister (Local-Polizeibeamte) die Feldschützen zu benachrichtigen und für geeignete Aussicht Sorge zu tragen.
§ 3. Von dem Zeitpunkt an, wenn das fallende Obst als Viehfutter verwendet werden kann, ist das Auflesen des Fallobstes außerhalb der von dem Bürgermeister (Local- Polizeibeamten) nach Maßgabe der Local-Verhältnisie hierfür wöchentlich zu bestimmenden Tagen und Stunden verboten.
Der Zeitpunkt, von wann an die vorstehende Bestimmung bezüglich des Lesens des Fallobstes eintritt, wird von dem Bürgermeister (Local-Polizeibeamten) festgesetzt und bekannt gemacht. * ,
Kinder, welche das Alter der Schulpflichtigkett noch mcht überschritten haben, dürfen nur unter Aufsicht von Erwachsenen das Geschäft des Lesens verrichten.
§ 4. Von den Bestimmungen der §§ 1 bis 3 sind ausgenommen alle rundum eingefriedigten und an den Wohnhäusern oder innerhalb des Orts an der Ortsstraße liegenden Grundstücke.
§ 5. Übertretungen der §§ 1 bis 3 des vorstehenden Reglements werden nach Art. 69 des Feldstrafgesetzes bestraft.
Bekanntmachung,
Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach betr.
Die Arbeiten des 2. Abschnittes des ersten Feldbereinigungsbezirks zu Steinbach, nämlich die durch die Besitzstandsaufnahme erwachsenen Bonitirungskarten, Besitzstandsverzeichnisse, Gütergeschosse, Zusammenstellung der Gütergeschosse, die hierzu erforderlich gewesenen Berechnungen, sowie das Protocollbuch liegen in der Zeit vom 12. bis einschließlich 25. September l. I. auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Steinbach zur Einsicht der Betheiligten offen.
Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen diese Arbeiten findet Samstag den 26. September l. I., Nachmittags von 2Vr bis 5 Uhr in dem Rathhaus zu Steinbach statt.
Ich lade zu diesem Termin die Betheiligten unter dem Hinweis darauf, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschloffen sind.
Gießen, am 2. September 1891.
Der Vollzugs - Commissär:
_______ Nebel, Amtmann.________________
Bekanntmachung.
Johannes Martin in Gießen hat die Concession als Dienstmann mit der Dienstnummer 13 erhalten.
Gießen, den 9. September 1891.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. September. „Trommeln und Pseisen, krieg'rischer Klang . . ." klingt jetzt aus allen Ecken und Enden Europas her, es ist das Echo des „Krieges im Frieden", der gegenwärtig in den meisten Staaten unseres Welttheiles
bei. Der Bräutigam, mit gefärbtem Haar und Bart, machte einen jugendlichen Eindruck, die blasse Braut sah wie eine geschmückte Leiche aus. Kein Wunder war geschehen.
Im Spätherbst, als man auf den Feldern ringsum die I Wintersaat bestellte, kam Skotschau unter den Hammer. Der Graf, ein seiner Rechner, hatte nie daran gedacht, sein gutes Geld in Wirklichkeit an eine solch unsichere Sache zu wagen. Nun, wo er erreicht, was er so lange gewollt, hielt er die Geschwister nicht länger mit Versprechungen hin, brach ihnen feige sein gegebenes Wort.
Wohl Mitleid, aber nicht gerade Erstaunen erregte es, als man hörte, daß Baron Hubert, der seit dem Hochzeitstage der Schwester nicht mehr gelächelt, mit der Todeswunde in der Brust in einer seiner früheren Waldschonungen aufgefunden sei.
„Der arme Bursche, er hat wohl von dem filzigen Schwager nicht abhängen mögen," meinten bedauernd die früheren Kameraden, als sie auf einer fröhlichen Hühnerjagd sein trauriges Ende erfuhren.
In völliger Geisteszerrüttung sei die That geschehen, hieß es. Und so gönnte man auch dem Todten einen Platz in der kastanienumrauscbten Familiengruft, die fortan auf fremder Leute Grund und Boden stand.
Von der Gräfin Wanda Czarkow, die nach kurzer Ehe ihren Gatten an einer Indigestion infolge verschiedener opulenter Diners sterben sah, spricht man kaum mehr in der Gegend. Sie ist eine finstere, menschenscheue Frau geworden, die stets Trauerkleider trägt und nie ihr einsames Haus verläßt.
Nur einmal noch wurde ihr Name genannt, damals, als der Psarrer von Pawlowitz sein Amt niederlegte, um sich einer Missionsgesellschaft im Innern Afrikas anzuschließen. Allerlei Gerüchte aus der Vergangenheit tauchten auf, man erinnerte sich, daß die schöne, verzauberte Prinzessin von Skotschau einst auch ihren Roman gehabt, und so frischte man sie überall aus, die traurige, halbvergessene Geschichte, die ich eben hier erzählt habe.
geführt wird. Wohl ist es nur ein Scheinkrieg, den die Truppenmanöver bedeuten, aber mehr als je fußen sie in diesem Jahre aus dem Gedanken, daß aus dem lustigen Kriegsspiel einmal blutiger Ernst werden könnte und namentlich in den größeren Armeen sind diesmal die Herbstübungen besonders auf die Möglichkeit des ernsten Waffentanzes zugeschnitten. Von hervorragendem Interesse waren für uns Deutsche die am letzten Montag zu Ende gegangenen Kriegsmanöver der österreichischen Armee, zumal sie sich unter den Augen Kaiser Wilhelms und des Königs von Sachsen vollzogen. Sie sind in völlig seldgemäßer Weise geführt worden und haben bei allen competenten Beur- theilern derselben die Ueberzeugung hervorgerusen, daß das brave österreichisch-ungarische Heer im Großen und Ganzen auf der militärischen Höhe der Zeit steht und sich zu einer sehr achtungswerthen Leistungssähigkeit emporgeschwungen hat. Von Kaiser Wilhelm selbst ist dies ja in dem Trinkspruche, den er auf dem Manöverfelde von Göpsritz aus die Armee seines erlauchten Freundes und Verbündeten, des Kaisers Franz Joseph ausbrachte, voll und ganz anerkannt worden und die in den kaiserlichen Trinkspruch verflochtene Anspielung aus die treue Kameradschaft zwischen dem deutschen und dem österreichischen Heere verleiht dieser Kundgebung Wilhelm II. ihre überall gewürdigte politische Pointe.
Neueste Nachrichten.
WolffÄ telegraphisches Torresprmdenz-Bureau.
Berlin, 10. September. Die Stellung Englands zudenDreibundmächten besprechend, betont die „Nordd. Allgem. Ztg." die Interessengemeinschaft derselben und fügte hinzu, wenn auch die Interessen Englands und des Dreibundes sich nicht überall deckten, so ständen sie sich doch nirgends gegenüber. In dem Falle, wo die zunächst England berührenden Interessen bedroht erscheinen, würde die Frage, inwieweit auch die festländischen Interessen berührt seien, immer in entgegenkommendster Weise gewürdigt werden.
München, 10. September. Den „Neuesten Nachrichten" zusolge sagte Kaiser Wilhelm am Schluffe der Parade zu dem Prinzregenten: „Ich beglückwünsche Dich zu dieser schönen Armee!"
Hamburg, 10. September. Die Mitglieder des Con- gresses für internationales Recht besichtigten gestern Nachmittag den Dampfer „Normannia" und begaben sich dann zum Diner nach Blankenese. Heute Nachmittag waren die Mitglieder einer Einladung des Senats zum Diner gefolgt.
Mechelu, 10. September. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Katholikencongresses verlas Secretär Fris eine Adresse an den Papst, worin der Wunsch nach Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes ausgesprochen wird. Vorträge hielten CochiwParis, Winterer-Mülhausen, Tondini Italien, Dechamps und David-Belgien. Letzterer sprach über die muthmaßlichen Erfolge der Civilisirung Afrikas und pries das vom König von Belgien begonnene Werk.
Kopenhagen, 10. September. Morgen findet anläßlich des Namenstages des russischen Kaisers in der russischen Kirche eine Messe statt. Das Dejeuner wird auf dem Kriegsschiffe „Poljarnaja Swjesda^ eingenommen, das Diner in Fredensborg. Das russische Kaiserpaar trifft heute Nachmittag hier ein, dinirt beim Prinzen Waldemar und übernachtet an Bord des Schiffes. Die übrigen Mitglieder des Hofes werden morgen hier erwartet.
Petersburg, 10. September. Wie die „Nowosti" melden, soll hier unter Mithülfe eines Pariser Syndicats, in dem sich Vertreter der dortigen Presse, wie des „Journal des Döbats", befinden, eine Actien-Gesellschast gegründet werden zur Errichtung einer Mittelschule mit französischer Unterrichtssprache. Nur die russische Geschichte und Religion für Orthodoxe soll in russischer Sprache gelehrt werden. Die russische Regierung lege dem Vorhaben keine principiellen Schwierigkeiten in den Weg. Eine Commission behufs Verwirklichung des Planes sei bereits gebildet.
Konstantinopel, 10. September. Der Arbettsminister Mahmud Pascha wurde zum Generalgouverneur von * Kreta und Tewfik Pascha zum Arbeitsminister ernannt.
Newyork, 10. September. Der „Newyorker Herald" enthält einen Bericht über ein am 9. September in San Salvador stattgehabtes Erdbeben. Die Vulcane von San Salvador, San Miguel, Jzalca zeigten schon seit einigen Tagen erhöhte Thätigkeit, welche sich durch unterirdisches Rollen bemerkbar machte. Am Morgen des 9. September, um 1 Uhr 55 Minuten, erzitterte die Erde in vertical I schwingender Bewegung. Die Bewohner stürzten in Nachtkleidern aus die Straße und obwohl der Stoß nur zwanzig Secunden dauerte, flüchtete die bestürzte Menge ins Freie- Männer, Frauen und Kinder stießen wahnsinnige Hilferufe I aus. Die Häuser wankten und stürzten ein. Mit Zwischen- I räumen dauerte das donnerähnliche Rollen an. Der Himmel verfinsterte sich, die Atmosphäre war, so lange der Stoß I dauerte, mit feinen Staubtheilchen versetzt. Der Boden hob und senkte sich in wogender Bewegung. Selbst starke Männer konnten sich nicht aufrecht halten. Während des ganzen Morgens erfolgten noch leichte Stöße. Die Ortschaften aus I dem Lande haben noch mehr gelitten als die Hauptstadt. I Analquito und Comasagua sind zerstört, Cojulepeque, Santa Tecla, San Pedro und Masahuet gleichen Ruinen. Viele Menschenleben sind zu Grunde gegangen. Der Schaden an Eigenthum wird auf Millionen Dollars geschätzt. Die meisten I Orte, mit Ausnahme der an der Küste belegenen, haben gelitten. Der Stoß wurde bis Santa Ana, Suesimtepegne, I 60 Meilen von San Salvador, verspürt.
Newyork, 10. September. Nach einer Meldung des „Herald" eus Valparaiso haben die Juntamitglieder und Senatoren, deren Mandat noch unerloschen, beschlossen, da allgemeine Wahlen das beste Mittel zur Beruhigung des Landes sein dürsten, die Wahlen auf den 18. October anzusetzen. Die neugewählten Deputirten und Senatoren sollen
am 18. November den Präsidenten wählen. Der Kriegsminister Balmacedas unterwarf sich der Junta. Die Chefs der Junta behaupten, zur Anerkennung von Balmaceda ausgegebener Noten nicht berechtigt zu sein. Die Frage wird dem obersten Gerichtshof unterbreitet werden.
Newyork, 10. September. In der gestrigen Sitzung der republikanischen Staatsconvention des Staates Newyork zu Rochester sprachen sich von 771 Delegirten 639 für Blaine als Präsidentschastscandidat, 16 für Harrison, 3 für Foster und 1 für Mc Kinley aus.
Zanzibar, 10. September. Reuter-Meldung. Infolge Arbeitermangels lehnte der Sultan es ab, künftighin feinen Unterthanen zu gestatten, sich als Lastträger anwerben zu lassen. ______________
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 10. September. Bei einer Haussuchung in der Wohnung des Defraudanten Bock wurden 33 240 Mark in Werthpapieren vorgesunden. Ferner wurde bei einem Freunde Bocks die Quittung über bei einem Bankhause eingezahlte 3500 Mark beschlagnahmt. Es ist festgestellt, daß Bock, welcher 30000 Mark mitgenommen hat, Samstag über Hamburg nach Newyork abgereist ist.
Berlin, 10. September. Die „Voss. Ztg." meldet aus London: „Nach einer Nachricht aus Ottawa erkundigte sich die deutsche Regierung bei dem canadischen Land- wirthschasts-Ministerium, wieviel Exportroggen verfügbar sei. Das Ministerium veranschlagt die Ernte aus 2 Millionen Bushels, welche fast ganz exportirbar seien.
Kiel, 10. September. Der Capitän und Ingenieur des „Presidente Pinto" ist gestern auf feiner Durchreise nach Paris hier eingetroffen, um den „Kreuzer" dem dortigen Agenten der Congreßregierung auszuliefern.
Basel, 10. September. Der Bundesrath wird der Bundesversammlung eine wichtige Vorlage machen über die Monopolisirung der Wasserkräfte der Schweiz. Derselbe hat ein Circular an die Cantonsregierungen erlassen behufs Berichterstattung.
Wien, 11. September. Der französische Missionar Eugen Bonnet, seit drei Tagen Gast der Jesuiten im Kloster zu Lainz, wurde des Diebstahls zweier goldener Kelche aus der Kirche verdächtig, verhaftet.
Prag, 10. September. Die „Narodny Listy" melden: Die Elbschifffahrts-Gesellschaften schlossen ein Cartell ab behufs Erhöhung der Frachtsätze über den Durchschnitt der letzten Jahre. Angeblich soll der Satz bis 90 Pfennig für Aussig-Hamburg gegen durchschnittlich 50 Pfennig im Vorjahre erhöht werden.
Rom, 10. September. Der Juristen-Congreß in Florenz stimmte mit einer Mehrheit von 32 Stimmen für die Ehescheidung.
Rom, 11. September. Viel bemerkt wird ein Artikel der „Opinione" über die Militärausgaben. Italien habe viele Millionen für das Heer und die Marine ersparen können, es sei dies dem Bündniß mit den Centralmächten und dem Einvernehmen mit England zu danken. Das Blatt schließt, indem es der Regierung den Rath gibt, so lange der politische Himmel finster sei, keine neuen Ersparungen im Militär-Etat einzusühren.
Paris, 10. September. Nach dem „Journal osftciell" betrug der Korn im Port in der ersten Augusthälfte 1 396 599 Centner, außerdem wurden 38 605 Gentner Mehl importirt.
— Die Beerdigungsfeier Grevys findet am 14. September in Mont-Sous-Vaudrey statt.
Paris, 10. September. Der Director der Banque d’Arbitrage et Credit nebst vier Beamten wurden verhaftet. Die Passiva betragen 600000 Francs.
Coeof» und provinzielles.
Gießen, 11. September.
— Am morgigen Tage, 12. September, begeht das hessische Volk wieder einen Festtag, an welchem es seine Gefühle für das ihm angestammte Herrscherhaus in besonderer Weise bethätigen darf: den Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit unseres Großherzogs. Die Segnungen, deren sich unser engeres Vaterland auf allen Gebieten unseres öffentlichen Lebens und Wirkens erfreut, das Ansehen, welches unser Großherzogthum in der Reihe der deutschen Bundesstaaten und über die Grenzen des großen deutschen Vaterlandes hinaus genießt, sie sind eng verknüpft mit dem Namen unseres Großherzogs. Dankbar gedenkt das hessische Volk der Fürsorge, welche ihm unter der Regierung seines Großherzogs in Bezug auf die Verwaltung des Landes, in Bezug auf Kunst und Wiffenschaft, Verkehr, Industrie und Land- wirthschast zu Theil geworden ist. Und wenn es nun einmal unserem deutschen Vaterlande beschieden ist, neben der Be- thätigung seiner Schaffenskraft auf friedlichen Gebiete nicht außer Acht zu lassen die Erhaltung und Stärkung seiner Wehrhaftigkeit, so kann gerade das hessische Volk mit Stolz auf feinen Landesvater blicken. Die unvergänglichen Lorbeeren, die unter Führung unseres Großherzogs vor mehr als zwanzig Jahren die hessischen Truppen auf den Gefilden Frankreichs errungen, sie lassen den tapferen Führer der hessischen Division nicht ruhen, auch fernerhin feine Fürsorge neben derjenigen auf Erhaltung der Schaffensfreudigkeit feines Volkes der Erhaltung unserer Wehrkraft zu widmen. Und wenn je eine gute Vorbedeutung Beachtung verdient, so ist es die, daß gerade an seinem Geburtstage unser Großherzog dem obersten Kriegsherrn, unserem Kaiser, in Gegenwart einer großen Anzahl Fürstlichkeiten und berühmter Heerführer, inmitten eines ruhmreichen Armeecorps feine nicht minder ruhmreiche.


