erheblichen Antheil am Umsatz der Börsengeschäfte haben! Natürlich haben sie dann auch einen erheblichen Einfluß auf die Preise an den Börsen. Und dabei kommt wieder einmal der verderbliche Einfluß, den die heutige Börse hat, zum Vorschein. Millionen von Menschen sind an den Preisen an den Börsen, an den Geld- und Producten- börsen, interessirt. Leichtsinnige Schlemmer aber, Buben, die Geld für ihre Ausschweifungen brauchen, bestimmen die Preise mit. Und da gibt es Leute, die von abergläubiger Furcht vor der Börse reden! Ja wohl, es ist fürchterlich, wenn auf solche Weise nicht nur Papiercurse, sondern auch Getreidepreise gemacht werden. Man stelle sich das nur recht vor. Ein Dutzend solcher Bankhelden hat zwei Tage lang gejubelt und dabei viel mehr Geld ausgegeben, als sie besitzen. Die Börse muß es nun wieder hereinbringen. Speculiren sie zufällig aus das Steigen der Preise, so kann ganz gut am andern Tage der Roggen eine Mark höher stehen, und speculiren sie auf's Fallen, so kann ebenso gut der Bauer für die Frucht seines blutigen Schweißes eine Mark weniger lösen — und das alles, weil eine Hand voll Buben mit ihren „Damen" Champagner getrunken und sonstige kostspielige Genüsse sich verschafft haben.
Das sind keine haltbaren Zustände.
totales unö Provinzielles.
Gießen, 10. October.
— Mechanische Buntweberei in Gießen. Der Bericht Großh. Handelskammer für 1889/91 läßt sich über diesen Geschäftszweig wie folgt aus: Es läßt sich gleich der vorhergehenden Periode wenig Günstiges über den Gang der Geschäfte sagen, der Umsatz hielt sich zwar auf der Höhe der Vorjahre- eine Erhöhung der Verkaufspreise war aber im Allgemeinen nicht durchzuführen, obgleich die Herstellung der Waare neuerdings durch den colossalen Preis der Kohlen und das Ausschlagen aller zur Fabrikation nöthigen Gegenstände eine viel theurere war, ein Umstand, der den an und für sich sehr bescheidenen Nutzen bedeutend schmälerte. In den letzten Monaten des Jahres 1890 trat eine weitere erhebliche Verschlechterung des Geschäftsganges ein. Der plötzlich eintretende kalte und sehr lange Winter machte es einem großen Theile des Publikums unmöglich, dem gewohnten Verdienste nachzugehen, während das theure Brennmaterial die verfügbaren Mittel des Einzelnen stark in Anspruch nahm. So schließt das Jahr 1890 unter sehr ungünstigen Verhältnissen und ist eine Besserung im Jahre 1891 wohl nicht zu erwarten, da zu den bis jetzt so ungünstig einwirkenden Factoren noch die Vertheuerung der Lebensmittel hinzutritt und hierdurch die j Kaufkraft der mittleren und unteren Stände wesentlich reducirt ? wird. Diesen so geringen Nutzen zulassenden Umständen j stehen die fortwährenden neuen Belastungen der Industrie gegenüber und ist in Rücksicht hierauf eine gedeihliche Entwicklung der Geschäftslage in nächster Zeit wohl schwerlich zu erwarten.
— Dieffenbach'sche Sammlungen. Nicht, wie kürzlich irrtümlicher Weise mitgetheilt wurde, ist die historische Altertums-Sammlung des zu Friedberg verstorbenen Herrn G. Diesfenbach in diesen Tagen erst durch eine Commission des Darmstädter Museums besichtigt worden (dies geschah bereits vor ca. J/4 Jahre), sondern dieselbe ist schon seit einigen Wochen von der Großh. Staatsregierung angekauft und in den letzten 14 Tagen durch den Vertreter der Erben des verstorbenen Sammlers, Herrn Seminarlehrer Knoll-Alzey, an den Vertreter des Großh. Museums, Herrn Pros. Dr. Adamy, übergeben worden. Von der Reichhaltigkeit der aus urgermanischen, römischen und fränkischen Gegenständen bestehenden Sammlung kann man sich wohl einen Begriff machen, wenn wir hören, daß dieselbe zu ihrer Verpackung gegen achtzig Kisten beanspruchte. Am Mittwoch sind dieselben, in einen Möbelwagen verpackt, nach Darmstadt abgegangen. '
— Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle. Im Jahre 1890 wurden geboren in der Provinz Starkenburg 13 800 (darunter 163 Zwillinge und 2 Drillinge), es starben 9879, Eheschließungen sanden 3402 statt und Ehescheidungen 15. In Oberhessen wurden geboren 7442 (115 Zwillinge und 2 Drillinge), es starben 5966; Eheschließungen 1883 und Ehescheidungen 13. In Rheinhessen wurden geboren 9917 (113 Zwillinge und 1 Drilling), es starben 7677; Eheschließungen 2359 und Ehescheidungen 38.
Citeratur uteö Annst.
— Moltke als Bräutigam. Es ist ein scharf ausgeprägter Zug des deutschen Nationalcharacters, sich nicht mit der Kenntntß der glänzenden Außenseite seiner Helden zu '.begnügen, sondern auch ihr Privatleben eingehend zu studtren. Die Frage, ob dieser Zug ein guter oder ein schlechter sei, ist unzähligemale erörtert worden, an dem Zuge selbst ändern diese Erörterungen nichts. Aber auch wer gegen die Veröffentlichungen aus dem Privatleben großer Männer sich eingenommen fühlt, denen wir doch viele der prächtigsten Bücher der deutschen Literatur zu danken haben, wird nur mit innigster Freude die Briefe lesen, die Moltke an seine Braut und Frau geschrieben hat und die eben jetzt „Ueber Land und Meer" zu veröffentlichen beginnt. In ihnen zeigt sich Moltke von einer ganz neuen und zwar so überaus liebenswerthen Seite, daß diese Briefe in ihrer Gesammtheit selbst seine strategischen und anderen Schriften verdunkeln und überleben werden, weil sie nicht nur ein sachliches, sondern im höchsten Grade das allgemein menschliche Interest.' wecken. Jeder sollte diese Briefe lesen, denn gerade in unserer Zeit, die so vieles von unglücklichen Ehen zu erzählen weiß, haben diese Aeußerungen des gewaltigen Mannes etwas überaus Erhebendes, das auf Jung und Alt den bedeutendsten erziehlichen Einfluß auszuüben nicht verfehlen wird. Wir geben an einer anderen Stelle eine Eharacteristik der Briefe und Auszüge aus diesen selbst, wie sie uns bis jetzt in der ersten Nummer von Land ««d Meer« vorliegen, die auch sonst die wärmste Empfehlung verdient. Das rastlose Bestreben, das Beste zu leisten, immer vorwärts zu schreiten, ist auf jeder Seite derselben erkennbar. Sowohl in den prachtvollen Kunstblättern aller Genres, die das künstlerisch Gute mit den Anforderungen der Familie zu vereinen wissen und nirgends auf unlautere Regungen speculiren, wie im Text zeigt sich eine Vielseitigkeit und ein Geschick in der Auswahl, die schwerlich zu übertreffen sind. Der belletristische Theil wird besonders glanzvoll durch den neuesten Roman von Sophie
"3 ™r-ec$tcr Zeit" und eine Erzählung Rudolf v. Gott- schalls „Das Mädchen vom Drohner Wieck" etngelettet; belehrende und unterhaltende Artikel schließen sich diesen Beiträgen an. Was diese Nummer künstlerisch noch einen ganz besonderen Werth verleiht, i’V'ü " Extrabeilage betgegebene, geradezu meisterhafte Nachbildung des Gemäldes von Anton o. W-rner: „Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Abel Douay bei Weißenburg"; Gutes zu leisten in der Zeitschriftenliteratur ist eine schwere Kunst, aber es iS ”ne schwerere in der Hochfluth guter Zeitschriften, die heutigen Tags von allen Seiten von uns etnftrömt, etwas zu bieten, das aus ihr hervorragt und überall bemerkt werden muß. Die Leitung von „Ueber Land und Meer"' hat sich dieser schweren Kunst in ihrer ersten Nummer mächtig gezeigt.
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Bekanntmachung.
Infolge Rücktrittes zweier Trichinenschauer werden auf 1. December d.J. zwei geprüfte Trichinenschauer gegen beiderseitige vierteljährliche Kündigung gesucht. Der durchschnittliche Monatsverdienst eines Trichinenschauers hat im abgelaufenen Jahr 43 Mk. 10 Pfg. betragen. Nähere Auskunft über die Diensteintheilung und die Obliegenheiten der Trichinen- schauer ertheilt der Schlachthausverwalter.
Bewerber wollen ihre Mittheilungen unter Anschluß von Zeugnissen bis spätestens 31. dieses Monats hierher einreichen.
Gießen, den 6. October 1891.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth. 9013
Versteigerung.
Auftrag des Concursverwalters Herrn Bo eck dahier, versteigere ich zu Lollar im Gasthaus zum Schwanen
Dienstag den 13. Oktober,
Von Morgens 10 Uhr und
Mittwoch -en 14. Oktober,
von Morgens 9 Uhr ab die nachgenannten Ellen- waaren re., als:
1. Buxkin- und baumwollene Stoffe zu Herrenkleidern. Biber, Lama Flanell, Sommer, und Winter-Oxfords, baumwollenes Damenkleiderzeug, desgleichen Hemdenzeug, Druck-Schiirzen-, Bett-, Futter., Handtücher, und Strohsack-Zeug, sowie Kattun. Dies alles in verschiedenen Farben. Blaues und weißes Leinen, Caschmir und schwarzen Sammt, wollene und seidene Hals- und Umhänge-Tücher sur Damen baumwollene Hosen, Sommer-Joppen, Arbeitskittel, saisnet-Röcke, 1 Schützen-Joppe, Knaben-Anzüge, Unterhosen, Badehosen, Strümpfe, weiße Hemden n8®1^' schnüre, Knöpfe, Fingerhüte, Wolle und ® h*E? Farben, Taschentücher, Hosenträger, Kragen und Manschetten sowie Halsbinden;
2. 1 jungen und kräftigen Zughund mit Wägelchen, 2 Schlitten und J aBt“!9e' 1 Tisch, getragene Herrenkleider und desgleichen Hemden und andere Sachen
gegen Baarzahlung.
Die Versteigerung findet bestimmt statt. Die unter 2. genannten Gegenstände kommen erst am zweiten Tag (mit den b.s dah,n unverste,gerten Maaren) zum Ausgebote.
Gr eß en, den 9. October 1891. ö 9qq6
Born, Gerichtsvollzieher.
Oagöoerpadjtung in der
Oberförsterei Schiffenberg.
Donnerstag, 15. October l. I., Vormittags 10 Uhr, wird die dem Grobherzoglichen Hause zustehende Jagd in der Gemarkung Klein-Linden auf weitere vier und ein halb Jahr verpachtet.
Die Jagd enthält ca. 272 ha Acker- und Wiesen-Gelände und 5 ha Wald.
Die Verpachtung findet auf dem Geschäftszimmer unterzeichneter Oberförsterei (Marburgerstraße 9) statt.
Personen, deren Qualification nicht notorisch vorliegt, haben sich binnen 14 Tagen (resp. spätestens bei dem Beginn der Verpachtung) bei der Oberförsterei hierüber auszuweisen.
Gießen, 28. September 1891. Großh. Oberförsterei Schiffenberg.
Heyer. 8648
Birkenbesenreiser- Versteigerung.
Dienstag den 20. Oktober d. I. werden die Birkenbesenreiser aus den hiesigen Domanialwaldungen flächenweise versteigert. Die Großh. Forstwarte Schlag zu Baumgarten und Menges zu Großen-Linden er» theilen nähere Auskunft. Die Versteigerung beginnt Morgens 10 Uhr und findet bei der Wohnung unterfertigter Oberförsterei (Marburgerstraße Nr. 9) statt.
Gießen, 7. October 1891.
Großh. Oberförsterei Schiffenberg.
Heyer. 9005
Keiheöotenes.
Orchestrion uoch neu, ist wegen Geschäftsoeränder una billig zu verkaufen bei 8702
I. Haherl, Bad-Nauhe m.
Montag den 12. und Dienstag den 13. October, jedesmal 2*/2 Uhr anfangend,
lasse ich im Saale der Restauration Kaufmann lLenz'scher Felsenkeller) wegen Aufgabe einer hiesigen Hotel- und Gastwirth- schaft das dazu gehörige Haus- und Wirthschafts-Mobiliar öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern:
1. 10 vollständige Zimmer-Einrichtungen, hierunter das vollständige Weiß- und Bettzeug von 10 Betten:
2. 2 große Salonspicgel, 2 m hoch, 90 cm br., mit Goldrahmen;
3. 10 Spiegel mit Gold- und Holzrahmen, 30 Stück Bilder,' darunter werthvolle Stahlstiche und Oelgemäldc (Kaiser Wilhelm I. u. II. nebst Kaiserinnen, Bismarck, Moltke re.), 1 Pianino, 1 Guitarre und sonstige Musikalien;
4. die vollständige Kücheneinrichtung in kupfernen und einail- lirten Geschirren;
5. 100 Betttücher, 100 Uebcrzüge, 200 Servietten, 200 Hand- tücfjer, 50 farbige Tischdecken, 2 große Gummidecken, 12 Teppiche u. s. w. ;
6. 200 Teller, 20 Suppenterrinen, 60 Fleischplatten, 5 Dtzd. Löffel, 5 Dtzd. Gabeln, 12 Dtzd. Messer, 3 Dtzd. Dessert- Messer und Gabeln, 2 Dtzd. große Suppenlöffel, 4 Messerkörbe, Leuchter, Hnilliers, eine große Anzahl Wem-, Bier- und Liqueurgläser, Ablanfbrctter, Serviettenringe, 2 Regulateure, 3 Waagen mit Gewichten, 1 Küchenwaage, 1 Eisschrank, Schirmständer u. s. w.;
7. 2—300 Flaschen ff. Cognae, Weine, Liqneure u. dgl., sowie eine größere Partie sonstiger Haus- und Wirthschaftsgeräthe.
Sämmtliche Sachen sind zum Theil neu, sonst sehr gut erhalten und empfiehlt sich für Hotels, Wirthschaften u. dgl., die Möbel eignen sich für jede HaushalMng.
Auskunft ertheilt und Aufträge übernimmt der Unterzeichnete.
Gießen, den 9. Oetober 1891.
H. C. Werner, Commisfionär
8990 Lindenplatz 12 und Eichgärten 10.
I
I Monatliche Miethgceise : 3^ d, 5, 6 Hk* und* hoher. Brei»-8timmnng. I
I Auf einzelne Tage inflochMäitent.ObncerteD, Tanratiterimlhu^enefc. ■ 6, 7, tz, 9 Mk. und höher ^eiiÄhhBMliob der Transportkosten). *131 ■
| Willie Rudolph, Pianohandhing, Neuenweg S. I


