Ausgabe 
11.10.1891 Erstes Blatt
 
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Ruhestanddversetzungeu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, em 7. d. M. den Rentamtmann, Domänenrath Karl Friedrich Stoltz zu Fried­berg, unter Anerkennung seiner 60jährigen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, den Districtseinnehmer der Districts- einnehmerei Darmstadt, Rendant Moritz Mo ter, unter An­erkennung seiner langjährigen, treu geleisteten Dienste und unter Verleihung des Charakters alsRechnungsrath", beide auf Nachsuchen mit Wirkung vom 1. November d. I. an, in den Ruhestand zu versetzen.

Der Getreidemarkt. Die Lage auf dem Getreide» markte gleicht einem Buche mit sieben Siegeln oder besser einem Vexirspiel, welches die Hausse- und Baissepartei mit einander treiben, ohne daß man der wirklichen Lage auf den Grund kommen kann. Am Ende der letzten Woche erwartete man in vielen Kreisen einen großen Getreidekrach an der Börse, da zumal Berliner Hausse-Speculanten nicht mehr die angebotene Waare abnehmen könnten, aber auf einige flaue Tage folgte doch wieder eine Preissteigerung des Roggens und die Hausse konnte sich auch weiter im Großen und Ganzen behaupten, wenn auch das Realisirungsbedürsniß der Specu- lation zeigte, daß Roggen und Weizen letzter Tage doch auch wieder vielfach billiger (3 bis 4 Mark per Tonne) verkauft wurde. Es ist indessen doch stark zu zweifeln, daß die hohen Getreidepreise sich noch lange halten werden, da sich immer mehr herausgestellt hat, daß Nordamerika eine ganz riesige Weizen- und Roggenernte gemacht hat und jetz? in Chicago jede Woche gegen 8 Millionen Bushel Getreide, also weit mehr als im vorigen Jahre, ankommen, und diese enormen Vorräthe doch die Preise allmählich herabdrücken müssen und zwar nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa, wohin die Amerikaner die Hälfte ihrer Vorräthe verkaufen müssen.

Ruppertenrod, 8. October. Immer mehr bricht sich bei den Landwirthen die Erkenntniß Bahn, daß die künst­lichen Dünger ein Hauptmittel zur Erzielung besserer und höherer Erträge bilden. Evident hat das auch die dies­jährige Ernte gezeigt, indem Aecker und Wiesen, welche mit künstlichem Dünger bestreut worden waren, bessere Ergebniffe I sowohl in qualitativer als quantitativer Hinsicht ergaben. I Solche sichtbare Resultate vermögen am ersten den meist sehr I conservativen Landwirth zu bestimmen, die alten, verrosteten I Ansichten fallen zu lassen und sich in den Zug des Fort- I schritts zu reihen, der gerade in unserer Zeit der Landwirth- I schäft am meisten geboten erscheint. Eine Anzahl hiesiger I Landwirthe hat sich zusammengethan und für diesen Herbst I einen Waggon Kalk und einen Waggon künstlichen Dünger I kommen lassen, welchen Sendungen sich noch andere bis zum I Frühling anreihen werden. Gerade das Kalken der Acker- elder ist in diesem Herbste um so mehr geboten, als die- I elben durch den vorausgegangenen nassen Sommer meist I überaus stark vergrast sind. Auch hierbei zeigt sich die Wirkung der künstlichen Dünger im günstigen Licht, indem I mit ihnen bestreute Aecker weniger oder gar nicht vergrast I waren. |

am Kopenhagener Hof wurde aufgegeben. Falls das dänische Königspaar beschließt, die silberne Hochzeit mit der russischen Kaisersamilie zu begehen, wird es gleichzeitig mit dieser Fredensborg verlassen und direct nach Petersburg reisen.

Homburg v. d. H., 9. October. Der Kaiser trifft morgen früh 11 Uhr mittelst Sonderzug hier zum Besuch der Kaiserin Friedrich ein.

Stuttgart, 9. October. In Folge Einladung des Süd­deutscherl. Gastwirth-Verbandes sand am 7. October d. I., Vormittags 11 Uhr, im Saale des hiesigen Stadtgartens ein sehr gut besuchter AllgmeinerDeutscher Wirthe- Congreß statt, um Stellung zu dem Gesetzentwurf, betr. die Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke zu nehmen. Die mehr als 100 Städte von Preußen, Bayern, Württem­berg, Elsaß-Lothringen, Pfalz, Baden und Großherzogthum Hessen vertretenden Delegirten beschlossen einstimmig, die §§ 6 10 des Gesetzentwurfs nicht allein im Interesse des Wirths-Gewerbes, sondern auch in dem des Publikums zu bekämpfen. Die genehmigte Petition soll an Bundesrath und Reichstag sowohl als auch den Landesregierungen und Reichs­tags-Abgeordneten mit der Bitte um Unterstützung überreicht werden. Es ist dies die erste öffentliche Kundgebung, welche in dieser Angelegenheit von einer so großen Körperschaft aus­geht,- dieselbe erscheint um so beachtenswerther, als sie von den durch dieses Gesetz am meisten betroffen werdenden Theilen hervorgegangen ist.

Basel, 9. October. Der Betrieb der Pilatus-Bahn wird am 12. October eingestellt. Die Betriebseinnahmen pro 1891 betragen ein Viertel (66 000^Frcs.) weniger als im Vorjahre.

Wien, 10. October. Die Vermählung des Prinzen Friedrich August von Sachsen mit Marie Antoinette von Toscana findet am 21. November in der Hosburqkirche zu Wien statt. ö

Rom, 9. October. Die einzige Streitfrage bei den Münchener Verhandlungen betrifft die Einfuhr der Schnittweine nach Deutschland- es herrscht hier die Ueberzeugung, daß die Zugeständnisse, welche Italien nunmehr für die Herabsetzung des bezüglichen deutschen Tarifs bietet, den Abschluß des Vertrages sichern.

Marseille, 9. October. Gelegentlich des Bankers zur Feier der Einweihung der Sanirungsarbeiten sprach Freycinet, die Republik sei jetzt ein bedeutender Factor im europäischen Gleichgewicht. Der Friede sei nicht mehr blos in den Händen der anderen Staaten, sondern auch in den Händen Frankreichs, darum sei der Friede aber um nichts weniger sicher. Der politische Horizont sei gegenwärtig unbewölkt. Die gewonnene Situation müsse noch gefestigt und entwickelt werden. Freycinet schloß mit den Worten: Die Zukunft gehört dem Weisesten."

Rewyork, 9. October. Es wurde hier eine Trust- compagnie für Cigarren mit einem Capital von'25 Millionen Dollars gebildet, welche ihre Geschäftstätigkeit: im Januar beginnen wird. Der Trust wird 100000 Arbeiter beschäftigen und jährlich 5 Billionen Cigarren sabriciren.'

Vermischtes.

* Berlin, 8. October. Am Montag früh wurde iw ihrer Wohnung ein 67jähriges Fräulein Adler tobt aus- gesnnden. Die Leiche zeigte Stichwunden am Kopfe und eS hielt den Umständen nach schwer, an einen Selbstmord zu glauben. Aus scharfes Verhör hin hat auch das 17jährige Dienstmädchen der Todten, Auguste Machus gestanden, ihre Brodherrin ermordet zu haben. Habsucht war das Motiv der entsetzlichen That. Man fand bei der Mörderin 500 Mk., welche sie der Todten abgenommen und theilweise in ihre Tournüre, theilweise in ihr Hutfutter versteckt hatte.

* Dieser Tage ist in Höhenrain bei Plattling (Bayern) das 7^2jährige Mädchen des Oeconomen Kammermayer dadurch auf merkwürdige Weise verunglückt, daß es einen in einem Gewölbe aufgespeicherten großen Kartoffelhaufen be­steigen wollte, wobei es jedoch unter die ins Rollen ge­kommenen Kartoffeln gerieth und von der schweren Last erdrückt wurde.

* Aus der Pfalz, 8. October. Einen entsetzlichen Tod sand gestern Nacht in dem Bergwerke von Nieder­

packter feiner Tafeläpfel einer Sorte 18 Aussteller, 5 Kilo in Kistchen verpackter feiner Taseläpsel einer Sorte 10 Aus­steller, 5 Kilo in Körbchen verpackter feiner Tafelbirnen einer Sorte 12 Aussteller, 5 Kilo in Kistchen verpackter feiner Tafelbirnen einer Sorte 11 Aussteller, rein gehaltene Aepfelweine 8 Aussteller, feine Beerenweine 11 Aussteller, Obstschaumweine 3 Aussteller, Birnhonig 6 Aussteller, ge­dörrte Früchte 2 Aussteller, eingemachte Früchte und sonstige Obstconserven 5 Aussteller. In Obstsortimenten, und zwar für je 12 zum allgemeinen Anbau empfehlenswerthen Aepfelsorten liegen Anmeldungen vor aus den Kreisen Bü­dingen 4, Friedberg 12, Gießen 9, Lauterbach 2, Schotten 3; für das größte systematisch geordnete Aepkel- und Birnsortiment für Liebhaber 10 Anmeldungen, für andere Obstsortimente mit bestimmmten oder unbestimmten Sorten ca. 70. Für Obst- bäume liegen 11 Anmeldungen (8 für Hochstämme, 3 für Zwergbäume) vor- für Geräthe, und zwar für Obstbaum­pflanzung 11, für Obstverwerthung, Verpackung rc. 8- außer­dem ist angemeldet ein ausgewähltes Bücherlager über Obstbau. An Preisen werden nunmehr ca. 650 Mk. dem Comite zur Verfügung stehen, so daß recht ansehnliche Prämien ertheilt werden können.

Die Biblotheksabende des Feierabends für Lehrlinge werden am nächsten Mittwoch, den 14. d. Mts., wieder aus­genommen werden. Seit December vorigen Jahres war die mit demFeierabend" verbundene Bibliothek an jedem Mitt­woch Abend Jedermann zugänglich. Im Ganzen haben 175 junge Leute, meistens Besucher des sonntäglichen Feierabends, theilweise auch Gesellen und junge Kaufleute, die Bibliothek benutzt. Der stärkste Besuch eines Abends waren 79 Besucher, welche 147 Bücher entliehen. Jedermann, der den Nutzen einer guten Lectüre für das Volk und namentlich auch für die Jugend kennt, wird auch dieses Unternehmen zu schätzen wissen. Es verschafft nicht nur Lehrlingen, sondern ganzen Familien, welche keineMappe" oder bergt halten können, bie Möglichkeit, sich an guten Büchern zu erfreuen, unb es hilft mit, vor den schweren Gefahren einer schlechten Lectüre zu bewahren. Es ist bas Bestreben bes Vorstanbes, bie Bibliothek mehr und mehr zu einer rechten Volksbibliothek zu ' erweitern. Er rechnet hierbei 'auf die Unterstützung Aller, welche Verständniß für solche Unternehmung haben. Mit dem ! Schluffe des Sommersemestecs mußten eine Menge ganz ab­genutzter Bücher ausgeschieden werden, die durch neue zu ersetzen und noch zu vermehren sind. Beiträge hierfür, am besten in Geld, nimmt der Vorstand Pfarrer Dingeldey) dankbar entgegen.

Nidda, 9. October. Am 15. November d. I. feiert der jiefige Ortsgewerbeverein das fünfundzwanzigjährige Bestehen der Handwerkerschule, verbunden mit der Einweihung der neu erbauten erweiterten Handwerkerschule. Hierzu werden alle früheren und gegenwärtigen Schüler sowie Mit­glieder und Freunde des Gewerbevereins ergebenst eingeladen. Das Programm wird in Kürze erscheinen.

Krofdorf, 8. October. In demselben Saal der altew Gleibergveste, in welchem vor 2 Jahren das 50 jährige Amts- jubiläum unseres langjährigen Bürgermeisters Herrn Colnot gefeiert wurde, hat sich heute wieder eine festliche Tafelrunde zusammengefunden, um dem verdienten Beamten und be­währten Freunde der Burg vor seinem bevorstehenden Weg­gänge von hier einen herzlichen Scheidegruß zuzurufeu. Er­schienen waren vor Allem die Vorstandsmitglieder deS Gleiberger Geselligkeitsvereins, an ihrer Spitze Herr Provinzial- dlrector Freiherr von Gagern aus Gießen, die Bürgermeister- Couegen aus dem Kreise Wetzlar, die Gemeindevorsteher der Bürgermeisterei Atzbach, Geistliche und Lehrer sowie sonstige königliche und Communalbeamten aus dem Verwaltungsbe­zirke des Herrn Colnot und aus der Stadt Wetzlar. Nahe Familienangehörige und Freunde des Gefeierten umgabew den Sitz desselben, welcher von Forstbeamten mit Wald­pflanzen geschmackvoll decorirt war. Den ersten Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser brachte Herr Provinzialbirector Freiherr von Gagern aus. Redner wies auf die Ver­anlassungen hin, welche heute wie vor zwei Jahren festlich gestimmte Versammlungen zu Ehren eines und desselben Mannes auf der alten Burg zusammengeführt hätten. Leider sei die Freude des heutigen Tages nicht ganz ungetrübt, indem sie sich mit dem Gedanken an das nahe Scheiden eines von allen Anwesenden hochgeschätzten Mannes vermische. Verschiedene Staaten hätten ihre Vertreter zu dieser Tafel entsandt: die | schwarzweißen preußischen Farben vereinigten sich mit den I rothweißen der Hessen in ebensolcher Eintracht, wie sie sich I uis, die Grundfarben in der Flagge des neuen deutschen Reiches zusammengefunden hätten. Alle Deutschen aber, I welches Standes sie auch sein möchten, wüßten sich jetzt einig I iu der Liebe und Treue zu dem Kaiser, den Schirmer unb- | Erhalter des Friedens, der erst vor Kurzem durch die lieber* I uahme der Jnhaberschaft des 116. Regiments dem Heffen- I Volke eine überaus große Freude bereitet habe. Und wenn I d.br Kaiser, wie man zu hoffen wage, in kürzerer oder I längerer Frist Gießen mit seinem Besuche beehre, würden I wir Alle uns vereinigen, um ihm unsere freudigsten Will- I kommengrüße zuzusenden. Demnächst erhob sich Herr Pfarrer I Deibel aus Krofdorf, und meinte, er könne darauf ver- I Achten, auf die sorgen-, aber auch segensreiche Amtsführung I scheidenden Bürgermeisters, seine mannigfachen Verdienste I uäher einzugehen. Nur daraus wollte er Hinweisen, wie groß seine Fürsorge für die Wittwen und Waisen, die Armen und Bedrängten stets gewesen, die ihn dafür alle Zeit segnen würden. Auch für die Erziehung der Jugend habe Herr Colnot viel gethan, indem er den Schulen warme

I -Lheilnahme widmete, ihnen jedwede Förderung angedeihen I ließ. Die Ufer der Lahn hätten ihn, den geborenen Rhein­länder, mehr als 50 lange Jahre festgehalten, an ihnen habe er das Glück eines gesegneten Ehelebens gefunden. Diese Zuneigung habe er dadurch vergolten, daß er den geliebten ! Strom dreimal mit Fesseln aus Stein und Erz umschlang.

Redner meint die Brückenbauten bei Dorlar, Wißmar unb Odenhausen, von denen ersterer nach den eigensten Plänen des Herrn Colnot ausgeführt wurde. Mit einem Hoch auf H^rn Bürgermeister Colnot schloß die Ansprache, in welcher der bekannte Humor des Redners vielfach zu Tage trat. Als dritter Redner toastete Herr Schultheiß Wagner-Krosdors auf die Familie Colnot, insbesondere auf die jüngste Tochter, Frl. Antonie Colnot, welche dem greifen Vater nach dem Tode der Gattin zur Seite gestanden. Redner meinte/ Herr C^not sei zweifellos derjenige Bürgermeister, welcher am meisten Papier und Tinte verbraucht habe, indem er die gesummten Bürgermeistereigeschäfte, erst in Rechtenbach, dann in Atzbach und zuletzt in Krofdorf lange Zeit allein versah- bis die steigende Arbeitslast eine Hülfe notwendig machte. Im Namen der Collegen betonte Herr Bürgermeister Zechlin- Ehringshausen, wie gerade Herr Colnot es gewesen sei, der stets auf ein collegiales Zusammenwirken der Bürgermeister gehalten und zur Erreichung dieses Zieles selbst einen gelinden Zwang nicht verschmäht habe. Sein Hoch galt dem scheiden­den Freunde und Collegen. Hierauf trug Herr Lehrer Lochau- Gleiberg ein Gedicht vor, welches mit großem Beifall aus­genommen wurde. Im Namen des Gefeierten dankte darauf Herr Amtsrichter Dr. Colnot für alle die Beweise der Achtung und Liebe, welche seinem Vater heute wie immer entgegengebracht worden seien und leerte sein Glas auf das Wohl der Gäste. Nachdem noch Herr Gemeindevorsteher B i n n e ck e r-Garbenheim die Verdienste hervorgehoben, welche sich Herr Colnot um die Förderung des Wegebaues in seiner Bürgermeisterei erworben, war die Reihe von Trinksprüchen vollendet. Unter geselliger Unterhaltung verbrachten die An­wesenden noch eine geraume Zeit, bis die hereinbrechende Nacht zum Aufbruch mahnte. Im Hofe der Burg wurde ein Gruppenbild der gefammten Festgesellschaft aufgenommen.

totales unb Provinzielles.

Gießen, 10. October.

Neues Theater. !Drei Paar Schuhe" heißt die lustige Posse, welche am Sonntag, den 11. October über die Bretter gehr. Wir wollen nicht unterlassen, Freunde der heiteren Muse aus dieses Stück ganz besonders aufmerksam zu machen. Das Werk hatte beim Erscheinen seiner Zeit einen durchschlagenden Erfolg und erlebte am Wallnertheater in Berlin wohl an die 500 Aufführungen.

Zunkermanus humoristisch .dramatischer Reuter-Abend. Jrn Saale des Gesellschafts-Vereins findet, wie aus einer Anzeige in vorliegender Nummer ersichtlich ist, am Montag den 19. October ein Reuter-Abend des bekannten Reuter- Interpreten August Junkermann statt. Aus Eisenach, woselbst Junkermaun während der letzten Wochen zu seiner Erholung sich aushielt und von wo aus er seine Winter- Tournee begann, wird geschrieben:Der von Junkermann angekündigte Fritz Reuter-Abend hatte, wie bei der Beliebt­heit des berühmten Recitators nicht anders zu erwarten stand, wieder eine große Zahl von Freunden der Reuter'schen Dialect- Dichtungen herangelockt, so daß der große Saal der Erholungs­gesellschaft recht gut besetzt war. Mit um so größerer Lust begann denn auch Herr Junkermann seine Vorträge. Nach­dem er einige ernste, tief rührende Gedichte vorgetragen, ging er zu jenem Theil der Reuter'schen Werke über, aus denen uns solche urwüchsige Gestalten wie Bräsig, Pomuchelskopp, Havermann rc. in ihrer packenden Natürlichkeit und Derbheit und in einem Brillantseuer von Witz und Humor entgegen­treten. Besonderen Beifall fand denn auch gestern wieder der Abschied Hanne Nütes vom Pfarrer. Hanne Nüte, der neugebackene Schmiedegeselle, einfältig und harmlos, daneben der biedere Geistliche, welcher dem Scheidenden gute Lehren erhellt und dabei unwillkürlich seiner eigenen Jugendzeit gedenkt T" das sind Figuren der Reuter'schen Dichtungen, die nur ein Junkermann dem Auditorium treffend und lebenswahr vor Augen zu führen vermag. Und so wurde denn auch dem großen Künstler für feine gestrigen Leistungen seitens der verstandnißvollen Zuhörer die ihm gebührende Anerkennung. Wer Herrn Junkermann gestern Abend gehört, wird ihm sicherlich ein gutes Andenken bewahren."

Oberhesfische Obstausstellung. Die nunmehr abgeschlossen vorliegenden Anmeldungen von Producten des Obstbaues und Gegenständen zur Obstverwerthung lassen einen Schluß auf eine recht reichhaltig beschickte Ausstellung zu. Wir theilen hier Einiges mit. Es werden concurriren um Preise für: 1 Gentner schöner gebrochener Taseläpsel einer Sorte 10 Aussteller, 1 Gentner schöner gebrochener Tafelbirnen einer Sorte 5 Aussteller, 1 Gentner schöner Wirthschaftsäpfel "ner Sorte 4 Aussteller, 1 Gentner schöner Wirthschafts- birnen einer Sorte 4 Aussteller, 5 Kilo in Körbchen ver-