Dem Herrn Grafen von Schlitz, genannt von Görtz, steht Las Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Osthosen, Kr. Worms, mit einem nach dem Dienst- alter sich bemessenden jährl. Gehalte von 1000—1600 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem zu ernennenden Lehrer können die Functionen eines Oberlehrers an gen. Schule übertragen werden. Die Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Frei-Laubersheim, Kreis Alzey, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.
Lauter (bei Grünberg), 7. December. Gestern Morgen verunglückte der erwachsene Sohn einer hiesigen Familie. Man fand ihn in der Scheuertenne, wohin er, um Viehfutter zu holen, gegangen war, als Leiche liegend. Allem Anschein nach ist der Unglückliche beim Heuholen rücklings von der Heubühne oder von der Leiter gestürzt und auf det Stelle todt geblieben.
□ Ruppertenrod, 8. December. Gestern Abend gegen 11 Uhr beobachtete man hier ein Gewitter, von Süden kommend, mit mehrfachem Blitzen und deutlich vernehmbarem Donner. Dem Gewitter ging ein heftiger Sturm voraus, -er zeitweise heute noch auftritt. Die seitherige Witterung ist eine überaus gelinde, das Thermometer zeigt + 9 Grad R. Vorigen Winter harten wir um diese Zeit eine Kälte von — 9 Grad. In Folge der warmen Witterung zeigen die Wintersaatfelder eine ausgezeichnete Entwickelung. Die Kornsaat sieht vortrefflich aus. Grüne Weihnachten scheint es jedenfalls zu geben.
Darmstadt, 8. December. Die bei einem Wirth in der Kasernenstraße bisher in Diensten gestandene Kellnerin F. . aus Diez ist am verflossenen Sonntag Abend zwischen 7 und 8 Uhr im städtischen Hospital, wohin sie eine Stunde vorher verbracht worden war, gestorben. Nach ärztlicher Con- statirung hat sich dieselbe mit Phosphor vergiftet.
Seligenstadt, 7. December. Etwa fünfzig im hiesigen Stadtwalde beschäftigte Holzmacher stellten in letzter Woche die Arbeit ein, als ihnen wegen unterlaufener Unregelmäßigkeiten von der Behörde Vorhalt gemacht wurde. Die Leute besannen sich übrigens bald eines besseren- denn sie nahmen inzwischen unter den bisherigen Bedingungen die Arbeit sämmtlich wieder auf.
A Mainz, 8. December. Bei der am kommenden Donnerstag beginnenden Schwurgerichtssession der Provinz Rheinhessen kommen unter fünf zur Aburtheilung vor die Geschworenen verwiesenen Fällen vier aus Mord und einer auf Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg lautende Anklagen zur Verhandlung. Dieser schweren
Verbrechen beschuldigt sind zwei noch nicht 30 Jahre alte Taglöhner, die bei Zahlbach ohne jeden äußeren Anlaß zwei 70jährige Greise erschlagen haben, ein bejahrter Schuhmacher, der aus Rache einen Förster erschossen, eine Kindsmörderin und ein Schullehrer, der aus geringfügiger Ursache in einen Streit gcrathen, der verhängnißvoller Weise mit dem Tode eines der Streitenden endete.
Literat«» and Annst.
— Praktische Anleitung znr Obstcnltnr. Leitfaden bei Vorträgen über Obstcultur, wie auch zum Selbstunterricht. Bearbeitet von Th. Jäger, Baumschulenbesitzer und Vorsteher der Lehranstalt für Obstbaumwärter zu Bensheim a. d. B. Prämitrt mit der „Silbernen Medaille" auf der landw. Ausstellung zu Mainz 1890. Zweite umgearbeitete und verbesserte Auflage. Mit 31 Illustrationen, einer Mhographirten Tafel und vier Tabellen über ewpfehlenswertbe Obstsorten. Verlag von Emil Roth in Gießen 1892. Preis 1 Mk. in Leinwandband, 0.80 Mk. geheftet. — Die Pflege des Obstbaues ist gerade in der Gegenwart zu der Bedeutung gelangt, die ihr vom volkswirtbschaftlichen Standpunkte aus gebührt. Richt bloß wirkt die vermehrte Obstproductton wohlthätig auf den pecuniären Wohlstand ganzer Volksschichten, sondern ebenso segensreich auch der Obstgenuß, welcher dadurch in vermehrter Weise eintrttt, als gefundheit- förderndes Nahrungsmittel für weite Kreise, und endlich kann sie auch noch Jedem, der einigermaßen dazu angelegt ist, den Schaffungs- trteb der Natur zu belauschen, die interessantesten Wahrnehmungen darbieten. In allen dielen Beziehungen dürfte noch immer der alte Wahlspruch gellen: „Auf einen leeren Raum pflanz einen Baum und pflege sein, er bringt dirs ein!" Mancher aber, der wirklich einen leeren Raum hat, auch gern einen Baum pflanzen möchte, w?iß nur nicht recht, wie er es anfassen soll. Denn er weiß recht wohl, daß es ein anderes ist, einen Baum ziehen, als ihn bloß pflanzen und dann sich selbst überlassen. Diesem Bedürfniß, das vieltaufendfach verbreitet ist, entgegenzukommen, dazu ist das hier angezeigte Merkchen vorzüglich geeignet. Es enthält in volksthümlicher Darstellung auf ca. 60 Seiten Alles, was erforderlich ist, einen Baum, mag er einer bei uns heimischen Kern- oder Steinobstsorte angehören, welcher er will, vom Keim aus bis zu seiner vollen Entwickelung, an Schmuck wie an Früchten reich, aufzuziehen. Die Jäger'schen Belehrungen sind so klar und einfach, daß Jeder, der nur lesen kann, sie sofort versteht und in die Praxis umfetzen kann. Als sehr werthvoll müssen auch die scharf ausgeprägten Abbildungen bei vorzunebmendem Schnitt der Bäume, bei Veredlungen, bei Anwendungen zu Verzierungen rc. bezeichnet werden. Desgleichen sind vier Tabellen beigegeben über Aepfel-, Birn- und Steinobstsorten, welche sich besonders zur Anpflanzung als Hochstamm und bezw. für niedere Stammform eignen und wonach jeder Baumzüchter seine Auswahl treffen kann. Ein Schriftchen, das mit so feinem Verftändniß volksthümlicher Belehrung einen das Volkswohl so tief berührenden Gegenstand in so trefflicher Weise behandelt, sollte auch mit aller Energie im Volke verbreitet werden. Ein paar empfehlende Worte in einer gelegenen Zeitschrift thun nicht viel zur Sache. Der mittlere, geringe und kleine Mann, auf den es bet der Vermehrung des Obstbaues besonders abgesehen sein soll, kauft kein Buch zu seiner Belehrung und wenn es noch so billig ist. Man kann den Landmann, auch viele Stadtbürger, in keine üblere Laune versetzen, als wenn man sie nöthigen will, ein Buch zu kaufen. Also eine Massenverbreitung guter Bücher muß auf
anderen Wegen geschehen. Unsere Vereine für Förderung des Obstbaues, denen es doch besonders daran gelegen sein müßte, daß Kenntnisse über die Obstbaumzucht in die weitesten Kreise des Volke- verbreitet würden, sollten solche Belehrungsschriften wie die vorliegende hundertwetfe ankaufen und sie in die Gemeinden an geeignete Persönlichkeiten gratis geben. Dies würde von weit größerem Erfolge sein als stundenlange Vorträge über Obftbaumzucht u. dergl. „Predigen", die Krankheit unserer Zeit, hilft nicht viel, das gehörte Wort klingt zum Ohr hinein, zum Ohr hinaus und verrauscht im Winde. Doch was der Mann schwarz auf weiß besitzt, kann er getrost nach Hause tragen, es sitzt fest bet ihm und wirkt bestimmend auf sein Handeln. Darum wünschen wir der angezeigten trefflichen Schrift, daß ihr auf dem hier angedeuteten Wege die größte Verbreitung zu Theil würde. Und sie ist es wirklich werth. Wir wollen doch auch nichtmuerwähnt lassen, daß in Fortbildungs-, landwirthschaftlichen Schulen und auch sonstigen Lehranstalten, an welchen die Obftbaumzucht vielleicht auch nur gestreift wird, das Merkchen als practtsches Unterrichtsmittel am Platze sein dürfte.
Wöchentliche Aeberflcht der Todesfälle in Gießen.
48. Woche. Vom 29. November bis 5. December 1891.
Einwohnerzahl: 20 611 (inet 1600 Mann Militär). Sterbltchkeitsziffer: 35,33«/«bezw. 20,19nach Ausschl. der Ortsfremden.
Kinder
Es starben en: Zusammen: Erwachsene: im vom l.Lebmsjahr: 2.—15.Jahr:
Diphtherie Lungenschwindsucht Gehirnschlagfluß Andere bekannte
3 (3)
5 (1) 1
5 (1) 1
—
3 £3)
Krankheiten
5 (2)
4 (2)
1
—
Summa: 14 (6) 10 (3) 1 3 (3)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle In der betreffenden Krankheit auf von Auswärts neck Gießen gebrachte Kranke kommen
Eingesandt.
Gießen, 9. December.
— In Nr. 287 dieses Blattes befindet sich ein Artikel: „Bezahlt die Rechnungen an die Handwerker".
Vollkommen einverstanden mit den in demselben entwickelten Grundsätzen, erlaubt sich Einsender zu bitten, auch einen Artikel zu schreiben: „Handwerker schicket Eure Rechnungen ein, — schicket sie wenigstens etn, wenn Ihr darum ersucht werdet, dringend und oft ersucht werdet."
Einsender ist es begegnet, daß er statt der mehrfach erbetenen Rechnungen die Antwort erhalten: „Rechnungen zu schreiben habe ich keine Zeit", und sogar Ungezogenheiten dazu.
Daß sich solche Handwerker nicht beklagen bürfen, wenn die Kundschaft von ihnen abgeht, liegt wohl auf der Hand.____________
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