Ausgabe 
10.11.1891
 
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Nr. 262

Dienstag den 10. November

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Amtlichem Theil.

Gießen, den 6. November 1891.

Betreffend: Die Aufnahme der taubstummen Kinder in die Taubstummen-Anstalten des Landes.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 7. Sep­tember 1857 sehen wir Ihren Berichten darüber entgegen,

ob in ihren Gemeinden taubstumme Kinder vorhanden sind, welche das zur Aufnahme in eine Taubstummen-Anstalt er­forderliche Alter erreicht haben. Die Kinder müffen das 8. Lebensjahr erreicht, dürfen aber das 12. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben. Sollten sich aufnahmefähige taub­stumme Kinder in Ihren Gemeinden vorfinden, dann wollen Sie sich über die Verhältniffe der Eltern der Kinder aus­führlich äußern und sich hierbei des nachfolgend abgedruckten Formulars, deffen einzelne Rubriken sorgfältig auszufüllen sind, bedienen.

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Deutsches Reich.

Berlin, 7. November. Die signalisirte außerordentliche Gesandtschaft des Königs von Siam, welche sich aus einer Rundtour durch die größeren europäischen Haupt­städte befindet, ist am Freitag Abend, von Kopenhagen kommend, in Berlin eingetroffen. Der Führer der Gesandt­schaft, Prinz Damrong, ist ein naher Verwandter des siamesischen Herrschers und überbringt Kaiser Wilhelm ein Handschreiben jenes asiatischen Fürsten, zu welchem Zwecke für Montag Mittag feierlicher Empfang der Siamesen im Neuen Palais bei Potsdam angesetzt war.

Im Reichstagsgebäude fand am Donnerstag Abend eine Versammlung von Delegirten derjenigen Vereine statt, welche die Gründung einer Central st elle sürArbeiter- wohlsahrtseinrichtungen in Anlehnung an das Handelsministerium erstreben; mehrere Regierungsvertreter wohnten der Versammlung bei. Nach eingehender Berathung wurden die Satzungen der Centralstelle, welche spätestens am 1. Januar 1892 ihre Thätigkeit beginnen soll, sestgestellt, woran sich die Wahl des Vorstandes schloß. Bei der Con- stituirung desselben wurden gewählt Staatssecretär a. D. Herzog zum Vorsitzenden, die Abgeordneten Kalle und Hitze zu seinen Stellvertretern, Professor Post zum Geschäftsführer, Bankier Delbrück zum Kassirer.

Obwohl nunmehr die Wiedereinberusung des Reichstages aus den 17. November bekannt gegeben worden ist und mithin nur noch eine Woche zwischen heute und Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten liegt, vernimmt man noch immer nichts Näheres über die geschäft­lichen Dispositionen des Reichstages. Für die Eröffnungs­sitzung steht allerdings die Tagesordnung fest: Erste Lesung des Gesetzentwurfes, betr. die Bekämpfung des Sklaven­handels, sowie Petitionen, darüber aber, welche Gegenstände alsdann die Thätigkeit der Abgeordneten in Anspruch nehmen werden, herrscht augenblicklich noch Ungewißheit. Keinesfalls kann es aber dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritte an genügendem Arbeitsmaterial fehlen, es braucht da nur daran erinnert zn werden, daß noch aus der Sommersession die Novelle zum Krankenkassengesetz in zweiter und das Reichs­telegraphengesetz in dritter Lesung zu erledigen sind. Außer­dem hat der Bundesrath in seiner jüngsten Wochenplenarsitzung die Gesetzentwürfe über die Controle des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen für 1891/92 und betr. die Einziehung der Vereinsthaler österreichischen Gepräges, angenommen und sicherlich wird der Bundesrath bis zum 17. November noch eine oder die andere kleinere Vorlage fertigstellen. Was den Reichshaushaltsetat anbelangt, so unterliegt derselbe im Bundesrathe zur Zeit eifriger Vor­erörterung, trotzdem wird es kaum möglich sein, dem Reichs­tage den neuen Etat vor Ende November zugehen zu lassen, lieber den Entwurf des Trunksuchtsgesetzes verlautet, seitdem er den zuständigen Bundesrathsausschüssen überwiesen worden ist, gar nichts weiter, es läßt sich demnach über den Zeit­punkt seiner Einbringung im Reichstage einstweilen nichts sagen. Ebensowenig läßt sich mit Sicherheit ermessen, wann dem Hause die Handelsverträge mit Oesterreich-Ungarn und Italien zugehen werden; die Meldungen verschiedener Blätter,

es werde dies noch im November geschehen, beruht offenbar nur auf Muthmaßungen.

In Elsaß-Lothringen haben in voriger Woche die Neuwahlen zumLandesausschusse stattgefunden. Durch dieselben sind anscheinend keine besonderen Veränder­ungen in der Zusammensetzung des elsaß-lothringischen Parla­ments bewirkt werden. lieber Einzelfälle berichtet der Telegraph nur aus drei Wahlkreisen. Im elsässischen Wahl­kreise Molsheim wurde der altdeutsche Generalmajor z. D. Freiherr Roeder von Diersburg mit 46 von 75 abgegebenen Stimmen, im Wahlkreise Saarburg i. L. der Notar Dietsch neu und in Metz-Stadt der Candidat der gemäßigten Ein­heimischen, Lanique, mit 22 von 28 Stimmen in den Landesausschuß gewählt.

Berlin, 7. November. DasBerl. Tagebl." meldet aus Rom: Die Radicalen kündigen einen dritten Friedens- Congreß mit irredentistischer Färbung, beginnend am 22. November, an.

Berlin, 7. November. Die Brüder Sommerfeld, Mit­inhaber der bekannten Bankfirma Berliner Wechselbank Fried­länder & Sommerfeld, versuchten Selbstmord durch Erschießen. Beide sind schwer verletzt. Der dritte Mit­inhaber, Friedländer, ist leidend und von Berlin abwesend.

Berlin, 7. November. Bankier Leipziger, welcher mit Commerzienrath Wolff Wechselreiterei betrieb, wurde verhaftet. Nur wenige Depots wurden bei ihm vor­gesunden.

Berlin, 7. November. Die unabhängigen Socia- l ist en verfügen über ein Gesammtcapital von 16000 Mk./ dieselben beabsichtigen die Herausgabe eines populären Wochen­blattes ab 1. December. Zum Hauptführer der unabhängigen Socialisten wurde Wilhelm Hasselmann, früher Abgeordneter für Elberfeld, bestimmt.

Berlin, 7. November. DieNational-Ztg." meldet aus Paris, Minister Ribot conttollire alle von Paris nach Berlin abgehenden Bankiers-Depeschen, letztere gehen über Brüssel und London.

Kiel, 7. November. Ein dänischer Postdampfer ist infolge starken Nebels vor Friedrichsort auf den Grund gerathen und liegt noch fest. Passagiere, sowie die Post wurden von einem anderen Dampfer hier eingebracht.

Breme«, 7. November. Nach derWeser-Ztg." ist die Regierung bereit, wegen Abtretung preußischen Gebietes an Bremen zwecks Vergrößerung der Hasenanlagen von Bremerhafen mit dem Senat zu verhandeln. Die Ver­handlungen beginnen im Laufe des November.

Danzig, 7. November. Ein Telegramm an die Marien- burg-Mlawkaer Bahnverwaltung meldet, daß von Petersburg der Bescheid gekommen sei, die Ausfuhr sämmtlicher Hülsen- srüchte sei gestattet.

Straßburg i. E., 7. November. Im Kreise Altkirch wurde der Bürgermeister Sauner aus Gommersdors, der in seinem Wahlaufruf die unwiderrufliche Zugehörigkeit Elsaß- Lothringens zu Deutschland betont hatte, in den Land es- ausschuß wiedergewählt.

Ausland.

Wien, 7. November. DieWiener Zeitung" veröffent­licht eine Verfügung des Handelsministers, wonach wegen des Auftretens der Cholera Schiffe aus dem Gebiete zwischen Jambo bis Bab el Mandeb einer siebentägigen Beob­achtung unterliegen.

Rom, 7. November. Unter dem Vorsitze Menotti Gari­baldis fand heute hier eine Versammlung des General- rathes der Veteranen statt, welcher auch mehrere Ver­treter der Presse beiwohnten. Nach kurzer Debatte wurde eine Tagesordnung angenommen, in welcher es heißt: Der Generalrath der Veteranen beschließt, sich als Comite zu con- stituiren und die hervorragenden Persönlichkeiten der italienischen liberalen Partei aller Schattirungen zur Organisation einer Agitation für die Abschaffung der Garantiegesetze und des ersten Artikels der Verfassung aufzusordern, gleich­zeitig wurde eine aus drei Mitgliedern bestehende Com­mission beauftragt die Einladungen sobald als möglich zu vertheilen.

London, 7. November. Einer Petersburger Meldung derTimes" zufolge soll für die nächste Zeit ein schwerer Exportzoll für den russischen Weizenexport mit saft derselben Wirkung wie ein thatsächliches Ausfuhr-Verbot, bereits beschlossen sein. Der Ukas solle erst in zwei bis drei Wochen veröffentlicht werden. Der Beschluß fei ein Com- promiß zwischen den Ministern, da der Finanzminister einem Weizen-Ausfuhrverbot widerstrebe. Eine Abänderung des Beschlusses sei möglich, da die Stellung Wischnegradskis durch die letzten Ereignisse etwas erschüttert erscheine. Letzterer versuche jetzt ein Viertel der russischen Anleihe zurückzuziehen, um ein gänzliches Fiasco der Operation zu vermeiden.

Christiania, 7. November. Zu Ehren der Offiziere und Cadetten des hier ankernden deutschen Uebungs- geschwaders war gestern Abend von Setten der Stadt­verwaltung ein glänzender Ball veranstaltet. Der Saal war mit deutschen und norwegischen Flaggen und Wappenschildern geschmückt. Um 10 Uhr sand ein Abendessen statt, bei welchem der Generalarzt Thaulow auf den König Oskar, der Bürger­meister Christie auf Se. Majestät den deutschen Kaiser und der Commodore Lund auf das deutsche Geschwader toasteten.

Heuefte Nachrichten.

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Berlin, 8.November. Betreffs der Affaire Sommer­feld verlautet von authentischer Quelle, daß der Schwieger­vater des einen Inhabers 1,200,000 Mk. geben wollte, um die Sache concursreis zu machen. Bis gestern hatten die Verwandten bereits 200,000 Mk. vorgestreckt. Während die Verhandlungen mit dem Schwiegervater des seinen Wunden erlegenen Felix Sommerfeld schwebten, begingen die beiden Brüder Selbstmord.

Berlin, 9. November. Die letzte Sitzung der Aus­führungs-Commission der Antisclaverei-Lotterie fand nach Meldung ^hiesiger Blätter in Berlin statt. Es wurde beschlossen, die Erforschung der Tiesenverhältniffe des Victoria Nyanza, die Errichtung einer Schiffswerft am Uckerewe, die Herstellung eines Fahrwegs von der Küste über den Kili­mandscharo nach dem Uckerewe, sowie der Transport des Wißmann-Dampfers zum Tanganika-See, was Wißmann am 6. November noch telegraphisch zugesagt hat.

Hamburg, 8. November. Eine allgemeine See- Versicherungs-Gesellschast mit einem Grundcapital von anderthalb Millionen Mark wurde heute gegründet.

Rom, 9. November. Der Leichnam der Gräfin Mirafiori der einstigen Gemahlin Victor Emanuels in morganatischer Ehe, wurde, nahmdem die Gruft erbrochen war, in Brand gesteckt. Das Feuer konnte noch rechtzeitig gelöscht werden. Der Thäter ist unbekannt. Man vermuthet einen Racheact eines entlassenen Dieners.

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Gießen, 9. November 1891.

Vortrag. Ein früherer Offizier Stanleys, der schwedische Kongosorscher Theodor Westmark, wird, wie wir bereits in voriger Nummer mittheilten, nächstens dahier einen Vortrag halten:15 Monate unter den Menschen­fressern am oberen Kongo". Bei dem regen Interesse, mit welchem die ganze gebildete Welt die Sranley'sche Expedition seiner Zeit verfolgt hat, und bei der großen Spannung, mit welcher bei uns in Deutschland man alle Berichte der Afrika- forscher aufnimmt, darf man wohl dem Vortrage des Herrn Westmark über Land und Leute am oberen Kongo, also in