1891
Freitag den 10. Juli
Nr. 157
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AintS- ttttd Anzeiseblatt für den ILrei« Hieben.
chratisßeiküge: Gießener KamitienKkatter
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Uv»>shme lea Anzeige« |n der Nachmillag- für dm Tag erscheinenden Nummer bi- Bor«. 10 Uhr.
Der krepirten oder getödteten Thiere
seinem Scheiden aus seinem bisherigen Wirkungskreise in Hannover eine kleine Programmrede gehalten. Unverholen gestand der Minister, er habe sein neues Amt nur mit großen Bedenken aus der Hand seines bedeutenden Vorgängers übernommen, wenn er dies gethan, so habe er nur geglaubt, eine patriotische Pflicht zu erfüllen. Alsdann betonte Herr Thielen, wie die Entwickelung des heutigen Verkehrswesens nicht allein von derjenigen der Eisenbahnen, sondern auch von der Entwickelung der Wasserstraßen abhänge und hob er weiter hervor, daß an der Ausbildung der Aufgaben der Verkehrswege nicht allein die Eisenbahnverwaltung, sondern auch die Organe der wirthschaftlichen Interessen arbeiteten. — Jedenfalls geht aus dieser Kundgebung des neuen Ministers, die übrigens mit einem Hoch aus Herrn v. Maybach endete, hervor, daß er gesonnen ist, der Entwickelung der Wasserstraßen in Preußen sein besonderes Interesse zu widmen, was man in den zunächst betheiligten Kreisen gewiß nur mit Genugthuung begrüßen wird.
— Das Ergebniß der in Elsaß-Lothringen soeben vollzogenen Gemeinderathswahlen ist, vom altdeutschen Standpunkte betrachtet, gerade kein übermäßig erfreuliches. Dies gilt wenigstens von den Vorgängen in Straßburg und Metz. In Straßburg ist bei den Gemeinderathswahlen eine häßliche Uneinigkeit unter den eingewanderten Deutschen zu Tage getreten, die nicht zur Stärkung des Ansehens des Deutschthums im Elsaß beitragen kann, in der lothringischen Hauptstadt aber vermochten die Deutschen im ersten Wahlgange nur sechs ihrer Candidaten durchzubringen. Dagegen lauten die Nachrichten aus dem übrigen Reichslande in Betreff des Wahlausganges nicht ungünstig für die altdeutsche Sache.
— In China gestaltet sich die Lage für die Europäer nachgerade höchst kritisch. Selbst ein kaiserliches Decret zum Schutze der Fremden bat nicht vermocht, die immer weitere Kreise des Chinesenvolkes ergreifende feindselige Stimmung gegen die Ausländer zu beschwichtigen, so daß es begreiflich erscheint, wenn unter den in China lebenden Europäern große Beunruhigung herrscht. Die Vertreter der fremden Mächte bei der chinesischen Regierung haben bereits mehrfache Conserenzen über gemeinsame Schritte zum Schutze der europäischen Staatsangehörigen abgehalten.
Netteste Nachrichten
WoiffS telegraphisches Torrespondenz.Burcau.
Königsberg, 8 Juli. Im Landeshause gingen heute die Besprechungen der Minister vr. M i q u e l und v. Berlepsch mit dem Provinzialausschuß und den Vertretern der Land- wirthschast, Industrie und des Handels vor sich. Dem Der- nehmen nach handelt es sich um die Aufhebung des Identitäts- Nachweises sür Getreide und um die Ermäßigung der Eisenbahnsrachttarife sür landwirthschaftliche Erzeugnisse, die
Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt festgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Ca- daver.
Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüsungs - Com- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts- ort hat.
Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
Das Gesuch mutz von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.
Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
beglaubigt sein
em Unbescholtenheitszeuguiß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus-
StetWNfrifet AI ewwmtnUfttlM 2 Mark 20 Pst. 0* Bringcrloy». Durch die Post bez«G« 2 Mark 50 Pstz. «edaction, SxpeMkG und Drucker«: 54» lstraßr
ichener Anzeiger
Kmerat-Mnzeiger.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 8. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog trafen mit Ihrer Grobherzoglichen Hoheit der Prinzessin Alix heute Vormittag, zu Wagen von Seeheim kommend, hier ein, stiegen im Schlosse ab und kehren im Laufe des Nachmittags wieder nach Seeheim zurück.
Berlin, 9. Juli. Der neue preußische Minister | der öffentlichen Arbeiten, Herr Thielen, hat bei
will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.
Bezüglich des Prüsungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattsindet, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.
Darmstadt, den 4. Juli 1891.
Großh. Prüfungs-Commission sür einjährig Freiwillige.
Der Vorsitzende: vr. Zeller.
zustellen ist-
ein selbstgeschriebener Lebenslauf.
In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein
a. Geburtszeugniß;
Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes
Ich besaß keine nennenswerthen Ahnen, die seinen aber kannte ich längst auswendig, bis hinaus zu dem alten Hamburger Admiral, der ein Busenfreund von Columbus gewesen sein sollte, und so wollte ich die Auszählung derselben nicht noch einmal anhören. Bienchen wäre hier allerdings sogleich mit der Bemerkung bei der Hand gewesen, ich sei eisersüchttg auf Carls Ahnentafel.
„Hab nur keine Angst, alter Sohn," sagte mein Freund. „Brauchst nicht zu fürchten, daß ich Dir wieder mit meinem Stammbaum unter die Augen gehen werde. Uebrigens hast Du zehnmal besseres Blut in den Adern als ich, sonst könntest Du unmöglich der prächtige Kerl sein, der Du bist."
Dieses Zugeständniß beschämte mich.
„Du wolltest soeben bemerken, lieber Carl . . ." begann ich.
„Ja, ich wollte soeben bemerken, daß ich für das Mädchen alles thun, daß ich sür sie in den Tod gehen könnte!"
„Der Sinn Deiner Ahnen stand höher, mein Freund.
„Möglich," versetzte er trübsinnig. „Hier handelt es sich jedoch darum, sür wen Bienchen in den Tod zu gehen bereit wäre." , .
Wie lebhaft kamen mir diese Worte wieder in die Erinnerung, als ich wußte, wie alles zu Ende gehen würde.
Jetzt aber ries ich lachend:
„Bienchen und in den Tod gehen! Das ist eine Gedankenverbindung, die mir denn doch etwas ungereimt vorkommt. Gegenwärtig lebt sie und daran wollen wir uns genügen lassen." , M
„Gut denn - sür wen von uns aber wird sie leben ? fragte Carl beklommen.
„Glaubst Du, daß eine Cokette treu sein kann?" Diese Frage wurde von meinem alten Freunde, Schiffscapitän Carl Petrus, an mich gerichtet.
„Ob eine Cokette treu sein kann? Schwerlich. Bienchen aber kann treu sein," war meine Antwort.
„Na, hör mal!" rief Carl. „Ein flatterhafteres Mädel hats nie gegeben! Sie cokettirt mit Jedem, der ihr in die Quere kommt, und mehr als einer unserer Bekannten würde Stein und Bein darauf schwören, daß Bienchen in ihn verschossen sei. Geht mirs doch selber kaum anders," fügte er hinzu, die Asche seiner Cigarre heftig zur Seite schleudernd.
„Nein, Carl," versetzte ich, „Jacobme Grüngrost ist keine Cokette in dem bösen Sinne des Wortes. Sie zeigt sich gegen jeden von uns freundlich und liebenswürdig, wie sie als Wirthstochrer auch nicht anders kann, Besondere Absichten liegen ihr meines Wissens dabei fern. Anderseits aber ists auch nicht zu verwundern, wenn dieser oder jener ihre Liebenswürdigkeit ganz allein auf sich beziehen möchte - sie ist ein schönes Mädchen und erbt einmal der Mutter Vermögen und nicht unbeträchtlichen Besitz. Man darf eben nicht vergessen, daß sie eine Wirthstochter ist, und als solche gegen alle Gäste die gleiche Zuvorkommenheit zeigen muß.
Es war nicht das erste Mal, daß ich mit Carl über
Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Militärdienst im Herbst 1891.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1891 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßsallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1. August 1891
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt:
Jacvbine Gröngröfi sprach - so oft wir beide allein waren, mußte ich seinen Schwärmereien über das Mädchen zuhören und das zuweilen stundenlang.
Die Liebenswürdigkeiten dieser jungen Dame aber waren keineswegs so unparteiisch vertheilt, als ich behauptet Hatteich sür meine Person konnte mich wenigstens nicht damit brüsten, von ihr sonderlich freundliche Blicke erhalten zu haben, wohl aber hatte ich manchen jener Stiche und manche jener mehr oder weniger spitzigen Antworten einzunehmen, die ihr unter den intimeren Gästen der Mutter Gröngröft den Namen „Bienchen" eingetragen hatten. Diese Antworten waren oft derart, daß sie den braven Betroffenen sicherlich zornig gemacht haben würden, wenn sie von weniger an- muthigen Lippen gefallen wären. Die llnschuld und die Reinheit aber, die des Mädchens ganzes Wesen kennzeichnete, und dazu ihre wirklich tadellose Schönheit ließen im ersten Augenblicke alles, was sie sagte und that, gerechtfertigt erscheinen Später allerdings, wenn das unbesangenere Nachdenken kam und Bienchens liebliches Antlitz nicht mehr gegenwärtig war, wurde sie von manch einem grausam, gesühllos, kaltherzig und cokett gescholten — lauter Bezeichnungen, an welche in ihrer Gegenwart zu denken, man sich ge- schämt hätte.
Doch ich schweife ab.
„Ganz recht, man sollte nicht vergessen, daß sie eine Wirthstochter ist," wiederholte Carl meine letzte Bemerkung. „Ihre Mutter, eine zugewanderte Schwedin, hält einen Schifferkeller- ich dagegen stamme aus einer der ältesten Familien dieser alten Hansastadt ..."
„Weiß schon, weiß schon," unterbrach ich ihn mit einer ungeduldigen Bewegung.
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Amtlicher Theil.
Gießen, am 7. Juli 1891. Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglicheu Bürgermeistereien Mmdorf a.d.Lahn, Bellersheim, Bettenhaufeil, Birklar, Dorf'Gill, Eberstadt, Großen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horlosf und Utphe.
Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Auüschreiben vom 23. August 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe 'über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergessen ist.
v. Gagern.
Tabelle
über die in der Gemeinde........vom .... 18 . .
bis .... 18 . . crepirten oder getödteten Thiere.
Birnchen.
Von Friedrich Meister.
(Nachdruck verboten.)
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Inieigen für den „Gießener Anzeiqer" ent«e«M-


