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Mr. 107 Zweites Blatt. Sonntag den 10. Mai 1891
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Derrtßches Re^ch.
Bonn, 7. Mai. Wie die „Bonner Zeitung" in einem Mittags ausgegebenen Extrablatt meldet, erschien Se. Majestät der Kaiser gestern Abend 9 Uhr im Dreikaisersaal des „Cölner Hofes", um dem Antrittscommers der Corps- studentcn beizuwohnen. Der Saal war prächtig geschmückt - auf den Galerien hatten Damen Platz genommen. Se. Majestät der Kaiser übernahm das Präsidium und commandirte den ersten Salamander auf die Bonner Corps. Nach einer Ansprache des Vertreters des Kösener 8. C., Dr. Molden- haue r, erwiderte Se. Majestät der Kaiser etwa Folgendes:
„Der Herr Vorredner hat soeben als Vertreter des Kösener 8. C. Worte des Dankes an Mich gerichtet und die dabei ausgesprochenen Gesinnungen veranlassen Mich, dem gesammten 8. C. Dank zu sagen. Ich sehe in jenen Worten die alten Gesinnungen des Bonner 8. C. bestätigt, wie sie noch jetzt in Ihrem Herzen bestehen, und sehe, daß noch jetzt ebenso wie bisher über die Zwecke und Ziele der deutschen Corps gedacht wird. Es ist Meine feste Ueberzeugung, daß jeder junge Mann, der eintritt in ein Corps, durch den Geist, welcher in demselben herrscht, und mit diesem seine wahre Richtung für das Leben erhält, denn es ist die beste Erziehung, die ein junger Mann für sein späteres Leben bekommt, und wer über die deutschen Corps spottet, der kennt ihre wahren Tendenzen nicht. Wer aber Corpsstudent wie Ich gewesen ist, weiß das am besten. Ich danke dem 8. C. für seine Teilnahme an dem Mir dargebrachten Fackelzuge und freue Mich, daß durch denselben die guten Beziehungen der gesammten Studentenschaft wieder hergestellt sind. Ich hoffe, daß es so bleiben wird, denn die Einmüthigkeit ist ein Gewinn für die ganze Universität und wird auch ein Gewinn für den gesammten 8. C. Ler deutschen Universitäten sein. Ich hoffe, daß, so lange es deutsche Corpsstudenten gibt, der Geist, wie er im Corps gepflegt, und durch den Kraft und Muth gestählt wird, erhalten bleibt und daß Sie freudig den Schläger führen werden." Der Kaiser erwähnte sodann die Studentenmensuren und fuhr etwa also fort: „Wie im Mittelalter durch die Turniere der Muth und die Kraft gestählt wurden, so wird auch durch den Geist und das Leben im Corps der Grad von Festigkeit erworben, der später im großen Leben nöthig ist und der bestehen wird, so lange es deutsche Universitäten gibt. Sie haben auch Meines Sohnes heute gedacht- dafür danke Ich Ihnen von Herzen. Ich hoffe, daß derselbe, wenn er soweit gediehen ist, bei dem hiesigen 8. C. eintreten und dieselben freundlichen Gesinnungen wiederfinden wird, wie Ich sie hier gefunden habe. Und nun, Meine Herren, noch ein <j_u -------" 1
Wort, besonders an die Jüngeren, die im ersten Semester zum ersten Male sich anschicken, den Geist des Corps zu pflegen. Stählen Sie Ihren Muth und Ihre Disciplin in dem Gehorsam, ohne den unser Staatsleben nicht bestehen kann. Ich hoffe, daß dereinst viele Beamte und Offiziere aus Ihrem Kreise hervorgehen. Wie viele bedeutende Herren haben wir hier unter uns sitzen. Gelehrte, Beamte, Offiziere und Kaufleute! Ich hoffe, daß der Geist der Einheit des Kösener 8. C. im Bonner 8. C. weiter leben wird und daß dies auch an allen anderen Universitäten der Fall sein möge. Und nun erhebe Ich Mein Glas und trinke auf das Wohl des Bonner 8. C. und der gesammten Corps. Sie leben hoch! hoch! hoch!"
Später richtete Se. Majestät das Wort an die alten Herren, welche das Fest durch ihr Erscheinen verschönert hätten und commandirte einen Salamander auf die alten Herren. Auf Ihre Majestät die Kaiserin wurde ein vom Kammerpräsidenten a. D. Schorn gesprochenes und begeistert ausgenommenes Hoch ausgebracht. Beim „Semesterreiben" trank der Kaiser, welcher 28 Semester zählt, auf den Bonner 8. C. Um 1/212 Uhr begann der „Landesvater". Bald nach 12 Uhr verließ Se. Majestät den Festsaal unter brausenden Hurrahrufen der Anwesenden Und fuhr mit dem Prinzen von Schaumburg-Lippe nach der Villa Löschigk zurück.
Dermiföte»«
* Aach vierzig Jahren. Mit dem englischen Dampfer „Star" von Southampton ist kürzlich in Memel ein Mann als Fahrgast eingetroffen, dessen Ankunft daselbst erklärliches Aussehen erregt, ließet das merkwürdige Schicksal dieses Mannes sind der Berliner „Allg. Fleischerztg." folgende Einzelheiten mitgetheilt worden. Dieser angenommene Passagier ist der Fleischermeister Gustav Gebhardt, gegen den vor ungefähr vierzig Jahren eine Anklage wegen Doppelmordes erhoben war. Aus Grund schwerwiegender Beweise wurde Gebhardt trotz seines Leugnens zum Tode verurtheilt. Als Alles zu der Execution vorbereitet war und der Delinquent zur Richtstätre geführt werden sollte, fanden die Gehülfen des Henkers die Zelle leer — der Gefangene war entflohen und blieb verschwunden. Nach mehreren Jahren machte ein angesehener Bürger, aus den kein Verdacht an dem Morde gefallen war, auf seinem Sterbebette dem h'erbeigerusenen Seelsorger die Mittheilung, daß er der Mörder und der entflohene Fleischermeister Gebhard also unschuldig sei. Jetzt wurde letzterer in allen großen Zeitungen des In- und Aus- I landes unter Klarlegung seiner Unschuld gesucht und zur
Rückkehr nach Memel ausgesordert, allein nirgends fand man eine Spur. Darum erregt jetzt die Ankunft des verurtheilt gewesenen Fleischermeisters allgemeine Aufmerksamkeit, besonders bei den älteren Leuten in Memel. Was aber dieser Mann in der Fremde gelitten haben muß, davon zeugt seine gebeugte Gestalt und sein schneeweißes Haar. Durch seine Flucht hat er die Gerichte vor einem Justizmord bewahrt, aber die in der Verbannung verlebten Jahrzehnte wiegen wahrlich auch schwer genug.
* Einen neuen Zweig weiblicher Industrie hat eine junge Dame in Chicago entdeckt. Sie macht in den Zeitungen bekannt, daß sie jungen Herren, welche sich in Gesellschaft des schönen Geschlechtes unsicher fühlen und schüchtern sind, Unterricht in der Etikette und der Art und Weise, wie mit Damen zu verkehren ist, ertheilt. Rathschläge an Liebhaber und Solche, die es werden wollen, sind extra zu honoriren. Wie es heißt, hat sie sich eines sehr starken Zuspruches zu erfreuen.
* Der Pfarrer des Dorfes begegnet am Eingänge des Waldes auf einem Spaziergange zwei kleinen Knaben. „Wo wollt Ihr denn hin, Kinder?" fragt er sie. — „Holz hole, Herr Pfarrer." — „Ihr brecht doch aber keine Reiser von den Bäumen?" — „Nee, Herr Pfarrer — mer habe 'n e kleine Säg' dazu!"
£tter aittr umO Kunft
— Eine sehr interessante Erinnerung aus dem Leben des verstorbenen Generals v. Gäben theilt das bekannte illuftrirte'Familim- blatt »DaS Buch für Alle- mit. Da sie unseres Wiffens noch nicht bekannt, lassen wir sie folgen.
Zu Ende der dreißiger Jahre hatte Gäben als preußischer Lieutenant sich beurlauben lassen, um in die carlistische Armee einzutreten. Dort hatte er es bis zum Oberlieutenant gebracht. Im Jahre 1840, nach Niederwerfung des carltstischen Aufstandes, mußte er, aller Mittel bar, aus Spanien zu Fuß nach Deutschland wandern. Es ging ihm damals so traurig, daß er den letzten Monat auf dieser Reise die Nächte unter freiem Himmel zubringen und sich von unreifem Obst ernähren mußte. In Rheinhessen schloß er sich einem Hond- werksburschen, einem Bäckergesellen, an. Dem sagte er, daß er sich, müde des steten Schlafens unter freiem Himmel, in Darmstadt als subsistenzloS festnehmen lassen wolle, um nur einmal wieder ein Obdach zu bekommen. Und richtig! In Darmstadt angekommen, meldete er sich auf der Polizei als obdachlos, in der Hoffnung, eingesperrt zu werden und Gefangenenkost zu erhalten. Allein er täuschte sich, denn man fand, daß feine Papiere in Ordnung waren und konnte ihn deshalb auch nicht einfperren. Hungrig, ermattet und verzweifelnd mußte der Aermste wetterwandern. Da bemerkte ibn fein wackerer Reisegefährte, der Bäckergeselle und schenkte ihm zwölf Kreuzer, die ihm ein Unterkommen auf der Herberge ermöglichten.
„Das war mein erster Besuch in Darmstadt", erzählte der General später dem Prinzen Heinrich von Hessen. „Das zweite Mal,
Feuilleton.
Dasselbe Her).
Von A. Her.
(Nachdruck verboten.)
Ihre Eltern besaßen einen großen, altfränkischen Familien- wagen, in dem sie zuweilen über Land fuhren. Jhna freute sich immer, wenn es hieß: „Heute Abend besuchen wir Stenzels." Sie dachte so weiter, während der Wagen auf der Straße dahinrvllte, sie sah die Felder und Wälder, vom matten Schein der Wagenlaternen beleuchtet, vorüberfliegen, und dann auf einmal hörte man das Rauschen ,des Flusses. Der Kutscher hemmte den Laus der Pferde, so daß sie sich in langsamem Schritt bewegten, das Holzwerk der langen, überdachten Brücke krachte, oben an einem rostigen Haken hing eine trübe brennende Laterne, in der Tiefe gurgelte das Wasser und es wurde Jhna ganz unheimlich zu Muthe. Aber nachher, wenn der Wagen vor dem Hause hielt, in welchem Stenzels wohnten, freute sie sich. Frau Stenzel hatte eine so reizende, mit Blumen bemalte Theekanne und so schöne Epheupflanzen, die sich an den Fenstern emporrankten, und bunte Bilder an den Wänden; aber das alles war doch nicht der hauptsächliche Grund von Jhnas Freude, nein, das Schönste und Beste in dem Stenzel'schen Hause war ihrer Ansicht nach Arno Stenzel! Sein Vater sagte immer: „Mein armer Arno!" Diese Worte erregten Jhnas Mitleid, ^obschon es ihr unbegreiflich war, wie ein Junge, der ein Theater mit reizenden Figuren besaß, arm sein könne. Und einmal, wie sie mit Arno oben auf den ausgetretenen Stufen der Treppe saß und er ihr Gespenstergeschichten erzählte, ganz merkwürdige Geschichten, in denen sich Unglaubliches ereignete, da unterbrach sie ihn plötzlich und fragte:
„Arno, weßhalb bist Du arm?"
„Weil wir lein Geld haben und ich nicht studiren kann." ^Ach, ist das schlimm?"
„Sehr schlimm, denn ich möchte etwas Außergewöhnliches werden," und Arno bröckelte mit der Hand den Putz von der Wand, denn dieser zeigte schon viele Riffe- es war alles ziemlich baufällig in dem Stenzel'schen Hause. „Uebrigens," fuhr Arno fort, „werde ich doch etwas Außergewöhnliches werden, ich gehe in die Welt."
„Ach, Arno, werde lieber etwas Gewöhnliches und bleibe zu Hause!"
Er schüttelte den Kopf.
„Dann möchte auch ich etwas Außergewöhnliches werden." „Das kannst Du nicht, denn Du bist nur ein Mädchen." „Dann möchte ich ein Junge sein und mit Dir in die Welt gehen. Kann man nur in der Welt etwas Außergewöhnliches werden?"
„Nur in der Welt."
Einige Jahre später, als Jhna mit Arno unter dem großen Lindenbaume stand, in dem die Vögel zwitscherten, da sagte er ihr, daß er fortginge, weit fort in die Welt, um etwas Außergewöhnliches zu werden.
Sie weinte darüber, aber er ging doch.
Und späterhin kam der Augenblick, wo Jhna auch hinauszog in die Welt, der Augenblick kam schneller als sie erwartet hatte, denn ihre Eltern starben, die Familienkutsche und alles wurde verkauft und sie nahm Stellung als Gesellschafterin bei einer Dame. Diese reiste sehr viel und so lernte Jhna alle möglichen Länder und Menschen kennen, aber beim Anblick der herrlichsten Landschaften dachte sie mit Sehnsucht an den rauschenden Fluß, die Weiden am Ufer, die düstere Brücke, die schwankende Laterne und beim Verkehr mit den Menschen drängte sich immer Arnos Bild in den Pordergrund. Ob er berühmt geworden war?
ES vergingen viele Jahre und sie hörte nie etwas von Arno. Zuweilen erschien ihr die ganze Vergangenheit wie ein Traum, während die Gegenwart mit ihrer Unruhe und den wechselnden Eindrücken ihren Geist in Anspruch nahm. Es gab so Vieles zu sehen und zu hören und zu beobachten.
Und dann mußte sie einpacken und auspacken und Rechnungen bezahlen und Notizen machen und vorlesen und Vorspielen. Wenn man an einem Orte heimisch geworden war, ging es gleich wieder weiter, denn die betreffende Dame hatte sich vorgenommen, einen großen Theil der Welt kennen zu. lernen.
Und einmal, wie sie in Sicilien waren, in einem ganz entlegenen Bergnest, welches die Dame eines berühmten Amphitheaters wegen ausgesucht hatte, da las Jhna im Fremdenbuche den Namen Arno Stenzel. Hier war er gewesen, acht Tage vor ihrer Ankunft. Fast hätten sie sich getroffen, fast! Ob er noch derselbe war? Dieser Gedanke nahm Jhna so in Anspruch, daß sie die zierlichen Spitzenhäubchen der Dame ganz unten in den Koffer legte, statt zu oberst, und infolge dieser schlechten Behandlung wurden sie arg zerknittert, so daß die Dame sich bitterlich beklagte über die rohe Art und Weise, in welcher das Gepäck auf den Eisenbahnen herumgeworfen würde, und da zudem der Scirocco erschlaffend wirkte und die Butter ranzig war, meinte die Dame, der Süden habe viele Schattenseiten und sie wollten nach dem Norden gehen, denn es sei doch nirgends so schön wie in Deutschland.
Und so schieden sie von den rosig blühenden Mandelbäumen, den Citronenhainen, dem blauen Meere, dem blendenden Sonnenschein und fuhren gen Norden. Nirgends hielten sie sich auf, es ging immer wieder weiter, so daß sie beide ganz gerädert waren, als sie ihren Bestimmungsort erreichten.
Eine Weile ruhten sie sich aus, dann nahmen sie alle Sehenswürdigkeiten in Augenschein und da die Dame in der Stadt, wo sie sich aushielten, zahlreiche Bekannte hatte, machten sie viele Gesellschaften mit.
(Schluß folgt.)


