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gegen 10,000 Basuts, Bandengas und andere Stämme. An­fangs war Zintgraff siegreich, am späten Nachmittag fand indeß ein Rückzugsgefecht statt. Es fielen außer Heinrich, Nehber und Tildt die Lieutenants v. Spangenburg und Huve, 68 Weyungen, 100 Balis und 500 Feinde. Die Ursache des Krieges bildete die Ermordung zweier von Zint- zraff an den Ba'suthäuptling gesandten Weyungen. Zintgraff blieb 14 Tage in Balibung und begab sich, als alles ruhig war, unter Zurücklassung des Schutzes der Handelsstraßen nach Kamerun. Er hielt die Bewaffnung der Balis auf Reichskosten für erforderlich.

Bern, 8. April. Die Bundesversammlung hat die Revision der Bundesverfassung in der Richtung beschlossen, daß 50 000 Schweizer Bürger durch einfache An­regung oder Borlegung eines ausgearbeiteten Entwurfes die Revision einzelner Bestimmungen der Bundesversaffung ver­langen können. Legen dieselben einen ausgearbeiteten Ent­wurf vor, so ist derselbe unverändert der Abstimmung des Volkes und der Cantone zu unterbreiten. Der vorstehende Beschluß der Bundesversammlung unterliegt der Volks- Abstimmung.

Wien, 8. April. Der Jungczechenclub beschloß in seiner heutigen Versammlung, eine staatsrechtliche Verwahrung beim Eintritt ins Abgeordnetenhaus abzugeben.

Wien, 8. April. In Folge des heute begonnenen Bäckerstrikes hat der Bürgermeister mit Einverständniß der Militärverpflegungsbäckerei Feldbäcker eie u errichten und Brod herstelleu lassen, außerdem hat der Bürgermeister mit auswärtigen Bäckereien zur Sicherung des Brodbedarfs Lieferungen abgeschlossen.

Paris, 8. April. Die Einnahmen aus den indirekten Steuern und Monopolen im Monat März übersteigen um 92,OOO Francs den Voranschlag und um 5 Millionen die des Vorjahres.

Die Königin Victoria dürfte ihren Aufenthalt in Grasse bis zum 20. Mai verlängern.

DerTemps" meldet, Prinz Napoleon habe testamentarisch angeordnet, sein Leichnam möge, falls die französische Regierung zustimmt, im Jnvalidendom beigesetzr werden, andernfalls wünscht er im Golf von Ajacco auf den Felsen von Iles Sanguinaires beerdigt zu werden. Die Papiere politischen Inhalts seien dem Prinzen Louis zu über­geben, der, falls die Freunde des Verstorbenen, Masson und Philis, beabsichtigten, dessen Memoiren zu schreiben, dieselben möglichst unterstützen solle DerTemps" bestätigt, daß Prinz Victor im Testament als Abtrünniger erklärt und voll­ständig enterbt wurde.

Loudon, 8. April. Der Lordmayor berief in Folge einer von zahlreichen Gemeinderäthen unterzeichneten Auf­forderung eine Versammlung aller Aldermen, worin über die Einladung an Kaiser Wilhelm zum Besuche von Guildhall anläßlich seines Besuches in England berathen werden soll.

Brüssel, 8. April. In der KohlengrubeBellevue" bei Dowr wurde vergangene Nacht durch schlagende Wetter ein Arbeiter getödtet und zwei verwundet.

Rom, 8. April. Die Vertreter der italienischen, öster­reichisch-ungarischen, bayerischen und schweizerischen Bahnen beendeten ihre Conferenzüber den Anschlußverkehr. Die deutschen und italienischen Vertreter berathen morgen über dienstliche Reclamationen.

Cocales rrnd Oror>iirzieäes.

Gießen, 9. April.

Samstag den 11. April l. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Proviuzialausschuffes der Provinz Ober. Hessen statt, in welcher folgende Gegenstände verhandelt werden:

1. Klage des Ortsarmenverbands Erbach im Rheingau gegen den Ortsarmenverband Frischborn im Kreise Lauterbach wegen Unterstützung der geisteskranken Marie List aus Frischborn.

2. Klage des Ortsarmenverbands Friedberg gegen den Landarmenverband des Kreises Friedberg wegen Unterstützung und Uebernahme des Karl Hülfshoff aus Ober-Rosbach.

3. Gesuch des Maximilian Jaskowsky zu Gießen um Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein in seiner Wirthschaft.

EH. Die heutige Generalversammlung des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krantenpftege, die auch Herr Ober­bürgermeister Gnauth mit seiner Gegenwart beehrte, war nicht sehr besucht. Nach einer kurzen Ansprache erstattete der Vorsitzende, Herr Pfarrer Schlosser, den Jahresbericht für 1890, aus dem wir, da er in Bälde gedruckt werden wird, nur das Wesentlichste hervorheben. Ausgetchieden aus der Zahl der Helfer ist Niemand, neu hinzugetreten sind die Herren: Rentner Franz Senner, Bäckermeister Ehr. Faß, Spenglermeister Karl Faber, Kaufmann Conr. Jung und Frl. Minna Bai st. Was die Armenpflege anlangt, so werden unterstützt 227 Personen und Familien (gegen 229 im Vorjahre) in 1027 Fällen (gegen 1150 in 1889). Der Gesammtaufwand dasür betrug 4091 Mk. (gegen 4064 Mk. in 1889), darunter baar 2000 Mk. (gegen 1542 Mk.) worunter eine Anzahl von Darlehen und Crediteröffnungen. Bedeutend geringer geworden ist die Unterstützung an Kohlen, da solche jetzt auch von der Stadt verabfolgt werden. In der Krankenpflege waren beschäftigt im Winter 8, im Sommer 7 Schwestern, die zusammen 400 ganze Tagpflegen, 10,004 Pslegebesuche, (d. h. Besuche bis zur Dauer eines halben Tages), 666 Nachtwachen und 311 Massagen leisteten. Außerdem wurde 17 Kindern zum großen Theil aus Vereins­kosten ein Badekur im Elisabethhause in Nauheim gewährt. Die Krippe war im Ganzen au 245 Tagen geöffnet. Im Januar mußte sie wegen der Influenza ganz geschlossen

bleiben und zählte 3248 Kinderpflegetage. Der Kauf des Hauses Kirchenplatz 2 hat sich auch in diesem Jahre gut bewährt; unter den Miethern kam nur ein Wechsel vor. Herr Metzgermeister Klein unterzieht sich der Verwal­tung des Hauses in dankenswerther Weise nach wie vor. Die Näh- und Flickschule unter der Leitung der Frau Provinzialdirector v. Gagern hat sich ebenfalls erfreulich entwickelt. Im Winter 1890/91 betrug die Zahl der dieselben Dienstags besuchenden Frauen und älteren Mädchen 26, der sie Freitags besuchenden jüngeren Mädchen schließlich bis zu 70. Leider sind dagegen die Mitgliederbeiträge wieder etwas herab­gegangen, statt 3522 Mk. in 1889 betrugen sie in 1890 3430 Mk. Dasür erhielt der Verein ein größeres Legat, in­dem Rentner Phil. Schmidt dem Verein 4100 Mk. ver­machte. Nachdem sodann dem Rechner Herrn Mayer Entlastung ertheilt war, erhielt, zum 3. Punkt der Tages­ordnung übergehend, der Ankauf des Hauses V o l p, Linden­gasse 14, zum Preis von 12,500 Mk. die nachträgliche Ge­nehmigung der Versammlung. Ebenso erhielt der beantragte Zusatz zu den Statuten, wonach sich der Vorstand von höch­stens vier Personen selbst noch verstärken kann, die ein­stimmige Genehmigung. Endlich wurden die statutgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt, mit Ausnahme des Herrn Justizrath B a i st, der eine Wiederwahl ablehnen ließ. Der Ersatz desselben wurde dem Vorstande anheimgegeben.

Die gärtnerischen Anlagen um die Stadt herum sind nunmehr vom Stadtgärtner in hübscher, gefälliger Form wieder hergerichret worden. Wir machen die Besitzer von Hunden hierbei darauf aufmerksam, daß das Freiherumlaufen ihrer Lieblinge in den Anlagen nicht gestattet, sondern unter­sagt ist. Wer sich also vor Schaden hüten will, achte darauf, daß seinBello" oder wie sonst das Thierchen heißt, nicht dort sich frei umhertreibe.

Am Freitag den 10. April wird die berühmte kleinste Schauspielergesellschaft der Liliputaner im Cafe Leib ihren Einzug halten. Die Eigenartigkeit dieser Truppe hat der­selben einen Weltruf verschafft. Die Liliputaner bestehen zusammen aus 14 Personen (Herren und Damen) und führen anerkannt nicht nur vorzügliche Lustspiele und Possen auf, sie spielen sie auch vorzüglich. Requisiten, Möbel und Sonstiges, was für diese kleinen Schauspieler paßt, besitzen sie selbst und zwar in elegantester Form. Das Gastspiel ist nur auf einige Tage beschränkt,- es wird sich wohl Niemand entgehen lassen, die Liliputaner anzusehen.

vermischtes.

* Darmstadt, 8. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 28. März den Ministerial - Registratur - Assistenten Karl Weisel zu Darmstadt zum Ministerial-Ealculator bei der Buchhaltung des Ministeriums des Innern und der Justiz und den Finanz- asptranten Georg Rotte aus Schotten zum Ministerial- Registratur-Assistenten bei der Registratur des Ministeriums des Innern und der Justiz beide vom 1. April d. I. an zu ernennen.

* Aus dem Ried, 6. April. Wie sich jetzt herausstellt, ist die Winterfrucht infolge des harten Winters fast allent­halben im Ried erfroren.

* Groß-Gerau, 7. April. In dem benachbarten Wall­dorf t ödtete am vergangenen Sonntag Abend ein 26jähriger Maurer seinen um 10 Jahre älteren Bruder. Beide Brüder, Söhne einer Wittwe und unverheirathet, geriethen während ihrer Mahlzeit in Wortwechsel, in dessen Verlauf der Jüngere den Aelteren mit dem Tischmesser erstach. Der Stoß war so wuchtig geführt, daß der Tod sofort erfolgte. Der Mörder wurde gestern früh durch die Gendarmerie geschlossen in das hiesige Untersuchungsgefängniß eingeliefert.

n. * Braunfels, 7. April. Der Nachricht von dem Ab­leben Seiner Durchlaucht des Fürsten Georg zu Solms-Braunfels lassen wir heute eine Beschreibung der Trauer- und Beisetzungsfeierlichkeit folgen. Das Sterbe- zimmer in der Villa zu Frankfurt verwandelte sich durch die Fülle der Blumen und Palmen, die dem dahingeschiedenen Fürsten von allen Seiten gewidmet wurden, in einen Blumen­garten, in dessen Mitte auf einem Podium der offene Sarg des mit friedlichen Zügen Schlummernden sich befand. Das Kleid des tobten Herrn war die Uniform des Johanniter- Ordens. Zu seinen Häupten erhob sich die Fürstenkrone, zu seinen Füßen lagen sein Degen und seine Orden. Acht Jäger hielten die Leichenwache. Am Sonntag Morgen wurde in diesem Raume ein Trauergottesdienst abgehalten, an dem sich außer den nächsten Angehörigen Prinz und Prinzessin Hermann zu Solms, Prinzessin Marie zu Solms, die Landgräfiu Anna zu Hessen, sowie die Vertreter der Großherzöge von Baden und Luxemburg und der Prinzessin Luise von Preußen und neben Frankfurter Freunden die Beamten und Diener des Dahingeschiebenen beteiligten. Am Montag wurde so­dann unter Leitung von Kammerrath Bingel der Sarg von Frankfurt nach der Station Braunfels übergeführt, von wo er in feierlichem Zuge nach der hiesigen Schloßkirche gebracht wurde. Heute um 2 Uhr begann in der genannten Kirche unter sehr großer Beteiligung von Leidtragenden die Bei­setzungsfeier. Vor dem Altäre stand mit Blumen und Palmen bedeckt der Sarg, umgeben von zahlreichen Candelabern, deren Licht in den dunklen Kirchenraum strahlte. Die Ehrenplätze vor dem Sarge nahmen die hohen Verwandten und Freunde des Verstorbenen ein: Prinz und Prinzessin Hermann zu Solms, Prinzessin Marie zu Solms, die Fürsten zu Solms- Lich/ Wied und Jsenburg-Birstein, die Prinzen Friedrich und Ludwig zu Solms, die Grafen zu Solms-Rödelheim und Solms-Klitschdorf, ebenso der Oberpräsident der Rheinprovinz Nasse, der Generalsuperintendent Bauer und Prälat Habicht, Prov.-Dir. Frhr. v. Gagern, sowie das Osfiziercorps von Weilburg und Wetzlar und zahlreiche Vertreter der Solmser Ge­meinden und der Städte Wetzlar und Hungen. Hinter und neben dem Altäre hatte sich die Geistlichkeit des Landes, so­

wie die Lehrer und der Braunfelser Kirchenchor ausgestellt. Die beiden letzteren trugen, nachdem die feierlichen Töne der Orgel verklungen waren, im Anschluß an die Lithurgie er­greifende Trauergesänge vor. Hieraus folgte die Gedächtniß- rede, welche Hofprediger Bingel auf Grund eines Schrift­wortes hielt, das sich der Heimgegangene einst selbst erwählt: Wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir. Hebr. 13, 14. Die schlichte, warm empfundene Rede des Geistlichen fand in allen Herzen Wiederhall und dem Gebetswunsch, daß das altehrwürdige Haus noch lange und in frommen Gliedern blühen möge, stimmten sicherlich Alle zu. Als dann der Segen unter Abgabe dreier Salven des Kriegervereins über den Sarg gesprochen war, wurde derselbe von den Jägern, welche die Leichenwache gehalten, zur Gruft getragen, während Kanonenschläge dem weiten Lande verkündigten, daß Fürst Georg zur Ruhestätte gebracht sei. Noch mahnt das tägliche Trauergeläute an den Heim­gegangenen, für seine zahlreichen Freunde in Nähe und Ferne aber bedarf es keiner Mahnung, das Gedächtniß des Dahin­geschiedenen treu zu bewahren.

*= Frankfurt a. M., 8. April. Abermals ein Todes stürz. Der Spenglergehilfe Scheuer von Bornheim, welcher gestern an dem Dache eines Eckhauses der Haide- und Wiesenstraße beschäftigt war, stürzte aus der Höhe herab auf das Pflaster und war auf der Stelle tobt. Der Schabel würbe ihm zerschmettert unb das Genick gebrochen. Sch., ber 24 Jahre alt unb unverheirathet war, ist insofern an bem Unglück selbst Schulb, als er, statt sich bas am Hause befinbliche Gerüst erhöhen zu lassen, auf bie über letzteres emporragende Stange stieg. Die Stange konnte jedoch einen Menschen nicht tragen und brach zusammen.

* Coblenz, 8. April. Der Rhein wächst seit gestern sehr stark- in verflossener Nacht und heute Vormittag stieg das Wasser stündlich 3 Ctm. Die Mosel steigt auch stark unb hat seit gestern bie Hafenkrippen am linken User überschwemmt. Wenn ber Rhein, ber jetzt burch bie schnell wachsenbe Mosel Stauwaffer erhält, noch einige Fuß steigt, wirb bie Schau- bubenmeffe am Rheinwerft gestört werben. Von ber Ober­mosel wirb steigendes Wasser gemeldet.

* Saarbrücken, 6. April. In ber hiesigen Wirtschaft Zum Hahnen" würbe gestern Abend ein Civilist von einem Unteroffizier erstochen. Die beiden hatten sich über die zweijährige Dienstzeit unterhalten, deren Ein­führung ber Civilist befürwortete. Er würbe von bem Svl- baten burch eine Bemerkung beleibigt unb gab bemselben eine Ohrfeige. Der Unteroffizier zog sofort sein Seitengewehr unb töbtete den Gegner durch einen Stich in bie Lunge.

* Löwenberg i. Schl., 4. April. Ein schönes Beispiel srieblichen Zusammenlebens verschiebener Religionen unb Cvn- fessionen würbe jüngst hier gegeben. Auf ben Sarg des katholischen Pfarrers Florian legte bie israelitische Gemeinde einen Kranz, während bei der Beerdigung auch bie evange­lischen Kirchenglocken erklangen.

* Börsenwitz. Ein Actionär einer Frankfurter Bank, welche eine gegen bas Vorjahr wesentlich geringere Divibenbe vertheilt, fragt bei ber Verwaltung telephonisch an:Warum ist Ihre Divibenbe biesmal so gering ?" Antwort:Bitte deutlicher." Der Actionär wiederholt die Anfrage. Di- rection:Wir verstehen kein Wort; es muß an ber Leitung liegen!" Actionär:Ja, bas glaube ich auch- Schluß!"

* Genf, 6. April. Eine eigenthümliche Wette ist kürzlich von einigen Genfern in Betreff bes Genfersees gemacht worben. Die These war solgenbe Könnten die Bewohner ber ganzen Erbe, inbem sie sich am Arme halten, auf dem Genfersee stehen, vorausgesetzt, daß dieser zugesroren sei? Die meisten ber Wettenben glaubten nicht, baß es möglich wäre, baß bie ganze Menschheit zwischen bem Schweizerufer unb Savoyen Platz hätte. Unb boch hatten sie Unrecht unb verloren bie Wette. Der Genfersee hat nämlich eine Ober­fläche von 573 Ouabrat-Kilometer ober 573 Millionen Quabratmeter. Rechnet man nun brei Personen auf einen Quabratmeter, so hat man eine Summe von 1 719 000000 Jnbivibuen, bie auf biefcr Fläche stehen könnten. Da nun nach ben neuesten Berechnungen bie Totalbevölkerung ber Erbe 1491 945 206 Personen beträgt, so würbe auf bem Genfersee noch Platz für mehr als 200 Millionen Menschen fein.

* Konstantinopel, 3. April. Deutsche Vagabunden machen, wie man berSaale-Ztg." schreibt: ben ottomani- scheu Sicherheit Behörben sehr viel zu schaffen. Ganze Banben solcher Bettler umlagern bie belebtesten Verkehrspunkte, be- sonbers bie Brücken unb Plätze, und belästigen die Passanten. Die Mehrzahl fingirt allerlei körperliche Gebrechen, um sich dadurch ber öffentlichen Milbthätigkeit würbiger zu machen. Alle aber tragen je nach den Ümftänben kein Bedenken, auch mit Gewalt Spenden zu ertrotzen oder bei Einbrüchen unb anberen Verbrechen mitzuwirken. Wieberholt hat der türkische Polizei-Äftnister darüber bei der Kaiserlichen Botschaft Klage geführt. Daraufhin wurden zahlreiche Vagabunden vom General- Consulat per Schub aus bem Laube entfernt, aubere aber für verübte Gesetzesverletzungen zu mehr ober weniger harten Strafen vernrtheilt. Neuerbings gelang es sogar, die berüch­tigte Wolff'sche Bande aufzuheben, welche seit 1889 in Galata unb Pera ihr Unwesen getrieben hat unb bie Hauptführer Wolff unb Hartung zur Bestrafung zu bringen. Das General- confulat entfaltet in der Unschädlichmachung dieser gefähr­lichen Landsleute einen lobenswerten Eifer. Empfehlen würbe es sich am Enbe, wenn paßlose Subjecte ohne auslängliche Subsistenzmittel dort überhaupt nicht gebulbct würben. Das Ansehen unb bie Ehre bes beutschen Namens können burch rücksichtsloses Einschreiten der Consulatbehörben lebiglich ge­winnen, umsomehr, ba gerabe unsere Vagabunden in ber ganzen Levante weitaus als bie gefährlichsten gelten.