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Nr. 58

Dienstag den 10. März

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1891

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Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

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ArntLicher TheLl.

Bekanntmachung,

Maul- und Klauenseuche zu Gießen, Allendorf a. d. Lahn, Annerod und Trohe betreffend.

Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Gießen, Allendorf a. d. Lahn, Annerod und Trohe festgestellt worden ist, entziehen wir hierdurch dem Großh. Polizei- amt Gitßen, sowie den Großh. Bürgermeistereien Heuchelheim, Allersdorf «i d. Lahn, Klein- Linden, Großen-Linden, Laug GönS, Leihgestern, Watzenborn - Steinberg Grüningen, Hausen, Gardenteieb, Steinbach, Albsch, Oppenrod, Burkhardsfelden, Hattenrod, Reiskirchen, Großen Buseck, Beuern, Rödgen, Trohe, Alten- Buseck, Wieseck, Lollar, Ruttershausen, Stau- fenberg, Mainzlar, Daubringen die Befugniß zur Ausstellung von Gesundheitsscheinen für Schlachtvieh. Dem­gemäß muß auch für Schlachtvieh, welches Händler aus einer dieser Gemarkungen in eine andere Gemarkung verbringen oder verbringen lassen, einthierärztliches Zeugniß vorschriftsmäßig ausgestellt und ntitgeführt werden.

Gießen, den 7. März 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 7. März 1891.

Betr.: Wie oben.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der in vorstehender Bekanntmachung avfgesührtenOrte de- Kreises.

Unter Bezugnahme aus vorstehende Bekanntmachung weisen wir Sie an, Gesundheitsscheine für Schlachtvieh bis auf Wei­teres nicht auszustellen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

das Beschneiden der Hecken betreffend.

Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbefitzer, die ihren Grundbesitz an öffent­lichen Fahr- oder Fußwegen einfriedigenden Hecken in jedem Frühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter Höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden und im Laufe des Monats September die neuen Sprößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurückzubinden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Zuwiderhandlungen aus Grund des Artikels 31 des Feldstrasgesetzes mit Geld- strase von 1 bis 10 Mark bestraft werden.

Gießen, den 9. März 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth.

Dertttches Aesctz.

Berlin, 7. März. Der Schwiegersohn Kochs, Stabs­arzt Pfuhl, ist auf ein Jahr beurlaubt worden, um Koch bei der Publication der Tuberkuloseforschungen zu unter­stützen.

Berlin, 7. März. Der Balneologen-Congreß beschloß, anschließend an einen Vortrag Goldschmidts (Neichen- Hall) über die Nothwendigkeit einer Gesetzgebung für Kur­orte und Heilanstalten, mit der Vorberathung dieser Frage die verstärkte Hygixne-Commission zu betrauen, welche die Wünsche des Congresses formuliren und den gesetzgebenden Körperschaften unterbreiten soll.

Berlin, 7. März. DenBerliner Politischen Nachr." zufolge beschloß die hier tagende Versammlung von Ver­tretern der deutschen privaten Bergwerksindustrie ein- müthig die folgende Erklärung: Sie könnten in den von den Bergarbeitern verschiedener Reviere Deutschlands erhobenen Forderungen nur den verwerflichen Versuch erblicken, eine all­gemeine Ausstandsbewegung einzuleiten; allgemein berechtigte Forderungen der Bergarbeiter beständen derzeit nicht- die Androhung der Arbeitseinstellung werde die Bergwerks­industrie nicht veranlassen, irgend welche Zugeständnisse zu wachen.

Paderborn, 7. März. Der Bischof Dro be ist gestorben.

Posen, 7. März. In Folge der Eisstauungen! vor der großen schleuse stieg die Warthe rapide aus ! Meter 3,40, fiel aber, nachdem das Els glücklich durch die !

Schleuse gegangen, auf Meter 2,95. Trotzdem ist die Neber« schwemmungsgefahr groß, da die Warthe in Pogorzelice Abends auf Meter 3,58, Morgens auf Meter 3,88 gestiegen. Ein weiteres Steigen ist in Folge des Regenwetters sicher zu erwarten. In den niederen Stadttheilen sind bereits Laus- brücken aufgestellt und weitere Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Dresden, 7. März. Reichsgerichts-Präsident Oel- s ch l ä g e r trifft am Sonntag aus Leipzig hier ein und wird vom König Albert empfangen. Der Reichsgerichts-Präsident nimmt Dienstag an der Hoftafel theil, wozu bereits zahl­reiche Einladungen ergingen.

Hamburg, 7. März. Der ans den NamenKaiser" getaufte vierte große Dampfer der ostasrikanischen Reichspost- Dampferlinie lies glücklich vom Stapel.

Ausland

Wien, 7. März. Bei den Wahlen des Großgrund­besitzes in Schlesien wurden die drei bisherigen Liberalen, in Krain die zwei bisherigen Liberalen wiedergewählt- in der Bukowina wurde ein Conservativer und ein Rumäne gewählt.

Wien, 7. März. Mit den heute vollzogenen sieben­undvierzig beträgt die Gesammtzahl der vollzogenen Reichs­rathswahlen 275. Bisher erreichten die Deutschlibe­ralen 85, die Deutschnatinnalen 9, die Jungczechen 31, die Altezechen 10, wilde Czechen 4, die Polen 37, die Slovenen 13, die Ruthenen 8, der Coroniniclub 6, der böhmische con- servative Großgrundbesitz 18, die mährische Mittelpartei 5, die Italiener 4, die Deutschconservativen (Klerikalen) 2, die Rumänen 2, die Antisemiten 12 Sitze.

Prag, 7. März. Die Moldau ist unterhalb des Alt­städter Quais ausgetreten. Beruhigenden Nachrichten aus Budweis und Krumau zufolge ist für Prag momentan keine Wassersgesahr zu befürchten. Die Stadt Sobieslau ist über­schwemmt- Pioniere sind dahin abgegangenen. In Kromau (Mähren) sind in Folge Austretens der Rokitna viele Straßen und Brücken beschädigt, eine Fabrik mußte den Betrieb einstellen.

Paris, 7. März. Die vom Abgeordneten Paulmier in der Kammer eingebrachte Interpellation betrifft die Con­sequenzen des gegen die Rennwetten gerichteten Kammervotums für die Pferdezucht. In Kammerkreisen verlautet, die Re« gierung sei geneigt, die Totalisateure auf den Rennplätzen zu dulden und den Prozentsatz, der den Wohlthätigkeitsanstalten zufällt, ausschließlich von solchen Gemeindebehörden, in deren Gemeinden Rennen stattfinden, zu erheben.

Der Handelsminister bewilligte 60,000 Francs für die von den cooperativen und Productions - Genossenschaften projectirte Pariser Arbeiter-Ausstellung.

London, 7. März. Der britischen Regierung ging aus Rio de Janeiro eine Meldung zu,' wonach sich das gelbe Fieber in Brasilien ausbreitet.

Sofia, 7. März. Am gestrigen Jahrestage der Pro- klamirung des serbischen Königthums hatten die hiesigen Ge­bäude der serbischen Agentur geflaggt. Minister Grekow stattete dem serbischen Agenten Steitsch einen amtlichen Be­such ab.

Athen, 7. März. Die Kammer nahm eine Vorlage an, durch welche der Herzog von Sparta während der Ab­wesenheit des Königs zum Regenten eingesetzt wird.

Newyork, 7. März. Auf einem gestern abgehaltenen Banket des Federal-Clubs wurde ein Brief des neuen Schatzsecretärs Forster mitgetheilt, in welchem derselbe zu­nächst sein Bedauern darüber ausspricht, daß er an dem Banket nicht theilnehmen könne und dann hervorhebt, daß die schutzzöllnerische, mit Rücksicht auf Gegenseitigkeit strenge durch­geführte Politik die Industrie des Landes entwickeln und er­weitern, die Reichthümer und den Wohlstand des Volkes ver­mehren werde - das Land werde bei einer verständigen Ver­mehrung der Zahlungsmittel zu nicht dagewesenem Wohlstände gelangen.

Deutscher

83. Plenarsitzung. Samstag, 7. Marz 1891, 1 Uhr.

Die Berathung des Marineetats wird bei den ersten Raten für neue Schiffsbauten, deren Ablehnung die Budgetcommission beantragt, fortgesetzt.

Abg. o. Keud ell (Rp.) befürwortet die Bewilligung der ersten Raten für die Panzerfahrzeuge 8 und U im Interesse der Ver- iheidigung unserer Küsten. Bei einem künftigen Kriege müffe mit der Eventualität eines Landungsversuchs gerechnet werden. Der beste Schutz dagegen sei eine starke Flotte; ohne eine solche müßten wir auf der ganzen Strecke von Memel bis Emden Landtruppen posttren. die anderwärts gebraucht würden. Wir sollten, so lange es Zeit, schaffen, was zu schaffen sei. Er sei allerdings der Ansicht, daß der |

Friede noch eine Reihe von Jahren erhalten bleiben werde; aber eS könne doch kein Mensch, wo er auck sei, eine Bürgschaft dafür über­nehmen, daß es in den nächsten fünf Jahren zu keinem Kriege kommen werde. Redner gibt zu, daß es bis 1864 hauptsächlich die Opposition gewesen sei, die der Marine Interesse entgcgengetragen, bestreitet aber aus seiner persönlichen Erfahrung, daß es Fürst Bismarck je an Interesse für die Marine habe fehlen lassen, im Gegentheil, er habe derselben in immer steigendem Maße seine Förderung zu Thett werden lassen.

Abg. v. Bennigsen (natl.) befürwortet Zurückverweisung der Forderungen für die Panzerfahrzeuge S und U an die Commission, in welcher die Regierung Gelegenheit haben roürbe^ diejenigen Punkte zu bezeichnen, wo etwa Compensationen eintreten könnten. Sparsam­keit sei gewiß am Platze, aber wenn die beiden Fahrzeuge bewilligt würden, blieben bet den ^chiffsneubauten und Ausrüstung der neuen Schiffe immer noch Abstriche im Gesammtbetrage von 10 Millionen bestehen. Die Ablehnung der beiden Fahrzeuge sei in der Commission infolge von Aeußerungen erfolgt, die auf die Absicht einer Erweiterunt der Flotte über den ursprünglichen Plan hinaus schließen ließen. Di« hieraus entstandenen Besorgnisse sind durch die gestrigen bestimmten Erklärungen des Reichskanzlers gründlich beseitigt worden. Es liege kein Grund vor, den Bau der beiden Schiffe noch weiter hinaus- zuschteben, namentlich dann nicht, wenn an einer anderen Stelle bei Etats die zwei Millionen abgesetzt werden können. Dr. Windthorst selbst wolle die beiden Schiffe ja nicht definitiv ablehnen, sondern die Bewilligung nur um ein Jahr htnausschteben.

Staatssecretär Hollmann verliest seine in der Commission gemachten Aeußerungen zum Beweis dafür, daß er von einer Er­weiterung der Flotte über den Flottengründungsplan von 1889/90 hinaus nicht gesprochen, sondern daß er durchweg auf dem Boden dieses Planes gestanden habe.

Abg. Rickert (bfr.) bedauert, daß diese Aufklärung nicht bereits ftüher erfolgt sei; aber auch wenn das Mißverständniß nicht unter­gelaufen wäre, würde doch der Beschluß der Commission kein ander« gewesen sein. Gegen Commissionsverweisung habe er kein Bedenken, er behalte sich aber vor, darüber zu entscheiden, ob er die zu be­zeichnenden Aequtvalente für ausreichend erachten könne. Für die Küstenvertheidigung wolle er alles Erforderliche bewilligen; zu einer Flotte ersten Ranges, die es mit den ersten Flotten Europas in offener Seeschlacht aufnehmen könne, fehle es uns an den nöthigen Mitteln.

Abg. Singer (Soc.): Wir ständen vor einer Unklarheit der Ziele hinsichtlich der Entwickelung der Flotte, angesichts welcher sein« Freunde für neue Forderungen nicht stimmen könnten. Diese Un­klarheit sei auch durch die Erklärung des Reichskanzlers nicht be< festigt, die vielleicht dazu bestimmt sei, das Haus williger zu mache», den Marineforderungen zuzustimmen. Wenn man es für möglich hol e, an anderer Stelle des Martneetats zwei Millionen zu stretchen, um sie für die beiden Schiffe zu verwenden, so gebe man zu, daß man in dem Etat mehr fordere als nöthtg sei. Angesichts der Der- theuerung der nothwendigften Nahrungsmittel durch Zölle wäre ei unverantwortlich, für die Neubelastung des Volkes durch neue Schiffs- bauten zu stimmen.

Abg. Richter (bfr.) ist gegen Commissionsverweisung. Bis zur zweiten Lesung hätten diejenigen, welche meinten, daß noch etwas zu ändern fei, ausreichend Spielraum zu Verhandlungen. Die Sach« sei schon klar genug, als daß es noch weiterer Klarlegung in der Commission bedürfte. Was der Reichskanzler als Aequtvalent be­zeichnet habe Verminderung späterer Raten für bereits begonnene Bauten könne als solches keine Bedeutung beanspruchen. Die beiden Panzerfahrzeuge seien keineswegs in der Denkschrift des Herrn v. Caprivi von 1887 vorgesehen, wie behauptet worden. Jene Denk­schrift nehme die Ausführung von vier Kanonenbooten in Aussicht; zwei davon schwimmen bereits, zwei davon sind im Bau. Der Reichskanzler habe die beiden Schiffe als seine Kinder bezeichnet; aber 1867 stand eine solche Vermehrung seiner Familie noch nicht in Aussicht. Die Fertigstellung des Nordostseecanals werde schwerlich 1895 erfolgt sein; es sei auch nicht gut, in dieser Hinsicht etwas zu übereilen. Auch ohne die Aeußerungen des Staatssecretärs Hollmann würde der Commisstonsbeschluß so ausgefallen sein, wie er aus­gefallen ist. Die Denkschrift von 1889/90 enthalte nur einen Plan bis 1895 und die Aeußerungen des Herrn Hollmann konnten als Perspective für das gelten, was wir nach 1895 zu erwarten haben. Seit etwa einem Jahre befänden wir uns in einer Periode der Mißverständnisse", namentlich hinsichtlich der Armee wie der Marine. Man solle sich nicht darüber täuschen, daß eine mächtige Strömung zu Gunsten einer Ueberschätzuna der Marine sich geltend mache, die zu einer Ueberhastung im Schiffsbau dränge. Parlamentarische und noch mehr außerparlamentarische Einflüsse würden zu diesem Zwecke ausgeboten. Es wäre ein schwerer politischer Fehler, wenn man jetzt den Commissionsbeschluß fallen lassen wollte. Er werde sich an einem solchen Fehler nicht betheiligen.

Abg. Or. Windthorst: Er und seine Freunde hätten sich für keinerlei Flottenprogramm engagirt. Wenn jetzt unter Hinweis auf den Schutz des Nordostseecanals neue Schiffe gefordert werden, während früher angegeben wurde, daß durch den Eanalbau neue Schiffe gespart werden, so sei das eine unerfreuliche Erscheinung. Unter diesen Umständen aber wolle er die Forderung nicht principiell ablehnen, zumal Compensationen in Aussicht gestellt seien. Er werde für bie nochmalige Commissionsberathung stimmen.

Abg. Haußmann (Volksp.) verbleibt auf seinem ablehnenden Stanbpunkt. Weder durch die vom Reichskanzler in Aussicht gestellten Compensationen, noch durch die Mittheilung, daß der Nordostsee- Canal erst im Jahre 1898 fertiggeftellt wird, kann sich Redner zu einer nochmaligen Erörterung der von der Commission abgelehnten Positionen entschließen.

Die Debatte wird geschlossen.

Bei der Abstimmung über den Antrag v. Manteuffel auf noch­malige Commissionsberathung wird Auszählung nöthig. Es stimmen 121 für, 77 gegen diesen Antrag. Zur Beschlußfähigkeit des HauseS ist die Anwesenheit von 199 Abgeordneten erforderlich; das Haus ist mithin nicht beschlußfähig.

Der Pläsident beraumt die nächste Sitzung aus Montag 2 Uhr an. Tagesordnung: Fortsetzung der soeben abgebrochenen Berathung.

Schluß 48/4 Uhr.