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— Aus Oberhefsen, 7. September. Wer nächstes Jahr Obst ernten will, soll jetzt seine Bäume düngen. Da die Blüthe- und Fruchtbildung im nächsten Jahre grundlegend bedingt ist durch die Bildung von Blüthenknospen, diese aber bereits während des voraufgehenden Nachsommers gebildet werden, so ist es von Wichtigkeit, gerade in dieser Zeit den Obstbäumen mit Düngung zu Hilfe zu kommen. Diese Zeit ist jetzt eingetreten und währt bis gegen Mitte September. Man umgebe jeden Obstbaum mit V2 bis 1 Meter tiefen Löchern (in loserem Boden kann man solche auch zur Noth mit einem in die Erde getriebenen Psahle Herstellen) und fülle dieselben bis Mitte September — darf auch bis zu Ende desselben fortgesetzt werden — einmal wöchentlich mit verdünntem flüssigem Dünger (zu gleichen Theilen gewöhnliche Rindviehjauche und Wasser) an. Dieses Verfahren ist alljährlich zu wiederholen. Wenn möglich sollte in derselben Zeit auch schon das Ausästen, welches den Zweck hat, dem Baume eine wohlgefällige Form zu geben, alle Zweige für Licht und Luft gleich zugänglich zu machen und gegenseitige Reibung derselben zu verhindern, vorgenommen werden. Dasselbe sollte von Beginn der Pflege eines jungen Baumes an stets mit solcher Vorsicht ausgesührt werden, daß dazu ein scharfes Messer genügt, man nicht genöthigt ist, von der Säge Gebrauch zu machen. In jedem Falle muß der Schnitt dicht am Stamme oder Aste geführt und glatt nachgeputzt werden, um leichtere Vernarbung zu ermöglichen. Stümpfe an Bäumen sind das schlechteste Zeugniß jedem Baumbesitzer, jedem Gärtner, jedem Forstmann.
+ Herbstein, 7. September. Der seit einigen Jahren am hiesigen Gerichte beschäftigt gewesene Gerichtsschreiber- Aspirant Steller aus Hungen wurde als Hilfsgerichtsschreiber an das Großh. Amtsgericht Darmstadt versetzt.
Zu den Sonderzügen werden Rückfahrkarten zum einfachen Hinfahrtpreise ausgegeben, giltig bis zum Montag, 14. Sep- tember, einschließlich. Dieselben berechtigen am Samstag früh zur Hinfahrt bis nach dem Paradeselde und zur Rückfahrt vom Kasseler Bahnhofe aus. Zur Rückfahrt vom Paradefelde aus nach Kassel berechtigen dieselben jedoch nicht. Die Rückfahrt kann am Lösungstage nur mit den Rück-Sonder- zügen, an den übrigen Tagen mit allen Personenzügen, ausschließlich der Schnellzüge, angetreten werden. (S. die betr. Bekanntmachung des Königl. Eisenbahnbetriebsamts Kassel in vorliegender Nummer.) Am Freitag geht ein Sonderzug mit zweiter und dritter Wagenklasse von Gießen nach Kassel 15 Min. vor dem um 11 Uhr 39 Min. Vorm. von Gießen abführenden Personenzuge. Der Rückzug geht von Kassel um 9 Uhr 45 Min. Abends und endigt 12 Uhr 10 Min. Morgens in Marburg. Reisende nach Gießen u. s. w. finden dort 1 Uhr 34 Min. Morgens Weiterbeförderung.
— Ruhestandsversetzung und Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 29. August den Lehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt Professor Dr. Karl Landmann, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen und gewissenhaften Dienst- sührung, mit Wirkung vom 9. October 1891 an, in den Ruhestand zu versetzen und demselben das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. — Am 6. September wurde dem Vorsitzenden des Verwal- tungsrathes der Mainzer Jndustriehalle Anton Bernhart zu Mainz das'Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen.
— Der Oberhesfische Obstbauverein, über dessen con- stituirende Hauptversammlung in Nr. 207 berichtet wurde, zählt in den Kreisen Friedberg und Gießen bereits 1900 Mitglieder. Es ist damit der Beweis geliefert, daß seine Thätigkeit in seiner engeren Heimath Anerkennung findet und er durch fortwährenden Zuwachs an Mitgliedern in seiner Wirkung kräftig unterstützt zu werden verdient. Ein vorzügliches Mittel, den Verein zu stärken und seine Wirksamkeit kennen zu lernen, wird die im October stattfindende Obst- Ausstellung in Gießen bieten, welche ebenso schön wie umfangreich und lehrreich zu werden verspricht. Eine Reihe von Preisen und Medaillen stehen zur Verfügung. Vereinssatzungen und Programme, wie Anmeldescheine für die Ausstellung sind in Friedberg bei der Geschäftsstelle (Bismarckstraße) zu erhalten. Anmeldungen zur Aufnahme in den Verein sind an den Director der Geschäftsstelle in Friedberg, Dr. v. Peter, zu richten, später an die in den einzelnen Orten zu wählenden oder vom Präsidenten zu ernennenden Vertrauensmänner. Die Mitgliederkarten kommen demnächst zur Versendnng.
— Folgende Bekanntmachung ist von verschiedenen preußischen Eisenbahndirectionen erlassen worden: „Das reisende Publikum wird darauf aufmerksam gemacht, daß fortan bei allen denjenigen fahrplanmäßigen Zügen, welche die vierte Wagenklasse führen, nur so viele Fahrkarten der vierten Wagenklasse verausgabt werden, wie Plätze dieser Wagenklasse vorhanden sind. Das bisher übliche Verfahren, Inhaber der vierten Wagenklasse in einer höheren Wagenklasse zeitweilig Platz nehmen zu lassen, wird infolge der hieraus entstehenden großen Unzuträglichkeiten und weil die Plätze dieser höheren Wagenklasse für Reisende Dieser Klasse offengehalten werden müssen, hiermit bis fauf Weiteres ausgehoben. Die Einstellung des Verkaufes von Fahrkarten für die vierte Wagenklasse wird bei jedem Zuge durch die Portiers
Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 8. September, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr Wasser 15, Luft 18 Grad Reaumur.
L. Ehr. Rübsamen Wwe.
Depeschen des „Bureau Herold".
Berlin, 7. September. Nach dem „Reichsanzeiger" verlieh der Kaiser dem Generalobersten Pape den schwarzen Adlerorden. u.
— Aus Warschau wird gemeldet, die Nachricht österreichischer Blätter, daß in der Umgebung Warschaus demnächst 150,000 Mann eintreffen, sei lediglich auf die beabsichtigte Truppenrevue zwischen Warschau und Modlin-Zgierz zurückzuführen. Alle politischen Combinationen seien demnach hinfällig.
Berlin, 7. September. Nach emem amerikamschen Telegramm meldet die „Allg. Fleischer-Zeitung", daß Offerten in Schweineproducten von Amerika noch nicht gemacht werden können, da Fleischwaaren erst von den jetzt unter der Jnspection der Regierung zum Abschlachten kommenden Schweine — also nicht vor ihrer Fertigstellung in drei bis vier Wochen — für Deutschland attestirt werden können.
Newcastle, 7. September. Heute wurde der Cong re ß der Trade-Unions eröffnet. 530 Delegirte sind anwesend, darunter viele Frauen. Bruns ist als Mitglied der parlamentarischen Commission erschienen.
Kopenhagen, 7. September. An den Wagen des zur Kirche fahrenden Czaren drängte sich der etwa vierzigjährige russische Ingenieur Iwan Jlnitzky heran und überreichte eine Bittschrift, in der er um eine Audienz flehte und Gerechtigkeit erbat. Der Czar versprach beides. Jlnitzky ist nach eigenem Berichte ein Opfer der russischen Justiz, von der er ausgeplündert und mehrere Jahre in verschiedenen Gefängnissen herumgeschleppt wurde.
Petersburg, 7. September. Die „Allgem. Recch-Corr. meldet: Als neue Maßregel zur Bekämpfung des Nothstandes wird die Regierung dieser Tage eine bedeutende Erhöhung der Eisenbahntarife für sämmtliche Getreidearten nach den Häsen des Schwarzen und Asow'schen Meeres verfügen.
Locales unfc z)eovinzielles.
Gießen, 8. September.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 10. September 1891, Nachmittags 4 Uhr: 1. Einfriedigung des Vorgartens vor dem Hause der Actienbrauerei, Kaplansgasse 19. 2. Das gemeinschaftliche Hofthor des Wilhelm Gail und des Konrad Jung in der Neustadt. 3. Baugesuch des Jacob Hengst in der Licherstraße. 4. Baugesuch der Ludwig Kohlermann Wittwe in der Neustadt. 5. Herstellungen am Wärterhäuschen der städtischen Tonnenanstalt. 6. Gesuch des Louis Fuhr um Ausbesserung des Canals in der Erlengasse. 7. Gesuch des Balthaser Strauch um Erwerb des von ihm zum Ausbau der Lonystraße abzutretenden Geländes. 8. Stiftung der Charlotte Kein von Stuttgart. 9. Wahl der Commission zur Vernichtung der 1890/91er Zinscoupons. 10. Gesuch des Roller'schen Stenographenvereins zu Gießen um Überlassung eines Schulzimmers zu Uebungsstunden. 11. Kündigung des Mietvertrags mit der Handelskammer.
— Znr Erleichterung des Besuches der Kaiserparade wird in der Nacht vom. Freitag zum Samstag um 12 Uhr 19 Min. früh ein Sonderzug von Frankfurt nach Kassel und ein zweiter von Marburg um 3 Uhr früh, beide nur mit dritter Wagenklasse, abgelassen werden. Diese Sonderzüge hallen in nächster Nähe des Paradeseldes, südlich des Dorfes Oberzwehren, beim Bahnübergänge der Frankfurter Landstraße (nach der sogen. Knallhütte). Für die Rückfahrt werden ebenfalls zwei Sonderzüge mit dritter Wagenklasse von Kassel nach Gießen gefahren, von welchen der letzte in Gießen unmittelbaren Anschluß an den Personenzug 82 (2 Uhr 37 Min. Nachts ab Gießen) nach Frankfurt erhält. Der erste Rück-Sonderzug fährt 15 Minuten vor dem um 7 Uhr 32 Min. Nachmittags von Kassel abfahrenden Personenzuge 102, der zweite sährt um 11 Uhr 10 Min. Abends von Kassel ab.
In dieser Adressenschreiberei besteht die Hauptthätigkeit des „Instituts". Korbweise werden täglich die Postsachen abgeholt, die Eingänge aus allen Gegenden Deutschlands enthalten. Nach einer schnellen Prüfung wandern diejenigen Schreiben, welche Vorwürfe und Drohungen enttäuschter Bewerber enthalten, in den Papierkorb, während das „brauchbare Material", nachdem es um die beigesügten Briefmarken erleichtert worden, den Adressenschreibern zuwandert, welche die Nachnahmesendungen mit dem famosen Circular adressiren. Welchen Umfang das „Geschäft" erreicht hat, geht daraus hervor, daß Frau Gombert täglich durchschnittlich 100 Mk. Porto für nicht eingelöste Nachnahmesendungen an die Post zu bezahlen hat, und daß in „günstiger Zeit" sich diese Gebühr auf 300—400 Mk. erhöht. Wie bedeutend die Zahl der Hereingefallenen sein muß, daß das Geschäft solche Spesen tragen kann, läßt sich hiernach leicht ermessen, und der Umstand, daß Frau Gombert schon seit Jahren in der ihr lieb gewordenen Weise operirt, gestattet den Schluß, daß die Sache sehr einträglich ist.
Frau Auguste Gombert läßt sich übrigens im „Institut" wenig sehen, die Seele desselben ist ihr angeblicher Neffe Max Gombert jun., der in der Kochstraße ein möblirtes Zimmer inne hat. Außer diesem angenehmen jungen Manne sind noch einige „Herren" an dem Geschäft beth?iligt. Vormittags findet sich die Gesellschast zur Theilung der eingegangenen Beute zusammen und damit ist für sie das^Tagewerk beendet __ die eigentliche „Arbeit", die Adressirung der Nachnahmesendungen, wird ja von den „Hilfskräften" besorgt. Keiner der „Geschäststheilhaber" ist im Adreßbuch verzeichnet.
Unbegreiflich ist es nur, daß noch keiner der Betrogenen eine Aushebung des Nestes erwirken konnte, dessen Insassen sich sogar rühmen, daß ihre „Institution von der höchsten Polizeibehörde und der königlichen Staatsanwaltschaft untersucht und fortdauernd controlirt wird".
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bei Gebrüder Stamm, Markt Jyiiltt itllVvi und Schulftraßen-Ecke die reichhal- itafte Auswahl der gediegensten, modernsten Herren- und Knabenkleider, sowie vorzügliche Stoffe zur Anfertigung nach Maass und zum Verkauf nach Meter.
Größere Partien Herren- und Knaben - Anzuge, Joppen, Paletots rc. 2c., sowie ein Posten dauerhafter Buxkins im Ausverkauf au wesentlich ermäßigten Preisen. <978
Vermischtes.
♦ft Kassel, 7. September. Die grosse Festwoche der Kaisert^ge hat heute begonnen, die ganze Stadt steht bereits voll und ganz unter ihrem Eindrücke- alle Hände sind aus Strassen und Plätzen, in und an den Häusern mit festlichen Vorbereitungen beschäftigt und auf Bürgersteig und Fahrdamm herrscht ein viel regeres Leben, als man es sonst in der ruhigen, eintönigen Residenzstadt zu finden gewohnt ist.
Verfälschte schwarze Seide.
Man verbrenne ein Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verloscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbraunlrcher Farbe. — Ver- fälschte Seide (die leicht speckig wird und^bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden weiter (wenn schr mit Farbstoff erschwert), und hinterlaßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt Zerdrückt man die Asche der achten Setde, so l-rMubt ste, die der verfälschten nicht. Das Seidenf°brtk-.D°pdt von «.Henne., berg (£. u. K. Hoslies) Zurich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ms Haus. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz 1U1V
Verkehr, Land, ttnfr Volkrwirthschaft.
Hielten, 8. September- Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pst>. X 1,15-1,20, Hühnereier 1 et. 6-7, 2 et.----4, Enteneier 1 St.--4, 2 et - 4,
Käse pr. et. 7-10 4, Käsematte pr. St. 3 4, Erbsen pr. Liter 25 4, Ansen pr. Liter 29 H, Tauben pr. Paar X 0,60—OM Hühnn pr. Stück X 0,80-1.20, Hahnen pr. et. X 0,50-0,80, Enten pr- Swck X 1,70-2,00, Ochsenfleisch pr. Pfd 70—76 4, Kuh-und Rindfleisch 60—64 4, Schweinefleisch 60-70 4, Hammelflestch 50—74^, Kalbfleisch 56-60 4, Kartoffeln pr. 100 ftilp X 6,00-8 00. Weißkraut pr. et---4, Zwiebeln per Gentner X 5,60—6,00, Milch per
AlSfeld^ 5. September. Aus dem heutigen Fruchtmarkt wurden verkauft: 100 Kilo Korn zu 24.50 X, Saatkorn 26 X, alter Hafer 16.30 X ____________
— Patent- von im Grotzherzogthnm Hessen wohnend«» Erfindern« Patent-Anmeldungen. Kl. 23, N. 2368. Selbft- thätiges Dampf-Rührwerk für Seifensiedekessel; Friedrich Noßwitz. in Worms, Ftschmarkt 15. — Kl. 74, N.2308. Ausfchaltvorrichiung für Signalwerke an Läden; Georg Nicolaus in Offenbach a. M., Biberer Straße. — Patent-Ertheilungen. Kl. 6, Nr. 58973. Apparat zum Wenden, Lüften und Befeuchten von Gerste bezw. Malz auf der Tenne; S. Htrscbler in Worms; vom 7. October 1890 ab. — Kl. 22, Nr. 58 955. Verfahren zur Darstellung von Tetraalkyldiamidodioxydiphenylmethanen; A. Leonhardt L Co. in Mühlheim; vom 27. Juni 1889 ab. — Kl. 22, Nr. 59003. Verfahren zur Darstellung rother basischer Farbstoffe der Pyrongruppe Pyronine); A. Leonhardt & Co. in Mühlheim; vom 27. Juni 1889 ab. — Kl. 36, Nr. 59040. Beweglicher Kegelrost für Dauerbrandöfen mit Braunkohlenfeuerung; Buderus'sche Eisenwerke in Hirzenhainerhütte, Station Hirzenhain, Oberhessen; vom 18. November 1890 ab. — Kl.44, Nr. 59076. Sporenbefesttgung; F.Darley und Chr. Kliffmüller in Offenbach; vom 7. April 1891 ab. — Kl. 59, Ni. 59027. Einrichtung zum Entleeren von Pumpen mit schwingendem Kolben; F. Frölich in Worms, Martinsgasse 10; vom 1. März 1891 ad.
- Die Heilung der Bleichsucht ist viel leichter durch die Küche, d. h. durch eine sorgsam gewählte Diät zu erreichen, als man anzunehmen geneigt ist. Allerdings lag bisher das größte Hindernitz für eine rationelle Ernährung der in diesem Leiden eigenthumlichen Appetitlosigkeit, die sich häufig sogar zum Widerwillen gegen alle nahrhaften Speisen, wie Fleisch, Milch, Eier rc. steigerte. Und doch wäre es zwecklos, durcb pikante Zubereitung eine Spetseaufnahme zu erzwingen, da der geschwächte Magen gar nicht mehr die zur Verdauung nothigen Säfte absondert. Hier muß den Kranken eine möglichst concentrirte und doch leicht lösliche Nahrung gereicht werden, die ohne Anstrengung des Magens direct in den Säftestrom des Körpers übergeführt wird. Diesen Anforderungen entspricht in hervorragender Weise Kemmerichs Fleisck-Pepton, das gern genossen wird und in kurzer Zeit seine belebende und stärkende Wirkung äußert. "62
Als erster Gast traf heute Nachmittag der Großherzog vom Hessen mir großem militärischen Gefolge hier ein und nahm im Hotel König von Preußen Absteigequartier. Derselbe- war am Samstag nach beendigtem Divisionsmanöver wieder nach Schloß Romrod zurückgefahren und kam heute hierher, um nun bis zur Ankunft des Kaisers hier zu bleiben. — Die große Parade des 11. Armeecorps findet Samstag Vormittag vor dem Kaiser statt. Der Platz ist ein Hochplateau, das sogen. Langeseld, hinter dem Carlsauepark, südlich von Kassel gelegen, unweit des bekannten Ausflugsortes „Neue Mühle". Herr Architect Heußner aus Hannover errichtet eine Zuschauertribüne, vor welcher in unmittelbarer Nähe
100 Meter) der Kaiser hält und die Parade abnimmt. Wie noch bei keiner anderen Kaiserparade werden diesmal daher die Tribünenbesucher den Kaiser und die Parade aus unmittelbarer Nähe sehen.
* Heidelberg, 3. September. Eine dralle Odenwälderin, die dahier in Dienst steht, kam dieser Tage zur Post, um ein Poststück auszugeben. Als ihr der Schalterbeamte bemerkte, daß man das Colli nicht sortschicken könne, weil ja keine Adresse angegeben sei, meinte sie treuherzig: „Schicken Sie den Bündel nur getrost fort, er kommt schon an die richtige Adresse, denn die daheim kennen ihn schon am „Zügerl". Es sollte damit der Ueberzug, resp. die Umhüllung des Poststückes gemeint sein- doch der Postbeamte beharrte aus der Vorschrift und so zog das Landkind mit betrübter Miene und ihrem Bündel wieder ab, um die ihrer Meinung nach „überflüssige" Adresse beizusügen.
* Ein zärtlicher Gatte. Aus dem Friedhöfe zu Bingen befindet sich ein Grabstein, von einem bereits längst verstorbenen Advocaten seiner Frau gesetzt, mit solgender In- sckirift, deren versteckte Bosheit zu entdecken erst dem späteren Geschlechte beschieden war:
„Wohl auch die stille Häuslichkeit
Ist eines Denkmals werth;
Ihr sei's drum auch von mir geweiht, Und wer die Tugend ehrt, Auch in dem einfachsten Gewand, Mir meinem Schmerz ist er verwandt."


