zufolge ist der Stand des Getreides im ganzen Gouvernement nach dem fruchtbaren Regen gebessert. — Bei Charkow und Pultawa, sowie zum Theil auch bei Jekaterinoslaw verspricht der Stand des Wintergetreides nach dem reichlichen Regen eine mittlere und das Sommergetreide sogar eine gute Ernte. Hafer und Gerste stehen zum größten Theil vorzüglich.
Locales und provinzielles.
Gießen, 8. Juli.
— Samstag den 11. Juli l. I., Vormittags 9 Uhr beginnend, findet im Regierungsgebäude zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschuffes der Provinz Ober- heffen statt, in welcher folgende Gegenstände verhandelt werden:
Recurs der Isaak Grünebaum Wittwe zu Groß-Karben wegen verweigerter Erlaubniß zum Branntweinausschank.
Desgl. Recurs des Abraham Grünebaum von Groß- Karben.
Desgl. Recurs des Konrad Hoos von Groß-Karben.
Desgl. Recurs des Josef Müller von Bönstadt.
Recurs des Adam Müller von Steinbach wegen verweigerter Wirthschasts-Concession.
Antrag der Stadt Gießen aus Gelände-Enteignung zum Zwecke der Erbauung einer Dienstwohnung für den Verwaltungs-Director der akademischen Kliniken.
Gleicher Antrag zum Zweck der Erbauung einer Irren- Klinik.
— Ernennungen. Se. Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. Juli den Kreisassistenzarzt bei dem Kreisgesundheitsamte Offenbach Dr. Wilhelm Groos zum Kreisassistenzarzt des Kreisgesundheitsamtes Gießen, den Kreisassistenzarzt für den Kreis Schotten Dr. Paul Weißgerber zu Ulrichstein zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Oppenheim, und den zweiten Assistenzarzt an der Landes-Irrenanstalt zu Heppenheim Dr. Hermann Lindenborn aus Groß-Umstadt zum Kreisassistenzarzt für den Kreis Schotten mit dem Amtssitze zu ^Ulrichstein — zu ernennen.
— Erledigte Stellen für Militäranwürter im Bezirk des 11. Armee-Corps. Altena (Westfalen), Direction der Kreis Altenaer Schmalspurbahnen in Altena, 2 Stationsdiätare, gegen vierwöchige Kündigung, je 75 Mk. pro Monat. Arnsberg, Regierung, Hilfsbote, 780 Mk. jährlich. Kassel, Stadtrath, 2 Schreiber, auf 14tägige Kündigung, je 50 Mk. monatlich. Kassel, Postamt 2, Stadtpostbote, zunächst auf vierwöchige Kündigung, 700 Mk. Gehalt und 180 Mk. Wohnungsgeldzufchuß. Darmstadt, Garnisonbaubeamter, ständiger Baubote auf Kündigung, 2.80 Mk. pro Tag. Fulda, Oberbürgermeisteramt, Leichenhausaufseher, auf Kündigung, 450 Mk. jährlich nebst freier Wohnung. Haiger, Oberförster Müller, Haiger, Gemeindeförster, 880.18 Mk. Hanau, Gymnasium, Schuldiener, aus vierteljährliche Kündigung, 800 Mk. Anfangsgehalt, daneben freie Dienstwohnung, außerdem widerruflich jährlich 180 Mk. für Arbeitshilfe, Entnahme des Heizmaterials gegen eine Entschädigung von 31/2 pCt. des Durchschnittsgehalts (35 Mk. jährlich), außerdem kommen jährlich 12 Mk. für Wasserverbrauch aus der Wasserleitung der Anstalt, welche in die Schuldienerwohnung führen wird, in Abzug. Bezirk des Eifenbahn-Betriebsamts Wiesbaden, 2 Lademeisterafpiranten, zunächst auf Widerruf- nach bestandener Lademeisterprüfung als Diätar auf einmonatliche Kündigung je 85 Mk. monatlich. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division: Direction der Main Neckarbahn, Schaffner, auf Widerruf, Gehalt im Höchstbetrag von 1265 Mk. pro Jahr, freie Dienstkleidung und die gesetzlichen Fahrgebühren.
— Lehrerinnen-Prüfung. Für die diesjährige, nach Artikel 36 des Volksschulgesetzes vorzunehmende erste Prüfung der Schulamts-Aspirantinnen ist Termin aus den 21. bis 2 3. September anberaumt worden, und soll an den beiden ersten Tagen die schriftliche, am dritten Tage die mündliche Prüfung stattfinden. Als Prüfungs-Commission hat Großh. Ministerium des Innern und der Justiz das Lehrercollegium an dem Großh. Schullehrer- Seminar zu Alzey bestimmt. Anmeldungen zu dieser Prüfung sind an die Großh. Direction des Schullehrerfeminars zu Alzey zu richten und sind denselben die vorgeschriebenen Anlagen beizufügen.
N. Alteu Buseck, 7. Juli. Das erste Schulhaus unseres Ortes, an welchem bauliche Veränderungen vorgenommen wurden und welches die Zierde unserer Gemeinde werden sollte, ist heute Nacht eingestürzt.
Mainzlar, 7. Juli. Der hiesige Großh. Bürgermeister Herr Vogel hat in voriger Woche nach beinahe 25jähriger Dienstführung das Amt wegen vorgerückten Alters freiwillig niedergelegt. Seine Verdienste wurden anerkannt, indem ihm der Philippsorden durch den Großh. Provinzialdii^ctor Frhrn. v. Gagern persönlich überreicht wurde.
— Nieder-Ohmen, 6. Juli. Am verflossenen Freitag verunglückten im nahen Eisensteinbergwerk zwei Arbeiter durch Herabstürzen von Erdmassen. Dem einen wurde die Schulter auseinander gerenkt, dem andern das Bein zerbrochen. Beide Verunglückte mußten nach Hause geschafft werden.
./' Schlitz, 7. Juli. Am Montag den 13. Juli findet die Einweihungsfeier des neu erbauten Schulhaufes statt.
./* Lauterbach, 7. Juli. Die hiesigen Bäckermeister machen bekannt, daß vom 6. d. M. ab in Folge der hohen Mehlpreise die Wecke von 1 bis 6 Stück je 3 Pf., sieben 20 Pfg., elf 30 Pf. kosten und so in angegebener Weife weiter.
./' OberLais, 7. Juli. Am Sonntag den 12. Juli findet hier das Bezirksfest des Kriegervereins-Bezirks Nidda in Verbindung mir der Fahnenweihe des Kriegervereins Ober- Lais statt.
-g. Liederbach, 7. Juli. Ein seither bei einem hiesigen Oeconomen als Knecht beschäftigt gewesener junger Mann erschwindelte dieser Tage von seinem Dienstherrn den Betrag von 150 Mk. unter der Vorspiegelung, sein Vater bedürfe des Geldes zu einer Reparatur feines Hauses und ließe ihn um ein Darlehen in genannter Höhe bitten. Der Dienstherr, der unvorsichtig genug war, auf das Ansinnen des Schwindlers einzugehen, mußte bald, da dieser plötzlich verschwand, die Wahrnehmung machen, daß er betrogen war.
-r. Nonnenroth, 7. Juli. Bei dem am letzten Sonntag dahier abgehaltenen Krieger-Fahnenweihfest kam es zwischen jungen Leuten zu Streitigkeiten, die damit endeten, daß einem derselben ein Regenschirm oder ein Stock derart in das Auge gestoßen wurde, daß das Leben des Verletzten gefährdet ist.
Nidda, 7. Juli. Gestern starb der älteste Bewohner unserer Stadt, Herr Ludwig Erk 3r, im 91. Lebensjahre (geb. 21. Febr. 1801).
Aus Starkenburg, 6. Juli. Die Bezirksschulbehörden lassen gegenwärtig in den Volksschulen über die etwa der Verwahrlosung anheimgefallenen Kinder Erhebungen anstellen. Diejenigen Kinder, deren Verbleib in der Schule im Interesse der übrigen Zöglinge nicht anhängig ist, sollen im Sinne des Gesetzes vom 11. Juni 1887 über die Unterbringung verwahrloster Kinder nöthigensalls einer Besserungsanstalt überwiesen werden.
Aus Starkenburg, 5. Juli. Ein Unwetter, das an Furchtbarkeit seit vielen Jabren seines Gleichen nicht hatte, entlud sich heute Nachmittag gegen 4 Uhr über einen großen Theil der Provinz. Ganz besonders heftig hauste das Wetter in Wallerstätten und Geinsheim. In letztgenanntem Orte fiel ein Hagelfchlag, dessen Körner die Dicke von Enteneiern hatte. Nachdem das Wetter eine geraume Zeit getobt hatte, glich die ganze Gegend einer Minterlandschaft. Die Felder, welche einen vielversprechenden Ertrag in Aussicht stellten, bieten ein trauriges Bild. Das aus dem Halm stehende Getreide ist zu Boden geschlagen und vernichtet und die Kartoffeln, der Kohl und sonstige Gewächse haben das Aussehen , als seien sie von einem Kugelregen durchlöchert worden. Der Schaden ist ein ganz enormer und beziffert sich auf Taufende.
Worms, 7. Juli. Bei dem gestern dahier stattgehabten Hessischen Städtetag wurde von allen anwesenden Vertretern die Nothwendigkeit der Erhöhung der Gehalte der städtischen Beamten anerkannt. D. Ztg.
Alzey, 4. Juli. Ein Seminarist dritter Klasse, der an einem Fensterkreuz Turnübungen machen wollte, stürzte gestern Mittag vom dritten Stock des hohen Seminargebäudes herab. Ein Beinbruch und zertrümmertes Nasenbein waren die Folge der unüberlegten Uebung.
* Vendersheim (Rheinhessen), 3. Juli. Am 22. v. Mts. feierte unser wohllöblicher Herr Pfarrer Bering er sein 25jähriges Dienstjubiläum. Er empfing von der Gemeinde zahlreiche Geschenke. Um 9 Uhr Abends wurde ein Fackelzug durch das kleine Dörfchen unternommen- dann um 10 Uhr gab es ein Festessen. — Wir hoffen, daß der Jubilar noch recht lange in feinem Amte wirken und thätig fein kann.
Aus dem Nied, 5. Juli. Zwei Fischern aus dem Ried, die zur Fischsaison ihren Fang wöchentlich mittelst eines entsprechenden Fasses nach Frankfurt zu bringen pflegen, soll ein heiterer Zwischenfall pafsirt fein. Nachdem sie schon beim Umladen mit dem betreffenden Eifenbahnperfonal in Differenzen gerathen, weil etwas Wasser aus der Tonne entkommen war, machten sie später, als sie die Fische selbst herausnehmen wollten, die Entdeckung, daß gar keine solchen darin waren: Es hatte sich Einer auf den Anderen verlassen, Keiner von ihnen aber hatte die Fische in die Tonne verbracht! Tableau!
Vermischtes
* Marburg, 7. Juli. Die Influenza beginnt unter den Pferden des hiesigen Kreises in besorgnißerregender Weise aufzutreten und hat auch in hiesiger Stadt bereits einige Opfer gefordert. Da die Krankheit einen schleichenden Anfang nimmt, so empfiehlt es sich, bei den geringsten Anzeichen derselben für geeignete Gegenmittel Sorge zu tragen.
* Leun, 6. Juli. Gestern Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr ertrank beim Baden in der Lahn ein junger Mann von 24 Jahren, Derselbe war der einzige Sohn der Konrad Piscator'schen Eheleute.
* tt Von der Werra, 7. Juli. Ab gestürzt. Am Ausgange des Höllenthales liegt der Bilstein, ein romantisch gelegener Bergkegel. Mehrere Studenten aus Göttingen und anderen Orten bestiegen gestern den nicht einmal sehr hohen Berg, um Pflanzen und Kräuter zu suchen. Der ganz ungefährliche Aufstieg ging gut von Statten- doch oben angelangt, scheint man die nöthige Vorsicht außer Acht gelassen zu haben, denn ein Göttinger Student stürzte an einer hohen senkrechten Klippe plötzlich hinab und wurde von Vorübergehenden mit schweren äußeren Verletzungen aufgefunden. So rasch als möglich wurden zwei Aerzte aus dem einige Stunden entfernten Abteroda herbeigeholt, welche den Schwer» verletzten verbanden und für die Uebersührung ins Krankenhaus sorgten. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
* Konstanz, 6. Juli. Die Mönchen st einer Katastrophe hat noch nachträglich ein Opfer gefordert. Der Sohn des Kreuzwirth Müller vom benachbarten schweizerischen Grenzorte Gottlieben war als Soldat zu den Aufräumungsarbeiten an die Unglücksstätte commandirt. Er fiel vom Damm auf die Brückentrümmer und erlitt so starke Verletzungen, daß er gestern im Spital zu Münstertingen, wohin er verbracht wurde, gestorben ist.
* Berlin, 5. Juli. In der Nacht vom Freitag zum Samstag brach auf dem Heuboden des Stalles der fünften Escadron des Dragoner-Regiments in Schwedt Feuer aus. In einem Augenblicke stand der ganze Dachstuhl in Flammen. Zunächst galt es, die im Stalle untergebrachten Pferde, ca.
120 Stück, zu retten. Mit Ruhe und Besonnenheit wurden die nächsten Pferde hinausgesührt und dann die übrigen losgekoppelt, da man das Durchbrechen des brennenden Daches befürchten mußt^ Truppweise sprengten die Pferde in wilder Aufregung in br? dunkle Nacht hinein. Selbst in zwei Mecken von der Stadt entfernten Dörfern wurden einzelne Thiere bemerkt. Die älteren Jahrgänge kehrten meist von selbst zurück, die jüngere Remonte dagegen mußte erst von den ausgeschickten Patrouillen aufgesucht und zurückgebracht werden. Den umsichtigen Anordnungen ist es zu verdanken, daß durch das Feuer ein Verlust an Menschenleben und Pferden nicht stattgefunden hat.
Literatur mtfc Attnst.
8. Heidelberg, 6. Juli. In dem schönen Alt-Heidelberg sieht man in dieser Woche einem Feste entgegen, welches den Vorbereitungen nach dem Jubiläumsfeste im Jahre 1886 ähnlich werden durfte. Das großartige Denkmal ihres Schützlings — Joseph Victor von Scheffel — dem die Mufenftadt nicht zum kleinsten Theile den Nimbus verdankt, der um sie schwebt, wird enthüllt. Für ewige Zeiten hat Heidelberg das Bild Scheffels in ihrer Mitte — am schönsten Platze in der von der Natur überreich bedachten Gegend steht es da in Erz und Stein. Der Schöpfer ist der Bildhauer Professor Heer in Karlsruhe. Er hat den Dichter in der zutreffenden Art, als Wanderer, dargestellt. In bequemem Reisehabit, den Plaid in dem rechtm Arm, die Hand mit dem Hut in die Rockiasche stutzend, in der linken ein kleines Notizbuch haltend, über die Juppe die Reisetasche geworfen, mit hohen Stiefeln bekleidet, fo steht die durch die herrlichen Dichtungen bekannte Persönlichkeit „lebend fast" vor dem Beschauer. Die Haltung der Gestalt ist stattlich und bequem, wie Maler Gleichauf, ein persönlicher Freund Scheffels, in der Festschrift (Verlag von August Siebert, Heidelberg 1891. Preis 50 Pfg.) sagt. Die lebensgroße Figur steht auf einem kostbaren schwedischen Granitblocke, auf dessen Seiten sich Darstellungen nach Liedern finden, in denen Scheffel seine Vorliebe für Heidelberg und studentisches Leben ausgesprochen hat. Die Enthüllung findet Samstag den 11. Juli, Morgens %10 Uhr statt. Für den Abend ist das herrlichste, was in den romantischen Ruinen des altehrwürdigen Schlosses zu Ehren der Festtheilnehmer geboten werden kann, in Aussicht genommen, nämlich ein Banket im sogen. Bandhause und bet eingetretener Dunkelheit eine Schloßbeleuchtung. Der Anblick der letzteren ist ein feenhafter und Jedem unvergeßlich, dem er beschieden war. Dieses coloffale Denkmal der Kunst- und Prachtliebe unserer Vorfahren wird auf künstlerische Weise wieder belebt. In einem kurzen Augenblicke, nachdem der Donner eines Geschützes in den Bergen veihallt ist, steigt das alte ehrwürdige Pfälzerschloß in unvergleichlicher Flammenpracht aus dem dunklen Schooße der Nacht. In voller Feuergluth prangt der „Friedrichsbau", stolz recken sich die Giebel empor, scharf präsentirt sich die reiche Archttectur. Feuerzungen schrägen aus den Fensterkreuzen des „englischen Baues", in den gewaltigen Trümmern des großen Eckthurms scheint durch Jahrhunderte das Element gefesselt gewesen zu sein und mit colossaler Macht sich die Freiheit zu gewinnen. Eine große Anzahl Nachen, mit Lampions usw. geschmückt, fahren auf dem Neckar und bilden ein ebenso interessantes Bild von dem studentischen Treiben. Auf der einen Seite also diese herrlichen Schauspiele, auf der anderen Seite die seltene Gelegenheit, in gemächlichem Kreise ein „Schöppchen" aus dem „Großen Faß", welches ja einen Weltruf hat, trinken zu dürfen. Ein Besuch der Localität des Herrn Buchhändlers August Siebert, Hauptstraße 32, dickste sich ebenfalls sehr empfehlen, inb<in derselbe eine bedeutende Sck^ffelmsstellung, die unentgeltich besichtigt werden kann, veranstaltet hat.
— ©ine Ersparnitz, welche alle anderen aufwiegt, ist das Schneidern im Hause; die wenigsten Frauen aber verstehen das Schnittzeichnen, die unerläßliche Vorbedingung zur Selbstanferttgung von Toiletten. Aus diesem Grunde gibt die „Wiener Mode" allen ihren Abonnenten von jeder in ihren Heften veröffentlichten Toilette gratis Schnitte nach Maß. Diese nach eigenem Maße gefertigten Schnitte werden von dem Wiener Blatte in unglaublicher Masse versandt und durch dieselben, sowie durch ihre ausführlichen Anleitungen zum Schneidern fetzt diese practischste aller Mode- Zeitungen jährlich über hunderttausend Familien in den Stand, der Schneiderin entrathen zu können. Wir machen jetzt, da eben ein neues Quartal des beliebten Blattes b-ginnt, unsere sparsamen Hausfrauen hier auf dasselbe aufmerksam.
Verkehr, Land- unö Volkswirthschaft.
— Wann sollen wir Erdbeeren pflanzen r Meistens wird empfohlen, die Erdbeeren im August zu pflanzen, nach unseren Erfahrungen läßt sich dasselbe aber um diese Zeit nur in den wenigsten Fällen schon ausführen, da die jungen Pflanzen noch nicht genügend bewurzelt find. Verkehrt wäre es nun, deshalb eine Pflanzung aufzugeben, weil dieselbe nicht mehr im August bewerkstelligt werden kann. Wenngleich der Grundsatz, so früh zu pflanzen, wie die Pflanzen es erlauben, richtia ist, so kann die Pflanzung doch sehr gut noch im September und October, ja selbst noch im November oorgenommen werden. Bei sehr spater Pflanzung empfiehlt es sich allerdings, die Pflanzen nach dem Umsetzen recht fest in den Boden hineinzudrücken, so daß sie in einer kleinen Vertiefung zu stehen kommen, und den Boden um dieselben herum mit Gerberlohe, Sägespänen rc. zu belegen. Gelingt es nicht, den Boden für die Erdbeerenpflanzung im Herbst rechtzeitig genug gut vorzubereiten, so kann auch, wenn kräftige, reichbewurzelte Pflanzen zur Verfügung stehen, eine Frühjahrspflanzung vorgenommen werden, jedoch, wenn irgend möglich, vor Beginn der Vegetation. Auf einen Ertrag in demselben Jahre kann man allerdings bei derselben nicht rechnen.
Schiffrnachrichteir.
Bremen, 6. Juli. sPer ttansatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Eapt. E. Tbalenhorst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. Juni von Bremen und am 26. Juni von Southampton abgegangen war, ist vorgestern 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen.
Wöchentliche Aeberficht der Todesfälle in Gießen 26. Woche. Vom 28. Juni bis 4. Jult 1891.
Einwohnerzahl: 20 611 (incL 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 32,81 v/oobezw. 27,76 nach Ausschl. der Ortsfremden, hinter
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
Acute entzündliche Er
krankungen der Ath-
mungs-Organe 1 — —. 1
Gewaltsamem Tod
durch Verunglückung 2(1) 2(1) — 1
Andere bekannte
Krankheiten_____10 (1)______5 (1)________2__3
Summa: 13 (2) 7 (2) 2 4
Anm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viele bet Todesfälle in der betreffenbcn Krankheit, auf von Auswärt« nach Gießen gebrachte Kranke kommen
Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 8. Juli, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14y2, Luft 14% Grad Reaumur.
L. Ehr. Rübsamen Wwe.


