Ausgabe 
9.7.1891
 
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Donnerstag den 9. Juli

1891

Nr. 156

Gießener Anzeiger

Keneral'-Anzeiger.

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Amtlichsv Lherl.

Bekanntmachung, die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum betreffend.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem Straßburger Gewerbeverein die Erlaubniß ertheilt hat, die Loose einer am 12. October d. I. zu Gunsten der Arbeits­maschinenausstellung in Straßburg, welche die Förderung der gewerblichen Verhältnisse in Elsaß-Lothringen bezweckt, zu veranstaltenden Verloosung von kunstgewerblichen, gewerblichen und technischen Gegenständen innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben.

Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan dürfen 150000 Loose zu 1 Mk. das Stück ausgegeben werden und müssen 60 000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden.

Gießen, den 7. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Zulassung von Loosen auswärtiger Lotterien zum Vertrieb im Großherzogthum betreffend.!

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog mit Allerhöchster Entschließung vom 1. d. M. dem Centraldombauverein zu Köln die Erlaubniß ertheilt hat, die Loose der zum Zwecke der Gewinnung der Mittel für die Vollendung und Freilegung des Kölner Doms zu veranstaltenden, in den drei ersten Monaten der Jahre 1892 und 1893 zur Ziehung gelangenden Geldlotterien innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben.

Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan dürfen für jede Ziehung 350000 Loose zu je 3 Mk. ausgegeben werden und müssen 375 000 Mk. zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werden.

Gießen, den 7. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Beförderung der Musterkoffer von Handlungsreisenden auf österreichischen Staatsbahnen zu ermäßigten Preisen betreffend.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die K. K. General-Direction der österreichischen Staatsbahnen durch Nachtrag zu den Tarifen und Tarifbestimmungen für den Transport von Personen und Reisegepäck vom 16. Juni 1890, gültig vom 1. Januar 1891, bestimmt hat:

Ermäßigte Gepäckstaxen.

Für die Musterkoffer jener Handlungsreisenden, welche sich als dieser Berussklaffe angehörend mit einer den Namen des Reisenden und dessen Firma, Anzahl und Inhalt der mitgeführten Koffer, die Unterschrift des Inhabers und die Bestätigung der competenten Handels- und Gewerbekammer enthaltenden Legitimationskarte ausweisen, sind für je 10 Kilogramm und für jedes Kilometer, inclusive der Stempel­gebühr 0,1 Kreuzer zu entrichten.

Diese Legitimationskarten haben Giltigkeit für die Dauer eines Kalenderjahres und sind bei Aufgabe von Reisegepäck mit der Fahrlegitimation vorzuweisen. Zur Constatirnng der Identität des Besitzers hat derselbe über Verlangen die Namensfertigung zu leisten.

Die Bahnanstalt behält sich das Recht vor, in zweifelhaft erscheinenden Fällen den Inhalt der Musterkoffer zu prüfen. Die Muster müssen als solche erkennbar sein. Kolli, welche Verkaufsobjecte oder sonstige Gepäckstücke enthalten, sind von der Anwendung der ermäßigten Gepäckstaxe ausgeschlossen. Diese sind daher bei der Aufgabe besonders zu declariren.

Auf jedem Musterkoffer muß der Name der Firma, in deren Auftrag die Reise unternommen wird, dauerhaft kenntlich gemacht sein.

Der Reisende ist verpflichtet, den Zug zu benutzen, für welchen die Musterkoffer aufgegeben wurden. Innerhalb einer Stunde nach Ankunft des Zuges in der Bestimmungs­station ist die Legitimationskarte vorzuweisen, um das Gepäck ausgcfolgt zu erhalten oder das Gepäcksrezepisse mit dem Vermerke des erfolgten Vorweises versehen zu lassen, widrigensalls die Gebül)rendifferenz zwischen dem normalen und ermäßigten Tarifsätze im Nachzahlungswege eingehoben I wird.

Jeder Mißbrauch dieser Begünstigung hat für den Be­treffenden die dauernde Entziehung derselben unnachsichtlich zur Folge."

Nach Mittheilung der K. u. K. österreichisch-ungarischen Regierung an den Reichskanzler wird die Vergünstigung auch den deutschen Handlungsreisenden zu Gute kommen.

Die Legitimationskarten stellen die Großherzogl. Kreis­ämter den Handlungsreisenden, nach Prüfung der genannten Eigenschaft als Reisender, auf Ansuchen aus.

Gießen, den 7. Juli 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Juli. Der Kaiser hat bereits wiederholt längere Unterredungen mit dem englischen Premierminister, Lord Salisbury, gepflogen, denen auch der deutsche Botschafter in London, Graf Hatzfeldt, beiwohnte. Verschiedene Londoner Blätter bringen schon Meldungen über den angeblichen In­halt dieser Conserenzen, die aber wohl nur auf willkürlichen Combinationen beruhen. Immerhin kann es als feststehend bezeichnet werden, daß die jetzige Anwesenheit des deutschen Herrschers in England schon zu bedeutsamen politischen Er­örterungen zwischen dem Monarchen und dem leitenden eng­lischen Staatsmanne geführt hat. DerStandard" deutet weitere wichtigere Conserenzen an, die anläßlich des bevor­stehenden Besuches Kaiser Wilhelms in London zwischen ihm und der Königin Victoria zu gewärtigen seien. Das Blatt meint, es würden hierbei zwar keine Verträge zu unter­zeichnen oder Verständigungen herbeizusühren sein, es sei aber möglich, daß die in Windsor gewechselten Worte einen ebenso bedeutenden Einfluß auf die Geschichte ausüben würden, wie die in den Staatscanzleien Europas sorgsam aufbewahrten, mit Unterschriften versehenen Schriftstücke. Der deutsche Kronprinz und seine vier ältesten Brüder sind am Mon­tag Abend 9 Uhr auf derHohenzollern" in Felixtown (englisches Seebad) eingetroffen,- die Ueberfahrt von Vliessingen aus war eine sehr unruhige. Die Kaiserin wird sich am 13. Juli ebensalls nach Felixtown begeben und daselbst dann einige Wochen mit den Prinzen verweilen.

Zur Zeit befinden sich mehrere preußische Minister aus dienstlichen Reisen. Der Finanz­minister Dr. Miquel und der Handelsminister Freiherr v. Berlepsch haben sich nach West- und Ostpreußen begeben, während der Minister des Innern, Herrfurth, eine Reise nach Schleswig-Holstein angetreten hat. Die beiden ersteren Herren trafen am Sonntag Abend in Danzig ein, wo sie am nächsten Tage Conserenzen im Regierungsgebäude mit den Vertretern der Kaufmannschaft und der Behörden hatten. Die Reise des Ministers des Innern hängt mit der beabsichtigten Ausdehnung der neuen Landgemeindeordnung auf die Pro­vinz Schleswig-Holstein zusammen, was den Minister veran­laßt, an Ort und Stelle die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Ende Juli gedenkt sich Herr Herrfurth aus gleichem Anlaß auch nach Hessen-Nassau zu begeben.

Der Deutschenhaß der Czechen hat sich in Prag schon wieder einmal in einer rohen Ausschreitung Lust gemacht, nur daß sie diesmal nicht gegen einen Reichsdeutschen, sondern gegen Deutschböhmen gerichtet war. Eine deutsche Gesellschaft, aus derGattin des an der deutschen Universität Prag wirkenden Professors Zyschlarz, dessen zwei Söhnen und zwei Schwägern bestehend, wurden von Czechen Abends auf dem Franzensquai ohne jede Veranlassung überfallen und unter Schimpsworten auf das Aergste mißhandelt. Ein großer Volkshausen ermunterte die Angreifer durch Zurufe, wie:Prügelt die Deutschen! Schlagt sie tobt!" Drei der Rowdies wurden von der Polizei festgenommen. Unter den Deutschen Prags hat der Vorgang große Erregung her­vorgerufen. Der Prager Polizeidirector ordnete die strengste Untersuchung an.

Nerieste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Wien, 7. Juli. Der oberste Sanitätsrath nahm von den Maßnahmen der türkischen Regierung und des Sanitäts- rathes in Alexandrien gegen die Verschleppung der Cholera aus Ostindien nach Massaua in Abessynien und besonders nach Aleppo Kenntniß und erklärte die aufmerksamste Be­obachtung des weiteren Verlaufes der Epidemie behufs recht­zeitiger Vorkehrungen im Jnlande für nothwendig.

Wien, 7. Juli. DemFremdenblatt" zufolge wird die formale Erledigung des österreichisch-ungarischen Handels-

! Vertrags mit der Schweiz eventuell erst in Bern stattfinden, wenn die Verhandlungen in Wien selbst nicht bis zum 20. Juli beendet sein sollten.

Neapel, 7. Juli. Der Lavaerguß vom Vesuv befindet sich in fortwährendem Zunehmen. Gestern wurde in Trofo- lone ein heftiges Erdbeben verspürt.

London, 7. Juli. Anläßlich der Uebungen der Frei­willigen vor dem Kaiser am Sonnabend werden die Börse und eine Anzahl größerer industrieller Etablissements ge­schlossen sein. DieTime s" schreibt:Es herrsche kein Zweifel über die Aufrichtigkeit der Empfindungen der großen Menge des englischen Volkes anläßlich der sichtbaren Beweise, daß die Elemente der großen Allianz, welche vor ca. 3/4 Jahr­hundert Europa befreite, noch sortbestehen, und selbst eine Festigung durch die Bande erfahren haben, welche die Herrscherhäuser von Deutschland und England verknüpfen. Diese Festtgung der teutonischen Staaten birgt keine Bedrohung irgend einer anderen Macht in sich, sondern ist einfach eine weitere Sicherung der Erhaltung des Weltfriedens, nicht mehr und nicht weniger."

Windsor, 7. Juli. Der Kaiser begab sich nach dem Frühstück mit dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Connaught und anderen Mitgliedern der Königssamilie zu Wagen nach dem Park, um der Reiterquadrille, die von 46 Mann der königlichen Garde bei Musik ausgeführt wurde, beizuwohnen. Alsdann begab sich der Kaiser nach Cumber­land Lodge, um an einem Lunch bei dem Prinzen Christian theilzunehmen.

Windsor, 7. Juli. Bei dem Reiterspiel der Leibgarde sprach der Kaiser seine Freude über die cavalleristischen Leistungen dem Rittmeister Burt gegenüber aus. Später machte der Kaiser einen Spazierritt mit dem Prinzen von Wales, dem Herzog von Connaught und Gefolge durch den Park. Dem Gabelfrühstück beim Prinzen Christian wohnten 26 Fürstlichkeiten bei, darunter der Kaiser, der Prinz von Wales, das Herzogspaar von Connaught, die Herzogin von Anhalt, die Prinzessin Beatrice und das Herzogspaar von Edinburgh. Alsdann fuhr der Kaiser nach dem sechs eng­lische Meilen entfernt liegenden Orte Bray, wo die Gesell­schaft Dampsbarkassen bestieg, um eine Fahrt den Fluß hin­aus zu machen.

Windsor, 7. Juli. Infolge des Regenwetters gab der Kaiser seine Absicht, den Festlichkeiten auf der Themse bei­zuwohnen, auf und kehrte nach einem Besuche beim Prinzen und der Prinzessin Christian in Cumberland Lodge nach dem Schlosse von Windsor zurück, woselbst Abends ein Souper, zu dem 140 Einladungen ergangen sind, stattfindet.

Windsor, 7. Juli. Während des gestrigen Diners, an dem das Kaiserpaar theilnahm, platzte im Speisesaal ein Wasserrohr, wodurch eine gewisse Aufregung hervorgerufen wurde. Eine Ueberschwemmung des Saales wurde dadurch verhindert, daß die Feuerwehr das Wasser am Haupthahne abdrehte.

Paris, 7. Juli. Der Ackerbauminister theilte im Minister- rathe mit, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika um Aushebung des französischen Einfuhrverbots für amerika­nisches Schweinefleisch nachgesucht haben, und richtete an den Minister des Innern das Ersuchen, den Hygienerath darüber zu befragen, ob die Aufrechterhaltung des Einfuhr­verbotes noch nothwendig sei.

Paris, 7. Juli. Professor Lanuelongue vervollständigte heute die Mittheilungen über seine Methode der Trans­formation tuberkulösen Gewebes. Lannelongue, dessen Versuche im Juli vorigen Jahres begonnen haben, be­handelte bisher 22 Kranke mit Chlorzink, darunter an Tuber­kulose des Kniegelenks, des Fußgelenks, tuberkulösen Nacken­drüsen und «zwei an Lungentuberkulose Leidende. Letztere, welche nach der Aussage Lannelongues die Jnjection gut vertrugen, lassen noch kein Unheil zu, da die Behandlung erst jüngeren Datums ist. Bei den übrigen zwanzig Patien­ten soll der durch das injicirte Chlorzink hervorgerufene Um- wandlungsproceß eine deutliche Besserung der Erkrankung zeigen. Die sclerotischen Gewebe sollen allmälig ihre frühere Geschmeidigkeit und Form wieder annehmen. Lannelongue benutzte Vierzigstel- bis Zehntel-Lösungen; er beobachtete nach den Jnjectionen keinerlei bedenkliche Zwischensälse. Es zeig­ten sich nur blutige extravasale Schorfbildungen, die jedoch bald vorübergingen.

Paris, 7. Juli. Die Juni-Einnahmen der inbirecten Steuern betragen Fr. 16900000 mehr als ber Voran­schlag, Fr. 4 700 000 mehr als int Vorjahr.

Petersburg, 7. Juli. Aus Simferopol in Taurien wirb gemelbet, baß für Sommergetreide eine gute Ernte erwartet wird, welche die Lücken des Wintergetreides voll ständig ausfüllen werbe. Nachrichten aus Nischni-Nowgorod