Berlin, 7. Januar. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Das internationale Uebereinkommen über den Eisenbahn fr a chtv er kehr wird nächstens den Reichstag beschäftigen. Die vorbehaltene Ratification des Uebereinkommens könne erst erfolgen, nachdem die legislativen Körperschaften sämmtlicher vertragschließenden Staaten ihre Zustimmung ertheilt hätten. Drei Monate nach Austausch der Ratificcr tionsurkunden werde das Uebereinkommen in Kraft treten.
Berlin, 7. Januar. Der Ausschuß der Schul- eonferenz beendete heute seine Verhandlungen, nachdem über die Grundzüge der Reform hinsichtlich der äußeren Stellung der Lehrer und hinsichtlich des Berechtigungswesens eine Einigung erzielt worden. Die nächste gemeinsame Sitzung ist zunächst erst im Lause des Februar beabsichtigt- inzwischen sollen die Resormarbeiten durch Einzelberathungen entsprechend gefördert werden.
Köln, 7. Januar. Seit gestern treffen die Berliner und Hamburger Züge mit ein bis drei Stunden Verspätung ein, da die Bahnstrecken von fußhohem Schnee bedeckt sind.
Köln, 7. Januar. Die englische Post von gestern Morgen über Ostende ist wegen verspäteter Landung des Schiffes und diejenige über Vlissingen wegen Zugverspätung ausgeblieben.
Aachen, 7. Januar. Die Berliner Post ist mit achtstündiger Verspätung hier eingetroffen. Ursache: Starkes Schneetreiben.
Danzig, 7. Januar. Die Greifswalder Brigg „Elisabeth strandete bei Oxhöft. Das Rettungsboot „Reusahrwaffer" arbeitete bei schwerem Wetter 17 Stunden in See und brachte die Mannschaft der Brigg Mittags halb erstarrt bei Godingen ans Land. Zur Bergung des Rettungsbootes lies tin Dampfer aus.
Cuxhaven, 7. Januar. Der Hasen ist durch Els- tz erg e blokirt, die auf der Unterelbe bis 20 Fuß hoch sind. Gs werden viele Schiffsunsälle gemeldet. Die Eisbrecher können nicht durchkommen.
München, 7. Januar. Die „Allgem. Ztg." meldet aus Straßburg, sicherem Vernehmen nach sei eine neue Regelung der Fremdenpolizei in den Reichslanden durch Einführung von Auscnthaltskarten für dauernd im Lande sich aufhaltende Fremde nahe bevorstehend. Die versuchsweise gestatteten Erleichterungen des Grenzverkehrs würden beibehalten und thunlichst weiter ausgedehnt werden. Die Umgestaltung der Fremdcncontrolc werde die Möglichkeit bieten, die völlige Abschaffung des Paßzwanges an der deutsch-französischen Grenze in Aussicht zu nehmen.
Augsburg, 7. Januar. Die Spitzen der Eivil- und Militärbehörden des Kreises Schwaben und Neuburg erließen einen Aufruf zu einer Geldsammlung, um die Feier des Geburtstages des Prinzregenten durch die Gründung einer schwäbischen Zweigstistung zur Wittelsbachstiftung zu Gunsten des Handwerks zu begehen.
Rostock, 7. Januar. Die Postdampfer nach Gjedse fahren wieder regelmäßig. Für den localen Eisenbahnverkehr sind dagegen nur die Strecken nach Güstrow und Bützow frei.
Metz, 7. Januar. Heute Abend 7 Uhr brach in den Kellerräumen der Kaiser-Wilhelm-Kaserne eine Feuersbrunst aus, welche größere Ausdehnung anzunehmen drohte - durch das energische Einschreiten des Militärs und der städtischen Feuerwehr wurde der Brand indeß bald gelöscht. Der Schaden ist nicht erheblich.
Pest, 7. Januar. Der Ackerbauminister Bethlen erließ scharfe Verfügungen, damit der gesteigerte Export ungarischen Viehes nach Deutschland nicht durch den Import lungenkranker Thiere compromittirt werde.
Paris, 7. Januar. Die December-Einnahmen an in- directen Steuern und Monopolen überstiegen den Budgetvoranschlag um Fr. 5200000 und die December-Einnah- men von 1889 um Fr. 14 800000. Gegenüber dem Budgetvoranschlag ergaben mehr: Stempel 1300000, Telegraph 1300000 Fr.- gegen December 1889 mehr: Zölle
V.
Nach reiflicher Ueberlegung, wenn auch mit schwerem Herzen, hatte Hermann Wildhagen seinem Freunde, dem Häuer Harras, Mittheilung von dem belauschten Stelldichein und der nachfolgenden Begegnung mit Herrn Felix Vogelsang gemacht. Der Vater hatte die Tochter im Hause gehalten und streng gehütet- als er aber vor einigen Tagen wahrnehmen mußte, daß die Nachstellungen dennoch gelegentlich fortgesetzt wurden und Anna belästigten, hatte er sich kurz entschlossen, dem Vater des jungen Herrn Mittheilung zu machen. Nur Lus diesem Grunde war er gekommen. Der Commerzienrath hörte die Worte mit schlecht bekämpftem Aerger an, dann ge- rieth er in Hellen Zorn.
„Ich werde Euch Genugthuung geben, Harras — vor Euren Augen!" sagte er nach gewonnener Sammlung. „Bleibt hier und setzt Euch!" wies er auf einen Stuhl. Dann griff er nach der silbernen Glocke und läutete dem Diener, um den Sohn herbeirufen zu lassen.
Der junge Herr befand sich seit mehreren Tagen in übelster Stimmung, selbst das Spiel mit der hübschen koketten Cousine vermochte ihn nur schlecht zu trösten. Anna schien wirklich für ihn verloren und die heimlich herbeigesehnten Excesse der ftrikenden Belegschaften ließen auch auf sich warten. Und damit war die Aussicht auf die vergnügten Champagnerbowlen und das verstohlene Makao aus seinem Zimmer auch abgeschnitten. Der Befehl seines Alten, der ihn auf dessen Zimmer rief, konnte seine Laune auch unmöglich verbessern.
Wie wuchtige Keulenschläge donnerten die Worte des erzürnten Vaters aus sein Haupt hernieder. Er empfing sie, ungefähr wie ein Schulknabe die Prügel für seinen letzten dummen Streich, äußerlich gebrochen, aber ohne innere Reue.
(Fortsetzung folgt.)
1 200000, Stempel 1200000, Zucker 8 200 000, Telegraph 1 000000 Fr.
— Der „Matin" bezeichnet die Krankheit des verstorbenen Herzogs von Leuchtenberg als Kehlkopfkrebs.
Birmingham, 7. Januar. Die Jahres Versammlung des National-Vereins der Bergleute wurde heute eröffnet. Es waren Vertreter von 147,000 Bergleuten anwesend. Aus dem Jahresbericht ergibt sich, daß sich die Mitgliederzahl um 46,000 seit der Gründung vermehrt hat. Die Versammlung drückte ihre Sympathien sür die Strikenden aus den schottischen Eisenbahnen aus und empfahl Geldunterstützung für dieselben und ihre Familien.
Brüssel, 7. Januar. Das Centralbureau des Verbandes der couservativen Vereine richtete au alle conservativen Vereine des Verbandes ein Rundschreiben, worin diese ausgefordert werden, sich über die Opportunität der Verfassungsrevision zu äußern. Falls die Vereine sich sür die Revision äußerten, verlangt das Rundschreiben eine weitere Angabe darüber, mit welchen practischen Mitteln die Reform erreichbar und durch welche Bestimmungen die aufzuhebenden Verfassungsartikel ersetzbar sein sollen.
Lissabon, 7. Januar. Der hier tagende portugiesische Arbeitercon greß, beschickt von etwa 300 Vertretern aller gewerkschaftlichen Syndicate, beschloß einstimmig, am 1. Mai dieses Jahres nicht zu arbeiten, sondern Versammlungen zu Gunsten des achtstündigen Normalarbeitstages abzuhalten.
Serajewo, 7. Januar. Gestern Abend 8 Uhr 2 Min. wurde in Janjici (bei Zerica) ein drei Secunden anhaltendes, sehr heftiges Erdbeben, verbunden mit domierähnlichem Getöse, wahrgenommen.
Omaha, 7. Januar. Nach einem Telegramm des Generals Miles aus Pineridge kamen gestern fünf der bedeutendsten Banden der aufständischen Indianer nach Pineridge, um sich zu unterwerfen. Miles hofft, daß alle Indianer dem Beispiele derselben bald folgen werden.
totales nnd Provinzielles.
Gießen, 8. Januar.
— Die Kosten des Liebig-Denkmals in unserer Stadt werden nach einer in einem Darmstädter Blatte angestellten Berechnung auf rd. 115 000 Mk. geschätzt. Davon entfallen an Honorar sür den aussührenden Künstler (s. Nr. 4 d. Bl. im Anzeigenteil) 100 250 Mk., die Hälfte der Unkosten sür Preise, Honorar, Ausstellung re. der Denkmale in München und Gießen mit 14159 Mk. = 7080 Mk., der Rest (circa 6—7000 Mk.) wird als bei den Enthüllungsfeierlichkeiten ausgewandt angeführt.
— Ausstellung des Kunstvereins. Die beste Speise schmeckt nur halb so gut, wenn sie nicht schön servirt wird. So kann man leider von unserer gegenwärtigen Kunstausstellung im alten Hosgerichtsgebäude am Brandplatz sagen. Das düstere Gebäude, der unfreundliche Ausstieg, die ungenügende Beleuchtung und eisige Kälte der Räume, die unmöglich anders zu gestaltende Aufstellung der Gemälde — Alles trägt dazu bei, die vielfach recht guten Bilder und das an minder hervorragenden Sachen lobens- und beachtenswerthe nicht recht genießen zu können. Der Besuch der Ausstellung ist immerhin zu empfehlen. Die Landschaften von Jos. Will- roider, R. Fresenius, HanS Herrmann, Rob. Schultze u. a. I find gute Bilder, besonders Willroider und H. Herrmann liefern in Zeichnung und Ton sehr ansprechende Leistungen. Es ist zu verwundern, daß das eine oder andere dieser Bilder noch keinen Känser gefunden hat. Die beiden netten Bildchen von Ed. Höd sind, wie wir hören, hier angekauft und wir freuen uns für den Käufer - die „Abendstimmung am Inn" ist so ächt im Ton und die Fernsicht an dem bayrischen j Gebirgssee sehr fein. Von unserem Landsmann Herm. Dietz, I der noch wenige Monate hier in Gießen verweilen wird, sind einige Porträts hiesiger Persönlichkeiten ausgestellt, auch einige Porträtstudien und Skizzen, von denen uns das eine und andere schon früher begegnet ist. Ein Motiv aus Oberhessen, das der Maler zu einem ganz lieblichen Bildchen gestaltet hat, hat, wenn wir recht berichtet sind, auch schon seinen Liebhaber hier gesunden. Die Porträtstudien von zwei italienischen Mädchen und ein Porträt des Fürsten Bismarck möchten wir nicht unerwähnt lassen. Es ist zu bedauern, daß der Besuch der Ausstellung so viel zu wünschen übrig läßt. Man sollte die Bestrebungen des Kunstvereins etwas mehr unterstützen.
— Theater. Benefiz von Frau Anni Reiners. Wir haben gestern schon bemerkt, daß die Natur des Stoffes den Dichter von „Sodoms Ende" geradezu verführen mußte, einzelne Episoden weiter auszuspinnen und drastischer auszumalen. Dies mußte Unzuträglichkeiten in zweierlei Richtung zur Folge haben. Denn einmal konnte jene eingehendere Ausführung, die naturgemäß den Zweck hatte, dem Gegensatz der beiden in dem Drama veranschaulichten Welten bis ins Einzelne nachzugehen und deshalb auf eine genaue Schilderung des Zu stündlichen herauskommen mußte, nicht nur zum Fortschritt der Handlung nicht beitragen, sondern mußte ihm geradezu im Wege stehen. Sodann aber stieß nothwendig ein Eindringen ins Detail auf manchen heikelen Punkt, der bann nicht mehr zu umgehen war. Beide Umstände mußten die Wirkung des Schauspiels in etwas beeinträchtigen. Das hat Sudermann nach den ersten Ausführungen in Berlin und Frankfurt sofort mit scharfem Blick erkannt, und er hat alsbald tu der Bühnenausgabe seines Werkes alles eben Gekennzeichnete einklammern lassen und zur Streichung bei Aufführungen dringend empfohlen. In dieser nach Sudermanns eigener Meinung zur Darstellung geeignetsten und wirksamsten Gestalt wird das Drama hier in Scene gehen und somit also die Aufführung einerseits nicht das mindeste Anstößige enthalten und auch für jede Dame, die überhaupt für des Lebens Höhen und Tiefen und die Poesie eines wahren Dichters Sinn und Verständniß gleichmäßig besitzt, nicht nur genießbar fein,
sondern vielmehr Genuß bilden. Auf der anderen Seite wird dieser Vorthell nicht durch den manchmal blind wüthenden Rothstift der Regie ermöglicht, sondern der Dichter selber hat mit voller Würdigung alles dichterisch und dramatisch irgendwie Bedeutenden und Interessanten jene Streichungen als unumgänglich bezeichnet, wenn man sein Schauspiel nicht geradezu eines Theiles seiner gewaltigen Wirkung berauben wolle.
Wir haben aus diese Thatsachen besonders hingewiesen, um jedem verkehrten Vorurtheile auf der Schwelle zu begegnen. Es war vielleicht unnöthig, da man Sudermann nach fünfmaliger erfolgreichster Aufführung feiner „Ehre" hier zu gut kennt, als daß man seinen Verdächtigem glauben würde. Man weiß auch zu genau, daß Fran Anni Reiners, zu deren Benefiz die Vorstellung ja stattfindet, ihrem Naturell gemäß gewiß kein Stück mit unerquicklichem Inhalt zur Aufführung an ihrem Ehrenabende zu wählen sich hätte entschließen können. Alle Theaterfreunde aber werden es freudig begrüßen, daß sich ihnen die Gelegenheit bietet, der verehrten Künstlerin zu zeigen, wie sehr man ihr für ihr unermüdliches und erfolggekröntes künstlerisches Wirken Dank weiß und wie vollkommen sie sich mit ihrem frischen Wesen, wie es sich in ihrem reizenden Spiele wiederspiegelt, die Herzen zu gewinnen verstanden hat. Rechnen wir hinzu, daß ein hochbedeutendes, vor wenig Wochen erst herausgekommenes Stück, das nur mit erheblichen Opfern für unser Theater hat erworben werden können, zur Aufführung vorgesehen ist, so werden wir nicht sehlgehen, wenn wir unseren Wunsch, daß diese einmalige Vorstellung von „Sodoms Ende" einen recht glänzenden Verlauf nehmen möge, als bestimmte Erwartung aussprechen.
— Dieser Tage wurde eine Familie entdeckt, welcher verschiedene, im Lause des vorigen Jahres ausgeführte Dieb' stähle zur Last fallen. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, daß sämmtliche Mitglieder der Familie nebst künftigem Schwiegersohn und Schläfer dabei beteiligt waren.
□ Vom Vogelsberg, 7. Januar. Der Schnee, welcher seither unserem sonst so ungewöhnlich strengen Winter — tiefere Kältegrade sind in keinem Winter dieses Jahrhunderts vorgekommen — fast gänzlich mangelte, hat sich endlich in reichem Maße eingestellt. In der Nacht vom verflossenen Samstag auf den Sonntag warf Frau Holle zum ersten Male reichlich ihre Daunen und seit dieser Zeit hat es faft jeden Tag mehr oder weniger geschneit. Der Schnee liegt hier bereits einen halben Fuß hoch. Prächtig ist die Schlittenbahn, da der Boden vorher hart gefroren. Die knarrenden und vor Frost ächzenden Fuhrwerke sind in Ruhe gestellt unb die Schlitten hervorgeholt worden. Tagtäglich ertönt nun lustiges Schellengeläute der pfeilschnell dahingleitenden Schlitten. Ausgiebig macht man jetzt von diesem Wintervergnügen Gebrauch, umsomehr als im verflossenen Winter die Schlitten rasten und rosten mußten aus Mangel an Schnee. Auch die Posten fahren Schlitten. Dem Wintersaatfeld kommt der Schnee sehr zu statten- die Saat, welche seither unbedeckt dem schärfsten Froste ausgesetzt war, hat nun eine schützende Decke erhalten und kann unter ihr „ausziehen", wie der Landmann zu sagen pflegt. Dessenungeachtet hat doch das seitherige trocken-kalte Wetter auch seine Vortheile gehabt, hier namentlich für die Holzhauer im Walde. Rasch ging deren Arbeit von statten und leicht war der Transport der Hölzer auf die Lagerplätze zu bewerkstelligen, kein tiefer Schnee hinderte und erschwerte eben die Arbeit. Mühsam war allerdings das Ausgraben der Bäume, indem der Boden zu tief durchfroren, und deshalb zu schwer aufzuhacken war.
| Sehr zum Vortheil gereicht den Leuten der reiche Vorrath an Brennholz. Bekanntlich waren im verflossenen Frühjahre die Holzpreise sehr niedrig und die Leute waren meist klug genug, den vorteilhaften Umstand zu benutzen und weit über Bedarf anzukaufen. Die unausgesetzt strenge Kälte des jetzigen Winters, die schon seit dem 28. November dauert, hat gan§ bedeutend unter den Holzvorräthen aufgeräumt. Es ist mithin eine Steigerung der Holzpreise in diesem Frühjahr sicher zu erwarten.
— LaugGous, 8. Januar. Am 6. ds. Mts., Abends, I entspann sich zwischen fahrendem Volke Streit, wobei das Messer wieder eine Rolle spielte. Ein schon oft bestrafter Mensch, Korbmacher Kl. von der Kröge, stach einem anderen in die Brust und verschwand dann von dem Schauplatz. Der Mefferheld wurde in derselben Nacht durch zwei berittene. Gensdarmen aus Gießen verhaftet und ins Gefängniß gebracht. Der Verwundete wurde in die Gießener Klinik befördert.
Büdingen, 6. Januar. Um dem von hier nach Offenbach versetzten Kreisarzt Herrn Dr. Brettel die Sympathien, die er sich in so reichem Maße in der hiesigen Bevölkerung erworben hat, zum Ausdruck zu bringen, wird beabsichtigt, dem Scheidenden ein Abschiedsessen zu veranstalten, woran allem Vernehmen nach eine sehr große Betheiligung stattfinden wird.
Ulrichstein, 5. Januar. Die Weihnachtsfeier der Arbeitercolonie Neu-Ulrichstein wurde am 28. December abgehalten. Die entfernter wohnenden Mitglieder des Local- comites waren der Witterung wegen vorhindert, Theil zu nehmen- Herr Oberamtsrichter Rübsamen aus Homberg war mit den beiden Anstaltsgeistltchen erschienen. Um 5 Uhr begann die Feier, eingeleitet durch ein Weihnachtslied. Die Ansprache des katholischen Geistlichen handelte von der Bedeutung des Festes für alle Welt, auch für die Arbeitslosen. Nach dem Absingen eines anderen Festliedes sprach der evangelische Geistliche- feine Rede gipfelte darin, daß man | aus der Welt Zerstreuung heraustreten, der Genußsucht entsagen und sich zu dem zurückwenden solle, der durch Erscheinen in Niedrigkeit und Armuth der Krippe, Alle reich zu machen im Stande sei, welche nach Licht und neuem Leben verlangten. Nach einem weiteren Gesänge nahm der Jnspector, der jetzt auf eine sechsiährige Wirksamkeit zurücksieht, das Wort. Er betonte die Beobachtung, daß faft sämmtliche Colonisten die Ursache ihrer Verfehlungen im Elternhause, in dem Miß-


