Ausgabe 
8.8.1891
 
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Specifische Kenntniß des Eisenbahndienstes erschien für die Dienstleistung immer mehr und mehr entbehrlich und all­mählich schlich sich die Meinung ein, die Vorschrift und die Strenge ihrer Handhabung sei das Wichtigste- auf das In­dividuum und seine Durchbildung komme es gar nicht an. Das Blocksignal und die automatische Weichenstellung gelten als Ersatz für jegliche Ausbildung und diesen mechanischen Hilfsmitteln gegenüber sind Pflichteifer und Diensttreue so sehr in Mißcredit gerathen, daß successive aus den Menschen selbst ebenfalls Automaten werden, die natürlich auch in dem­selben Augenblick versagen, in dem an der mechanischen Reihenfolge irgend eine Unterbrechung eintritt. Das Signal ist vorhanden- wozu noch sorgsam nachsehen, ob es richtig gestellt ist, ob der Signalmann seine Pflicht gethan! Er ist ja dafür verantwortlich, sagt sich der Maschinensührer - und der Signalmann calculirt: Da steht meine Scheibe genau nach Vorschrift- was kümmert mich der Zug sonst noch? Auf diesem Punkte liegt das Geheimniß der immer häufiger wiederkehrenden großen Unfälle. Das übermäßige Vertrauen in die mechanischen Sicherungsmittel hat nach und nach dazu geführt, den Werth der individuellen Thätigkeit auf Eisen­bahnen zu unterschätzen- auf der einen Seite werden die Leistungen der Eisenbahnen maßlos gesteigert und auf der anderen Seite glaubt man, die mechanischen Hilfsmittel seien ausreichend, um sich von besonderer Qualifikation der Eisen- bahnbedtensteten emancipiren und nm auch in Ansehung der Wahl zum Eisenbahndienste Angebot und Nachfrage als allein entscheidend betrachten zu dürfen . . . Gelenkigkeit zu Allem und Jedem scheint mehr und mehr höher im Werthe zn stehen, als verläßlichesKönnen", und daraus erklärt sich auch, wie man dazu gelangt ist, weit weniger damit zu erzielen, daß man im Eisenbahndienste belohnt, wenn dauerndnichts ge­schehen ist", als damit, daß man das allergrößte Gewicht darauf legt, in jedem Falle sorgsam zu strafen, wennetwas geschehen ist". In der Verminderung der Werthschätzung der Individualität und der Erziehung und Eignung des Eisen­bahnbeamten liegt jedoch die allergrößte Gefahr für Gegen­wart und Zukunft. Gerade deßhalb erscheint aus diesem Gebiete die weitgehendste Fürsorge um so dringender geboten, weil es aus den inneren Werth des Eisenbahnbeamten viel, viel mehr ankommt, als auf die sorgsamste Ausbildung auto­matisch wirkender Hilfsmittel."

C»cak$ uni Provinzielles.

Gießen, 7. August.

Universität. Die Zahl der Studirenden unserer Universität war im Wintersemester 1890/91 von 590 auf 552 gesunken, stieg aber im Sommersemester 1891 wieder aus 562- außerdem besuchten im verflossenen Halbjahre noch 19 nicht immatriculirte Hörer die Vorlesungen, sodaß im Ganzen 581 Personen an den Collegien des Sommersemesters Theil nahmen. Von den immatriculirten Hörern waren 438 Hessen und 124 von auswärts gekommen. Dem StuÄum der Theologie lagen 93 ob- 162 widmeten sich der Medizin, zu der wir auch die Thier- und Zahnheilkunde rechnen- Juristen waren 102 eingetragen und 205 Angehörige zählte die Philosophische Facultät. In dem Lehrkörper der Uni­versität sanden im Verlause des vergangenen Jahres zahl­reiche Veränderungen statt. In der philosophischen Facultät trat an die Stelle des Pros. Dr. Goswin von der Ropp, der einem Rufe nach Breslau folgte und später nach Marburg ging, Herr Dr. Constantin Höhlbaum. Für den nach Leipzig berufenen Professor der neueren Sprachen Dr. Adolf Birch- Hirschfeld kam Dr. Dietrich Behrens von Jena an unsere Universität. Der Privatdocent der Geographie Dr. Wilhelm Sievers wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. Aus unserer theologischen Facultät schied Pros. Dr. Emil Schürer, um sich in Kiel einen neuen Wirkungskreis zu gewinnen. Seine Functionen übernahm Herr Privatdocent Wilhelm Baldensperger, der im Wintersemester zum außer­ordentlichen Professor befördert wurde. Die ordentliche Pro­fessur für Kirchengeschichte wurde nach ihrer Erledigung durch die Uebersiedelung des Pros. Dr. Müller nach Breslau dem bis dahin außerordentlichen Professor Dr. Krüger, der bereits einen Ruf nach Göttingen angenommen hatte, übertragen. Endlich sei noch erwähnt, daß auch der Privatdocent Lic. Holtzmann zum außerordentlichen Professor befördert wurde. In der medicinischen Facultät trat insofern eine Aenderung ein, als Professor Dr. Eckhard den Lehrstuhl der Anatomie an Dr. Robert Bonnet übergab, (welcher seither in Würzburg außerordentlicher Professor gewesen war) und sich auf das Lehramt der Physiologie zurückzog. Neu habi­litierten sich Dr. Adalb. Seitz als Zoologe und Dr. Georg Honigmann für das Fach der inneren Medicin.

Gießener Theater-Verein. Durch das liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn Intendanten Emil Claar in Frankfurt stehen uns tm Wintersemester wieder ganz beson­dere Kunstgenüsse bevor. Die erste Theatervorstellung, welche Ende October in Aussicht genommen ist, bringt unsDie Geschwister" von Goethe undDen zerbrochenen Krug" von Kleist. Dabei werden die hervorragendsten Kräfte des Frank­furter Stadttheaters vertreten sein.

Auszeichnung. Wiederum ist dem hiesigen, stets rührigen mechanischen Geschäft C. Staudinger & Co (Inhaber Wilh. Spörhase) vom Preisgericht der deutschen Ausstellung in London die höchste Auszeichnung, das Ehren­diplom erster Klasse, zuerkannt worden. Bekanntlich erhielt die Firma auf der Weltausstellung in Australien eben­falls den ersten Preis. Möge ihr ein Gleiches auf der Welt­ausstellung in Chicago beschieden sein.

Eintritt in den Reichspostdieust. Die Anforderungen, welche für den Eintritt in den Reichspostdienst als Gehilfe in Beziehung auf die Schulbildung gestellt werden, sind so bemessen, daß ihnen von jungen Leuten, welche den Unter* richt einer tüchtigen Volksschule genossen haben, ohne Vor­bereitung in besonderen Anstalten genügt werden

kann. Ein Bedürfniß für das Bestehen derartiger Vor­bereitungsanstalten, die durch die Beilegung der Bezeichnung alsPostfachschule" oderPoftschule" bei Unkundigen die irrtümliche Meinung erwecken, als sei ihr Besuch für die den Eintritt in den Postdienst erstrebenden jungen Leute Vor­theilhaft oder gar erforderlich, wird Seitens der Reichs-Post­verwaltung in keiner Weise anerkannt. Erfahrungsmäßig ver­mögen auf solchen Anstalten in verhältnißmäßig kurzer Zeit mehr äußerlich eingeprägte als innerlich angeeignete Kennt­nisse nicht die gleichmäßig in sich abgeschlossene Vorbildung zu ersetzen, wie sie die Schüler einer mehrklassigen Elementar» schule oder einer Mittelschule in dem staatlich geordneten Unterricht durch berufene Kräfte empfangen. Demgemäß hat sich wiederholt herausgestellt, daß die Zöglinge derartiger Vorbereitungsanstalten auf die Dauer den Anforderungen, welche postdienstlich an sie gestellt werden müssen, nicht zu genügen vermögen, und es sind Vorkehrungen getroffen worden, um die Aufnahme mangelhaft und einseitig vor­gebildeter junger Leute in den Postdienst zu verhindern.

Betrug? Aus Bensheim, 5. August, wird ge­schrieben: Ein im öffentlichen Dienst stehender Herr dahier wurde in letzterer Zeit wiederholt von verschiedenen Firmen der Stadt Gießen mit Mahnschreiben behelligt und darin um Begleichung der daselbst angeblich contrahirten Schuld­verbindlichkeiten angegangen. Da aber der betreffende Herr weder jemals in Gießen weilte, noch mit den mahnenden Firmen in irgend welchen Geschäftsverbindungen stand, so ist wohl die Annahme gerechtfertigt, die Firmen seien das Opfer irgend eines Gauners geworden, oder es liege eine überaus fatale Verwechselung vor, deren Aufklärung unter Umständen erst vor Gericht erfolgen wird.

Feldgottesdienst während der Kaifenuanöver. Aus den Soldaten der Kasseler Garnison wird ein Sängerchor ge­bildet, welcher bei dem Feldgottesdienst die Gesänge auszu­führen hat. Der Musikdirigent des 83. Infanterie-Regi­ments, Albin Müller, ist mit der Leitung des Chores beauftragt worden.

Gemeindesteuern. In den sechs Städten des Groß- herzogthums, in welchen die Städteordnung eingeführt ist, gestaltet sich für das gegenwärtige Steuerjahr 1891/92 die communule Besteuerung folgendermaßen, wobei die betreffenden Ziffern des Steuerjahres 1890/91 in Klammern beigefügt sind:

Steucrsumme

Alzey 73 600^. 22,923 H ( 73 600«^mit 23,104 H) Darmstadt 994 596 25,0 ( 863500 22,906)

Gießen 317 584 25,5 ( 312632 25,5)

Mainz 1411212 25,5 (1360049 25,8)

Offenbach 510000 23,37828 ( 440000 20,947) Worms 350000 22,603 ( 320000 21,999)

Aus dieser Uebersicht geht hervor, daß Alzey bei gleichem Steuerbedars seinen Ausschlagscoöfficienten um eine Kleinigkeit herabsetzen konnte, Gießen und Mainz den vorjährigen Coefficienten beibehielten, während für Darmstadt, Offenbach und Worms eine Erhöhung desselben zu verzeichnen ist. Es ist von Interesse zu beobachten, daß in den Städten mit Städte­ordnung das Verhältniß der Communalbesteuerung dauernd immer ein annähernd gleiches bleibt. Der Unterschied zwischen dem höchsten Steuersatz (Mainz mit 25,8 Pf.) und dem niedrigsten (Worms mit 22,603 Pf.) beträgt nur ettoa 3,2 Pf. auf die Mark Steuercapital. Auch in den größeren Land­städten sind noch ziemlich gleichartige Communalsteuerverhältnisse vorhanden, selten sinkt dort der Steuersatz unter 20 Pfg., oder steigt über 30 Pf. Der Natur der Sache nach finden sich aber auf dem platten Lande die allergrößten Unterschiede auf diesem Gebiet. Es giebt viele Landgemeinden (besonders in Rheinhessen), die unter 10 Pf. auf die Mark Steuercapital an Communalsteuern erheben, dann kommen auch wieder, besonders in Oberhessen und im Odenwald, zahlreiche Ge­meinden mit Communalsteuern, von denen sich der Städter gar keinen Begriff macht. Ausschlagscoesficienten von 40-60 Pf., auch 70 Pf. und darüber, sind dort keine Seltenheit- die kleine Gemeinde Schmitten im Kreise Fried­berg muß sogar 91,326 Pfg. auf die Mark erheben und dürfte damit die verhältnißmäßig höchste Communalsteuer im Großherzogthum haben.

Merkeufritz (Kreis Büdingen), 5. August. In der Zeit vom 6. bis 30. Juli d. I. war bei Gastwirth Eißner eine Frankfurter Feriencolonie untergebracht, welche aus 18 Knaben im Alter von 9 bis 14 Jahren unter Führung des Herrn Lehrers Zimmermann bestand. Der Gesundheits­zustand der Knaben hat sich durch den Aufenthalt beträchtlich gehoben.

Sauer-Schwabenheim, 5. August. Gestern schlug hier der Blitz in einen Kirschbaum ein, auf dem kurz vorher nicht weniger als fünf Männer Kirschen gepflückt hatten. Der Baum wurde ganz zerstört.

-6- Büdingen, 6. August. Der Zimmergeselle Johannes Eise von Lich, welcher bei dem Aufschlagen des Gebälks des mehrere Stockwerke hohen Schäser'schen Fabrikgebäudes thätig war, stürzte heute in einer Höhe von etwa 14 Metern vom Bau herab, wobei er so schwer verletzt wurde, daß er sofort in das hiesige Spital verbracht werden mußte. Der Verunglückte soll mehrere Minuten vor dem Sturze gar nicht beschäftigt gewesen sein, sondern ruhig auf einem Bretter- gerüfte gestanden haben, sodaß die Vermuthung nahe liegt, daß er plötzlich von einem Schwindel befallen worden ist.

Mainz, 6. August. Die ständig steigenden Fleisch­preise haben hier eine bedeutende Abnahme des Fleisch­consums herbeigeführt. Bei erheblicher Steigerung des Bevölkerungsstandes wurden im verfloffenen Jahre hier ge­schlachtet: 9606 Stück Großvieh (im Jahre 1889 10 077) 18832 Stück Kleinvieh (im Jahre 1889 20968), 28191 Schweine (im Jahre 1889 28191). Schon im Jahre 1889 war gegen das Vorjahr ein bedeutender Rückgang zu bemerken jedoch war das Verhältniß weniger ungünstig wie im ver­flossenen Jahre.

A AuS dem Großherzogthum Heffe», 6. August. Wie dasMainzer Journal" mittheilt, erregen an der Bergstraße Untersuchungen wegen Be stehens geheimerBer- bin düngen unter den Gymnasiasten des Bensheimer Gym­nasiums großes Aufsehen.

* Worms, 6. August. Bon einem namenlosen Unglück wurde die hier lebende Familie B. heimgesucht. Deren Sohn, welcher zu einer 8wöchigen Uebung nach Darm­stadt einberufen war, nahm sich dieses so sehr zu Herzen, daß er einen Selbstmord beging, indem er sich bei Darmstadt von einem Eisenbahnzug überfahren ließ. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, daß seine Ersparnisse, welche er sich gemacht, bei dieser Gelegenheit wieder draufgingen. Als bescheidener junger Mann wurde er überall geachtet und geehrt. Ge­nannter Familie wurde schon früher eine Tochter vergiftet, während vor nicht langer Zeit ein Sohn, welcher zu der Heilsarmee übertrat, bei einem Bekehrungsversuch in Berlin unter eine Schaar brutaler Burschen gerieth, die ihn der­maßen zurichteten, daß er länger als ein halbes Jahr auf dem Krankenlager zubringen mußte. Außerdem besitzt die Familie noch eine Tochter, welche als barmherzige Schwester nach Afrika ging und seitdem als verschollen gilt.

Vermijd?tcs*

* Frankfurt a. M., 5. August. Wir haben in Nr. 179 eine Mittheilung darüber gebracht, wie stark am letzten 20-Pfennigtag die Zahl der Besucher der Sehenswürdigkeiten des Ausstellungsplatzes, wofür Eintritt zu entrichten ist, war- heute lassen wir eine Zusammen stellung des Consums in den Restaurationen der Ausstellung am letzten Sonntag folgen. Es wurden getrunken und gegessen im Münchener Bürgerbräu 61 Hectoliter Bier (a Liter 60 Pf.), 9000Stück Würstchen mit Kraut (ä 30 Pfg.), 1% Center Schinken, 30 Gänse, 25 Hühner rc., in der Pfungstädter Bier­halle 60 Hectoliter Bier (ä Liter 50 Pf.), 400 Würste, 300 Laib Brod, 1000 Brödchen, 109 Pfund Schinken, 40 Pfund Käse rc., in der Volksbierhalle 68 Hectoliter Bier (ä Liter 40 Pf.), 2500 Würstchen, 2100 Schinken- brödchen, 700 Laib Brod, etwa 5 Gentner verschiedenes Fleisch, in der Freyeisen'schen Aepselweinhalle13 Hecto­liter Aepfelwein, 115 Pfund Schinken, 1 Center Wurst, 60 Laib Brod, 2000 Eier. Vorn Sauerbrunnenliqueur wurden über 2000 Glas ausgeschenkt. Bei Fromm, in der Czarda, Kalifornischen Weinstube, großen Restauration, Main- Restauration, bei Bernhard auf dem Tatzelwurm war von Nachmittags 3 Uhr an kein freies Plätzchen mehr, bei Bols nicht anzukommen, die American-Bar stets dicht besetzt. Im Cas6 Milani wurden an 9000 Tassen Kaffee getrunken und dabei noch 9 Hectoliter Pilsener Bier verzapft, 1000 Portionen Eis abgegeben und 600 belegte Brödchen gegessen. Die Dampfmolkerei in der Vertheilungshalle, die zwei Stunden in Thätigkeit war, gab in dieser Zeit 400 GlaS Milch ab. Der rauchende Theil des Publikums versorgte sich in der tzolz'schen Cigarrenhandlung mit ca. 10000 Cigarren.

* Marburg, 4. August. Ein Heirathsschwindler und Hochstabler schlimmster Sorte, der die verschiedensten Gegenden Deutschlands unsicher gemacht, erhielt von der hiesigen Strafkammer den Lohn für seine Schwindeleien. Es ist der frühere Maschinenmeister W. Hoffmann aus Dresden­er hat es fertig gebracht, sich mit sechs jungen Mädchen zu gleicher Zeit zu verloben, ohne eine zu heirathen, denn er hatte es weniger auf die Herzen als auf den Geldbeutel feiner Schönen abgesehen. H. ist noch dazu verheirathet, aber ein Mann in den dreißiger Jahren und mit äußeren Vor­zügen ausgestattet. Im August 1888 verlobte er sich mit einem jungen Mädchen in Hamburg, die aus Kirchhain in Hessen gebürtig war uud ihren lustigen Bräutigam mit zu ihrem Vater, einem Landwirth, nahm. Von seinem zukünf­tigen Schwäger erschwindelte er sich nun unter einer Reihe salscher Vorspiegelungen 115 Mk. undverduftete" damit. Jetzt entdeckte man auch, daß derBräutigam" Kisten und Koffer durchwühlt und außerdem noch 20 Mk. der Braut entwendet hatte. Daraus tauchte H. in Berlin auf und ver­stand es alsbald, das Herz einer vertrauensseligen Köchin zu gewinnen, welche ihm zur angeblichen Herrichtung des trau­lichen Heims der Hochzeitstag war bereits angesetzt ihre Ersparnisse im Gesammtbetrage von 700 Mk. anver- traute, aber weder denBräutigam" noch ihr Geld jemals wiedersah. Zur selben Zeit verlobte er sich auch unter der Maske eines Wachtmeisters mit einem anderen jungen Mädchen, das gern Frau Wachtmeisterin werden wollte, und ihrem Bräutigam" das Sparkassenbuch über 245 Mk. aushändigte. Selbstredend verschwand H. auch dieser Geliebten alsbald aus den Augen. Wenige Tage später hatte derselbe es fertig gebracht, in Berlin, Dresden und anderen Orten mit noch brei weiteren jungen Mädchen, die in dienender Stellung tnaren und sich einen hübschen Heller Geld erspart hatten, in intime Beziehungen zu treten und sich mit ihnen zu verloben, worauf er ihnen ihre sämmtlichen Ersparnisse von 200, 250 unt) 750 Mk. ab schwindelte. Den Hochzeitstag hatte er, um öie heirathslustigen Mädchen sicher zu machen, stets anberaumt unfc zwar in allen sechs Fällen auf einen Tag. Hoffmann wurde insgesammt zu sechs Jahren Zuchthaus und 1200 Mk. Geldstrafe oder weitere 80 Tage Zuchthaus, sowie 6jähriqem Ehrverlust verurtheilt.

* Berlin, 6. August. Das städtische Familien­obdach ist gegenwärtig gegenüber dem Besuch der Vorjahre überfüllt, was insbesondere um diese Jahreszeit eine unge­wöhnliche Erscheinung ist. Während sich daselbst am l.Juli d. I. 129 Familien mit 509 Personen, darunter 27 Säuglinge, und 60 einzelne Personen befanden, belief sich die Zahl der Familien am 1. August noch immer auf 108 mit 402 Per­sonen, darunter 28 Säuglinge und die Zahl der einzelnen Personen auf 70. Das Asyl für nächtliche Obdach­lose benutzten im Laufe des Monats Juli 11 247 Personen, und zwar 10242 Männer und 1005 Frauen. Von diesen Personen wurden 7 dem Krankenhause Friedrichshain, 65 bent