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Rr. 182

Samstag den 8. August

1891

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Gratisbeilage: Gießener JamikimLlätter. [

Abnahme ton Anzeige» zu der Nachmittags für den ratg-vtzm Lag erfcheinendeu Nummer bis Bor«. 10 llhr,

da Deutschland und Oesterreich der Schweiz keine weiteren Concessionen machen wollen, weil sie meinen, daß die erhöhten Zolltarise im neuen schweizerischen Tarife vom Volke durch ein Reserendum verworfen werden würden, so daß die alten niedrigen Sätze in Geltung blieben. Der Abbruch der Ver­handlungen hatte zur Folge, daß Deutschland, Oesterreich und die Schweiz die Verhandlungen mit Italien nicht in Bern, wie anfangs beabsichtigt gewesen, sondern in einer deutschen Stadt, vielleicht München, wieder ausnehmen werden. Ge­meinsame Verhandlungen bezüglich der Handelsverträge Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz gegenüber Italien waren niemals in Aussicht genommen. Die Ver­handlungen mit Italien werden jetzt nur gemeinsam von Deutschland und Oesterreich-Ungarn betrieben und besteht sowohl in Berlin, als in Wien und Rom die Absicht, den Beginn derselben möglichst zu beschleunigen.

BierMjätzngcr

2 Mar? 20 Plg. wft Brmgcrloyn.

Durch die Post bezog«

2 Mark 50 Pfg-

«edictiov, Expedttt« und Druderei:

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Ferujprccher 51.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. August. Der Abschluß der ungemein wichtigen Handelsverträge zwischen Deutschland, Oester­reich-Ungarn und der Schweiz ist leider in letzter Zeit in Stockung gerathen. In den Verhandlungen der deutschen, österreichisch-ungarischen und schweizerischen Delegrrten betreffs des Abschlusses ejpes Handelsvertrages haben sich, wie aus Wien gemeldet wird, in neuester Zeit so bedeutende Schwierigkeiten ergeben, daß es fraglich ist, ob in diesem Monat eine Verständigung überhaupt erzielt werden kann, umsomehr, als im Hinblick auf die in kurzer Zeit mit Italien auszunehmenden Verhandlungen über den Abschluß eines Vertrages mit der Schweiz ein nur verhältnißmäßig kurzer Zeitraum verfügbar ist. Die Handelsvertragsverhandlungen mit der Schweiz sind inzwischen vorläufig abgebrochen worden,

Gießen, den 6. August 1891.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die «rotzh. Bürgermeistereien des Kreiser.

Soweit nach vorstehender Bekanntmachung Ihre Gemark­ungen voraussichtlich von den diesjährigen Truppenübungen berührt werden, wollen Sie diese Bekanntmachung alsbald in ortsüblicher Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen.

Zugleich beauftragen wir Sie, Ihren Polizeibediensteten und Flurschützen ganz besonders die Ueberwachung des Publi­kums auf den Uebungsfeldern und bei den Biwaks zur Pflicht zu machen, damit Flurbeschädigungen durch dasselbe möglichst vermieden werden. Durch Zuschauer verursachte Schäden werden aus der Militärkaffe bekanntlich nicht ersetzt.

I. V.: Jost.

Ae«efte Nachrichten.

WolsiS trlegraphisch-S Lorrcspoudmz-Bnrcau.

Berlin, 6. August. Das gestern Abend zu Ehren der Chicagoer Weltalls st ellungs-Commissare von Herrn v. Boetticher gegebene Diner nahm unter der Theilnahme des Reichskanzlers einen glänzenden Verlauf. Die Commiffare sprachen wiederholt ihren Dank für den überaus herzlichen Empfang aus. Heute Vormittag erfolgte der Abschluß der Verhandlungen durch den Austausch der nöthigen Schriftstücke. Der Reichscommiffar Wermuth geleitete die nach Frankfurt reisenden Commiffare zum Bahnhose.

Breme«, 6. August. DerNorddeutsche Lloyd" beab­sichtigt zwischen Newyork und Genua eine Passa­gierfahrt zu errichten. Der SchnelldampferFulda" geht am 25. October als erster Dampfer direct von Newyork nach Genua. Die Fahrten sollen zunächst monatlich einmal, wenn erfolgreich, zweimal stattfinden.

«chen, 6. August. Osficieller Saatenbericht für Gesammtbayern für den Monat Juli: Wintergetreide gut entwickelt, Sommergetreide durchgängig gut, vielfach hat sich die Ernte verschlechtert und verzögert infolge Regenfülle. Der zweite Kleeschnitt und Wiesenwuchs verspricht den ersten noch zu übertreffen, der Gerstenschnitt befriedigt, Hafer recht gut, Hopfen bisher gut, Hülsenfrüchte und Futterrüben werden gelobt, Kartoffeln stehen unregelmäßig, in trockenen Lagen gut, die Frühkartoffeln sind angesault. Der Weinbergstand ift etwas zurück, der Fruchtansatz gering, Obst reichlich.

Bellinzona, 6. August. Infolge der in den letzten Tagen gefallenen Gewitterregen trat zwischenOsogna und Claro der Gebirgsbach aus, sodaß der Verkehr auf der Gotthard- bahn letzte Nacht unterbrochen wurde und ein Umladen der Züge erforderlich war. Seit heute Morgen ist die Ver­bindung wieder hergestellt. Der verursachte Schaden ist un­bedeutend.

Stavanger, 6. August. DieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist heute Abend im hiesigen Hasen ein­getroffen. .

Paris, 6. August. Car not wird auf seiner Reste zur Truppenschau, welche die großen Manöver abschließt, Reims, Chalons, Epernay und Vitry besuchen.

Cherbourg, 6. August. Dem Maire ging ein Tele­gramm des russischen Kaisers, datirt Wilmanstrand, 5. August, zu, worin derselbe für das anläßlich des Namens- sestes der Kaiserin übersandte Glückwunsch-Telegramm wärmstens dankt.

Loudon, 6. August. Die deutsche Katserin und die Prinzen haben gestern Abend Felixstowe verlassen und sind nach Vlissingen gefahren. ,

Moskau, 6. August. Admiral Gervais, ]oroie^ die übrigen französischen Offiziere und Unteroffiziere sind Zistern hier eingetroffen und vom Bürgermeister, dem französischen Generalkonsul und städtischen Delegirten empfangen worden. Der Bürgermeister richtete eine Ansprache an Gervais, welcher daraus dankte. Die Gäste begaben sich dann in vierspännigen Wagen nach dem HotelSlawjanskij-Bazar", wo ein Empfang der französischen Colonie stattfand. Von Seiten der Stadt wurden dem Admiral Gervais ein Album mit Ansichten vom Kreml und anderen Theilen Moskaus überreicht. Das Dejeuner sand imSlawjanskij-Bazar" statt und später wurden der Kreml und die centralasiatische Ausstellung besucht. Am Abend war Diner und Illumination.

Moskau, 6. August. Auf dem gestrigen Drner zu Ehren der französischen Offiziere toastete der Gouverneur auf das Kaiserpaar, das Stadthaupt auf den Präsidenten Carnot und Frankreich. Gervais brachte em Hoch aus das Kaiserpaar, das Kaiserhaus und bie Stadt

Warum die Eisenbahnunsälle zunehmen.

Von einer an der Spitze einer österreichen Privar-Effen- bahn - Unternehmung stehenden Persönlichkeit, die auch dem Parlamente angehört (Generaldirector Sochor), geht der Zeitschrift für Eisenbahnen und Dampfschifffahrt" nach­stehende interefsante Darlegung über Eisenbahnunfälle zu. Warum die Eisenbahnunfälle zunehmen? Nach Zahl und Umfang! Diese Frage schwebt aus so vielen Lippen, daß der Versuch einer Antwort wohl entschuldbar erscheint. Sie ist kurz und Niemand dürfte sich wohl da­gegen erheben: Die Sicherheit auf Eisenbahnen steht im geraden Verhältnisse zu dem Ansehen, in dem die Qualität der Dienstleistung steht. So lange das Eisenbahnwesen jung war, wurde auf die Qualität der Dienstleistung oben und unten der allergrößte Werth gelegt. Die Unvollkommenheit der Hilfsmittel zwang dazu- die Tüchtigkeit des Individuums mußte diese Unvollkommenheit ersetzen und deßhalb bemühte man sich, zu jedem einzelnen Dienstzweige die specifisch Ge­eigneten zu wählen und sie in geeigneter Weise in dem be­treffenden Dienste zu erziehen. Und daraus kommt es in der That an. Seit Locomotiven und Schienenweg erfunden stud, ist, außer auf dem Gebiete des Signalwesens, eigentlich doch keine durchgreifende Erfindung im Eisenbahnwesen gemacht worden- Alles sollte sich demnach um die Vertiefung der einzelnen Dienstzweige drehen, denn die Kunst aller Ver­waltung beruht eben auf der Entwickelung der individuellen Dienstleistung. Im Lause der Zeiten hat sich das jedoch wesentlich geändert, und zwar sowohl oben als auch unten.

Der

«scheint täglich, it LuLnahwe btf Montags.

Gießener

e*tn dem Anzeiger »Acheattich bttimel deigelrgt.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

Moskau aus und bedauerte, daß Carnot nicht Zeuge des Empfanges der französischen Seeleute sein könne. Zugleich sprach er seinen tiefgefühlten Dank für den herzlichen Empfang aus und schloß mit den Worten:Auf Sie und uns ist jetzt die Aufmerksamkeit der ganzen Welt gerichtet. Ich trinke aus das heilige Moskau, das erhabene russische Volk und seinen Czaren." General Tschernajew erwiderte:Die Ge­schichte näherte uns einander, wir sind Freunde, ich trinke aus Frankreich, seine Armee und Flotte." Gervais ant­wortete nochmals:Durch Unglück belehrt, sammle Frankreich seine Kräfte, jedoch stark durch Einigkeit und die Freund­schaft mit dem großen Monarchen blicke es voll Zuversicht in die Zukunft." Heute besuchten die französischen Offiziere die Erlöserkirche, den Neßkuschnyjgarten, wohnten einem Trabrennen bei und dinirten dann bei dem französischen Generalconsul. Die Abreise erfolgt Abends 11 Uhr nach Petersburg. Großfürst Sergius erhielt den Orden der Ehrenlegion.

Newyork, 6. August. Bei Port Byron, Station der West-Shore-Eisenbahn im Staate Newyork, sand heute früh ein Zusammenstoß eines Güterzuges mit einem Schnell­zuge statt. Els Personen sollen getödtet, 19 verwundet sein. Die Mehrzahl der Getödteten und Verwundeten.sind italienische Arbeiter. _____________

Depeschen deSBureau Herold".

Berlin, 5. August. Nach derNat.-Ztg." findet die Einberufung des Reichstags vor derjenigen des Land­tags, voraussichtlich im November, statt. Man nimmt an, daß die Berathung des Handelsvertrags in den österreichischen uni; ungarischen Parlamenten früher als im deutschen Reichs­tage erfolgen wird.

Berlin, 6. August. Eine Broschüre:Gieb uns Brod, Kaiser!" von Florian Geyer, dem bekannten Conservativen, wurde heute in sämmtlichen Buchhandlungen confiscirt. Der Inhalt der Broschüre bezieht sich auf die herrschende Nothlage, von welcher der Kaiser durch den ihn herumführenden Geist keine Kenntniß erhält.

Berlin, 6. August. DemBerl. Tageblatt" wird auS Bern gemeldet, der Bundesrath habe den unabänderlichen Entschluß gefaßt, an Deutschland und Oesterreich keine neuen Zollermäßigungen zu gewähren.

Wien, 6. August. Zwischen den Stationen Brenner und Gries der Brennerbahn ist in Folge eines starken Erd­rutsches der Verkehr vollständig unterbrochen.

Der Curort Sanct Moritz im Ober-Engadin ist seit einigen Tagen ganz eingeschneit.

Kalamazoo (Staat Michigan), 6. August. Em von Chicago kommender Zug siel von einer 30 Fuß hohen Rampe herunter. Von 73 im Zuge befindlichen Passagieren wurden 13 schwer verletzt. Die übrigen entkamen aus wunder­bare Weise dem Tode.

Warschau, 6. August. Ein Tagesbefehl des Polizei­ministers verfügte die sofortige Ausweisung von 120 Aus­ländern, meist Preußen und Oesterreichern.

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Amtlicher Theil.

Gießen, den 6. August 1891. Betr.: Vorspanngestellung während der Herbstübungen 1891. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an -re Grotzh. Bürgermeistereien -e- Kreise-.

Diejenigen Gemeinden des Kreises, welche während der diesjährigen Herbstübungen Einquartierung erhalten, haben auch den Anforderungen der Truppen bezüglrch der Stellung von Vorspann zur Anfuhr der Lebensrnittel rc. aus den Ma­gazinen nach den Quartierorten stattzugeben.

Der Vorfpannbedars wird sich hauptsächlich auf die Fuhrwerke beschränken, welche zum Abholen der Fourage aus den Empfangsstellen Gießen und Grünberg nothwendrg sind. Vom 28. August an werden außerdem noch die zum Abholen der Lebensmittel erforderlichen Wagen regumrt werden.

Die Truppentheile werden den Bedarf recht­zeitig bei den betreffenden Bürgermeistereien an­melden. _ r . <

Ueber die Stellung dieses Vorspanns werden von den Truppen Quittungen ertheilt, welche baldigst zum Zweck der Liquidation der Vergütungen hierher einzusenden sind.

Wir fügen noch bei, daß pro Tag für ein einspänni­ges Fuhrwerk 8 JC, für ein zweispärmiges Fuhrwerk 12 JL 50 und für einen halben Tag (bis zu 6 Stunden) die Hälfte dieser Sätze gezahlt werden wird.

________________ I. V.: Jost.______________________

Bekanntmachung,

die Herbstübungen der Großh. 25. Division betreffend.

Zu Beginn nächster Woche, wahrscheinlich am ll.d.M., werden auseinem zwischen Gießen und Lollar ausgewählten Gelände die Exerzitien der Infanterie-Regimenter 115 und 116 voraussichtlich ihren Anfang nehmen und es wird sodann die 49. Infanterie - Brigade in der Zeit vom 20. bis 25. l. M. auf dem betr. Feld exerzieren. Sodann finden in der Zeit vom 28. bis 31. l. M. Brigade-Manöver in der Gegend von Grünberg statt. .

Zur thunlichsten Vermeidung von Flurschaden m Folge der Hebungen ergeht hierdurch an die Grundbesitzer die Auf­forderung, ihre Grundstücke noch vor Beginn der Exerzitien bezw. Manöver, soweit dies überhaupt möglich ist, abzuernten und diejenigen Grundstücke, welche während der Hebungen noch mit Früchten bestanden sind, durch Anbringen von Strohwischen schon von Weitem erkenntlich zu machen.

Gießen, den 6. August 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Jost.